Zwei Hände einer alten Frau zählen Kleingeld

Die Grundrente kommt

Letzte Aktualisierung: November 2020

Die Rechnung ist eigentlich einfach. Wer Jahrzehnte lang gearbeitet und die Beiträge der Rentenversicherung gezahlt hat, erhält eine gute Rente. Doch das war bisher leider oftmals nicht der Fall. Deswegen war es an der Zeit, dass die Regierung dem entgegenwirkt. Das Resultat ist die Einführung der Grundrente zum 01. Januar 2021 durch die große Koalition. Der Altersarmut soll dadurch der Kampf angesagt werden. Ab diesem Zeitpunkt soll es die höheren Zahlungen für Rentnerinnen und Rentner geben. Die wichtigsten Informationen zur Grundrente und wer sie erhält, erfahren Sie in unserem Artikel.

Was bedeutet Grundrente?

Die Grundrente ist insbesondere für Menschen gedacht, die trotz eines langen Arbeitslebens eine zu geringe Rente beziehen. Die häufigsten Gründe hierfür sind die zu niedrigen Löhne oder bedingte Auszeiten während des Berufslebens. Jene Rentnerinnen und Rentner haben Deutschland mit aufgebaut, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt, was Respekt und Anerkennung verdient. Diese Idee einer Solidaritätsrente beziehungsweise einer Respektrente stammt von der SPD. Lange Zeit hat sich deren Bundestagsfraktion dafür eingesetzt mit dem Ziel, eine Rente zu gewährleisten, welche deutlich über der sogenannten Grundsicherung liegt, also der früheren Sozialhilfe für Rentner. Im November 2019 kam es schlussendlich zum Durchbruch, da die große Koalition sich auf die Einführung der Grundrente geeinigt hat. Sie wird ab Januar 2021 umgesetzt. Für Rentner ergibt sich hierdurch kein Handlungsbedarf, sie müssen keinen Antrag oder Ähnliches stellen, um die neue Grundrente zu erhalten.

Wer hat Anspruch auf die Grundrente?

Die Grundrente ist für Rentenversicherte gedacht, die mindestens 33 Jahre Pflichtbeiträge gezahlt, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt haben und bei einer Beitragsleistung zwischen 30 und 80 Prozent des Durchschnittsverdienstes liegen. Besonders niedrige Verdienste, wie zum Beispiel aus einem Minijob, die unter 30 Prozent des Durchschnittseinkommens liegen, werden bei der Berechnung nicht berücksichtigt. Das Konzept ist nicht nur für künftige Rentner gedacht. Auch aktuelle Rentner beziehen ab 2021 die Grundrente, insofern sie berechtigt  sind.

Die Grundrente werden voraussichtlich 1,3 Millionen Menschen beziehen können. Einen großen Anteil bilden hierbei Frauen. Rund 70 Prozent der Berechtigten werden weiblich sein, in den meisten Fällen aufgrund der geringeren Löhne während des Berufslebens. Aber auch viele aus den neuen Bundesländern, die jahrelang geringe Löhne bezogen haben, sollen 2021 von der geplanten Grundrente profitieren.

Rentnerinnen und Rentner, die für 33 Jahre Rentenversicherungsbeiträge eingezahlt haben, haben einen Anspruch auf die Grundrente, jedoch nicht in voller Höhe. Gesprochen wird hier auch von einem niedrigeren Grundrentenzuschlag. Für das 33. und 34. Jahr der Beitragszahlung handelt es sich um eine Gleitzone. Ab 35 Jahren Beitragsleistung in der genannten Höhe (30%-80% des Durchschnittsverdienstes), besteht ein voller Anspruch auf die Grundrente.

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Welche Einkommensgrenzen gibt es bei der Grundrente?

Bei der Grundrente soll eine Einkommensanrechnung stattfinden. Die volle Grundrente gibt es bis zu einem monatlichen Einkommen von 1.250 Euro für Ledige und 1.950 Euro für Paare. Das zu versteuernde Einkommen spielt hier die entscheidende Rolle. Das bedeutet, nur wenn das zu versteuernde Einkommen einschließlich der gesetzlichen Rente unter dieser Grenze liegt, erhält man den vollen Rentenzuschlag. Andere Einkünfte wie beispielsweise Kapitaleinnahmen oder Mieterlöse, welche dazu führen, dass die Einkommensgrenze überschritten wird, haben Folgen für Rentner. Denn wenn die Freigrenze durch derartige Einnahmen überschritten wird, erhält er einen geringeren Beitrag oder sogar gar keinen Rentenzuschuss.

Auch hier wurde eine Gleitzone bzw. ein Übergangsbereich eingeführt, in dem die Grundrente noch zu einem gewissen Anteil gezahlt wird. Das bedeutet: Liegt das Einkommen über den genannten Grenzen, wird es zu 60% für den Grundrentenzuschlag angerechnet. Eine Anrechnung zu 100% findet ab einem Monatseinkommen von 1.600 Euro bzw. 2.300 Euro bei Ehepaaren statt. Damit kommt eine Grundrente nicht mehr in Frage.

Berechnung der Grundrente

Die Berechnung der Grundrente basiert auf sogenannten Entgeltpunkten. Das Punktesystem ist die „Währung der Rentenversicherung“. Momentan (Juli 2020) ist ein Entgeltpunkt im Westen rund 34,19 Euro wert, im Osten rund 33,23 Euro. Dadurch soll eine individuelle Bewertung gewährleistet werden. Für jedes Beitragsjahr erhält die Person einen bestimmten Anteil an Entgeltpunkten.

Für ein Einkommen, das dem Durchschnittsverdienst entspricht, sammelt die Person im Jahr genau einen Entgeltpunkt. Liegt das Gehalt unterhalb des durchschnittlichen Einkommens ergibt sich für das Beitragsjahr ein ebenso geringerer Entgeltpunkt. Lag das Durchschnittsgehalt beispielsweise bei 40.000 Euro und die betroffene Person verdiente 30.000 Euro, erhält sie 0,75 Entgeltpunkte. Das prüft die Rentenversicherung automatisch und ermitteln einen Durchschnittswert.

Falls dieser Wert unterhalb der 0,8 Entgeltpunkte lag, wird das zu versteuernde Einkommen geprüft, um eine mögliche Grundrente zu ermitteln. Liegt es bei Alleinstehenden oder Paaren über dem Freibetrag, gibt es einen geringeren Rentenzuschlag. Falls das Einkommen darunter liegt und ein Anspruch auf die volle Grundrente besteht, werden die Entgeltpunkte auf maximal 0,8 erhöht.

Daraufhin erfolgt ein Abzug von 12,5 Prozent, um sicher zu gehen, dass Menschen die mehr eingezahlt haben, auch mehr Geld erhalten.

Um die Berechnung zu veranschaulichen, hier ein Beispiel:

Eine Floristin, die 40 Jahre auf dem Niveau von 40 Prozent des Durchschnittslohns (0,4 Entgeltpunkte) gearbeitet hat, kommt derzeit auf eine monatliche Rente von 547,04 Euro. Mit der Grundrente käme sie künftig auf eine Monatsrente von 965,87 Euro. Das würde einem Zuschuss von 418,83 Euro entsprechen.

Beispielrechnung zur Grundrente

Berechnung:

  • Wurde ein Jahr der Durchschnittsverdienst bezogen, wird damit ein Entgeltpunkt erworben. Ein Entgeltpunkt entspricht derzeit (Juli 2020, West) 34,19 Euro.
  • 40 Jahre mit 0,4 Entgeltpunkten ergeben demnach 16 Entgeltpunkte, also 547,04 Euro.
  • Durch die Grundrente werden die Entgeltpunkte von 0,4 für maximal 35 Jahre auf das Doppelte angehoben.
  • Hiervon werden 12,5 Prozent abgezogen.
  • Es ergibt sich also ein Zuschlag von 12,25 Punkten (16 Punkte x 0,875= 12,25 Punkte). Das entspricht derzeit 418,83 Euro.
  • 547,04 Euro und 418,83 Euro ergeben 965,87 Euro.

Weitere Beispiele für eine Beitragsrechnung hat die SPD auf Ihrer Seite bereitgestellt.

Verhindern Grundrente und Grundsicherung die Altersarmut?

Die Einführung der Grundrente wird das Problem der Altersarmut nicht verhindern beziehungsweise lösen können, aber sie hilft. Denn vor allem Personen mit niedrigen monatlichen Renten sind in Städten mit hohen Lebenshaltungskosten auch mit Einführung der Grundrente auf die Grundsicherung im Alter angewiesen. Für Betroffene gibt es hier den Freibetrag in der Grundsicherung. Dieser besagt, dass Rentner die ersten 100 Euro ihrer Rente behalten dürfen, von jedem weiteren Euro der Rente nur noch 30 Cent (30 Prozent). Das Maximum liegt in diesen Fällen bei der Hälfte (50 Prozent) des Regelsatzes der Grundsicherung, in 2021 also 221 Euro im Monat. Zudem gibt es einen Freibetrag beim Wohngeld für Bezieher der Grundrente, um zu verhindern, dass Ihnen der Anteil, den sie durch die Grundrente erhalten haben, beim Wohngeld direkt abgezogen wird. Das findet erneut in Städten oder Orten mit erhöhten Mietpreisen Anwendung.

Die Rentenlücke wird durch die Grundrente nicht geschlossen. Besonders Frauen, Langzeitarbeitslose sowie Erwerbsunfähige sind betroffen. Da dieses Problem also nicht vollständig gelöst werden konnte, ist es ratsam, sich in jungen Jahren um eine private Altersvorsorge zu bemühen. Die optimale finanzielle Vorsorge ist die private Rentenversicherung der IDEAL Versicherung IDEAL UniversalLife. Sie ist für alle, die im Alter keinem Risiko ausgesetzt sein möchten und so ihre wohlverdiente Rente genießen können.

Titelbild: MarianVejcik / iStock.com

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