Demenz - Hände, die Blumen umschließen

Fünf Tipps für die Kommunikation mit Demenzkranken

Erkrankt ein Angehöriger an Demenz, ist das nicht nur für den Betroffenen besonders schlimm. Auch für Angehörige verändert sich viel. Besonders die Kommunikation mit Demenzkranken fällt vielen schwer. Denn die Krankheit lässt nicht nur Dinge vergessen, Erkrankte verstehen sowohl sprachliche als auch inhaltliche Zusammenhänge nicht mehr. Das macht eine vernünftige Kommunikation schwierig. Dennoch gibt es kleine Tricks, mit denen Sie ein Gespräch erleichtern können. Wir geben Tipps für die Kommunikation mit Demenzerkrankten.

Inhalt:

Warum ist ein Gespräch mit Demenzerkrankten schwierig?

Mit dem Beginn einer Demenz verändern sich langsam aber sicher menschliche Fähigkeiten, die im bisherigen Alltag für selbstverständlich gehalten wurden. Dazu gehören nicht nur das Vergessen gewohnter Gesichter. Auch das Führen eines gewöhnlichen Gespräches über das Wetter oder einfache Konversation mit dem Nachbar werden zunehmend schwieriger. Das Dramatische: Der Sprung zwischen Klarheit und Verwirrtheit dauert oft nur Sekunden. Einfache Gespräche können so schnell zur Hürde werden und führen nicht selten zu einem emotionalen Ausnahmezustand der Betroffenen. Beispielsweise in einem plötzlichen Wutanfall. Wie sollten sich Familie und Freunde dann verhalten? Und wie kommunizieren Sie dann richtig?

Für Angehörige ist die Gesprächssituation äußerst schwierig. Denn die Demenz sorgt dafür, dass inhaltliche Fakten und Zusammenhänge in Gesprächen schnell ignoriert werden. Regnete es beispielsweise gestern und wird dieser Fakt von dem Demenzerkrankten aufgrund seiner Krankheit nicht wahrgenommen, wird ein einfaches Gespräch schnell schwierig, schien für ihn doch gestern eigentlich die Sonne.

In diesen Fällen gilt allerdings: Eine positive und motivierende Beziehung ist wichtiger als dem Erkrankten mitzuteilen, dass er im Unrecht ist. Generell sind sachliche Diskussionen mit einer dementen Person nur selten möglich. Hinzu kommt, dass der Patient nicht versteht, dass er sich an Vergangenes meist nicht mehr erinnern kann. Er lebt in seiner eigenen Welt, die für ihn zur Realität wird.

Erinnerungsstützen schaffen

Demenz lässt die Erinnerungen schwinden. Umso wichtiger ist es deshalb, Betroffenen Erinnerungsstützen zu schaffen. Sie helfen dabei nicht nur in der Kommunikation mit anderen, sondern auch im Alltag. Doch wie sollen Angehörige Demenzerkrankte an etwas erinnern? Ganz einfach: Mit Notizzetteln, die sie in der Wohnung verteilen. Kleben Sie die Zettel auf Alltagsgegenstände drauf und versehen Sie diese mit kleinen Anweisungen. Solche Erinnerungsstützen sind besonders hilfreich, damit sich Demenzerkrankte an Abläufe erinnern. Beispielsweise im Bad, beim Telefonieren oder auch am Kühlschrank.

Eine noch ausführlichere Alternative ist das umfangreichere Erinnerungstagebuch. Hier können Sie im Sinne eines Fotoalbums schöne Momente festhalten, sie beschreiben und Personen mit Namen aufführen. Damit schaffen Sie nicht nur ein Erinnerungsbuch, sondern können darüber auch mit dem Demenzkranken kommunizieren.

Tipp: Auch bei Haustierbildern funktioniert eine Erinnerungsstütze gut.

Kommunizieren ohne Sprache

Neben der sprachlichen Kommunikation kann auch die nonverbale Kommunikation über Mimik und Gestik für ein Gespräch verwendet werden. Grundsätzlich gilt: Bei Demenzerkrankten wirkt die nonverbale Kommunikation genauso wie bei gesunden Menschen. Ärger, Liebe und andere Gefühle können Demenzerkrankte genauso wie gesunde Menschen über die Gestik und Mimik erkennen. Ein Lächeln schenkt Freude, eine Umarmung zeigt Liebe und ein Stirnrunzeln eine Frage.

Um das Verständnis zu erleichtern, sollten Angehörige die nonverbale Kommunikation jedoch gezielt und deutlicher einsetzen als bei anderen Gesprächen. Senken Sie die Stimme, so kann das beruhigend auf den Erkrankten wirken. Auch Wut oder Traurigkeit des Erkrankten kann durch eine einfühlsame Stimme und eine Hand auf der Schulter schnell verfliegen.

Demenzerkrankte können sich oftmals verbal nicht so ausdrücken wie sie eigentlich möchten. Angehörige sollten deshalb nicht nur auf die eigene Mimik und Gestik achten, sondern auch auf die des Erkrankten. Hier spiegeln sich Gefühle in der nonverbalen Kommunikation wider. Angehörige können dann entsprechend reagieren. Besonders am Ende der Erkrankung ist das oft die einzige Kommunikationsmöglichkeit für Angehörige. Dabei ist wichtig: Auch Mimik, Gestik und Blickkontakt zeigen Betroffenen Halt und Zuneigung an.

Einfache Sprache verwenden

Selbst wenn der Erkrankte vor der Demenz hochintellektuelle Gespräche geführt hat, sind nun selbst einfache und möglichst kurze Sätze eine Herausforderung. Deshalb sollten Angehörige vor allem einfache Worte verwenden. Zudem ist eine deutliche und langsame Aussprache bei Gesprächen mit Demenzerkrankten hilfreich. Der Patient versteht Sie so nicht nur besser, sondern kann auch in einfacher Sprache antworten. Zudem bewahrt die Verwendung einfacher Worte vor möglichen Enttäuschungen des Erkrankten, wenn er ein kompliziertes Wort nicht versteht.

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Geduld und Einfühlvermögen

Demenzerkrankte reagieren vor allem in Stresssituationen mit überschwänglichen Wutausbrüchen. Meistens äußert sich so die Frustration darüber, dass die Kommunikation nicht funktioniert. Wird der Erkrankte dann auch noch unter Druck gesetzt und soll schnell und ausführlich antworten, kann die Situation schnell eskalieren. Angehörige sollten sich deshalb vor Augen führen, dass Betroffene sich nicht eben schnell an ein Wort erinnern oder die Worte in einen Satz überführen können.

Besser ist es hier also abzuwarten, Hilfestellungen zu geben und den Betroffenen nicht über den Mund zu fahren. Das Stichwort für den Gesprächspartner: Geduld! Dazu zählt auch, dass Inhalte oftmals wiederholt werden müssen, bis sie beim Betroffenen tatsächlich ankommen. Sätze wie „Das habe ich dir doch erst vor fünf Minuten gesagt“ kränken den Betroffenen und sollten daher nicht ausgesprochen werden.

Handlungsanweisungen statt Aufgaben

Demente Personen vergessen nicht nur Worte und Inhalte, sondern auch alltägliche Handlungsabläufe. Den Tisch zu decken kann also eine große Herausforderung sein. Eine entsprechende angepasste Kommunikation verhindert hier Überforderungen. Bei dementen Personen reicht es beispielsweise nicht mehr nur darum zu bitten, den Tisch zu decken. Einfacher sind konkrete Handlungsanweisungen wie etwa „Stelle bitte zwei Teller auf den Tisch“. Auch unkonkrete Fragen können den Erkrankten überfordern, denn sie wissen nicht, welche Optionen sie haben. Ein Beispiel: „Worauf hast du Lust?“ Besser ist es, klare Handlungsoptionen zur Verfügung zu stellen, zum Beispiel „Möchtest du Zeitung lesen oder lieber spazieren gehen?“ 

Diese Beratungsstellen helfen weiter

Die Betreuung und der Umgang mit einem an Demenz Erkrankten stellt Angehörige vor eine große Aufgabe. Die psychische Belastung und Sorge, mit einem normalen Gespräch nicht mehr zu dem Betroffenen durchzudringen, wiegen schwer. In dem Gefühl der Überforderung können sich Angehörige bei professionellen Beratungsstellen Unterstützung holen. Die Angebote reichen hier von einfachen Gesprächen mit anderen Betroffenen bis hin zu individuellen Coachings und hilfreichen Anleitungen. Hier finden Sie Hilfe:

  • Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.
    Der bundesweit tätige Verein hilft Familien, deren Angehörige an Demenz erkranken. Betroffene erhalten im Notfall nicht nur Hilfe vor Ort, sondern können auch das eigens vom Verein eingerichtete Alzheimer-Telefon anrufen.
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
    Die Bundesregierung unterstützt Familien und Demenzerkrankte mit ihrem „Wegweiser Demenz“. Auf der Plattform finden Sie zahlreiche Hilfestellungen und Anleitungen, wie Sie mit Demenzerkrankten umgehen sollten. Zudem sind unter „Rat und Hilfe“ weitere Anlaufstellen verlinkt.
  • Die Johanniter Demenzberatung
    Auch soziale oder medizinische Einrichtungen bieten viele Hilfestellungen für Angehörige von Demenzerkrankten. Die Johanniter verfügen beispielsweise über Anlaufstellen in allen großen deutschen Städten und geben auf der Internetseite nützliche Tipps für den Alltag.
  • Caritas
    Viele kirchliche Institutionen wie die Caritas bieten nicht nur Betroffenen, sondern auch deren Angehörigen Halt. Auf ihrer Internetseite listet die Caritas wichtige Hinweise zur Bewältigung des Alltags auf und bietet auch vor Ort Unterstützung an.

Titelbild: © Ocskaymark / iStock.com

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