Eine ältere Dame im Rollstuhl wird von einem Bekannten in der Verhinderungspflege betreut

Verhinderungspflege – Auszeit für pflegende Angehörige

Die Pflege von Angehörigen ist nicht immer einfach und mit vielen Entbehrungen im eigenen Leben verbunden. Besonders, wenn Sie selbst einmal krank werden, wichtige Termine haben oder in den Urlaub wollen, müssen Sie auch an die zu pflegenden Verwandten denken. In diesem Fall greift die so genannte Verhinderungspflege. Das Konzept: Pflegende Angehörige sollen für einen gewissen Zeitraum entlastet werden. Doch wie genau funktioniert die Verhinderungspflege? Wer übernimmt in diesem Zeitraum die anfallenden Tätigkeiten und wo kann man sie beantragen?

Inhalt:

 Was bedeutet Verhinderungspflege?

Verhinderungspflege kommt jeder Person zugute, die einen Angehörigen im privaten Auftrag pflegt. Die Verhinderungspflege kann ab einem Pflegegrad 2 von jeder zu pflegenden Person im Jahresverlauf beantragt werden. Dabei werden die Kosten für eine Ersatzpflege anteilig oder vollständig – abhängig von der Höhe der Kosten – von der gesetzlichen Pflegeversicherung erstattet. Vom Gesetzgeber wird sie nach § 39 SGB XI als eine Leistung der Pflegeversicherung definiert:

„Ist eine Pflegeperson wegen Erholungsurlaubs, Krankheit oder aus anderen Gründen an der Pflege gehindert, übernimmt die Pflegekasse die nachgewiesenen Kosten einer notwendigen Ersatzpflege für längstens sechs Wochen je Kalenderjahr (…).“

Die Verhinderungspflege ist also vor allem für die Entlastung der pflegenden Angehörigen gedacht. Denn viele Pflegende kümmern sich in dieser belastenden Situation kaum noch um die eigene Gesundheit. Stress, psychischer Druck und körperliche Probleme können die Folge sein. Dieses Selbstpflegedefizit kann durch die Verhinderungspflege in Form von einer Auszeit ausgeglichen werden. Dennoch nutzen sie noch viel zu wenige, auch weil vielen das Verfahren unbekannt ist.

Wer übernimmt die Pflege während der Auszeit?

Im Falle Ihrer Verhinderung – sei es für Stunden, Tage oder Wochen – kann die Pflege prinzipiell von jedem durchgeführt werden. Zumindest werden sowohl die Kosten für private Pflegepersonen als auch für professionelle Pflegedienste bezahlt. Damit können also auch andere Verwandte die Pflege kurzfristig übernehmen. Zur Bezahlung dieser Personen oder auch eines Pflegedienstes stehen maximal 1.612 Euro im Jahr zur Verfügung.

  1. Verhinderungspflege durch angehörige Pflegepersonen
    Das Pflegegeld wird jedem Angehörigen ausgezahlt, der bis zum zweiten Grad mit der zu pflegenden Person verwandt oder verschwägert ist (z.B. Ehepartner, Eltern, Großeltern oder Kinder).
  1. Verhinderungspflege durch ambulanten Pflegedienst
    Haben Sie niemanden in der Nähe oder wollen Sie die zu pflegende Person in professionellen Händen wissen, können Sie auch für den Zeitraum der Verhinderung einen professionellen Pflegedienst beantragen. Auch für diesen bekommen Sie das Pflegegeld ausgezahlt, mit dem Sie die Kosten des Pflegedienstes decken können.

Welche Leistungen übernimmt die Verhinderungspflege?

Die Verhinderungspflege übernimmt die Kosten aller Tätigkeiten, sei es von pflegenden Angehörigen oder des Pflegedienstes, die zur Grundpflege oder hauswirtschaftlichen Versorgung gehören. Zur Grundpflege zählen dabei beispielsweise die Unterstützung bei der Körperpflege, Hilfestellungen bei der Essensaufnahme oder Tätigkeiten zur Mobilität. Die hauswirtschaftliche Versorgung umfasst dagegen alle Hilfen bei der Haushaltsführung. Dies können neben Betten machen, Wäsche waschen und Staubsaugen auch alltägliche Dinge wie Kochen und Einkaufen betreffen.

Nicht übernommen werden dagegen medizinische Behandlungspflegen. Wird eine solche vom Arzt verordnet, wird zwar auch diese von einer Pflegekraft durchgeführt, zählt jedoch nicht zur Pflege direkt, sondern wird als medizinische Versorgung deklariert. Damit wird sie nicht von der Pflegekasse, sondern von der Krankenkasse verrechnet.

Wie hoch sind die Leistungen der Verhinderungspflege?

Die Verhinderungspflege beläuft sich ab dem Pflegegrad 2 jährlich auf maximal 1.612 Euro, die Ihnen zur Bezahlung der Ersatzpflege zur Verfügung stehen. Bei einer Einstufung in den Pflegegrad 1 werden keine Zahlungen zur Verhinderungspflege geleistet. Wichtig ist dabei zu unterscheiden, wer die Ersatzpflege übernimmt. Sind dies Angehörige, erhalten Sie das Pflegegeld für maximal sechs Wochen. Das entspricht also dem 1,5-fachen des sonst üblichen monatlichen Pflegegeldes. Bei professionellen Pflegekräften sind die maximal 1.612 Euro per Rechnungen und Belegen auszuschöpfen.

Zusätzlich können die Leistungsbeträge für die Verhinderungspflege gesteigert werden, da bis zu 50 Prozent des Leistungsbetrages für die Kurzzeitpflege hinzukommt. Diese beläuft sich auf rund 806 Euro, die mit der Verhinderungspflege summiert werden kann. Damit stehen Ihnen bis zu 2.418 Euro zu. Wird dieser Erhöhungsbetrag in Anspruch genommen, um die Verhinderungspflege aufzustocken, wird er wiederum auf den Leistungsbetrag der Kurzzeitpflege angerechnet.

Wie wird die Verhinderungspflege mit dem Pflegegeld verrechnet?

 Das Wichtigste vorab: Auch während der Verhinderungspflege wird weiterhin ein Teil des Pflegegelds ausbezahlt. In den maximal sechs Wochen pro Jahr erhalten Sie jedoch lediglich die Hälfte des bisher bezogenen Pflegegeldes. Daneben werden auch die Renten- und Arbeitslosenbeiträge von der Pflegekasse weiter übernommen, damit auch für die Zeit der Verhinderung der Arbeitslosenschutz aufrechterhalten wird.

Ein Beispiel: Ist die Pflegeperson für 15 Tage im Urlaub und hat sie Verhinderungspflege beantragt, wird das übliche Pflegegeld – zum Beispiel für Pflegegrad 4 rund 728 Euro – monatlich gekürzt. Dabei wird für den ersten und letzten Tag der Ersatzpflege das volle Pflegegeld bezahlt (berechnet auf einen Tag: 2/30 von 728 Euro). An den restlichen Tagen werden nur noch 50 Prozent des Pflegegeldes ausbezahlt (Hälfte von 728 Euro = 364 Euro, 364 x 13/30 = 157,73 Euro). Nach dem Zeitraum der Ersatzpflege wird wieder der übliche Satz ausgezahlt.

Wie beantrage ich Verhinderungspflege?

Den Antrag für die Verhinderungspflege muss die zu pflegende Person bei der Pflegekasse stellen. Eine Vorlage für diesen Antrag finden Sie auf den Webseiten der Pflegekassen. Der Antrag weißt in der Regel lediglich folgende Informationen auf:

  • Name des Versicherten
  • Zeitraum der Ersatzpflege (stundenweise, tage- oder wochenweise)
  • Grund für die Ersatzpflege
  • Name & Anschrift der Vertretungspflegekraft
  • Bei angehörigen Ersatzpflegern: Verwandtschaftsgrad

Manchmal ist auch eine Verhinderung kurzfristig und unerwartet. Werden Sie krank oder ist Ihnen ein wichtiger Termin dazwischengekommen, greift die Verhinderungspflege auch ohne Voranmeldung. Damit muss der Antrag also nicht zwingend vor der Inanspruchnahme der Ersatzpflege eingehen, um die Leistungen auch zu erhalten. Wichtig ist dann, alle Belege und Rechnungen zu sammeln und diese bei der Pflegekasse inklusive des Antrags nachzureichen.

Titelbild: © didesign021/ iStock.com

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