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Richtig trauern
Richtig trauern ist wichtigEs besteht heute weitestgehend Einigkeit darüber, dass die einzelnen Trauerphasen durchlaufen bzw. abgearbeitet werden müssen. Geschieht dies nicht, ist ein Zustand pathologischer (krankhafter) Trauer sehr wahrscheinlich. Häufigste Erscheinungsform der pathologischen Trauer ist die als chronische Trauer bezeichnete dauerhaft tiefe Depression. Beeinträchtigt werden kann die psychische Genesung u.a. durch unbewusste Schuldgefühle oder Aggressionen gegenüber dem Verstorbenen. Als eine der wichtigsten Ursachen der Unfähigkeit zu erfolgreicher Trauerarbeit wird auch die Verdrängung des Todes und der Sterblichkeit aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein beschrieben. Als ein Grund dafür wird der Leistungs- und Erfolgsgedanke – vor allem in den westlichen Industriegesellschaften – angeführt. Ein Trauernder ist nicht optimistisch gestimmt, nicht vital und leistungsbereit. Er bleibt in der beruflichen Konkurrenz zurück bzw. wird von Vorgesetzten mit betrieblichen Erwartungen konfrontiert. Diese Umstände können auf die Unterdrückung der Trauer hinwirken oder wirken sich zusätzlich negativ auf das Befinden aus. Die einzelnen Trauerphasen wurden ursprünglich von Verena Kast, einer Schweizer Psychologin, entwickelt und stellen heute eine wichtige Grundlage für das Verständnis der Trauerprozesse dar: Die Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens: Schock und VerleugnungDiese Phase kann von einigen Stunden bis zu einigen Monaten andauern. Der Betroffene hat die Nachricht des Todes erhalten, er kann sie aber gefühlsmäßig noch nicht nachvollziehen. Er ist wie im Schock. Die Phase der aufbrechenden GefühleIn dieser Phase wechseln sich Gefühle der Verzweiflung, der Hilflosigkeit, der Schuld und Wut ab. Zugleich geht diese Phase einher mit körperlichen Auswirkungen wie Appetitlosigkeit oder Fressanfällen, Schlaflosigkeit und Konzentrationsstörungen. Diese Phase kann sehr lange, zwei Jahre und länger, anhalten. Gerade in dieser Phase ist eine geeignete Trauerbegleitung sehr hilfreich. Die Phase der langsamen NeuorientierungIn dieser Phase nimmt der Trauernde den Verlust langsam an. Er nimmt alte Gewohnheiten und Aktivitäten wieder auf und entwickelt allmählich ein neues Selbstwertgefühl. Neues inneres GleichgewichtIn der letzten Phase empfindet der Trauernde ein neues seelisches und körperliches Gleichgewicht. Er reflektiert die Vergangenheit mit dem Verstorbenen auch kritisch und hat sich ein neues Leben ohne den Verstorbenen aufgebaut. Ein neuer Lebenssinn wurde gefunden. Anzumerken ist, dass die einzelnen Trauerphasen zwar wissenschaftlich abgesichert sind, jedoch lediglich ein Modell darstellen. Die einzelnen Trauerphasen können sich überlappen bzw. zusammenfallen. Einzelne Phasen können auch in einer anderen Reihenfolge auftreten, jedoch muss für eine gelungene Trauerverarbeitung jede einzelne Phase durchlebt werden. |









