Eine ältere Dame im Krankenbett blickt in die Ferne und wirkt aufgrund der Demenz abwesend

Warum ist Oma so komisch? Tipps wie Sie Kindern Demenz erklären

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Kommt Ihnen diese Geschichte bekannt vor? Tilda ist elf Jahre alt und ihr Großvater hat Alzheimer. Heimlich begibt sie sich mit ihm auf eine große Reise nach Venedig und erlebt eine unvergessliche Zeit. Richtig, es handelt sich um den Film „Honig im Kopf“, der Millionen Kinobesucher begeisterte. Besonders, weil der Umgang des jungen Mädchens mit der Krankheit ihres Großvaters so ganz anders ablief, als erwartet. Doch können Kinder die Krankheit überhaupt verstehen? Wie gehen Sie damit um? Und wie erklären Eltern ihren Kindern, was Demenz überhaupt bedeutet?

Das Krankheitsbild Demenz: Was hat Oma eigentlich?

Rund 1,8 Millionen Menschen sind nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft von unterschiedlichen Demenzerkrankungen betroffen (Stand 2022). Und die Tendenz ist steigend. Besonders für Kinder ist die Demenzerkrankung eines Großelternteils belastend. Denn im Gegensatz zu Erwachsenen verstehen Kinder ohne ausreichende Erklärung nicht, warum sich ihre Großeltern so komisch verhalten.

Wer nun denkt, Kinder könnten die Ursachen einer Krankheit sowieso nicht verstehen, liegt falsch. Denn bereits kleine Kinder können die Zusammenhänge einer Krankheit, wenngleich vereinfacht dargestellt, erfassen. Deshalb sollten Eltern ihren Kindern zunächst genau erklären, was hinter der Krankheit der Oma oder des Opas eigentlich steckt.

Demenz ist ein Oberbegriff für das Auftreten von bestimmten Symptomen. Unter Demenz versammeln sich also mehrere Krankheiten, die wiederum unterschiedliche Ursachen haben können (z.B. Alzheimer, vaskuläre Demenz). Demenz ist also ein Begriff, der Erkrankungen beschreibt, bei denen die Nervenzellen im Gehirn beschädigt werden. Betroffen sind dabei meist Regionen im Gehirn, die für Erinnerungen, Sprache oder routinierte Alltagsabläufe zuständig sind. Sind diese Synapsen im Gehirn beeinträchtigt, können Betroffene sich nicht mehr erinnern, nicht mehr sprechen oder sie vergessen alltägliche Dinge. Dabei ist die Krankheit in den meisten Fällen nicht heilbar und verschlimmert sich im Laufe der Zeit. 

Wie kann man Kindern Demenz erklären?

Für Kinder ist es zunächst ausreichend aufzuzeigen, dass es sich bei Demenz um eine Erkrankung im Kopf handelt. Das heißt, man kann sie nicht sehen wie beispielsweise ein gebrochenes Bein. Erklären sie Ihrem Kind, dass Oma zwar ganz gesund aussieht, sie es aber in Wirklichkeit nicht ist.

Hat das Kind verstanden, dass die Krankheit im Kopf stattfindet, will es wissen, was genau im Kopf von Oma oder Opa nicht stimmt. Allen Demenzformen gemein ist, dass sie eine Beeinträchtigung des Gedächtnisses und des Denkvermögens darstellen. Das heißt, die Prozesse im Gehirn funktionieren nicht mehr richtig. Verdeutlichen Sie Ihrem Kind dieses Problem am besten anhand des folgenden Beispiels:

Ein Gehirn besteht aus vielen Nervenzellen. Und die reden den ganzen Tag miteinander. Bei Demenzerkrankten reden die Nervenzellen nicht mehr so laut miteinander, sondern sie spielen Flüsterpost. Und wie es bei diesem Spiel so ist, kommt bei der letzten Nervenzelle nicht immer das an, was die erste Nervenzelle eigentlich gesagt hatte. Gibt die erste Nervenzelle beispielsweise das Kommando „Kuchen backen“, weiß die letzte Nervenzelle nicht mehr so genau, was die erste eigentlich wollte. Deshalb reagiert Oma oder Opa manchmal etwas komisch.

Möchten Sie, dass Ihr Kind die Ursachen der Krankheit versteht, ist es wichtig, sich auf das Kind einzulassen. Jedes Kind lernt und versteht nur individuell. Deshalb sollten Sie als Elternteil folgende Tipps beim Erklären von Demenz beachten:

  • Auf Fragen Antworten geben.
    Antworten Sie auf jede Rückfrage ihres Kindes. Nur so ergibt sich für das Kind ein schlüssiges Bild der Krankheit. Zudem bekommt es das Gefühl, dass es auch genauer Fragen zur Krankheit von Oma oder Opa stellen darf.
  • Unterschiedliche Blickwinkel anbieten.
    Versteht Ihr Kind nicht auf Anhieb, was in Omas oder Opas Kopf passiert, ist das nicht schlimm. Umschreiben Sie das Problem und bringen Sie Vergleiche gerne mehrfach an. Im Film „Honig im Kopf“ schildert der Demenzerkrankte zum Beispiel selbst, die Krankheit fühle sich an, als ob alles im Kopf etwas verklebt ist.
  • Sagen Sie Ihrem Kind die Wahrheit.
    Die meisten Demenzerkrankungen sind nicht heilbar. Deshalb sollten Sie auf keinen Fall versprechen, dass es Oma oder Opa bald wieder wie früher gehen wird. Seien Sie ehrlich zu Ihrem Kind, das bewahrt sie vor Enttäuschungen.
  • Lassen Sie Ihr Kind helfen.
    Auch, wenn sich das Krankheitsbild noch verschlimmert, sollten Sie Ihrem Kind das Gefühl geben, dass es auch etwas für Omas Wohlbefinden tun kann. Lassen Sie das Kind beispielsweise ein Bild für Oma malen oder den Großeltern ein Musikstück vorspielen. So hilft das Kind mit, dass es dem Erkrankten ein bisschen besser geht.

Wie verändern sich an Demenz erkrankte Menschen?

Demenz, also die Beeinträchtigungen von Nervenzellen im Gehirn, führt zu weitreichenden Symptomen. Betroffene verhalten sich aufgrund der Schädigungen im Gehirn nicht wie gesunde Menschen. Auch die Persönlichkeit scheint sich deshalb nach außen hin zu verändern. Für Betroffene ist diese Veränderung ebenfalls wahrnehmbar, außerdem sind in einem frühen Stadium klare Momente von denen der untypischen noch zu unterscheiden. Angehörige und Kinder nehmen Demenzerkrankte deshalb häufig als „komisch“ oder „sonderbar“ war.

Kindern sollten Sie diese Symptome – wie bereits die Krankheit selbst – mittels Beispielen erklären. Seien Sie Rückfragen der Kinder gegenüber immer offen und zeigen Sie auf, dass sich der Demenzerkrankte trotz der Auffälligkeiten über einen Besuch des Enkels freut. Die häufigsten Symptome bei einer Demenz sind:

  • Vergesslichkeit & Verwirrung
    Erklären Sie Ihrem Kind, dass es sein kann, dass Oma den Namen des Enkels oder auch dessen Geburtstag vergisst. Genauso wie das Backrezept oder wo der Schlüssel liegt. Im schlimmsten Fall erkennt der Demenzerkrankte das Kind nicht wieder. Das heißt jedoch nicht, dass Oma ihren Enkel nicht mehr mag.
  • Depression
    Weint Oma plötzlich oder ist der Demenzerkrankte traurig, heißt das nicht, dass es ihm schlecht geht. Erklären Sie ihrem Kind, dass der Demenzerkrankte gerade nicht anders kommunizieren kann.
  • Aggressivität
    Besonders die bei Demenzerkrankten plötzlich auftretende Aggressivität verunsichert Angehörige. Wichtig ist, dass in einem solchen Fall Kinder aus der Situation genommen werden. Sie sollten jedoch auch hier erklären, dass der Demenzerkrankte seine Gefühle nicht mehr richtig steuern kann. Sagen Sie ihrem Kind unbedingt, dass sich die Aggression nicht gegen sie oder ihr Verhalten richtet, sondern dass Omas Kopf manchmal falsche Signale gibt.
  • Sprachschwierigkeiten
    Demenz führt in den meisten Fällen auch zu Sprachproblemen. Betroffene vergessen Wörter oder verdrehen Satzbausteine. Dadurch können sie sich nicht mehr richtig verständigen. Erklären Sie Kindern, dass das eine Folge der Krankheit sein kann und dass sie Geduld bei der Kommunikation mit Oma oder Opa mitbringen müssen.
  • Orientierungslosigkeit
    Oma geht einfach aus dem Raum und weiß nicht mehr, wo sie sich befindet. Orientierungslosigkeit kann ein Symptom für Demenz sein. Eltern sollten Kindern erklären, dass Demenzbetroffene oft vergessen, wo sie sind. Sie wieder gemeinsam zurückzuführen, kann Kindern helfen, die Situation besser zu verstehen.

Besonders häufig macht Kindern vor allem das Vergessen des eigenen Gesichts und des Namens zu schaffen. Denn damit verbinden viele Kinder die Angst, nicht mehr geliebt zu werden. Diese Angst sollten Eltern ihren Kindern frühzeitig nehmen. Erklären Sie, dass Oma und Opa auch ohne den Namen des Enkels zu wissen, sie lieben kann. Lächelt Oma dem eigenen Enkel zum Beispiel zu, ist das ein Ausdruck von Liebe.


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Auch die Pflege von Angehörigen muss Kindern erklärt werden. Denn die Pflege geht auch mit einem Zeitverlust für die eigenen Kinder einher. Deshalb sollten Eltern ihren Kindern nahebringen, warum sie aktuell weniger Zeit für Sie haben. Auch das sollte anhand von Beispielen geschehen. Sagen Sie Ihren Kindern, was Sie bei Oma tun und in welchen Bereichen Sie sie unterstützen. Beispiele hierfür sind:

  • Im Haushalt helfen (z. B. Putzen, Aufräumen, Staubsaugen, Waschen)
  • Einkaufen gehen (z. B. Essen, Kosmetikartikel)
  • Körperliche Unterstützung (z.B. Toilettengänge oder Essensaufnahme)
  • Psychische Unterstützung (z.B. Mit Oma reden oder ein Spiel spielen)

Kommt zudem ein Pflegedienst können Sie auch diesen Ihren Kindern vorstellen. Zeigen Sie, welche Personen den geliebten Großeltern helfen. Dann haben auch Kinder das Gefühl, dass Oma oder Opa in guten Händen sind.

Welches ist die wichtigste Botschaft an Ihre Kinder in einer solchen Situation?

Die Situation einer Demenzerkrankung in der Familie belastet alle Angehörigen. Darunter natürlich auch Kinder. Deshalb sollten Sie ihnen erst einmal erklären, dass sie trotz der fortschreitenden Krankheit von Oma oder Opa von diesen geliebt werden. Zwar können Demenzerkrankte ihre Zuneigung nicht mehr so ausdrücken wie vorher, dennoch ist diese nach wie vor vorhanden. Versteht das Kind diese Begebenheit, kann es mit etwas Geduld sehr gut mit der Situation umgehen.

Erklären Sie ihren Kindern auch, dass Sie weiterhin mit Respekt und viel Liebe ihren Großeltern gegenübertreten sollten. Zwar brauchen Demenzerkrankte oft deutlich mehr Zeit, um zu kommunizieren oder auch ihren Gesprächspartner zu verstehen, dennoch sollte der Kontakt regelmäßig gesucht werden. Kinder sollten weiterhin mit ihren Großeltern kuscheln und spielen dürfen, um ihnen so Zuneigung zu zeigen. Denn im Zweifelsfall ist auch für Demenzerkrankte Körperkontakt einfacher zu verstehen als Worte.

Eine Demenzerkrankung ist für Kinder nicht einfach zu verstehen. Es fällt ihnen schwer, Ursachen, Symptome und den Verlauf der Krankheit nachzuvollziehen. Deshalb gibt es viele Informationsangebote, die vor allem auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten sind. Spielerisch erlernen Kinder dort, was eine Demenzerkrankung der Großeltern bedeutet und wie sie selbst damit umgehen können. Wir haben Ihnen eine Liste mit weiterführender Literatur, Spiele und Links für Kinder und Eltern zusammengestellt:

Bücher

Besonders Kleinkindern ab 5 Jahren können schön illustrierte Kinderbücher helfen, die Demenzerkrankung besser zu verstehen. Hier eine kleine Auswahl:

  • Ulf Nilsson / Eva Eriksson: „Als Oma seltsam wurde“
  • Feth Monika: „Die blauen und die grauen Tage“
  • Lilli, Messina: „Opa ist Opa“
  • Tipp (Jugendliteraturpreis 2011): Martin Baltscheit: „Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor“

Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor, gibt es auch bei Vimeo als Kurzvideo. Weitere Bücher hat die Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V. für Sie aufgelistet.

Spiele

Neben Büchern können auch Online-Spiele für Kinder eine Hinführung zur Demenz-Thematik darstellen. Dort erlernen Kinder und Jugendliche spielerisch und altersgerecht den Umgang mit Demenzerkrankten, finden weiterführende Informationen und können sich so virtuell auf die Krankheit einstellen. Hier unsere Tipps:

  • AFI-KIDS (Online-Lernspiel für Kinder der Alzheimer Forschung Initiative e.V.): Hier geht’s zur Webseite: www.afi-kids.de
  • Was hat Oma? (Interaktives Online-Lernspiel zum Krankheitsbild Demenz): Hier geht’s zum Lernspiel: www.was-hat-oma.de
  • Alzheimer & You (Webseite für Jugendliche von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft): Hier geht’s zur Webseite: www.alzheimerandyou.de

Weiterführende Links

Sollten Sie weitere Informationen zur kindgerechten Erklärung von Demenzerkrankungen benötigen, gibt es sowohl im Internet als auch bei den Landeszentralen für Gesundheitsförderung des jeweiligen Bundeslandes weitere Ansprechpartner:

  • Elterninfo Demenz (Ratgeber der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V.): Hier geht’s zum Ratgeber: www.alzheimer-bw.de
  • Pausentaste (Webseite des BMFSFJ für Kinder und Jugendliche zur Pflege von Angehörigen): Hier geht’s zur Webseite: www.pausentaste.de

Titelbild: EllenaZ / iStock.com

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