Wie schreibe ich ein Testament?

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Das Thema Erbe wird in Deutschland immer wichtiger. Denn mit den derzeit steigenden Erbschaftssummen wächst auch die Verantwortung für den Erblasser. Mit einem Testament und einer guten Nachlassplanung lässt sich das zu Lebzeiten angehäufte Vermögen entsprechend der eigenen Wünsche vererben. Wir klären, worauf Sie beim Schreiben eines Testaments und bei der Nachlassplanung achten müssen.

Zahlen und Fakten: Deutschland und der Erbschaftsboom

Laut einer repräsentativen YouGov Studie hat bereits jeder dritte Erwachsene (35 Prozent) schon einmal geerbt. Bei den über 55-Jährigen ist es sogar jeder Zweite. Die größten Erbschaften machten dabei die Hessen, wo jeder vierte Erbe über 100.000 Euro bekam. In Summe an meisten vererbt wurde im letzten Jahr jedoch in Bayern.

Und auch in Zukunft wird Deutschland einen wahren Erbschaftsboom erleben. Jeder vierte Deutsche schätzt den Wert der eigenen Erbmasse auf mindestens 100.000 Euro. Jeder fünfte gab sogar an, mehr als eine Viertel Million Euro zu vererben. Der Grund für die hohen Summen liegt laut der Studie an der Vielzahl der zu vererbenden Immobilien. In Zukunft soll bereits jedes zweite Erbe ein solches Wohneigentum beinhalten. Da zudem die Preise für Immobilien immer weiter steigen, erhöhen sich auch die Erbschaftssummen. Schätzungsweise sollen so deutschlandweit pro Jahr rund 400 Milliarden Euro vererbt werden.

Gesetzliche Erbfolge: Wer erbt was?

Jeder Deutsche kann durch ein Testament seinen Nachlass eigenständig regeln. Wer was erben soll, bestimmt in diesem Fall der Erblasser. Doch nur rund 20 Prozent der Deutschen wählen diese Variante für ihre Nachlassplanung. In den meisten Fällen besitzen die Verstorbenen keine testamentarische Verfügung, sodass die gesetzliche Erbfolge greift. Doch wer erbt hier was?

Die im Bundesgesetzbuch (BGB) festgelegte Erbfolge legt das Erbrecht der Verwandten nach dem so genannten Parentelsystem aus. Das bedeutet, dass der Verwandtschaftsgrad entscheidend ist. Dieser kann je nach Abstammung in drei Ordnungskategorien unterteilt werden:

  • Erben erster Ordnung (§ 1924 BGB): Ehepartner, Kinder und Enkelkinder des Erblassers
  • Erben zweiter Ordnung (§ 1925 BGB): Eltern, Geschwister und Nichten/Neffen des Erblassers
  • Erben dritter Ordnung (§ 1926 BGB): Großeltern, Onkel/Tanten und Cousins/Cousinen des Erblassers

Übersicht zur gesetzlichen Erbfolge

Das Prinzip der Erbfolge ist einfach: Begonnen wird immer bei Erben erster Ordnung. Existieren in dieser Kategorie keine Angehörigen, wird auf Erben der zweiten Ordnung zurückgegriffen. Gibt es auch dort keine Verwandten mehr, wird auf die Personen aus der dritten Ordnung verwiesen. Damit schließen Verwandte einer vorausgehenden Ordnung, Verwandte einer nachfolgenden Ordnung aus (§ 1930 BGB).

Beispiel 1: Ist ein Erblasser weder verheiratet noch hat er keine Kinder, gibt es keine Erben erster Ordnung. Die noch lebenden Eltern gelten als Erben zweiter Ordnung und bekommen den gesamten Nachlass.

Beispiel 2: Hat der Erblasser Kinder, gelten sie als Erben erster Ordnung und erben noch vor den Eltern und Geschwistern des Verstorbenen den gesamten Nachlass.

Wichtig zu wissen ist, dass in Deutschland das Repräsentationsprinzip gilt. Das bedeutet, dass Kinder nicht erben können, solange ein Elternteil noch lebt. Hat der Erblasser lebende Kinder, können Enkelkinder nicht erben. Leben noch Geschwister des Verstorbenen, können Nichten und Neffen nicht erben.

Wie hoch ist der Erbanteil

Grundsätzlich gilt beim Verteilungsanteil, dass alle Erben einer Ordnungskategorie gleichmäßig berücksichtigt werden – mit Ausnahme der Ehepartner. Diese werden neben Verwandten der ersten Ordnung zu einem Viertel und neben Angehörigen der zweiten Ordnung zur Hälfte der Erbschaft berücksichtigt. Im Falle einer Zugewinngemeinschaft steigt ihr Anteil gegenüber Erben der ersten Ordnung jedoch ebenfalls auf die Hälfte an.

Beispiel: Stirbt ein verheirateter Familienvater von zwei Kindern und lebte dieser in einer Zugewinngemeinschaft, erbt die Ehefrau die Hälfte, die beiden Kinder je ein Viertel des Nachlasses.

Erbt ein noch minderjähriges Kind das Vermögen, müssen die Eltern das Erbe verwalten. Dabei ist es die oberste Pflicht der Eltern, im Sinne des Kindes zu handeln und beispielsweise das Geld anzulegen.

Was kann man in einem Testament alles regeln?

Entspricht die gesetzliche Erbschaftsfolge nicht den eigenen Wünschen, möchte man jemanden enterben oder eine Person bedenken, die nicht in einem direkten Verwandtschaftsverhältnis steht, muss der Erblasser dies in einem Testament festhalten. Dabei können in einem Testament nicht nur die gewünschte Erbschaftsfolge, sondern auch Details zur Bestattung festgelegt werden. Grundsätzlich sollten Sie in einem Testament folgende Dinge hinzufügen:

  1. Erbeinsetzung

In Ihrem Testament können Sie selbst bestimmen, wer etwas erben und wer nur einen gesetzlichen Pflichtteil erhalten soll. Grundsätzlich sollte die Erbeinsetzung in einem Testament genau geregelt und deutlich niedergeschrieben sein. Eine bloße Beschreibung wie „diejenige Person, die für mich auch im hohen Alter sorgte“ gilt für die Erbschaftszuschreibung nicht. Sie können eine oder mehrere Personen als Erben einsetzen. Die Erben müssen dabei nicht mit dem Erblasser verwandt sein. Grundsätzlich ist es auch möglich, zu bestimmen was diejenigen Erben erhalten sollen. Beispielsweise können bestimmte Gegenstände an einzelne Personen vermacht werden.

  1. Vorausvermächtnis und Teilungsanordnung

Eine gesetzlich pflichtberechtigte Person vollständig zu enterben, geht hierzulande nur in extremen Ausnahmefällen (Erbunwürdigkeit). Entsprechend bekommen auch Pflichterben, selbst wenn sie im Testament nicht bedacht wurden, die Hälfte ihres gesetzlichen Erbteils. Und auch beim Vermächtnis an bestimmte Personen, muss im Testament ausdrücklich geklärt werden, ob die im Testament genannten Zuwendung auf den Erbteil angerechnet werden soll (Teilungsanordnung) oder nicht (Vorausvermächtnis).

  1. Ersatzerben benennen

Nichts im Leben ist genau vorhersehbar. Deshalb sollten Sie im Testament Ersatzerben benennen, die im Falle des Ablebens der Haupterben, den Nachlass übernehmen können. Bei Bedarf können auch mehrere Ersatzerben benannt werden.

  1. Testamentsvollstrecker bestimmen

Ein Testamentsvollstrecker wird vom Erblasser bestimmt und ist für die Ausführung des letzten Willens zuständig. Er hilft das Erbe zu verwalten und es unter den rechtmäßigen Erben zu verteilen.

Welche Arten von Testamenten gibt es?

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Arten von Testamenten. Zum einen kann der letzte Wille eigenhändig verfasst werden, zum anderen kann das Testament öffentlich durch einen Notar geprüft und verwahrt werden. Beide Formen haben dabei sowohl Vor- als auch Nachteile:

  1. Eigenhändiges Testament

Ein großer Vorteil des eigenhändigen Testaments besteht darin, keine weiteren Personen zu benötigen. Sie können Ihren letzten Willen also jederzeit und an jedem Ort verfassen oder es sofort ändern. Zudem entstehen für die Erstellung des Testaments keine Kosten. Bewahrt man das Dokument zuhause auf, kann es jedoch schnell verloren gehen. Hinzu kommt, dass die eigenhändige Formulierung nicht von einem Experten überprüft wurde. Es besteht also das Risiko, dass das Testament nicht rechtssicher formuliert und damit ungültig wird.

  1. Öffentliches Testament

Ein öffentliches Testament wird von einem Notar in einer Besprechung ausgearbeitet und von ihm geprüft. Das hat den Vorteil, dass das Testament in jedem Fall seine Gültigkeit hat. Hinzu kommt, dass durch die amtliche Verwahrung auch sichergestellt wird, dass das Testament auch nach dem Tod gefunden wird. Der Nachteil: Für die Testamentserstellung müssen Sie einen Termin ausmachen und sind damit weniger flexibel. Auch sind die Kosten für den Notar zu berücksichtigen.

Was ist ein Berliner Testament?

Das Berliner Testament ist in Deutschland weit verbreitet. Es dient dem Ziel, den Lebens- oder Ehepartner auch nach dem eigenen Tod abzusichern. So ermöglicht es das gemeinsame Vermögen für den hinterbliebenen Partner voll zugänglich zu machen, ohne dass dieser sich das Erbe mit dem Kind teilen muss. Die gemeinschaftliche Testamentsform beider Ehegatten bevollmächtigt den länger lebenden Partner also zum Alleinerben. Die Kinder erben erst, wenn beide Elternteile verstorben sind. Ziel ist es durch den vorübergehenden Ausschluss von weiteren Erben, dem Partner das komplette Vermögen zu überlassen. Natürlich können auch in diesem Testament neben den Kindern andere Erben festgelegt werden.

Welche Formalien müssen eingehalten werden?

Damit ein Testament gültig ist, muss der letzte Wille über einige formale Bestandteile verfügen. Diese sind unabdingbar, damit das Testament auch tatsächlich als solches gewertet werden kann. Im Zweifel lassen Sie sich hier von einem Notar beraten und Ihr Testament von diesem auf Richtigkeit prüfen.

Im Wesentlichen muss ein Testament folgende Formalien beinhalten:

  • Handschriftlicher Text
  • Kennzeichnung des Textes als „Testament“ oder „Letzter Wille“
  • Unterschrift auf jeder Seite
  • Angabe von Datum und Ort des Verfassens
  • Nachträgliche Ergänzungen mit Unterschrift und Datum versehen

Damit das Testament nach dem Tod des Erblassers auch tatsächlich gefunden wird, sollte der Verwahrungsort mit mindestens einem Vertrauten bereits zu Lebzeiten besprochen werden. Natürlich kann das Testament auch beim Nachlassgericht Ihres Wohnortes gegen eine Gebühr offiziell verwahrt werden. Bundesweit liegen die Kosten dafür bei 75 Euro, sodass es besonders ratsam ist, diese Variante in Anspruch zu nehmen. Wird bei einem Verstorbenen zufällig ein Testament gefunden, muss dies beim Gericht eingereicht werden, um das weitere Vorgehen zu klären.

Wer kann ein Testament erstellen?

Prinzipiell kann jeder mündige Erwachsene ein Testament erstellen. Minderjährige, die mindestens 16 Jahre alt sind, können ebenfalls einen letzten Willen formulieren, brauchen hierfür jedoch zwingend einen Notar. Da der letzte Wille handschriftlich erfolgen muss, darf dieser von keiner dritten Person niedergeschrieben werden, selbst wenn der Erblasser unterschreibt.

Welche Kosten entstehen durch ein Testament?

  • Kosten für die Testamentserfassung

Die Kosten eines Rechtsbeistands für die Testamentserstellung richten sich nach dem Wert des Nachlasses zum Zeitpunkt der Testamentserfassung. Das heißt, je mehr Vermögen, desto höher die Rechtsanwaltskosten. Natürlich können Rechtsexperten die Geschäftstätigkeit auch nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz abrechnen, oftmals treffen sie jedoch eine Honorarvereinbarung, die für den Kunden besser kalkulierbar ist. Wählen Sie das handschriftliche Testament, entfallen natürlich die Kosten für die Testamentserstellung.

  • Kosten für notarielle Beurkundung

Soll das Testament nun auch notariell beglaubigt werden, fallen Kosten für die Beurkundung an. Diese richten sich nach dem GNotKG (Gerichts- und Notarkostengesetz) und verpflichtet den Notar eine nach dem Gesetz gerichtete Gebühr in Rechnung zu stellen. Auch diese richtet sich nach dem Geschäftswert des Nachlasses. Bei 20.000 Euro sind das z. B. etwa 210 bis 360 Euro.

  • Kosten für Testamentshinterlegung

Soll das Testament zur Verwahrung an das zuständige Amtsgericht gegeben und im zentralen Testamentsregister aufgenommen werden, belaufen sich die Gebühren auf rund 75 Euro Hinterlegungskosten sowie 15 Euro Registrierungskosten.

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