Mädchen sitzt abseit zweier Kinder

Mobbing – Mehr als psychische Belastung

Fast jeder zehnte Fünfzehnjährige (9,2 Prozent) klagt über wiederkehrenden Spott und Lästereien in der Schule. Milder sieht es bei den Erwachsenen aus: Hier sind im Schnitt 2,8 Prozent der Erwerbstätigen betroffen. Die Rede ist von Mobbing. Wie erkennt man Mobbing und was ist das überhaupt?

Inhalt:

Woran erkenne ich Mobbing?

Die Grenzen sind hier oft verschwommen: Was ist Mobbing, was ist ein „einfacher“ Konflikt? Wann befinden sich Kinder lediglich in einer verbalen Rangelei und wann wird ein Kind oder ein Mitarbeiter gezielt ausgegrenzt? Es geht hierbei nicht nur darum, welche Übergriffe stattfinden oder wie oft sie stattfinden. Entscheidend ist stets das Gefühl der Opfer von Rangeleien und Streitigkeiten. Und auch, wie sie darauf reagieren. Mobbinghandlungen können aktiv und passiv geschehen. Hierbei greifen Mädchen häufiger zur passiven und Jungen zur aktiven Variante. Passives Mobbing umfasst etwa das Ignorieren des Opfers, Reden hinter dem Rücken der Person oder auch das Verbreiten von Gerüchten. Aktives Mobbing beinhaltet zum Beispiel Erpressung, Diebstahl oder das Beschädigen von Eigentum.

Oft fürchten sich Kinder davor, eine Vertrauensperson aufzusuchen, weil sie dann als Petze gelten könnten und das Mobbing unter anderem schlimmer wird.

Ursachen für Mobbing

Generell sind bestimmte Verhaltensweisen oder Eigenschaften von Schülern, seien sie nun physisch oder psychisch, Auslöser für Mobbing. Das Auftreten bestimmter Merkmale in Kombination kann dazu führen, dass Schüler zur Zielscheibe für Angriffe werden. Wer anders als die „Mehrheit“ ist, kann schnell zum Opfer auserkoren werden. Andere Nationalitäten, Aussehen, Sprachen oder auch die Kleiderwahl gehören zu häufigen Ursachen von Mobbing.

Ebenso können Neid, Frust und falsch verstandener Ehrgeiz zu Mobbing führen. Häufig jedoch ist die Ursache für Mobbing eine Art Kettenreaktion, die durch eine ungerechte Behandlung gegenüber dem Täter selbst ausgelöst wurde.

Das Kind als Mobbingopfer

Ein stets zutreffendes Merkmal dafür, ob jemand gemobbt wird, gibt es nicht. Vielmehr gilt es, auf die Verhaltensweise des eigenen Kinds zu achten. Die folgenden Merkmale können Hinweise darauf sein, dass ein Kind in der Schule gemobbt wird:

  • Das Kind hat Prellungen oder andere Verletzungen, die es nicht erklären kann oder will
  • Es erzählt nicht oder nur ungern von der Schule oder von Klassenkameraden
  • Es verliert Gegenstände oder bringt kaputte Gegenstände mit nach Hause
  • Das Kind lädt nur selten Freunde nach Hause ein und geht selten bis gar nicht auf Partys
  • Es leidet an Schlafproblemen

Für Lehrer sind dagegen auch Handlungsweisen der Mitschüler Hinweise auf eventuell bestehendes Mobbing. Zum Beispiel, wenn ein bestimmtes Kind gezielt bei Gruppenaktivitäten zuletzt gewählt oder ganz ausgeschlossen wird. Kinder, die aktiv die Nähe zu Lehrern der Nähe zu Klassenkameraden vorziehen oder oft alleine in der Pause sind, könnten ebenfalls Opfer von Mobbing sein.

Mobbing am Arbeitsplatz

Am Arbeitsplatz kann das Mobbing sowohl von „oben“ in der Hierarchie als auch von „unten“ ausgehen. Mitarbeiter können zum Beispiel absichtlich Aufgaben nur unzureichend erledigen. Auch das Verbreiten von Gerüchten, abwertende Gesten und Blicke sowie konstantes Herabwürdigen gehören zu bekannten Mobbing-Methoden am Arbeitsplatz. Wie in der Schule auch, geht es um eine Schädigung des sozialen Rufs. Das Mobbing selbst gilt weiterhin nicht als strafbare Handlung, da es keinen direkten Tatbestand gibt. Allerdings verstößt es gegen die arbeitsvertragliche Pflicht, sich für die Interessen des Unternehmens einzusetzen. Dementsprechend können die Täter ermahnt, abgemahnt oder gar gekündigt werden, wenn sie zuvor öfters abgemahnt wurden. Außerdem gilt eine Fürsorgepflicht für Arbeitgeber. Das bedeutet, sie müssen dafür sorgen, dass die Rechte ihrer Mitarbeiter geschützt sind.

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Cyber-Mobbing

Im Englischen Cyber-Bullying genannt, ist Cyber-Mobbing im Grunde eine Fortsetzung passiven Mobbings über das Internet. Das kann auf Social Media geschehen, aber auch in privaten Chatrooms oder über Messenger Apps. Hier ist der Täter oftmals anonym unterwegs, sodass es schwer sein kann, ihn ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. Wenn der Täter dagegen aus dem direkten Umfeld des Opfers stammt, so haben Opfer schnell einen Verdacht, wer hinter dem Mobbing steckt. Besonders gravierend ist Cyber-Mobbing, weil die Angriffe auch in der Freizeit oder zu Hause stattfinden können. Das Internet ignoriert hier die Grenzen der Schule. Ferner ist in den sozialen Medien ein wesentlich größeres Publikum erreichbar, sodass Demütigungen unter Umständen schwerer wiegen. Zuletzt hat das Web eine abschirmende Wirkung, das bedeutet, dass der Täter das Opfer nicht sieht und deshalb nicht erkennen kann, wie verletzend seine Angriffe sind.

Auswirkungen von Mobbing

Mobbing kann zu einer schweren Erkrankung des Opfers führen. Demotivation, Verzweiflung und Misstrauen führen zu sozialem Rückzug, woraus Schlafstörungen, Depressionen und Angstzustände entstehen können. Weiterhin sind körperliche Beeinträchtigungen wie Essstörungen, Schwindel und Erbrechen möglich. Schwerwiegende Fälle müssen sogar klinisch behandelt werden. Zehn Prozent aller Krankschreibungen sind auf psychische Erkrankungen zurückzuführen – woran Mobbing ebenfalls seinen Anteil hat.

Rechte bei Mobbing

Da Mobbing eben keine feststehende Straftat ist, kann es sich für den Betroffenen schwierig gestalten, seine Rechte durchzusetzen. Der betroffene Arbeitnehmer hat in der Regel keine Ansprüche gegen die Verantwortlichen. Zwar verletzen sie ihre arbeitsvertraglichen Pflichten, doch diese bestehen gegenüber dem Arbeitgeber, nicht dem Opfer des Mobbings. Betroffene können allerdings ihre Rechte gegenüber dem Arbeitgeber geltend machen und eine Schlichtung verlangen. Sollte das Mobbing dagegen vom Arbeitgeber selbst ausgehen, so kann der Betroffene diesen auf Unterlassung in Anspruch nehmen und strafrechtlich belangen. Zum Beispiel mittels einer Strafanzeige wegen Beleidigung, übler Nachrede oder Körperverletzung.

Hilfe für Mobbingopfer

Für Mobbingopfer gibt es mittlerweile viele psychologische Beratungsstellen, etwa von den Kommunen oder von kirchlichen Trägern. Auch die Telefonseelsorge kann helfen und bei Bedarf weitere Ansprechpartner vermitteln. Sollten die Betroffenen zur Schule gehen, eignet sich der Schulpsychologe oder ein Sozialpädagoge. Die Bundesregierung listet weitere Ansprechpartner auf, zum Beispiel die Nummer gegen Kummer oder die sogenannten Respekt-Coaches, ein von Familienministerin Giffey ins Leben gerufene Projekt. Speziell bei Gewalt gegen Frauen liefert das Hilfetelefon Unterstützung.

Titelbild: © monkeybusinessimages / iStock.com

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