Personen sprechen bei Mediation über Streitthema

Was ist Mediation?

Am besten überzeugt man mit den Ohren indem man anderen zuhört. Dean Rusk

Viele Streitigkeiten im Leben könnten durch Kommunikation gelöst werden. Und doch fällt es den beteiligten Menschen schwer miteinander zu sprechen. Vorurteile, Anschuldigungen und die eigene Überzeugung erschweren das Gespräch. Das Ergebnis: Mehr Streit als Lösung. Dabei ist Zuhören und über Konflikte zu sprechen ein elementares Mittel, um eine Einigung zu erreichen. Und genau hier setzt die Mediation an – bei gelungener Kommunikation. Wir erklären, was Mediation bedeutet, welche Vorteile sie bringt und wie der Prozess genau abläuft.

Definition Mediation: Schlichten statt Klagen

Kommt es zu einem Streit zwischen zwei Parteien, ist für viele klar: Er endet vor Gericht. Doch das muss nicht sein. Denn „Mediation“ bedeutet in der Rechtspflege nichts anderes als die Erarbeitung einer außergerichtlichen Einigung durch ein Gespräch. Dieses findet mit einem (oder mehreren) externen, unabhängigen und neutralen Dritten, dem Mediator, statt. Der Prozess ist daher als Streitschlichtung äquivalent zu einem Gerichtsverfahren zu betrachten. Und eine Mediation ist genauso sicher, denn die erarbeitete Konfliktlösung ist rechtsverbindlich. Das Ergebnis des Mediationsgesprächs wird ähnlich einem Urteil schriftlich festgehalten.

Ziele einer Mediation: Die Suche nach Lösungen

Ziel der Mediation ist es grundsätzlich, eine konstruktive, persönliche und tragfähige Ebene für Konfliktlösungen zu schaffen und diese Lösungen allein mit dem Mittel der Kommunikation zu erarbeiten. Der Unterschied zu einem Gerichtsverfahren liegt klar auf der Hand: Die rechtlichen Streitigkeiten werden von den Beteiligten freiwillig und selbstbestimmt in die Hand genommen. Das bedeutet einerseits mehr Freiheit, andererseits auch mehr Verantwortung. Doch es lohnt sich, denn am Ende entsteht im Idealfall eine Einigung beider Parteien. Mediation bedeutet daher auch: tatsächlicher Friede und ein gemeinsames Abschließen des Streits. Ein Schlachtfeld der Rache und eine Unterscheidung zwischen Gewinnern und Verlierern wird umgangen.

Anwendungsfelder: Grenzenlos?

Ja. Denn das 2012 in Deutschland in Kraft getretene Mediationsgesetz besagt, dass unabhängig von der Art der Streitigkeit und dem Wohnsitz der Parteien eine Mediation durchgeführt werden darf. Dies gilt EU-weit, auch für grenzüberschreitende Konflikte. Meist werden in Mediationsverfahren jedoch Zivil- und Handelsstreitigkeiten geklärt. Die einzelnen Anwendungsbereiche werden dabei jeweils nach Streitgebiet oder zuständiger Mediationsart unterschieden.

Beispiele für Anwendungsfelder:

Streitgebiet Mediationsart
Familienstreitigkeiten Familienmediator
Ehe / Scheidung Familienmediator
Erbschaft Familien- oder Wirtschaftsmediator
Nachfolgeregelung Wirtschaftsmediator
Wirtschaftsstreitigkeiten Wirtschaftsmediator
Schule Schulmediator
Software IT-Mediator
Telekommunikation IT-Mediator
Informationstechnik IT-Mediator
Mietangelegenheiten Mediator für Bau- oder Mietrecht
Nachbarschaftsstreit Mediator für Bau- oder Mietrecht
Baustreitigkeit Mediator für Bau- oder Mietrecht
Umwelt Umweltmediator
Täter-Opfer-Ausgleich Mediator für Straftaten

Laut einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach würden 87 Prozent Deutschen, vor allem beim Nachbarschaftsstreit, eine Mediation anstatt eines Gerichtsverfahrens anstreben. 76 Prozent der Deutschen würden auch bei einem Streit über die Verletzung der Persönlichkeitsrechte das Schlichtungsgespräch vorziehen. Aber auch bei Sorgerechtsverfahren (60 Prozent), Mietangelegenheiten (53 Prozent), Erbschaftsstreitigkeiten (47 Prozent) oder Scheidungen (41 Prozent) würde nach Ansicht der Deutschen die Mediation bessere Ergebnisse erzielen als ein Gerichtsverfahren. Für weniger geeignet halten sie eine Mediation vor allem bei Streitigkeiten mit Behörden, Firmen oder auch Arbeitgebern. Unabhängig von der Art der Streitigkeit würden jedoch 44 Prozent lieber ein Mediationsverfahren nutzen als ein Gerichtsverfahren (20 Prozent).

Voraussetzungen für eine Mediation

Um ein Mediationsverfahren beginnen zu können, müssen beide Streitparteien der außergerichtlichen Einigung zustimmen. Zudem sind weitere Voraussetzungen zu erfüllen, um eine erfolgreiche Einigung anzustreben. Zunächst hat die Teilnahme an einer Mediation freiwillig zu erfolgen. Zentral sind außerdem der Wille beider Parteien zur Einigung und die grundsätzliche Gesprächsbereitschaft. Denn gelungene Kommunikation kann nur stattfinden, wenn beide Kommunikatoren auch willig sind zuzuhören.

Sind alle Voraussetzungen gegeben, kann man sich auf die Suche nach einem geeigneten Mediator begeben. Hierfür gibt es im Internet diverse Suchmöglichkeiten. Unter anderem hat das Europäische Verbraucherzentrum eine Übersicht der staatlich anerkannten Schlichtungsstellen zusammengestellt. Mittlerweile gibt es jedoch in vielen Branchen ganze Schlichtungsstellen wie beispielsweise die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V. (söp), die Schlichtungsstelle Energie e.V. oder auch den Ombudsmann für Versicherungen. Letzterer klärt als neutraler Berater alle Meinungsverschiedenheiten von Versicherungsunternehmen und ihren Kunden.

Ablauf einer Mediation: 5 Phasen zum Erfolg

Ist die Entscheidung auf eine Mediation gefallen und ein Mediator ausgewählt, beginnt der eigentliche Gesprächsprozess. Wir haben Ihnen die 5 Phasen der Mediation und die wichtigsten Schritte zusammengestellt.

Phase 1: Begrüßung

Bevor die Mediation stattfindet, muss natürlich ein passender Mediator gefunden und beauftragt werden. Mit diesem wird dann ein schriftlicher Arbeitsvertrag aufgesetzt und der Auftrag geklärt. Bei einem persönlichen Termin mit allen Parteien erfolgt dann eine Begrüßung und Vorstellung der Beteiligten. Auch Verhaltensregeln für das Gespräch werden hier festgelegt.

Phase 2: Themensammlung

Nun werden die Themen zum Konfliktfall von beiden Seiten vorgetragen und gesammelt. Der Mediator führt diese gegebenenfalls optisch auf einem Flipchart vor. Die streitenden Parteien haben so viel Zeit, wie erforderlich ist, um alles auszusprechen. Der Mediator fasst zusammen und hinterfragt. Auch Verständnisfragen sind hier wichtig.

Phase 3: Konfliktbearbeitung

In dieser Phase werden die tieferliegenden Hintergründe und Interessen beleuchtet. Nach dem Motto: Was ist der Konflikt hinter dem Konflikt? Diese Sichtweise ermöglicht Motive und Bedürfnisse herauszufinden. Der Mediator verhandelt nun die direkte Kommunikation zwischen den Streitparteien. Auch Einzelgespräche sind möglich.

Phase 4: Lösungsmöglichkeiten

An dieser Stelle der Mediation werden nun Lösungsmöglichkeiten erarbeitet. Aufbauend auf dem vorangegangenen Gespräch wird ein gemeinsamer Grundstein festgelegt. Die Vorschläge werden diskutiert und ein Konsens herausgearbeitet. Für beide Streitparteien ist dies die zentrale Phase der Mediation.

Phase 5: Abschlussvereinbarung

Aus den zuvor entworfenen Lösungsmöglichkeiten wird die für beide Parteien gewinnbringendste Einigung gewählt. Sie wird in einer Abschlussvereinbarung schriftlich festgehalten und gegebenenfalls von Anwälten kontrolliert. Die Vereinbarung wird am Ende einmal vorgelesen und von allen Beteiligten unterschrieben.

5 Phasen der Mediation

Vorteile und Grenzen einer Mediation

Eine Mediation verspricht nicht immer eine Einigung. Dennoch ist sie besonders bei gesprächsbereiten Parteien ein schneller, günstiger, flexibler und individueller Weg zur gütlichen Trennung. Sind die Fronten jedoch verhärtet, kommt auch ein geschulter Mediator nicht weiter. Ein Urteilsspruch durch das Gericht ist dann unumgänglich. Zudem baut eine Mediation auf bestimmten Grundregeln auf, die als Voraussetzung eines gelungenen Gespräches eingehalten werden müssen – und zwar von allen Seiten. Weigert sich ein Beteiligter, diesen Grundregeln zu folgen, scheitert die Mediation.

Grundregeln der Mediation

  • Freiwilligkeit
  • Informiertheit und Offenheit
  • Vertraulichkeit
  • Allparteilichkeit des Mediators
  • Eigenverantwortlichkeit

Wer arbeitet als Mediator?

Nicht nur die Gesprächsbereitschaft und Offenheit der Streitparteien ist für das Gelingen der Mediation ausschlaggebend. Mehr als der Prozess selbst trägt auch die Arbeit des Mediators grundlegend zum Erfolg des Gespräches bei. Dabei ist wichtig zu wissen, dass die Ausbildung zum Mediator oder zur Mediatorin bisher nicht einheitlich geregelt ist. Es gibt Ausbildungsstellen, bei denen mehr der psychologische Aspekt einer Mediation im Vordergrund steht, während bei anderen mehr die juristische Seite ins Interessenszentrum rückt. Zudem führen viele den Beruf Mediator nur nebenbei aus. Sie besitzen also einen Primärberuf, der sie jedoch besonders als Mediator in einem bestimmten Fachgebiet spezialisiert, beispielsweise Ärzte, Juristen, Psychologen oder Lehrer.

Insgesamt sind Mediatoren unabhängig von ihrer fachlichen Ausrichtung allparteilich. Jedoch spricht das Mediationsgesetz diesem unabhängigen, neutralen Dritten im Gegensatz zu einem Richter keine Entscheidungsbefugnis zu. Die Lösung wird schlussendlich von den Streitparteien entschieden.

Dauer und Kosten der Mediation

Die Mediation wird meistens auf Stundenhonorar vergütet. In der Regel verlangt ein Mediator zwischen 150 Euro und 300 Euro pro Stunde. Die Kosten der Mediation werden zwischen den beteiligten Streitparteien aufgeteilt. In manchen Fällen können die Kosten auch von einer Rechtsschutzversicherung übernommen werden, insofern diese Zusatzleistung in der Police enthalten ist. Die IDEAL-Versicherung bietet eine solche Rechtschutzversicherung inklusive Mediation an.

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