Elektrische Muskelstimulation beim Sport

Unter Strom gesetzt: EMS als neuer Freizeittrend

Ein neuer Hype namens EMS, kurz Elektrische Muskelstimulation, hat die Sportindustrie im Sturm erfasst. “Top-Ergebnisse in nur 20 Minuten”, so verspricht es die Werbung. Der Organismus steht bei jeder Muskelkontraktion für kurze Zeit unter Strom. Zur Belohnung winken noch mehr Muskelmasse und ein gesteigertes Wohlbefinden. Genial oder gefährlich?

Muskelwachstum durch Reize

Damit Muskeln aktiviert werden, benötigen sie Reize. Vom zentralen Nervensystem ausgelöst fließen diese körpereigenen, schwach elektrischen Ströme über das Rückenmark zu den Nervenfasern der jeweiligen Zellen. EMS macht nichts anderes als den körpereigenen Stimulus gezielt zu verstärken. Bei jeder natürlichen Kontraktion des Muskels folgt ein zusätzlicher Impuls von außen. Der Strom fließt über Elektroden, die an spezieller Sportbekleidung angebracht sind. Im Abstand von wenigen Sekunden fließen Stromwellen durch den Körper. Der Muskel spannt sich an, der Strom fließt und der Muskel entspannt. Ein Trainer beobachtet und steuert die Bewegungen und Kontraktionen des Probanden.

Gefahr durch Überlastung?

Erfahrungsberichten zufolge fühlen sich die meisten Menschen nach einem Training von 20 Minuten gut. Sie spüren den Effekt bereits nach der ersten Einheit.

Experten warnen aber vor übermäßiger Nutzung der Elektroden. Bei intensivem Muskeltraining schüttet der Körper vermehrt das Enzym Creatin-Kinase (CK) aus. Eine Studie der Sporthochschule Köln kam zu dem Ergebnis, dass die CK-Werte bis zu 18 mal höher sind als nach herkömmlichen Trainingseinheiten. Die Enzyme werden in den Nieren abgebaut. Sind die Werte dauerhaft stark erhöht, kann dies nach Meinung von Sportexperten in seltenen Fällen zu Nierenversagen führen. Ihre Empfehlung: Viel trinken und maximal zwei EMS-Einheiten pro Woche. Herzrasen und dauerhafte Kraftlosigkeit sind Anzeichen dafür, den Arzt aufzusuchen oder das Sportpensum zu minimieren.

Strom in Kombination mit Ausdauer und Kraft

Frank van Buuren, Oberarzt der kardiologischen Klinik des Herz- und Diabeteszentrum NRW des Universitätsklinikums der Ruhr-Universität Bochum weiß mögliche gesundheitliche Bedenken zu entkräften: „EMS-Training ist grundsätzlich eine gute Sache – auch für gesunde Menschen“. Anfänger sollten mit einer geringeren Stromdosis starten. Außerdem ist EMS nur als Ergänzung zum klassischen Sport zu empfehlen: „EMS ist kein vollständiger Ersatz für diese konventionellen Trainingsmethoden, das ist nur ein Marketingspruch der Anbieter und keine Option für einen gesunden Körper.” Ursprünglich wurde EMS entwickelt, körperlich beeinträchtigten Menschen die Möglichkeit zu geben, sich fit zu halten. Der Verzicht auf Bewegung birgt die Gefahr, dass Bänder, Sehnen und Knochen nicht ausreichend belastet werden. Sportmuffel kommen also um ein klassisches Training nicht umhin.

Neuster Trend: EMS-to-Go. Das Wissensmagazin Galileo hat ihn bereits getestet. Mehr dazu im Video:

Titelbild: (c) contrastwerkstatt