Mann liegt depressiv im Bett

Depressionen – Schweregrad und Verlauf

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Depressionen und depressive Störungen sind Volkskrankheiten, deren Häufigkeit und Schwere sehr oft unterschätzt werden. Dabei erkranken laut Bundesgesundheitsministerium bis zu 20 von 100 Menschen mindestens einmal in ihrem Leben an einer Depression. Die vielen Facetten der Depression machen sie allerdings schwer als Krankheitsbild greifbar. Woran erkennt man also eine depressive Störung, wie wird sie festgestellt und welche Unterschiede zeigen sich in verschiedenen Altersgruppen?

Was versteht man unter einer Depression?

Bei einer Depression wird unsere Stimmung, wie aus dem Lateinischen abgeleitet, niedergedrückt oder herabgezogen. Eine Interessen- und Antriebslosigkeit paart sich mit verminderter Leistungsfähigkeit und einer grundsätzlich veränderten Stimmungslage. In manchen Fällen treten Depressionen als gesondertes Ereignis auf. Aber auch längere Episoden oder wiederkehrende Depressionen sind möglich. In diesen Fällen sehen sich Betroffene häufig vor der Herausforderung, ihr alltägliches Leben und berufliche Anforderungen mit der Belastung der Depression zu meistern. Diesen Verpflichtungen unter Einfluss der psychischen Herausforderung einer Depression nachzukommen, kann wie eine untragbare Bürde erscheinen. Im schlimmsten Fall entwickelt sich aus einer Depression eine Suizidgefahr.

Gesellschaftliche Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen, wie auch der Depression, belasten Betroffene zusätzlich. Milde Formen der Depressionen können teilweise ohne Medikamente behandelt werden. Bei mittleren oder schweren Fällen wird eine medikamentöse Unterstützung in Verbindung mit einer professionellen Therapie notwendig.

Wie häufig kommen Depressionen vor?

Mit 5,3 Millionen Neuerkrankungen unter Erwachsenen in Deutschland innerhalb eines Jahres ist die Depression eine sehr präsente psychische Erkrankung. Bei 25-40% der Betroffenen tritt die depressive Phase einmalig auf. 10-15% der Erkrankten leiden allerdings unter chronischen Verläufen. Depressionen kommen in jedem Alter vor, sind aber bei älteren Menschen wahrscheinlicher als bei jungen. Auch sind Frauen häufiger betroffen als Männer.

Ursachen von Depressionen

Die Vielfältigkeit der Ursachen führt häufig dazu, dass verschiedene Faktoren an der Entwicklung einer Depression beteiligt sind. Es gibt aber auch schwerwiegende Einmalereignisse, die einen starken Einfluss auf die Betroffenen haben und eine Depression als direkte Folge auslösen können. Die genauen Auslöser sind für jeden Betroffenen individuell. Für einige ist es eine Anhäufung an Belastungen, die im Laufe der Zeit zunimmt und irgendwann nicht mehr zu bewältigen ist. Auch traumatische Erfahrungen aus der Kindheit und genetische Faktoren spielen eine Rolle, ob und wie schnell ein Mensch depressiv wird. Depressionen sind also nicht rein an körperlichen oder psychosozialen Ursachen festzumachen. Beide Faktoren ergänzen sich und müssen gemeinsam untersucht werden, um die jeweils individuelle Ursache für eine Depression bei den Erkrankten herauszuarbeiten. 

Folgende Ursachen können eine Depression begünstigen:

Ob diese Ursachen zu einer Depression führen oder nicht ist auch abhängig davon, wie stabil anderweitige äußere und innere Ressourcen der Betroffenen sind. Die Möglichkeit, aus Lebenskraft, Lebensfreude und dem eigenen Optimismus zu schöpfen oder auch von Familie und Freunden unterstützt zu werden, schützt unter gewissen Bedingungen vor depressiven Störungen. Fallen allerdings eine oder mehrere dieser Ressourcen zusätzlich zu den belastenden Ereignissen oder Ursachen weg, wird eine Belastung und die Entwicklung einer Depression wahrscheinlicher. Nicht nur negative Ereignisse begünstigen Depressionen. Auch positive, aber dafür stark lebensverändernde Ereignisse können Depressionen auslösen. 

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Corona und Depressionen

Die Corona Pandemie hat einen starken Einfluss auf die Entwicklung und auch Behandlung von Depressionen weltweit genommen. Bereits die Sorge, die sich mit Blick auf die Corona Entwicklungen ergab, schlug sich besonders auf die Situation der bereits depressiven Menschen in Deutschland nieder. Laut der Deutschen Depressionshilfe fiel bei jedem zweiten Erkrankten die Behandlung aufgrund von Corona aus. Vor allem Maßnahmen, wie verlängerte Lockdowns, verschlechterten den Krankheitsverlauf und die Versorgung von psychisch Erkrankten enorm. Fast die Hälfte der Patienten nahm im 2. Lockdown eine Verschlechterung ihrer Depression, bis hin zu Suizidversuchen, wahr. Auch Behandlungstermine wurden durch die Corona Pandemie zur Mangelware. Mehr als jeder fünfte Patient wartet auf einen Behandlungstermin.

Fehlende soziale Kontakte, Bewegungsmangel und eine fehlende Tagesstruktur sowie verlängerte Bettzeiten wirkten sich zusätzlich negativ auf Betroffene aus. 44% der mit Depression diagnostizierten Betroffenen gaben an, dass sich Ihre Erkrankung durch Corona verschlechtert habe. 8% berichteten von Suizidgedanken oder suizidalen Impulsen. Doch auch die Allgemeinbevölkerung nahm besonders den 2. Lockdown der Corona Pandemie als noch belastender wahr.


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Symptome einer Depression

Depressionen oder depressive Störungen werden häufig erst spät erkannt. Viele Betroffene übergehen eventuelle Symptome und tun Veränderungen im Verhalten als phasenbedingt ab. Deswegen sind Freunde und Familie oftmals eine große Hilfe, um auf erste Symptome einer Depression hinzuweisen. Zu den Hauptsymptomen bei einer Depression gehören:

  • gedrückte Stimmung
  • Interessen- und Freudlosigkeit
  • sowie Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit

Depressionen sind oft geprägt von einer niedergeschlagenen Stimmung oder auch einer gewissen Leere der Betroffenen. Es ist häufig weniger eine übermäßige Traurigkeit als vielmehr die Unfähigkeit, eigene Gefühle wahrnehmen zu können. Auch das Desinteresse an früher beliebten und bedeutsamen Aktivitäten ist ein wichtiges Merkmal der Depression. Was zuvor Begeisterung und Leidenschaft auslöste, wird nun freudlos ausgeführt oder gar ganz aufgegeben. Die Antriebslosigkeit zeigt sich nicht nur bei größeren Verpflichtungen, sondern auch bei alltäglichen Aufgaben. Betroffene fühlen sich bereits von simplen Aufgaben wie Einkaufen oder Aufräumen überfordert. Erkrankte wirken kraftlos, ihre Gesichtsausdrücke versteinert. Auch die Entscheidungsfreudigkeit lässt nach.

Weitere Zusatzsymptome/ Nebensymptome äußern sich beispielsweise durch:

  • Verringerte Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit
  • Verringertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Schuldgefühle
  • Pessimistische Zukunftsaussichten
  • Suizidgedanken oder -handlungen
  • Schlafstörungen
  • Appetitsverlust

Diagnose einer Depression

Hinweise auf das eigene Befinden gibt beispielsweise der WHO-5-Fragebogen zum Wohlbefinden. Auch die Allgemeine Depressionsskala (ADS) kann als Richtwert für eine erste Selbsteinschätzung hinzugezogen werden. Wenn eine Veränderung in Stimmung und Antriebsfreude wahrgenommen wird und Hinweise aus Selbsttests auf eine gefährdete mentale Stabilität deuten, sollte eine Fachkonsultation durch einen psychologischen Psychotherapeuten oder einen Psychiater erfolgen. Dieser erhebt einen psychopathologischen Befund und erfasst den bisherigen Krankheitsverlauf. Auf dieser Basis wird eine abschließende Diagnose erstellt.

Die Vielfalt der Ursachen und Symptome hilft bei der Diagnose einer Depression. Je nach Ausprägung und Anzahl der Symptome wird zwischen leichter, mittelgradiger und schwerer Depression unterschieden. Als Richtwert gilt: Wenn im Verlauf von zwei oder mehr Wochen mindestens zwei der drei Hauptsymptome und zusätzlich mindestens zwei Nebensymptome vorliegen, kann von einer Depression ausgegangen werden. Nicht immer sind alle Symptome vorhanden, auch die Schwere des Krankheitsbildes kann bei Betroffenen variieren. 

Der Schweregrad der diagnostizierten Depression hängt von der Anzahl der Haupt- und Nebensymptome ab:

Schweregrad einer Depression

 

Depression – Erkrankungsformen und Verlauf

Depression hat viele Gesichter. So entsteht bei manchen Betroffenen teilweise der Eindruck, dass sie sich auf dem Weg der Besserung befinden, bevor sie plötzlich wieder mitten in einer depressiven Phase stecken. Auch die Entstehung der Depressionen muss bei der Bestimmung der Erkrankungsform bedacht werden. Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Depressionen. Primäre Depressionen entstehen von sich aus, während sich eine sekundäre Depression als Folge eines medizinischen Krankheitsfaktors oder einer anderen psychischen Erkrankung entwickelt. Für eine bessere Umgangsweise mit der Erkrankung ist es wichtig, genau zu erfassen um welche Art von Depression es sich im individuellen Fall handelt. Nur so kann langfristig und vor allem vorausschauend die Depression behandelt oder Rückfälle vermieden werden.

Depressive Episode

Die Depressive Episode zeigt sich symptomatisch durch gedrückte Stimmung, Interessenverlust sowie Freud- und Antriebslosigkeit. Sie kommt in allen drei Schweregeraden vor, wobei mittelgradige und schwere Episoden auch psychotische Symptome, wie Wahnvorstellungen und Halluzinationen, mit sich tragen. Treten zwei oder mehrere depressive Episoden auf, spricht man von einer rezidivierenden gegenwärtigen depressiven Störung. Hält die depressive Episode allerdings nur wenige Tage an und ist dafür wiederkehrend, spricht man von einer rezidivierenden kurzen depressiven Störung. Die Wiederkehr der depressiven Episode verteilt sich in diesen Fällen meist einmal pro Monat über mindestens ein Jahr. Eine chronische Depression liegt vor, wenn eine depressive Episode länger als zwei Jahre ohne Besserung anhält.

Unipolare Depression

Treten im Laufe des Lebens mehrere depressive Episoden auf, spricht man von einer rezidivierenden unipolaren Depression. Dies ist die häufigste Diagnose bei Erkrankten. Abseits der auftretenden Episoden sind Betroffene in den meisten Fällen vollständig gesund. Dabei kann die Länge zwischen den depressiven Episoden unterschiedlich lang ausfallen. Durch Therapie und Selbsthilfemechanismen können Betroffene in vielen Fällen Rückfälle der depressiven Episoden vermeiden.

Bipolare Depression

Die bipolare affektive Störung wird häufig auch als „manisch-depressive Störung“ bezeichnet. Erkrankte erleben bei dieser Form der Depression sowohl depressive als auch manische, also übertrieben heitere, Phasen. In diesen Phasen besteht ein Ungleichgewicht der Emotionen. Zwischen den Phasen ist der Gemütszustand der Betroffenen wiederum häufig ausgeglichen.

Dysthemie

Die Dysthemie gehört zu den anhaltenden affektiven Störungen. Sie beschreibt eine chronische, mindestens zwei Jahre andauernde depressive Verstimmung mit weniger starken Symptomen. Neben der Dysthemie kann sich auch eine voll ausgeprägte depressive Episode entwickeln. Das gleichzeitige Auftreten einer Dysthemie und ausgeprägten depressiven Episode wird dann als doppelte Depression bezeichnet. Junge Erwachsene sind eher von Dysthemie betroffen. Im Alter sind sie meist Folge einer depressiven Episode oder einer großen psychischen Belastung, wie einem Trauerfall.

Atypische depressive Episode

Bei atypischen depressiven Episoden bleiben die positiven Emotionen und Reaktionen erhalten. Diese Eigenschaft macht die atypische depressive Episode schwer erkennbar. Allerdings führt diese Form der Depression in einigen Fällen zu Gewichtszunahme, höherem Schlafbedarf und verstärkter Sensibilität der Persönlichkeit.

Psychotische Depression

Es kann vorkommen, dass Menschen mit depressiven Störungen das Bewusstsein für die Realität verlieren. Sie erleiden eine Psychose, oft begleitet von Halluzinationen oder Wahnvorstellungen. Das Selbst wird dabei in Frage gestellt, teilweise kommt auch Verfolgungswahn hinzu. Erkrankte werden in einer solchen Phase teilweise paranoid, kapseln sich aus Misstrauen von ihrem Umfeld ab oder sehen sich selbst als Grund für schlimme Ereignisse oder gar die Krankheit anderer.

Depressionen bei Kindern und Jugendlichen

Die betitelte Volkskrankheit Depression macht auch bei Kindern und Jugendlichen nicht Halt. Sie ist sogar eine der häufigsten psychischen Erkrankungen in diesen Altersgruppen. Wenn jemand aus dem familiären Umfeld bereits an Depressionen leidet, besteht bei Kindern und Jugendlichen ein erhöhtes Risiko, selbst an Depressionen zu erkranken. Alle Schweregrade der Depression kommen vor. Allerdings unterscheiden sich die Symptome der Depression bei Kindern und Jugendlichen deutlich von denen der Erwachsenen. Bei einer Diagnose gelten jedoch die gleichen Kriterien wie bei Erwachsenen. In den meisten Fällen verläuft eine Depression bei Kindern und Jugendlichen kürzer als bei Erwachsenen. Die Chancen auf vollständige Erholung sind bei Kindern höher. Im Jugendalter kommt es hingegen häufiger als bei Erwachsenen zu Rückfällen. In vielen Fällen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die jugendlichen Betroffenen die Erkrankung mit ins Erwachsenenalter nehmen.

Es ist häufig schwierig, Depression bei Kindern und Jugendlichen eindeutig zu erkennen. Adoleszente Entwicklungen trüben das Bild, denn vorübergehende depressive Symptome sind häufig Teil der normalen Pubertät. Andere Verhaltensauffälligkeiten stehen bei Kindern und Jugendlichen häufig im Vordergrund. Gereiztheit und aufsässiges Verhalten fällt im Zusammenleben und in der Schule schneller auf, depressive Symptome werden vergleichsweise weniger beobachtet. Auch unterscheiden sich die Erscheinungsbilder der Depression bei Kindern und Jugendlichen enorm.

Symptome einer Depression bei Kindern und Jugendlichen

Je nach Alter und Entwicklungsstand unterscheiden sich die Merkmale und Symptome einer Depression. Im Kleinkindalter beobachtet man häufiges Weinen, erhöhte Reizbarkeit und Teilnahmslosigkeit. Schulkinder hingegen äußern sich bereits konkreter zu ihrer empfundenen Traurigkeit und Lustlosigkeit. Meist zeigen sich hier Konzentrations– und Gedächtnisprobleme sowie Zukunftsängste. Jugendliche entwickeln schon erwachsenenähnliche Symptome, leiden unter Stimmungsschwankungen und verlieren Antrieb und Interesse am Umfeld.

Unabhängig von Alter, Geschlecht oder Lebenssituation belasten und vereinnahmen Depressionen das Leben der Betroffenen. Selbsttests und aufmerksames Beobachten helfen, erste Warnzeichen besser zu deuten und aktiv einer weiteren Verschlechterung entgegenzuwirken. Eine professionelle Therapie ist vor allem bei schweren Verläufen, aber auch bei weniger schweren Episoden eine wichtige Hilfe.

Titelbild: © tommaso79/ iStock.com

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