Pinker Wecker vor lila Hintergrund, Zeiger auf drei Uhr zur Zeitumstellung

Zeitumstellung – Probleme mit der Gesundheit?

Im Jahr 2021 soll es so weit sein: Die Zeitumstellung soll abgeschafft werden. Das hat vor wenigen Tagen das EU-Parlament verhandelt. Die Abgeordneten stimmten in Straßburg für das Ende der Sommerzeit. Zur tatsächlichen Abschaffung der Zeitumstellung müssen nun nur noch die Mitgliedsstaaten sowie der Ministerrat des Europäischen Parlaments zustimmen. Die Abstimmung ist für Juni vorgesehen.

Die Abschaffung der Sommerzeit soll vor allem eines bewirken: Die gesundheitlichen Probleme, die durch die Zeitumstellung verursacht werden, verringern. Befürworter der Sommerzeit denken, ein längerer Sommerabend sei schön und gut für die Gesundheit. Doch was bedeutet es eigentlich für den Körper, wenn die Zeit im Sommer umgestellt wird? Und hat die dauerhafte Wiedereinführung der Normalzeit wirklich Vorteile?

Inhalt

Warum stellen wir die Zeit um?

Die Sommerzeit gibt es bereits seit 1916 in Deutschland. Zusammen mit Großbritannien wurde die Zeit im Sommer um eine Stunde vorgestellt. Der Grund: Auf Basis von wissenschaftlicher Forschung wollte man das Optimum an nutzbarer und heller Tageszeit gewinnen. Doch bereits 1950 wurde die Sommerzeit wieder abgeschafft.

Ein Revival fand die Zeitumstellung erst 1980 wieder. Der Grund war diesmal ein anderer. Die Nachwirkungen der Ölkrise von 1973 setzten Politiker unter Druck. Energie-Sparmaßnahmen bildeten den einzigen Ausweg. Mit der Zeitumstellung sollten die Menschen die energiepolitischen Ziele umsetzen. Die Zeitverschiebung um eine Stunde nach vorne sollte die Bürger dazu bringen erst später das Licht einzuschalten. Die Idee brachte jedoch nicht recht viel. Denn zwar wurde beim Strom mehr gespart, dafür wurde mit der Sommerzeit auch in den kühlen Monaten am dunkleren Morgen mehr geheizt.

Nun soll die Sommerzeit abgeschafft werden. Denn viele Forscher sind davon überzeugt, dass die Sommerzeit gesundheitliche Schäden verursachen kann. Doch warum ist das so?

Die Chronobiologie weiß mehr

Die Chronobiologie beschäftigt sich mit der Erforschung von biologischen Rhythmen. Und daher auch mit den Zeitgebern, die diese biologischen Rhythmen ermöglichen – wie beispielsweise dem Sonnenaufgang und -untergang oder der Sommer- und Winterzeit.

Jeder Mensch besitzt einen eigenen Rhythmus, bezogen auf seine natürlichen Schlaf- und Wachzeiten. Diese biologische Rhythmik eines jeden Menschen kann der Chronobiologie zufolge einen von drei Chronotypen zugeteilt werden. Der eigene „Chronotyp“ ist dabei genetisch festgelegt und orientiert sich an der inneren Uhr eines jedes Menschen.

  1. Chronotyp „Lerche“
    Lerchen sind klassische Frühaufsteher. Menschen dieses Chronotyps wachen bereits zwischen 5 und 6 Uhr auf. Oft sogar ohne Wecker. Auch am Wochenende sind Lerchen früh wach, obwohl sie nicht unbedingt aufstehen müssten. Während andere bis 10 Uhr ausschlafen, sind „Lerchen“ in dieser Zeit besonders aktiv.

In der Früh umtriebig zu sein, bedeutet im Umkehrschluss jedoch abends entsprechend früh schlafen zu gehen. Kurz nach neun meldet sich bei „Lerchen“ also schon das Sandmännchen. Natürlich sind auch nicht alle Lerchen gleich. Insgesamt sind Lerchen jedoch deutlich vor Eulen wach und leistungsfähig.

  1. Chronotyp „Eule“
    Eulen sind typische Langschläfer. Vor 11 Uhr vormittags sind Menschen dieses Chronotyps kaum ansprechbar. Erst ab spätem Nachmittag sind „Eulen“ aktiv und leistungsfähig. Dafür hält dies bis in die späten Abendstunden an. „Eulen“ verspüren meist erst sehr spät Müdigkeit und gehen am liebsten erst nach Mitternacht ins Bett.

Natürlich gibt es auch hier unterschiedliche Varianten. Manche Eulen gehen bereits zwei Stunden nach Mitternacht ins Bett und stehen um 10 Uhr wieder auf. Extreme „Eulen“ gehen sogar erst dann ins Bett, wenn Lerchen schon wieder aktiv sind.

  1. Chronotyp „Normaltyp“
    Zum Normaltyp gehören die meisten Menschen. Der durchschnittliche Chronotyp. Sie gehen gegen Mitternacht ins Bett und stehen zwischen 8 und 9 Uhr wieder auf.

So unterschiedlich die Schlafrhythmen sind, brauchen alle Chronotypen gleich viel Schlaf. Eulen schlafen also nicht mehr oder weniger als Lerchen. Der Unterschied liegt im Aufkommen der Müdigkeit.

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Die Verteilung der Lerchen, Eulen und Normaltypen misst dabei immer die Schlafenszeit an einem arbeitsfreien Tag. Denn natürlich kann nicht immer der individuelle Schlafrhythmus auch ausgelebt werden. Termine, Arbeit oder Schule zwingen die Menschen ihren biologischen Rhythmus anzupassen.

Und auch die Umstellung auf Sommerzeit macht dem eigenen Schlafrhythmus Probleme. Denn die innere Uhr richtet sich vor allem nach der Tageslänge. Wird uns eine Stunde ‚geklaut’, ist die Umstellung vor allem für Eulen schwer, müssen sie entgegen ihrer inneren Uhr besonders an Arbeitstagen noch früher aufstehen. Die Folgen sind ähnlich einem Jetlag.

Mehr zu den Chronotypen und die Folgen der Anpassung der inneren Uhr an gesellschaftliche Zwänge erklärt Prof. Till Roenneberg vom Institut für Medizinische Psychologie der LMU in diesem Podcast. Reinhören lohnt sich!

Diese Auswirkungen hat die Zeitumstellung auf den Körper

Die ersten Wochen nach der Zeitumstellung bescheren vielen Menschen körperliche und geistige Beschwerden. Besonders Nervosität, Erschöpfung und Schlafstörungen sind die Folgen. Auch Depressionen können sich kurzzeitig einstellen. Zudem steigt kurz nach der Zeitumstellung auch die Gefahr für Schlaganfälle und Herzinfarkte.

Auswirkungen der Zeitumstellung im Überblick

  • Schlafstörungen
  • Nervosität & Stress
  • Geringere Leistungsfähigkeit
  • Erschöpfung & Müdigkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Unbehagen / Unwohlsein
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Depressionen

Zwar sind diese Reaktionen auf eine Zeitumstellung individuell und müssen nicht bei allen Personen auftreten, doch besonders bei Personen vom Chronotyp „Eule“ zeigen sich die Probleme laut Studien häufiger. Im Normalfall sind die Symptome – ähnlich einem Jetlag – bereits nach ein bis zwei Tagen wieder vorbei. In Extremfällen können sich aus den anfänglichen Beschwerden jedoch auch chronische Krankheiten entwickeln.

Dabei sind gesundheitliche Beschwerden aufgrund der Zeitumstellung nicht nur für die Betroffenen problematisch. Auch wirtschaftlich hat die Umstellung weitreichende Folgen. Denn eine verringerte Produktivität und vermehrte Krankschreibungen in den Folgewochen erhöhen die Kosten für das Gesundheitssystem. Zudem steigt laut Angaben des ADAC die Zahl der Verkehrsunfälle direkt nach der Umstellung. Ganze 7 Prozent mehr Unfälle gibt es direkt am Montag nach der Zeitumstellung.

Besonders die Umstellung zur Sommerzeit sei problematisch, meinen Experten. Da uns eine Stunde Schlaf genommen wird, wirke sich die Umstellung stark auf den Schlaf aus.  Dies führe einer Studie der Universität Erlangen-Nürnberg zufolge sogar zur kurzzeitigen Reduktion der Lebenszufriedenheit. Der Grund liegt in genau dem durch die Zeitumstellung verursachten Beschwerden des Jetlags. Die Umstellung im Herbst dagegen habe keine Auswirkungen.

Tipp zur Zeitumstellung

Doch wie können Sie die letzten Zeitumstellungen im Sommer vor der Abschaffung besser überstehen, damit Ihr Körper nicht unter körperlichen und psychischen Beschwerden nach der Zeitumstellung leidet? Hierfür gibt es einen ganz einfachen Trick. Und der lautet: Rechtzeitig umgewöhnen. Die Zeitumstellung ist nämlich deshalb so belastend, weil es sich bei der Verschiebung um eine plötzliche Umgewöhnung handelt. Wer sich also darauf vorbereiten will, sollte seinen Schlafrhythmus kurz vor der Zeitumstellung langsam anpassen.

Stehen Sie also in den Tagen vor der Zeitumstellung jeden Morgen etwa 10 – 15 Minuten früher auf. So gewöhnt sich Ihre innere Uhr langsam an die Veränderung. Am Tag der Zeitumstellung reagiert ihr Körper dann nicht mehr so stark auf den „Zeit-Schock.“ Gleichzeitig sollten Sie natürlich auch jeden Tag um dieselbe Minutenzahl früher schlafen gehen. Mit dieser schonenden Methode lässt sich der Jetlag ganz einfach abfedern und Sie kommen gut durch die Zeitumstellung.

Ewige Sommerzeit? Nein Danke!

Klingt also, als ob die Abschaffung der Zeitumstellung eine gute Idee sei. Keine Rhythmusstörungen der inneren Uhr, keine Schlafprobleme, mehr Leistungsfähigkeit. Stellt sich nur noch die Frage, welche Zeit eigentlich danach gelten soll: Winter- oder Sommerzeit? Die Winterzeit gilt als eigentliche Normalzeit. Doch die erst kürzlich durchgeführte, nicht repräsentative Online-Umfrage der EU-Kommission zeigte: Zwar sind 84 Prozent für eine Abschaffung der Zeitumstellung, die meisten davon befürworten jedoch die Einführung einer dauerhaften Sommerzeit. Damit würde bei uns nicht die ursprüngliche Normal- sondern „künstliche“ Sommerzeit gelten.

Die meisten Wissenschaftler finden diesen Umstand fatal und warnen vor der dauerhaften Einführung der Sommerzeit. Die Folgen könnten nämlich gravierend sein. Till Roenneberg von der LMU München befürchtet, dass die Beschwerden zur Zeitumstellung noch erhöht werden würden. Die Menschen müssten bei einer dauerhaften Sommerzeit mit Depressionen, Schlaf- und Lernproblemen rechnen.

Besonders Schüler und Studenten seien Betroffen. Denn während der Pubertät sei der Körper vor allem auf den Chronotyp „Eule“ programmiert. Der eigentliche Chronotyp im Erwachsenenalter zeige sich erst ab Mitte 20. Schüler und Studenten schlafen demzufolge spät ein und stehen spät auf. Eine Einführung der Sommerzeit – ohne Anpassung der Schul- und Vorlesungszeiten – würde für sie eine Verkürzung der Schlafzeit bedeuten.

Hinzu kommt, dass bei dauerhafter Sommerzeit die Morgen wesentlich dunkler sind. So müssten alle Personen an wesentlich mehr Tagen im Dunkeln aufstehen, was neben Niedergeschlagenheit auch Schulwege in der dunkleren Morgendämmerung bedeutet. Ein Anstieg der Verkehrsunfälle ist daher nicht auszuschließen.

Forscher und die Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) sind deshalb zwar für die Abschaffung der Zeitumstellung, jedoch auf Basis der Normalzeit. Denn in der Winterzeit würden die bisherigen Lichtverhältnisse denen der biologischen Uhr entsprechen.

Bis diese Debatte geklärt ist, heißt es jedoch ein weiteres Jahr: Zeitumstellung. Am 31. März werden die Uhren um drei Uhr nachts um eine Stunde vorgestellt. Ein weiteres Jahr mit Sommerzeit kann also kommen.

Titelbild: © A-Basler / iStock.com

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