Ein Pflegerin betreut eine Seniorin

Pflegenotstand – Die große Lücke in der Altenbetreuung

Die deutsche Gesellschaft altert. Das stellt unter anderem das Rentensystem und den Arbeitsmarkt unter Druck. Besonders stark davon ist auch die Pflegebranche betroffen: Im öffentlichen Diskurs ist von einem regelrechten Pflegenotstand die Rede. Doch was ist das und was tut die Bundesregierung dagegen?

Inhalt:

Zahlen zum Pflegenotstand

Die Alten- und Krankenpflege kämpft um jede Arbeitskraft. Im Jahr 2018 berichtete die Ärztezeitung, dass in der Alten- und Krankenpflege 25.000 Stellen nicht besetzt seien. Zusätzliche 10.000 Hilfskräfte würden fehlen. Zwei Jahre später berechnen Experten erstmalig, wie viele Pflegekräfte es tatsächlich bräuchte, um die Pflegebedürftigen in Altenheimen angemessen zu betreuen. Das Ergebnis: Es fehlen 120.000 Fachkräfte. Die Zahl der Pflegekräfte müsste also um mehr als ein Drittel (36 Prozent) aufgestockt werden, um die Lücke zu schließen. Rein rechnerisch sollte eine Pflegekraft den Experten zufolge im Schnitt 1,8 Pflegebedürftige betreuen, damit eine angemessene Pflege gegeben sei. Vor allem ausgebildete Fachkräfte und Spezialisten fehlen in der Altenpflege. Darunter in der Onkologie, Experten für klinische Geriatrie, Rehabilitation oder palliative Pflege. Solche Stellen bleiben oftmals über lange Zeiten hinweg vakant.

„Die kleinteiligen Maßnahmen der großen Koalition in den letzten Jahren bleiben wirkungslos, der Arbeitsmarkt für Pflegekräfte ist wie leer gefegt.“ – Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, gegenüber der DPA

Vergleich mit anderen europäischen Ländern

Generell ist der Fachkräftemangel in der Pflege nicht nur ein deutsches Problem. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge gibt es weltweit 57 Staaten, denen Gesundheitspersonal fehle. Viele der Älteren sind deshalb auf Pflege durch Familienangehörige oder professionelle Betreuer angewiesen. Was das Personal angeht, liegen die skandinavischen Länder vorn: In Dänemark und Norwegen ist eine wesentlich bessere Personalausstattung vorhanden. Die skandinavischen Länder unterstützen die vorhandenen Pflegekräfte zudem mehr. In Schweden gibt es zum Beispiel ein für Pflegekräfte angenehmeres Kinderbetreuungssystem, das Schicht- und Nachtarbeit gerecht wird. Pflegekräfte mit Kindern bleiben darum viel länger im Beruf – auch in Vollzeit. Auch im Vergleich zu den westlichen und südlichen Nachbarländern beläuft sich die Personallücke in Deutschland immer noch auf mehrere Zehntausend. In anderen Ländern, darunter Ungarn und Italien, ist Pflege vorrangig eine Familiensache.

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Ursachen für den Pflegenotstand

Der Pflegenotstand in Deutschland hat seinen Ursprung in einer stark wachsenden Nachfrage unter anderem durch die demografische Entwicklung in Verbindung mit einem überschaubaren Angebot an professionellen Pflegemöglichkeiten. Ein Kurswechsel ist bisher nicht in Sicht.

Zahl der auszubildenden Pfleger steigt zu gering

Ein weiteres Problem für den Pflegeberuf: Er gehört nicht gerade zu den beliebtesten Berufen. Im Jahr 2020 waren etwa der Kaufmann für Büromanagement, der Kraftfahrzeugmechatroniker oder Fachinformatiker mit die am meisten gestellten Suchanfragen für Ausbildungsberufe. Pflegekräfte sind unter den Top 10 nicht zu finden. Wie das Bundesgesundheitsministerium berichtet, steigt die Zahl der Auszubildenden in der Pflege zwar (plus 2,1 Prozent zwischen 2015 und 2016), doch der Anteil der Pflegebedürftigen wächst noch rasanter (plus 8,5 Prozent zwischen 2018 und 2019). Darüber hinaus gibt es noch einen wesentlich schwerer wiegenden Grund für den Pflegenotstand: Die deutsche Bevölkerung wird immer älter.

Der demografische Wandel

Das Statistische Bundesamt vermeldet, dass derzeit 5,7 Millionen Menschen in Deutschland als Gesundheitspersonal angestellt sind. Davon haben 12,3 Prozent das 60. Lebensjahr überschritten. Der demografische Wandel wirkt sich also gleich doppelt auf den Pflegeberuf aus. Durch die gute Lebensqualität in westlichen Industrienationen erreichen immer mehr Menschen ein hohes Alter, was das Risiko für schwere Erkrankungen oder eine Pflegebedürftigkeit erhöht. Die Nachfrage nach professioneller Pflege steigt somit deutlich: Aktuell sind nach Destatis etwa 4,1 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Gleichzeitig sinkt allerdings das Arbeitskräftepotenzial. Das bedeutet, für immer mehr Pflegebedürftige gibt es immer weniger Arbeitskräfte, die sich um sie kümmern können.

Teilzeitarbeiter und Leiharbeit

Und zuletzt ist die Art der in der Pflege Beschäftigten ein wichtiger Faktor für den Notstand. Denn der Personalaufbau fand fast ausschließlich über Teilzeitarbeitskräfte statt. Das liegt mitunter an den Arbeitsbedingungen in der Pflege. Weil viele der Pfleger um ihre eigene Gesundheit fürchten, gehen sie in Teilzeitarbeit über, geben den Beruf auf oder wandern in Länder mit besseren Arbeitskonditionen ab.

Alternativen zum Pflegeheim

Mittlerweile gibt es jedoch Optionen, aus denen Pflegebedürftige oder deren Angehörige wählen können, sollten sie sich gegen den Einzug ins Pflegeheim entscheiden. Zunächst einmal wäre da der italienische Weg – die Familie macht alles. Für Familien mit vielen Arbeitstätigen ist das eine eher schwierige Option. Weitere Möglichkeiten im Überblick sind:

  • Senioren-WGs: Hier verlässt die zu betreuende Person ihr gewohntes Umfeld, wohnt aber dann mit Gleichgesinnten zusammen. Vor Ort kümmern sich professionelle Pflegekräfte um die WG-Bewohner.
  • 24-Stunden-Pflege: Eine Betreuungskraft zieht in den Haushalt des Pflegebedürftigen ein und ist jederzeit als Ansprechperson vor Ort.
  • Tagespflege: Die Tagespflege ist eine Form der teilstationären Pflege, bei der ein Pflegebedürftiger stunden- oder tageweise in eine Tagespflegeeinrichtung einzieht. Abends kehrt er zurück nach Hause und übernachtet für gewöhnlich auch dort. Weitere Alternativen zeigen wir in unserem Artikel „Wohnen im Alter“ auf.

Da nicht nur ältere Menschen pflegebedürftig werden, muss bei den Betreuungsmöglichkeiten individuell geprüft werden, welche die beste ist. Für junge Pflegebedürftige gibt es spezielle Angebote.

Ausländische Pflegekräfte für zu Hause

Obwohl der überwiegende Teil des Fachkräftebedarfs laut Bundesregierung durch inländische Arbeitnehmer gedeckt werden könnte, steigt die Zahl der ausländischen Pflegekräfte deutlich. Aktuell sind es knapp 133.000. Vor fünf Jahren hatte ihre Zahl noch 79.000 betragen. 96 Prozent davon sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Bundesregierung verfolgt mehrere Ansätze, um es ausländischen Pflegekräften leichter zu machen, in Deutschland ein Visa und eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. „Deutschland braucht mehr Pflegekräfte“, sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dazu. „Den hohen Personalbedarf können wir ohne Pflegekräfte aus dem Ausland nicht decken. Deshalb erleichtern wir es ausländischen Fachkräften, die mit anpacken wollen und unsere Werte teilen, hier in der Pflege zu arbeiten.“ Einer dieser Ansätze ist das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das eine geplante Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern zum Ziel hat.

Ausländische Fachkräfte sind oftmals kostengünstiger, weswegen sie eine Alternative für Angehörige darstellen, die sich andere Lösungen nicht leisten können. Bei der Beschäftigung ausländischer Hilfskräfte gilt dennoch das deutsche Arbeitsrecht.

Weitere Informationen

Auf ihrer Homepage klärt die Bundesregierung darüber auf, wie sie den Pflegenotstand nachhaltig bekämpfen will. Das Bundesgesundheitsministerium gibt einen Überblick über die Aufgaben der neuen Deutsche Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe (DeFa), die Pflegekräfte aus dem Ausland vermitteln soll. Und zuletzt können Internetportale wie Pflege durch Angehörige dabei helfen, sich auf die Herausforderungen der Pflege einzustellen.

Titelbild: © PIKSEL/ iStock.com

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