Wild auf der Straße und ein Hinweisschild dazu

Wildunfall – So verhalten Sie sich richtig

Die dunkle Jahreszeit ist angebrochen. Die Nächte werden länger, die Tage kürzer – und die Gefahr für Unfälle steigt. Doch nicht nur durch Frost und Schnee, sondern auch durch Wildtiere. Diese sind häufig dann unterwegs, wenn Autofahrer weniger sehen. Doch wie geht man richtig mit Wildunfällen um?

Zahlen zu Wildunfällen

Pro Jahr meldet das Statistische Bundesamt im Schnitt 270.000 Wildunfälle. Im Jahr 2018 zahlten die deutschen Versicherer für jeden Wildunfall mit einem Pkw durchschnittlich mehr als 2.800 Euro. Das macht insgesamt einen wirtschaftlichen Schaden von 757 Millionen Euro. Besonders oft trifft es hierbei Rehe. Rehwild ist laut dem Deutschen Jagdverband (DJV 2018) mit 191.590 Fällen deutschlandweit am meisten von Wildunfällen betroffen. Wildschweine folgen mit 34.550 Fällen und Damwild mit 4.010 Fällen. Die größte Gefahr für Wildtiere ist die steigende Mobilität des Menschen. Seit 1975 hat sich das Verkehrsaufkommen vervierfacht, die Zahl der Wildunfälle stieg sogar um das Fünffache.

Wo und wann passieren die meisten Wildunfälle?

Der aktuellen Wildunfallstatistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zufolge ist das Risiko für Wildunfälle zwischen April und Mai sowie von Oktober bis Dezember am höchsten. Im Frühjahr sind es vorrangig Wildschweinrotten mitsamt ihrer Frischlinge, die die Unfallgefahr um etwa 20 Prozent erhöhen. Gegen Jahresende wiederum beginnt die Brunftzeit der Hirsche, die dann, verglichen mit dem Rest des Jahres, deutlich aktiver werden. Als besonders gefährlich gilt die Morgendämmerung, also die Zeit zwischen sechs und acht Uhr. Vor allem in Waldabschnitten und an Feldrändern befinden sich sogenannte Wildwechsel, wo dann Vorsicht geboten ist.

Bei welchen Tieren handelt es sich um einen Wildunfall?

Nicht jeder Unfall mit einem wilden Tier ist automatisch ein Wildunfall. Das liegt daran, dass in Deutschland generell zwischen Wildtieren und wildlebenden Tieren unterschieden wird. Als Wild gelten alle zur Jagd freigegebenen Landwirbeltiere, also Säugetiere und Vögel. Das Bundesjagdgesetz unterscheidet weiterhin zwischen Haarwild und Federwild.

Zum Haarwild gehören unter anderem:

  • Rehe und Hirsche
  • Wildschweine
  • Hasen, Füchse, Marder
  • Elche
  • Fischotter

Unfälle, die Haarwild betreffen, gelten als Wildunfälle, der daraus entstandene Schaden als Wildschaden.

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Wie verhindert man Wildunfälle?

Wichtig hierbei: Tiere können die Geschwindigkeit von Autos nicht einschätzen und wissen nicht mit ihnen umzugehen. Es kann daher sein, dass ein Reh, das zuerst noch am Fahrbahnrand wartet, plötzlich vor das Auto springt. Wer vorausschauend fährt und ein erhöhtes Gefahrenbewusstsein hat, kann sein Risiko für einen Wildunfall deutlich senken.

Drei Tipps, um mit einer Wildsichtung umzugehen:

  1. Sobald ein Tier in Sicht kommt, ist angeraten, vom Gas zu gehen und den Wagen abzubremsen.
  2. Betroffene sollten das Fernlicht abschalten, da dieses das Tier blenden kann.
  3. Ein lautes Hupen kann dabei helfen, das Tier zu vertreiben und die gefahrlose Weiterfahrt zu ermöglichen.

Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass Wild zuweilen nicht allein unterwegs ist – ein zweites Tier kann stets in der Nähe sein.

Vorausschauendes Fahren und erhöhtes Gefahrenbewusstsein helfen, folgenschwere Wildunfälle zu vermeiden. Die Tiere überqueren besonders häufig in Waldabschnitten und an Feldrändern die Straßen. Und das vor allem in den Abend- und frühen Morgenstunden während der Dämmerung. Wichtig: Fuß vom Gas und immer bremsbereit sein!

Was tun bei einem Wildunfall?

Bei einem Wildunfall sollten die Betroffenen zuerst einmal Ruhe bewahren. Wichtig ist es, die Warnblinkanlage einzuschalten und die Unfallstelle mittels eines Warndreiecks abzusichern – auch dann, wenn das Tier geflüchtet ist. Anschließend müssen Betroffene die Polizei rufen und ihren Standort durchgeben. Sollte es Verletzte geben, muss die 112 gewählt und Erste Hilfe geleistet werden. Zudem muss bei einem Wildunfall stets eine Meldung an den zuständigen Jäger oder Förster erfolgen. Das Tier darf auf keinen Fall angefasst werden. Wildschweine zum Beispiel können bei Verletzungen angriffslustig reagieren. Außerdem besteht eine Infektionsgefahr mit Tollwut. Für die Versicherung wiederum ist eine Beweis- und Spurensicherung wichtig.

Nach einem Zusammenstoß ist zudem eine genaue Dokumentation des Unfalls notwendig. Von der Polizei oder vom Jäger muss eine Bestätigung erfolgen, welche Tierart für den Unfall verantwortlich war. Sowohl der Polizeibericht als auch die vom Jäger erstellte Unfallbescheinigung spielen für die Abwicklung beim Versicherer eine wichtige Rolle. Zudem sollten Verunfallte den Wagen erst waschen, wenn der Unfall mit der Versicherung geklärt ist. Denn es kann sein, dass ein Gutachter den Schaden besichtigen muss.

Wann zahlt welche Versicherung?

Hier kommt es darauf an, welche Schäden durch den Unfall entstanden sind. Schaden am eigenen Auto deckt für gewöhnlich die Kaskoversicherung ab. Jedoch zahlen einige Tarife nur dann, wenn es sich um einen Haarwildunfall handelt. Betroffene sollten hier die Bescheinigung des Jägers bereithalten. Die Kfz-Haftpflichtversicherung wiederum springt dann ein, wenn bei einem Wildunfall Schäden an Dritten aufkommen. Dasselbe gilt für Schäden an Straßenschildern, Leitplanken oder anderen Gegenständen auf dem Zuständigkeitsgebiet des Jägers. Bei Rechtsstreitigkeiten nach einem Unfall kann die private Rechtsschutzversicherung leisten.

Wichtig: Die Versicherung übernimmt Wildschäden oftmals nur dann, wenn das Auto in Bewegung war. Wenn zum Beispiel ein Wildschwein in ein stehendes Auto läuft und so einen Schaden verursacht, zahlt die Teilkaskoversicherung nicht. Die Vollkaskoversicherung dagegen schon. Problematisch sind zudem Ausweichunfälle. Von Ausweichmanövern wird grundsätzlich abgeraten, da das Ausweichen potenziell größere Schäden mit sich ziehen kann als eine abgebremste Kollision.

Fahren in der dunklen Jahreszeit

Damit ein Fahrer ausreichend auf der Straße sieht, muss er darauf achten, mit Abblendlicht zu fahren. Zudem muss er längere Bremswege einplanen. Nasses Laub und Fallobst können im Herbst und Winter sonst zu einer glitschigen Falle werden. Dasselbe gilt für den ersten Frosteinbruch oder Schneefall. Stichwort Eis: Das Kratzen des Eises von den wichtigen Stellen im Auto ist unverzichtbar. Betroffen sind etwa die Frontscheibe, die Spiegel und die Rückscheibe. Auf Brücken und Waldschneisen gilt besondere Vorsicht, denn hier kann es schneller frieren. Weitere Tipps, wie Sie am besten durch die nasskalte Zeit kommen, finden Sie in unserem Artikel „Mit dem Auto sicher durch den Herbst“.

Titelbild: © ofc pictures / iStock.com, Grafik: jagdverband.de

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