Drei Jutebeutel mit Gemüse und Obst

Plastikfrei leben – Plastik im Alltag vermeiden

Plastik ist aus unserem Leben kaum mehr wegzudenken. Diverse Alltagsgegenstände bestehen ganz oder teilweise aus Plastik, andere wiederum enthalten Plastik – oftmals sogar ohne dass wir davon etwas wissen. Die negativen Auswirkungen unserer Plastikgesellschaft sind mittlerweile bekannt. Unsere Umwelt und Gesundheit sind gleichermaßen von dem Plastikkonsum betroffen. Doch in den meisten Fällen sind wir noch weit davon entfernt, plastikfrei leben zu können. So sehr hat sich das Material in unseren Alltag eingebettet. Wie kann also ein Leben ohne Plastik gelingen und warum ist es überhaupt so wichtig, Plastik zu vermeiden?

Warum plastikfrei leben?

Plastik verrottet nicht. Diese Eigenschaft wurde ursprünglich als Vorteil für die Verpackungsindustrie gesehen, zeigt sich aber nach dem Einmalnutzen als riesiger Nachteil. Vor allem in der Natur leidet die Tierwelt unter dem Plastikmüll. In den 1950er Jahren produzierten wir noch 1,5 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr. Mittlerweile sind es fast 400 Millionen Tonnen. Ein großer Teil des produzierten Plastiks landet früher oder später im Meer. Eine Katastrophe für das empfindliche Ökosystem. Laut dem Umweltprogramm der vereinten Nationen (UNEP) treiben auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche bis zu 18.000 Plastikteile unterschiedlichster Größe. Jährlich versterben bis zu 135.000 Meeressäuger und eine Million Meeresvögel an den Folgen von Plastikmüll.

Von Plastikmüll zu Mikroplastik

Mehr als 90 Prozent der Plastikabfälle versinken. Der meiste Plastikmüll wird also auf dem Meeresboden vermutet. Diese Plastikmassen zersetzen sich nur langsam und geben bei dem Prozess immer kleiner werdende Teile Plastik an die Umgebung ab. Dabei werden gefährliche Inhaltsstoffe freigesetzt, die durch die Tierwelt wieder aufgenommen werden. Wer gerne Meeresfrüchte und Fisch zu sich nimmt, bekommt zwangsläufig auch die Plastikbeilage in Form von Mikroplastik auf den Teller. Doch wir finden Mikroplastik auch in unserem Badezimmer und im Kosmetikschrank. Eine NABU-Studie zu Kosmetikprodukten und Putzmitteln stellte fest, dass deren Nutzung jährlich fast 1.000 Tonnen Mikroplastik in das Abwassersystem leitet.

Einwegplastik und Recyclingquote

Allein in Europa werden jedes Jahr Millionen Tonnen Plastik nach einmaligem Gebrauch weggeworfen. In Deutschland werden stündlich rund 2 Millionen Einweg-Plastikflaschen verbraucht. Das sind täglich 47 Millionen Plastikflaschen, im Schnitt verbrauchen die Deutschen jährlich 210 Einweg-Plastikflaschen pro Kopf. Ähnliches zeigt der Verbrauch der Einweg-Becher. Allein in Deutschland werden stündlich rund 320.000 Einweg-Becher für heiße Getränke verbraucht – davon sind laut Bundesumweltministerium bis zu 140.000 To-Go-Becher. Recycling soll helfen, die Plastikflut einzudämmen. Allerdings hakt es bei dem Kunststoffrecycling. In Deutschland wurde in den vergangenen Jahren nur etwas mehr als die Hälfte der Abfälle durch Kunststoffverpackungen recycelt. Im letzten Jahrzehnt stagnierte die Recyclingquote, meistens lag sie unter 50 Prozent. 

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Maßnahmen gegen Plastik

Auch der Politik ist das Plastikproblem bewusst. Erst seit dem 3. Juli 2021 gilt das Einwegplastik-Verbot. Die Europäische Union (EU) beschloss das Verbot von Einwegplastik und Styroporprodukten, um die Nutzung von Wegwerfartikeln aus Kunststoff zu reduzieren. Auch Produkte, die anderweitig ersetzt werden können, sind von dem Einwegplastik-Verbot betroffen. Dazu gehören vor allem Plastikgeschirr und Plastikbesteck sowie Verpackungen für warme Speisen und Getränke. Allerdings gilt das Einwegplastik-Verbot auch für kompostierbare und bio-basierte Kunststoffprodukte. Alle Mitgliedstaaten der EU haben sich an dieses Einwegplastik-Verbot zu halten. Folgende Plastikprodukte sind von dem Verbot betroffen:

  • Plastikgeschirr
  • Plastikbesteck
  • Plastik-Trinkhalme
  • Kunststoff-Wattestäbchen
  • Trinkbecher aus Styropor
  • Verpackungen für warme Speisen aus Polystyrol bzw. Styropor

Politik gegen Plastik

Das Einwegplastik-Verbot stellt nur eine der Maßnahmen zur Plastikeindämmung durch die Politik dar. Es sind weitere Maßnahmen für die kommenden Jahre geplant, die die Plastikproblematik weiter bekämpfen sollen. Kunststofftragetaschen im Handel werden ab Januar 2022 der Vergangenheit angehören. Händler dürfen diese Plastiktaschen dann nicht mehr an Kunden herausgeben. Auch Verbraucher sollen besser über ihre Plastikentscheidungen aufmerksam gemacht werden. Entsprechende Markierungen auf Einweg- oder Mehrwegflaschen sollen für nachhaltigere Kaufentscheidungen sorgen. Ab Januar 2022 gilt für fast alle Getränke in Einwegverpackungen aus PET und Dosen die Pfandpflicht. Für 2024 ist eine Erweiterung der Pfandpflicht auf Plastikflaschen mit Milchgetränken vorgesehen. Mindestens 25 Prozent Recycling-Plastik wird ab 2025 bei PET-Einweg-Getränkeflaschen verpflichtend.

Plastikfrei leben – so gelingt es

Dass in der Gesellschaft und auch in der Politik ein Umdenken zu Plastikkonsum und Plastikproduktion stattfindet, ist lobenswert. Doch was können wir heute tun, um Plastik zu vermeiden oder gar ganz auf Plastik zu verzichten?

Es lohnt sich bereits, überflüssige Einwegprodukte aus dem Alltag zu verbannen. Auch das unverpackte Einkaufen kann einen bedeutenden Unterschied machen. In den meisten Supermärkten und Discountern ist die Anzahl der in Plastik verpackten Lebensmittel noch höher als die der unverpackten. Hier lohnt sich die Suche nach einem Unverpackt-Laden. Mitgebrachte Behälter können einfach befüllt werden, die Plastikverpackung entfällt dabei. Eine Alternative sind Wochenmärkte, die traditionell in den meisten Fällen auf Plastik verzichten. Loses Obst und Gemüse kann dabei in einer mehrfach verwendbaren, plastikfreien Tragetasche verstaut werden.

In einem Restaurant zu essen, statt sich von dort Essen liefern zu lassen oder „To-Go“ mitzunehmen, ist ebenso eine sinnvolle Entscheidung, um Verpackungsmüll zu vermeiden. Doch auch andere persönliche Gewohnheiten haben einen Effekt auf unseren Plastikverbrauch.

Plastikfreie Körperpflege

Mikroplastik in Kosmetika wie Duschgels, Shampoos und Cremes. Dazu kommt der Verpackungsmüll. Unsere Badezimmer sind kleine Plastikmagnete, jedes Produkt kommt mit einer eigenen Verpackung. Die Lösung? Plastikfreie Alternativen für das Badezimmer und die Körperpflege. Seife am Stück scheint eine altmodische Methode, ist aber die einfachste Lösung auf Plastik zu verzichten. Eine andere Möglichkeit sind nachfüllbare Seifenspender, die zumindest ein wenig Plastik einsparen.

Was die Seife kann, können Duschgel und Shampoo ebenfalls. Es gibt mittlerweile viele feste Duschgele und Shampoos auf dem Markt, die komplett ohne Plastik auskommen. Auch plastikfreies, festes Deo erfreut sich immer größer werdender Beliebtheit.

Einwegrasierer aus Plastik bringen neben ihrer eigenen Beschaffenheit oft zusätzlichen Plastikverpackungsmüll, der sich bei jedem Wechsel addiert. Eine Alternative für angenehme, nachhaltige und plastikfreie Rasuren bieten Rasierhobel aus Holz und Metall. Wer es klassisch plastikfrei mag, kann sich auch ein Rasiermesser anschaffen.

Menstruationstassen aus Silikon und waschbare Binden bieten eine weitere Möglichkeit, unnötiges Plastik aus dem Badezimmer zu verbannen. Auch Periodenunterwäsche ist plastikfrei erhältlich und ebenfalls durch ihren wiederverwendbaren Charakter nachhaltig. Wiederverwendbar ist im plastikfreien Badezimmer das Stichwort! Ob Wattepads zum Abschminken, Taschentücher aus Stoff oder Stoffwindeln für Babys und Kleinkinder – all diese Optionen sind waschbar, dadurch wiederverwendbar und verzichten auf Plastik.

Plastikfreie Aufbewahrung – zu Hause und unterwegs

Wird etwas in Plastik verpackt eingekauft, wird es oftmals zu Hause auch in Plastik verstaut, verpackt, aufbewahrt. Dabei ist es sehr leicht, den Kreis des Plastikkonsums zu Hause zu brechen. Schraubgläser bieten sich für verschiedene Arten der Aufbewahrung an und sehen dabei auch noch schick im Regal aus. Aber auch abgefüllt mit einem leckeren Eistee oder einer kühlen Müslizusammenstellung kann man die Schraubgläser zum plastikfreien Favoriten des Transports machen. Werden sie nicht zu voll abgefüllt und sind dickwandig genug, eignen sie sich sogar zum Einfrieren von Lebensmitteln. Wichtig zu beachten: den Deckel erst nach dem Einfrieren aufschrauben, um das Platzen des Glases zu vermeiden.

Wer eher eine klassische Brotdose als ein Schraubglas nutzen möchte, hat auch hier die Möglichkeit auf Plastik zu verzichten. Edelstahl, Glas oder Holz bieten sich ebenfalls als tolle Wegbegleiter für das Mittagessen „To-Go“ an. Gleiches gilt für Plastikbecher, die oft auch von zu Hause aus „To-Go“ genutzt werden. Ersetzt durch einen Thermobecher aus Edelstahl nutzt man leicht eine plastikfreie Alternative und das Getränk bleibt dazu noch lange heiß oder kalt.

Weitere Tipps zum Plastikfreien Leben

Die plastikfreien Optionen helfen einerseits, den Plastikkonsum zu reduzieren. Andererseits sind viele Produkte, die plastikfrei produziert wurden, häufig kostenintensiver. Entsprechend größer ist die Hemmschwelle bei Verbrauchern, sich dem neuen, plastikfreien Leben zu öffnen. Kleine Schritte helfen aber schon, Plastik zu vermeiden.

Plastikfasten

Ein plastikfreies Leben wirkt zunächst wie eine unmögliche Aufgabe. Besonders, weil sich Plastik so sehr in unseren Alltag verwoben hat. Zum Start eignet sich bewusstes Plastikfasten. In einem gesetzten Zeitraum von ungefähr sechs Wochen bemüht man sich, keine neuen Plastikverpackungen zu kaufen und nach plastikfreien Optionen für Plastik im Haushalt zu suchen. Jede Woche widmet man sich einer neuen Produktkategorie. Angefangen im Badezimmer, hin zur plastikfreien Küche, dem plastikfreien Waschen und Einkaufen und so weiter. So wird Stück für Stück neues Plastik im Alltag reduziert und der Weg für ein plastikfreies Leben geebnet.

Wiederverwenden

Eine Wegwerfgesellschaft profitiert nicht davon, bestehende Plastikprodukte, die noch intakt sind, grundlos zu entsorgen. Auch bei dem Wunsch nach einem plastikfreien Leben sollte nicht alles weggeschmissen werden, das aus Plastik besteht. Erst wenn Plastikprodukte kaputt sind und ihren Zweck nicht mehr erfüllen, sollten sie gegen plastikfreie Alternativen ausgetauscht werden. Möglicherweise können auch einige Produkte aus Plastik zweckentfremdet ein zweites Leben bekommen, selbst wenn sie kaputt gegangen sind, um die Wegwerfquote zu senken und den größten Nutzen aus bestehendem Plastik zu ziehen. Das Wiederverwenden gilt aber natürlich auch für die plastikfreien Produkte, die möglicherweise ersetzt werden müssen.

Selber machen

Viele von Mikroplastik betroffene Produkte, die wir im täglichen Gebrauch haben, können durch selbstgemachte Alternativen ausgetauscht werden. Dazu gehören Shampoos, Waschmittel, Reiniger, aber auch Möbel und Geschenke für die Liebsten. Je nach Fähigkeiten und Muse sind hier keine Grenzen gesetzt. Diverse DIY-Blogs zeigen, wie plastikfreie Produkte selbstgemacht den Plastikkonsum verringern und noch dazu eine viel persönlichere Note haben als schlicht gekauft.

Müll trennen und sammeln

Korrekte Mülltrennung verhindert übermäßige Müllverbrennung und ermöglicht effizienteres Recycling, auch bei Kunststoff- und Plastikmüll. Rohstoffe werden dadurch besser wiederverwendet. Wer über den eigenen plastikfreien Haushalt hinaus helfen möchte, die Schäden durch Plastikmüll zu reduzieren, kann freiwillig privat Müll sammeln oder an einem Aktionstag teilnehmen. Der Coastal Cleanup Day findet jährlich Mitte September statt, um Flüsse, Seen und Strände vom Müll zu befreien.

Plastikfrei Leben ist ein für den Mensch und die Umwelt sinnvolles Ziel, das nicht aufgrund seines Umfangs abschrecken sollte. Jeder kann mit kleinen Schritten anfangen, Plastik im Alltag zu reduzieren und nach und nach auf plastikfreie Alternativen umsteigen. Auch, wenn es einige Zeit in Anspruch nehmen kann, lohnt sich der Wechsel in die Plastikfreiheit langfristig – für Mensch, Tier und den Planeten.

Titelbild: © egal/ iStock.com