Zwei streitende Frauen stecken die Köpfe aneinander

Streitkultur: Worüber streiten die Deutschen

Eigentlich besitzen die Deutschen ein recht ruhiges Gemüt. Doch in manchen Situationen fährt auch der entspannteste Mensch mal aus der Haut. Egal ob private Streitigkeiten oder im Straßenverkehr, auch die Deutschen bringen so manche Umstände auf die Palme. „Deutschlands großer Streitatlas 2017“ zeigt, wo, mit wem und vor allem über was die Menschen streiten.

Streitfälle in Deutschland nehmen zu

„Deutschlands großer Streitatlas“ wurde erstmals 2013 veröffentlicht und wertete bis heute 1,7 Millionen Streitfälle der ADVOCARD aus. Das Ergebnis: Immer mehr Deutsche streiten sich bis hin zu einem Gerichtsverfahren. Im Jahr 2016 stieg das Streitaufkommen um 2,8 Prozent an. Bundesweit liegt dieser Wert nun bei 25,1 Prozent. Damit war bereits jeder Vierte in Deutschland schon mal in einen Rechtsstreit verwickelt.

Wo die Streithähne wohnen?

Die leidenschaftlichsten unter den Streithähnen sind erneut die Berliner. Wie bereits in den Jahren zuvor, streiten die Menschen dort am meisten: 31,2 Streitfälle pro 100 Einwohner. Aber auch die Bürger in Nordrhein-Westfalen können mithalten. In Sachen Streit rangieren sie auf Platz zwei.

Bundesland Streitfälle pro 100 Einwohner
1. Berlin 31,2
2. Nordrhein-Westfalen 28,8
2. Hamburg 28,8
4. Brandenburg 27,6
5. Hessen 25,9
5. Schleswig-Holstein 25,9
7. Rheinland-Pfalz 25,7
7. Sachsen-Anhalt 25,7
9. Bremen 25,6
10. Niedersachsen 25,5
10. Saarland 25,5
12. Mecklenburg-Vorpommern 25,4
13. Sachsen 24,7
14. Thüringen 24,4
15. Baden-Württemberg 23,2
16. Bayern 21,3

Quelle: Streitatlas 2017

Auf Stadtebene lagen sieben der Top-10 Streitstädte in NRW. Platz Eins und damit „Zoffhochburg“ ist die Stadt Leipzig.

Die 10 streitlustigsten Großstädte (ab 300.000 Einwohner)

  1. Leipzig
  2. Köln
  3. Frankfurt a. M.
  4. Düsseldorf
  5. Wuppertal
  6. Duisburg
  7. Mannheim
  8. Dortmund
  9. Bonn
  10. Essen

Quelle: Streitatlas 2017

Und wo wird nun am wenigsten gestritten? In Bremen! Das kleinste Bundesland Deutschlands verzeichnete sogar 2016 weniger Streitigkeiten als noch in den Jahren davor.

Quelle: Streitatlas 2017

Konflikte entstehen überall

Doch eines ist in ganz Deutschland gleich: Die Ursache für Streitigkeiten liegt meist im privaten Bereich. Über 40 Prozent der Streitfälle stammen aus dem Privatleben. Darunter besonders häufig Scheidungs- und Erbstreitigkeiten. Aber auch Konflikte mit Reiseveranstaltern landen sehr oft vor Gericht. Eine weitere Ursache für Streit liegt im Straßenverkehr. 27,9 Prozent der Streitfälle stammen aus diesem Bereich und legten im vergangenen Jahr sogar um satte 3,2 Prozent zu. Zuletzt verzeichnet der Streitatlas auch noch Fälle, die sich unter den Kategorien Arbeitsumfeld (13,4 Prozent), Wohnen (11,2 Prozent) sowie Behörden und Finanzen (7,5 Prozent) zusammenfassen lassen.

Streithahn oder -henne?

Streitigkeiten sind Männersache. Denn über zwei Drittel der Streitigkeiten werden von Männern ausgetragen. Aber nicht nur die Häufigkeit der Streitigkeiten variiert zwischen den Geschlechtern, sondern auch die zugrundeliegende Ursache. Männer streiten sich häufiger (30,6 Prozent) mit anderen Verkehrsteilnehmern als Frauen (22,4 Prozent). Frauen (13,3 Prozent) dagegen streiten sich häufiger als Männer (10,1 Prozent) im Bereich Wohnen. Ungefähr gleich verteilt auf die Geschlechter sind die Streitigkeiten in privaten Fällen wie Erbschafts- oder Scheidungsverfahren.

Immer mehr Streitküken

Zudem werden die Streitparteien immer jünger. Zwar entfällt ein Viertel der Streitenden auf die Altersgruppe zwischen 46 und 55 Jahren, dennoch nimmt der Anteil der Konfliktparteien unter 36 Jahren zu. Während vor 15 Jahren lediglich 3,1 Prozent aller Streithähne aus dieser Altersgruppe stammten, sind es nun bereits 23,7 Prozent.

Altersgruppen Anteil in Prozent
18 bis 25 Jahren 3,5
26 bis 35 Jahren 20,2
36 bis 45 Jahren 23,8
46 bis 55 Jahren 28,4
56 bis 65 Jahren 16,1
66 Jahre und mehr 8,0

Quelle: Streitatlas 2017

Rechtsprechung: Die Deutschen ziehen vor Gericht

Zudem landen die Streitigkeitsfälle meist vor Gericht. Denn lediglich 11 Prozent werden außergerichtlich geklärt. Die Sturheit hat weitreichende Folgen. Denn ein Gerichtsverfahren ist meist nicht nur sehr teuer, sondern auch ein langwieriger Prozess. Bis ein Streit also beigelegt wird, vergeht laut dem Streitatlas auch immer mehr Zeit. Die Verfahren, die zwölf Monate und mehr dauern, stiegen um vier Prozentunkte an. Schnelle Klärungen, die eine Verfahrenszeit von sechs Monaten und weniger dauern, sinken dagegen um 3,4 Prozentpunkte. Doch eine Besserung gibt es: Denn auch Blitzentscheidungen nehmen zu. Streitfälle die bis drei Monate gelöst werden, steigen um 2,6 Prozentpunkte an.

Frühzeitige Rechtsberatung und eine dazugehörige Absicherung sind deshalb unumgänglich. Doch lediglich 24,2 Prozent der Deutschen besaßen 2017 eine entsprechende Rechtschutzversicherung.

Titelbild: © Voyagerix