Medizin und Forschung - Forscher am Mikroskop

Medizin damals und heute: Von Helden und Zufällen

Die Geschichte der Medizin ist eine der außergewöhnlichen Charaktere – und eine der Zufälle. Sie ist so alt, wie die Menschheit selbst. Bereits ab dem Altertum sind medizinische Aufzeichnungen erhalten. Die Ursachen von Krankheiten waren damals allerdings noch gänzlich unbekannt. Daher gingen die Menschen davon aus, Dämonen und Götter seien für sie verantwortlich.

Ein tragischer Held

Von diesem Glauben hat sich die Menschheit heute größtenteils gelöst. Aber es war ein langer Weg von Teufelsaustreibungen bis hin zur modernen Medizin. Eine der grundlegendsten Errungenschaften verdanken wir einem tragischen Helden: Ignaz Semmelweis. Er entdeckte die Wichtigkeit von Hygiene im Krankenhaus. Doch seine Kollegen wollten ihm nicht glauben. Stattdessen wurde er verspottet.

Unbestreitbarer Erfolg eines Streitbaren

Trotz besser werdender Hygiene hatte die Medizin lange keine Antwort auf die Frage, wie die Menschen sich wirksam vor Infektionskrankheiten schützen könnten. Die Stunde des französischen Naturwissenschaftlers Louis Pasteurs war gekommen. Er entwickelte die ersten Impfstoffe im Labor. Damit konnte er beweisen: Grundsätzlich lässt sich für jede Infektionskrankheit eine Impfung herstellen. Von Cholera im 19. Jahrhundert, über die MMR-Impfung in den Siebzigern, bis zum Impfstoff gegen Meningokokken im Jahr 2013.

„Gentlemen, dies ist kein Humbug!“

Die Narkose. Heutzutage ein selbstverständlicher Vorgang. Das war nicht immer so. Denn bis ins 19. Jahrhundert hinein galt Schmerz in Europa als zur Operation dazugehörig. Schmerzensäußerungen dienten Chirurgen als wichtige Hinweise während eines Eingriffs. Formen der Narkotisierung waren verpönt. Und gefährlich. Denn unter starkem Opiat- oder Alkoholeinfluss waren Operationen noch risikoreicher. Bahnbrechend war deshalb die erste öffentliche Äthernarkose durch den Arzt William Morton in Boston. Der operierende Chirurg John Warren sagte im Anschluss an den Eingriff: „Gentlemen, dies ist kein Humbug!“ Die Geburtsstunde der modernen Anästhesie.

Über eine neue Art von Strahlen

Die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert brachte viele Neuerungen mit sich. Eine davon kam aus Deutschland. Wilhelm Conrad Röntgen entdeckte bis dato unbekannte Strahlen. Er gab ihnen den Namen X-Strahlen. Mit diesen Strahlen schaffte es Röntgen, ein Bild der Knochen in der Hand seiner Frau aufzunehmen. Heute werden Röntgenstrahlen in der Krebstherapie eingesetzt oder ermöglichen in Kombination mit Computertomographen exakte 3-D-Abbildungen des menschlichen Inneren. Forscher arbeiten an einer neuen Generation von Röntgensystemen, die sogar Blutgefäße abbilden können.

Ein Schimmelpilz verändert die Medizin

Als Alexander Fleming 1928 aus den Sommerferien in sein Labor zurückkehrte, ahnte er noch nicht, was da auf ihn warten würde. Ein kleiner Pilz mit besonderen Eigenschaften hatte sich in einer Bakterienprobe breitgemacht. Wir kennen diesen Pilz heute unter dem Namen Penicillin. Durch das Interesse der US-Armee im zweiten Weltkrieg konnte Penicillin als erstes Antibiotikum in großem Stil industriell produziert werden. Heute gehören Antibiotika zu den am meisten verschriebenen Medikamenten der Welt.

„Wissenschaftliche Clowns“

So nannte der renommierte Chemiker Erwin Chagaff zwei Männer, die eine der bisher wichtigsten medizinischen Entdeckungen machten: Jim Watson und Francis Crick, die Entdecker der DNA-Struktur. Sie ermöglichten die Entschlüsselung des gesamten menschlichen Erbguts durch das Humangenomprojekt. Ob die Behandlung von Hämophilie (Bluterkrankheit), die Zucht von Organen aus Stammzellen, die Impfung gegen Hepatitis B oder das Krebsmedikament Trastuzumab: Alle diese Errungenschaften der modernen Medizin basieren auf dieser Entdeckung.

Zukunftsmusik

Eine der faszinierendsten aktuellen Forschungsrichtungen ist das Drucken von menschlichen Organen. Mit einem 3D-Drucker. Zuletzt schaffte es eine Gruppe Forscher der ETH Zürich ein pumpendes Herz aus Silikon zu drucken. Bisher hält es aber bei Belastung nur etwa 30 bis 45 Minuten. Klar ist: Dieses Herz ist noch nicht reif für die Implantation. Auch in der Krebstherapie werden neue Dimensionstore durchschritten: Nanoroboter sollen in Zukunft eingesetzt werden, um Krebszellen abzutöten. Die Medizin ist einen langen Weg gekommen. Und er führt immer weiter.

Titelbild: ©Gorodenkoff