Krebsmythen - Hände unter fließendem Wasserhahn waschen

Zehn falsche Krebsmythen

Falsche Informationen über Krankheiten können lebensgefährlich sein. Mythen über Krebserkrankungen können erhebliches Leid über Betroffene bringen, denn sie bekommen so den Eindruck, sie haben ihr Schicksal selbst zu verantworten. Auf der anderen Seite sorgen Vorwürfe, dass ein bestimmtes Verhalten Krebs auslösen wird, für unnötigen Stress. Die Gefahr von Krebs lässt sich nur durch wissenschaftlich fundierte Aufklärung reduzieren. Dazu gehört auch, Vorurteile, Mythen und falsche Annahmen über Krebs zu entlarven.

1. Brustkrebs durch zu enge Büstenhalter

Dieser Mythos hält sich hartnäckig. Dabei stimmt es nicht, dass zu enge Büstenhalter Brustkrebs auslösen können. Ursache für die Verbreitung dieser Aussage war eine Veröffentlichung aus den USA. Die Autoren schlussfolgerten eine erhöhte Gefahr an Brustkrebs zu erkranken, aus der Tatsache, dass enge Kleidung den Lymphfluss behindert und so der Abtransport von Giftstoffen gestört wird. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Beweise und auch keinen erkennbaren Zusammenhang.

2. Ist Krebs ansteckend?

Krebs ist keine Infektionskrankheit. Der Patient gibt auch keine Krebszellen ab. Kommt dennoch ein gesunder Mensch mit Krebszellen in Berührung, erkennt das eigene Immunsystem die erkrankten Zellen sofort und bekämpft sie. Umgekehrt geht allerdings für Krebspatienten eine „Gefahr“ von anderen Menschen aus, wenn diese akut unter einer ansteckenden Krankheit leiden. Das kann auch nur ein harmloser Schnupfen sein, denn das Immunsystem des Krebspatienten ist so geschwächt, dass es sich kaum ausreichend zur Wehr setzen kann.

3. Die Krebsdiät kann Krebs verhindern oder die Erkrankung heilen

Ernährung spielt bei Krebs eine wichtige Rolle. Krebszellen brauchen z. B. viel Zucker. Aus diesem Grund sollten Krebspatienten mit Zucker sparsam sein. Der Krebs verändert außerdem den Stoffwechsel des Patienten. Es ist aber nicht möglich, Krebs durch den Verzicht auf Zucker „auszuhungern“. Da sich der Stoffwechsel von Krebspatienten verändert, sollte die Ernährung angepasst werden. Der Bedarf an Eiweiß, Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen ist hoch. Auch Fett darf nicht vom Speiseplan gestrichen werden. Patienten, die sich grundsätzlich ausgewogen ernähren, sollten auf ihr Bauchgefühl hören. Der maßvolle Umgang mit Zucker ist erlaubt.

4. Fleischkonsum löst Krebs aus

Hier sorgte eine Veröffentlichung der WHO aus dem Jahr 2015 vorübergehend für Verwirrung. Aus ihr ging hervor, dass verarbeitetes Fleisch die Gefahr einer Krebserkrankung erhöht. Wenige Tage später folgte eine deutlichere Formulierung der Angaben, aus der dann hervorging, dass verarbeitetes, also z.B. geräuchertes Fleisch, bei häufigem Konsum zwar das Risiko einer Krebserkrankung erhöhen kann, dies aber in keinem Verhältnis zu anderen Risikofaktoren steht. Dafür, dass unverarbeitetes Fleisch das Krebsrisiko erhöht, fanden die Wissenschaftler im Rahmen der Studien keinen Hinweis. Dennoch zeigt sich, dass eine fleischarme Ernährung gesünder ist, als hoher Fleischkonsum.

5. Verletzungen können Krebs auslösen

Auch dieser Mythos wird immer wieder verbreitet. Der Gedanke dahinter ist, dass Verletzungen Veränderungen im Gewebe auslösen und damit die Gefahr von Krebs erhöhen. Auch das ist falsch.

6. Impfungen und Krebs

Impfungen werden immer wieder im Zusammenhang mit Krebs genannt, jeweils mit verschiedener Erklärung. In den letzten Jahren wurde vor allem die HPV-Impfung als möglicher Auslöser von Gebärmutterhalskrebs vermutet. Diese Aussage ist nicht zutreffend. Eine Gefahr würde lediglich bestehen, wenn der Impfstoff Erbmaterial des Virus enthalten würde, was ebenfalls nicht stimmt. Stattdessen trägt die Impfung dazu bei, Krebserkrankungen zu verhindern.

7. Die 5-Jahres-Regel

Immer wieder wird erzählt, dass Menschen, die sich von einer Krebserkrankung erholen, als geheilt gelten, wenn sie in den folgenden fünf Jahren keinen Rückfall erlitten haben. Das ist leider nicht zutreffend. Zwar gibt es Unterschiede bei den verschiedenen Krebsarten, aber gerade bei Krebserkrankungen, die hormonabhängig sind, müssen die Patienten sorgsam und lebenslang überwacht werden, da die Gefahr eines erneuten Auftretens gegeben ist.

8. Brustkrebs durch Abtreibung

Auch dieser Mythos findet immer wieder Erwähnung. Tatsächlich gibt es aber keinen Hinweis darauf, dass eine Abtreibung die Wahrscheinlichkeit für Krebs erhöht. Hier ist zu vermuten, dass der Mythos von Abtreibungsgegnern verbreitet wurde, um Frauen von ihrem Vorhaben abzubringen. Das Risiko einer Krebserkrankung steigt auch nicht nach einer Fehlgeburt.

9. Die Sterilisation als Ursache

Die Aussage lautet, dass die Gefahr von Eierstockkrebs bei Frauen steigt, wenn sie eine Sterilisation, also eine Durchtrennung der Eileiter, haben vornehmen lassen. Das konnte wissenschaftlich nicht belegt werden. Ein wenig anders ist die Prognose bei Männern nach einer Vasektomie. Hier besteht Grund zur Annahme, dass die Gefahr von Prostatakrebs möglicherweise höher ist, als das bei Männern ohne Durchtrennung der Samenleiter der Fall ist.

10. Wer glücklich ist, erkrankt nicht an Krebs

Die Behauptung ist falsch. Stress und Trauer belasten zwar das Immunsystem, sie lösen aber keinen Krebs aus. Auch bei diesem Mythos ist davon auszugehen, dass die Angst vor Krebs die Hoffnung schürt, selbst vorbeugend etwas gegen eine Erkrankung unternehmen zu können. Möglichkeiten gibt es auch, nämlich eine gesunde Lebensweise, aber auch das bietet keinen absoluten Schutz, da zu viele Faktoren das Risiko erhöhen, die nicht beeinflussbar sind. Ein Leben in Zufriedenheit ist dennoch ein wichtiges Ziel.

So begegnen Sie der Angst vor dem Krebs

Sollte aus Ihrem nahen Verwandtenkreis eine oder mehrere Personen an Krebs erkrankt sein, sollten Sie sich beraten lassen. Das ist besonders wichtig, wenn es sich in mehreren Fällen um die gleiche Krebserkrankung handelt. Oftmals ist es möglich, Ihr persönliches Risiko durch eine Blutuntersuchung festzustellen. Selbst wenn das Risiko bei Ihnen bestätigt wird, sind Sie der Entwicklung aber nicht hilflos ausgeliefert. Das Gegenteil ist der Fall. Sie können durch regelmäßige Untersuchungen und eine gesunde Lebensweise die Chance auf ein gesundes Leben deutlich erhöhen. Sollten Sie sich davon angesprochen fühlen, suchen Sie Ihren zuständigen Facharzt auf. Wenn Sie sich allgemein informieren wollen, wenden Sie sich an Ihre Krankenkasse. Alle Versicherer verfügen über Informationsmaterial, mit dessen Hilfe Sie sich umfangreich informieren können.