Pipette unter dem Mikroskop

Die Kinderwunschbehandlung – So werden Familienträume wahr

Ein knappes Zehntel aller Paare in Deutschland ist ungewollt kinderlos. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht in diesem Rahmen von Unfruchtbarkeit. Für solche Paare eignet sich eine Kinderwunschbehandlung. Welche Behandlungen es gibt und wie die Chancen auf eine Schwangerschaft stehen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Inhalt:

Was ist eine Kinderwunschbehandlung?

Kinderlosigkeit ist wie folgt definiert: „Ein Paar gilt dann als unfruchtbar, wenn die Frau innerhalb eines Jahres, in dem sie regelmäßig ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte, nicht schwanger geworden ist.“ Zwar kann Stress ein Auslöser für Unfruchtbarkeit sein, aber oft sind es medizinische Gründe, die das Kinderglück verwehren. Solchen Paaren soll eine Fruchtbarkeitsbehandlung oder Kinderwunschbehandlung helfen. Kinderwunschbehandlungen verlaufen in mehreren Schritten. Unter anderem setzen sie voraus, dass der Zyklus der Frau genau beobachtet wird, zum Beispiel mit einem Ovulationstest. Allerdings liegt das Problem der Kinderlosigkeit genauso häufig beim Mann wie bei der Frau. Aus diesem Grund muss zunächst festgestellt werden, bei welchem der Partner ein medizinisches Problem vorliegt. Erst dann kann die richtige Behandlung ausgesucht werden.

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Wie funktioniert eine Kinderwunschbehandlung?

Je nachdem, ob der Mann oder die Frau des Paars der „Auslöser“ für die Kinderlosigkeit ist, unterscheiden sich die medizinischen Möglichkeiten stark. Oftmals ist eine Hormonbehandlung der erste Schritt.

Hormonbehandlung

Die Hormonbehandlung soll den Zyklus der Frau wieder regulieren und die Funktionen der Eierstöcke anregen. Darum nennt der Arzt dies auch ovarielle oder hormonelle Stimulation. Eines der Hormone, die hierbei zum Einsatz kommen, ist Clomifen. Dieses kann die Patientin in Tablettenform einnehmen. Weitere Optionen sind das Follikelstilumierende Hormon (FSH) oder das Humane Menopausengonadotropin (HMG). Diese unterstützen die Eireifung, müssen jedoch gespritzt werden. Oftmals kommen weitere unterstützende Hormone hinzu, um sicherzustellen, dass der Eisprung auch zum richtigen Zeitpunkt stattfindet. Der Erfolg der Fruchtbarkeitsbehandlung mit Hormonen hängt unter anderem von der Schwere der vorliegenden Hormonstörung ab. Nach der Behandlung werden etwa 30 Prozent der Frauen auf natürliche Weise, also ohne künstliche Befruchtung, schwanger.

Insemination

Wenn die Voruntersuchungen keine organischen oder hormonellen Störungen offenbaren, kann unter anderem eine geringe Qualität der Spermien der Grund für Kinderlosigkeit sein. In solch einem Fall kommt die Insemination zum Einsatz. Dabei handelt es sich im Grunde um eine „Starthilfe“ für Spermien. Diese spritzt der Arzt über einen dünnen Katheter direkt in die Gebärmutter. Notwendig für eine erfolgreiche Insemination sind:

  • Die Frau muss über funktionstüchtige Eileiter verfügen.
  • Außerdem ist ein gut aufgebauter Gebärmutterschleim notwendig.
  • Der Eisprung muss stattfinden.
  • Die Spermien des Mannes sind befruchtungsfähig.
  • Spermien müssen in ausreichender Zahl vorliegen.

Faktoren, die den Erfolg der Insemination mitbestimmen, sind das Alter der Mutter und ihre hormonelle Situation. Die Erfolgschancen dieser Behandlung liegen bei 15 bis 40 Prozent.

ICSI

Die ICSI, oder auch intracytoplasmatische Spermieninjektion, ist die gängigste Methode zur künstlichen Befruchtung. Hierbei setzt der Arzt ein einzelnes Spermium mittels einer feinen Pipette direkt in das Zellinnere (Zytoplasma) einer zuvor entnommenen Eizelle. Vorab ist eine hormonelle Stimulierung der Eierstöcke notwendig. Diese löst den Eisprung aus. Etwa zwei Tage später sollten genug Eibläschen vorhanden sein, dass der Arzt ihnen einige Eizellen entnehmen kann. Das geschieht generell bei leichter Narkose der Patientin mit einer langen Nadel durch die Scheide. Nach der Injektion in die Eizelle landet diese für zwei bis vier Tage im Brutschrank. Sollte sie sich weiterentwickeln, folgt der ISCI-Transfer des Embryos in die Gebärmutter der Patientin. Ein erster Schwangerschaftstest kann etwa fünf Wochen nach der Prozedur stattfinden.

Die ISCI-Behandlung ist vor allem für Paare geeignet, bei denen die Furchtbarkeit des Mannes eingeschränkt ist. Bei über 70 Prozent der Fälle kommt es zur erfolgreichen Befruchtung. Nach dem Transfer in die Gebärmutter werden 15 bis 20 Prozent der Frauen schwanger.

In-Vitro-Fertilisation

Bei der IVF, oder auch In-Vitro-Fertilisation, kommt die entnommene Eizelle im Reagenzglas mit dem Sperma des Mannes zusammen. Erst nach einer erfolgreichen Befruchtung außerhalb des Körpers werden eine oder mehrere Eizellen in die Gebärmutter der Frau überführt. Genau wie bei anderen Prozeduren regt eine Hormontherapie die Eizellreifung in den Eierstöcken an. Per Ultraschall kontrolliert der Arzt den Verlauf der Behandlung. Sind die Eizellen gereift, wird künstlich ein Eisprung ausgelöst. Daraufhin entnimmt der Arzt fünf bis zehn Eizellen. Diese landen in einem Nährmedium, wo sie auf das Sperma des Mannes treffen. Ein Tag im Brutkasten folgt. Sollte die Befruchtung Erfolg haben, setzt der Reproduktionsmediziner die Eizellen nach einem oder zwei Tagen in die Gebärmutter der Patientin ein. Die ganze Prozedur kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Nach einer IVF werden etwa 25 Prozent der Frauen schwanger. Die Geburtenrate schwankt zwischen 15 und 20 Prozent.

MESA

Sollte der Mann ein schlechtes Spermiogramm haben, können die beiden Behandlungen TESE und MESA helfen. Beide Prozeduren führen letztendlich zur ICSI-Behandlung, gelten aber als „Rettungsleine“ für den Fall, dass die Spermien des Mannes die Eizelle nicht befruchten können. Bei der MESA punktiert der Arzt die Nebenhoden mit einer feinen Nadel, entnimmt Nebenhodenflüssigkeit und untersucht sie auf reife Spermien. Die Operation erfolgt stets unter Vollnarkose. Die TESE-Behandlung wiederum sieht eine beidseitige Entnahme von Hodengewebe vor. Auch dazu ist ein ambulanter Eingriff vonnöten. In 60 Prozent der Fälle gelingt eine Entnahme von Spermatozoen, die Schwangerschaftsrate beträgt ein Viertel (25 Prozent). 

Wer übernimmt die Kosten für eine Kinderwunschbehandlung?

Die WHO definiert Kinderlosigkeit zwar als Krankheit, doch die deutschen Krankenkassen sehen das nicht immer gleich. Für Paare bedeutet das einen Nachteil, denn die einzelnen Schritte einer Kinderwunschbehandlung bedeuten eine massive finanzielle Belastung. Bei einigen Maßnahmen unterstützen die Krankenkassen allerdings schon. Zum Beispiel übernehmen sie die Untersuchungskosten zur Feststellung von Unfruchtbarkeit. Dasselbe gilt für die ersten Beratungsgespräche. An den darauf folgenden Schritten beteiligen sie sich zwar ebenfalls, aber nicht mehr in vollem Umfang. Auch hier gilt: Es hängt vom Einzelfall ab. Paare sollten sich daher umfassend informieren. Damit die Krankenkassen sich beteiligen, müssen Paare diese Kriterien erfüllen:

  • Sie müssen verheiratet sein.
  • Die Frau muss zwischen 25 und 40 Jahre alt sein, der Mann zwischen 25 und 50 Jahren.
  • Das Paar muss einen detaillierten Behandlungsplan vorlegen – mitsamt der ärztlichen Diagnose, der geplanten Behandlung, der Dauer und den Kosten.

Wie hoch sind die Chancen auf Erfolg?

Je nach Prozedur schwankt die Erfolgsquote stark. Weiterhin besteht eine Differenz zwischen der Quote der erfolgreichen Befruchtung und einer erfolgreichen Geburt. Von Paar zu Paar unterscheiden sich auch die Faktoren für den Erfolg. Die genauen Risiken und Erfolgschancen sind stets individuell und sollten mit einem Arzt abgeklärt werden.

Nebenwirkungen einer Kinderwunschbehandlung

Die verschiedenen Kinderwunschbehandlungen können unterschiedliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Frau haben. Da sie sich bei mehreren Prozeduren, etwa bei der ICSI, einer Hormonbehandlung unterziehen muss, kann es zu einer Überstimulation kommen oder sogar zum ovariellen Hyperstimulationssyndrom. Weiterhin kann die Hormonbehandlung Mehrlingsschwangerschaften oder andere Komplikationen auslösen. TESE und MESA wiederum können zu den für Operationen typischen Beschwerden führen. Zum Beispiel zu Blutergüssen, Infektionen oder auch Schwellungen. In sehr seltenen Fällen kann das Hodengewebe absterben oder vollständig schrumpfen.

Wo finde ich weitere Informationen?

Weitere Informationen zur Kinderwunschbehandlung finden Sie auf dem Informationsportal Kinderwunsch und auf familienplanung.de. Informationen zur Förderung von Kinderwunschbehandlungen durch den Bund gibt es beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.

Titelbild: © Neznam/ iStock.com