Frau mit Bügeleisen als Weihnachtsgeschenk, Umtausch

Umtausch von Weihnachtsgeschenken

Tatort Weihnachtsbaum: Ein Rasierwasser von der Schwiegermutter und eine Weihnachtskrawatte von der Großmutter der Freundin. Geschenke, die lieb gemeint sind. Doch wenn sich die Freude über solche Präsente in Grenzen hält, bleibt für viele Verbraucher nur eines: der Umtausch. Doch welche Regeln gelten eigentlich, wenn Weihnachtsgeschenke umgetauscht oder zurückgegeben werden sollen? Kann der Einzelhandel dies verweigern? Und was passiert, wenn das Weihnachtsgeschenk beschädigt ist? In diesem Beitrag erhalten Sie einen Überblick über alles Wissenswerte rund um den Umtausch von Geschenken.

Inhalt

Zahlen und Fakten zum Umtausch
Der Grundsatz: Verträge sind einzuhalten
Schlechter Geschmack oder mangelhafte Ware?
Rückgabe und Umtausch bei Nicht-Gefallen
Das Stichwort: Kulanz
Umtausch ohne Kassenbon?
Umtausch, Gutschein oder Geld zurück?
Vom Umtausch ausgeschlossen
Rückgabe und Umtausch bei mangelhafter Ware
Reklamation: Recht und Pflicht
Garantie: Freiwillig vom Hersteller
Umtausch und Rückgabe beim Online-Kauf
Gesetzliches Rückgaberecht
Online geht alles, oder?
Versandkosten bei Rückgaben
Was tun, wenn keine Rückgabe oder Umtausch möglich ist?

Zahlen und Fakten zum Umtausch

Gerade in den Monaten vor Weihnachten blüht der Einzelhandel auf. Im November und Dezember, den beiden umsatzstärksten Monaten im Jahr, setzt der Einzelhandel (ohne Apotheken und Tankstellen) laut einer Prognose rund 100,3 Milliarden Euro um. Zum Vergleich: im gesamten Jahr beläuft sich der Umsatz auf etwa 525 Milliarden Euro. Und da die Deutschen jedes Jahr etwas mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben, steigt der Umsatz stetig an. Aber auch die teuren Geschenke fallen nicht zugunsten des besseren Geschmacks aus. Denn es gibt eine Gruppe von Menschen, die besonders schwierig zu beschenken ist. Man nennt sie die „Unbeschenkbaren“. Personen, für die es nahezu unmöglich ist, ein passendes Geschenk zu finden. Laut einer Groupon-Studie besitzen 80 Prozent der Deutschen einen solche Personentypus in ihrer Familie. Entsprechend hoch ist dann auch die Fehlerquote beim Geschenkekauf.

Dennoch tauschen laut einer Studie von YouGov lediglich 16 Prozent der Konsumenten ihre Geschenke tatsächlich um. Denn um unliebsame Geschenke wieder los zu werden, setzen viele Deutsche auf eine ganz andere Strategie: Das Weiterschenken. Ein Viertel der Deutschen schenkt nicht gewollte Präsente einfach anderen. Mit 22 Prozent lassen die Deutschen fast genauso oft ihre Geschenke einfach verschwinden. Im Keller, auf dem Dachboden oder in der hintersten Ecke eines Schrankes werden die Weihnachtsgeschenke auf Nimmerwiedersehen eingelagert. Im Gegensatz dazu trauen sich nur wenige, ihre Geschenke einfach wegzuwerfen. Lediglich 2 Prozent der Deutschen greifen zu dieser drastischen Maßnahme.

Bevor die Geschenke im Mülleimer landen, sollten Sie doch lieber einen Umtausch erwägen. Egal ob das Geschenk lediglich nicht gefällt, die Klamotten nicht passen wollen oder die Farbe einfach den Geschmack nicht trifft – es gibt viele Gründe, warum ein Umtausch stattfinden kann. Doch nicht jeder Grund und jedes Geschenk kann so einfach zurückgegeben werden.

Der Grundsatz: Verträge sind einzuhalten

Es ist die wohl wichtigste Basis im deutschen Vertragsrecht: Pacta sunt servanda – Verträge sind einzuhalten. Dieser Grundsatz trifft Verbraucher immer dann, wenn sie eine Ware erworben haben. Und das auch dann, wenn keine schriftliche Vereinbarung oder ein Kaufvertrag mit dem Verkäufer abgeschlossen wurde.

Bei einem Kauf greift also der so genannte Vertragstreuegrundsatz. Dieser regelt im Grunde zwei Dinge: Zum einen verpflichtet sich der Kunde, die Ware zu bezahlen und anzunehmen. Zum anderen bestätigt der Verkäufer, dass die Ware mangelfrei übereignet wird. Geschieht dies in beiderlei Einvernehmen, kann der Vertrag nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Das bedeutet beim Kauf von Weihnachtsgeschenken konkret: Ist die die Ware gekauft, kann der Verkäufer die Ware nicht einfach so wieder zurückverlangen. Umgekehrt kann der Käufer die Ware auch nicht einfach so wieder zurückgeben. Ein Umtausch- oder gar Rückgaberecht ist für erstandene Ware gesetzlich also nicht vorgesehen.

Schlechter Geschmack oder mangelhafte Ware?

Ob Geschenke nicht gefallen oder ein Mangel festgestellt wurde ist ein großer Unterschied. Zumindest für das Rückgaberecht. Denn grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Gründen für einen Umtausch: Dem bloßen „Nicht-Gefallen“ und der mangelhaften Ware. Gefällt ein Produkt nicht mehr oder ist die Kleidergröße falsch, besteht für den Händler keine Rücknahmepflicht. Im Gegensatz dazu stehen Waren, die mit einem Mangel verkauft wurden. Denn hier greift das Recht auf Reklamation. War die Ware zum Kaufzeitpunkt bereits beschädigt, hat der Käufer laut § 438 Abs. 1 BGB das Recht die Ware innerhalb von 24 Monaten zu reklamieren.

Rückgabe und Umtausch bei Nicht-Gefallen

So manche Weihnachtsgeschenke treffen einfach nicht den Geschmack des Beschenkten. Egal ob eine Farbe etwas zu grell ausfällt, der Musikstil der CD nicht zu einem passt oder der Pullover einfach schlecht geschnitten ist. Bei Waren, die dem Kunden nicht gefallen, ist der Verkäufer nicht verpflichtet diese zurückzunehmen. Auch wenn es sich dabei um das Geschenk eines Dritten handelt.

Das Stichwort: Kulanz

Im stationären Einzelhandel gibt es also keine Rücknahmepflicht. Dennoch bieten rund 30 Prozent aller Geschäfte ihren Kunden ein erweitertes Umtausch- und Rückgaberecht an. Im Regelfall muss dies in einem Zeitraum von maximal 14 Tagen nach dem Erwerb der Ware in Anspruch genommen werden. Je nach Geschäft, kann dieser Zeitraum jedoch variieren. Hinweise stehen meist auf den Kassenzetteln, die beim Kauf der Ware ausgehändigt werden. Hat das Kaufhaus einen Sonder-Umtausch angekündigt – beispielsweise auf Schildern, in Prospekten oder in Zeitungen – muss das Geschäft diesen natürlich gewähren.

Umtausch ohne Kassenbon?

Grundsätzlich gilt: Die Regeln macht das Geschäft. Da es keine Rücknahmepflicht gibt, kann jeder Ladenbetreiber selbst über die Voraussetzungen seiner freiwilligen Rücknahme bestimmen. Im Regelfall wird von Kunden jedoch der Kassenzettel sowie das Preisetikett an der Ware verlangt. Zudem kann auch die unversehrte Originalverpackung für einen Umtausch ausschlaggebend sein.

Das Problem: War die Ware ein Geschenk, fehlen oft Etikett oder Kassenbon. Ist dies der Fall – und lässt sich der Kassenzettel auch nicht auftreiben – akzeptieren manche Geschäfte bei einer Kartenzahlung auch den Kontoauszug oder die Kreditkartenabrechnung als Zahlungsnachweis. Fehlt jedoch das Etikett und ist dies Voraussetzung für einen Umtausch, muss sich der Beschenkte fügen. Grundsätzlich gilt nämlich, dass sich Kunden nach den Vorgaben des Geschäfts richten müssen. Selbst wenn das bedeutet, dass das Geschenk behalten werden muss.

Umtausch, Gutschein oder Geld-zurück?

Auch hier macht das Geschäft die Regeln. Nimmt ein Händler die gekaufte Ware zurück, kann dieser selbst entscheiden, ob er sie gegen eine gleichwertige austauscht, einen Gutschein ausstellt oder dem Kunden das Geld zurückgibt. Einen Anspruch auf eine spezielle Rückgabeform haben Sie entsprechend nicht. Ob das Geschäft einen Umtausch gewährt, einen Gutschein ausstellt oder das Geld zurückgibt, muss jedoch auch hier klar in den Vertragsbedingungen geregelt sein. Manche Verkäufer bieten gleich mehrere Rückgabeformen an. Insbesondere in der Zeit nach Weihnachten machen hier einige Warenhäuser Ausnahmen.

Vom Umtausch ausgeschlossen

Manche Waren sind im Einzelhandel vom Umtausch ausgeschlossen. Dazu zählen in den meisten Fällen Kosmetika, Lebensmittel, Blumen oder auch Maßanfertigungen. Insbesondere bei Waren, die individuell bedruckt oder gestaltet worden sind, akzeptieren die meisten Geschäfte keine freiwilligen Rückgaben. Ebenso gewähren viele Warenhäuser keinen Umtausch von Produkten, die starke Gebrauchsspuren aufweisen oder vom Käufer beschädigt worden sind. Zuletzt sind oft auch Sonderangebote oder reduzierte Waren vom Umtausch ausgeschlossen.

Rückgabe und Umtausch bei mangelhafter Ware

Wies eine Ware bereits beim Kauf einen Mangel auf, so greift das Reklamationsrecht (§ 438 Abs. 1 BGB). Und das besagt klar, dass die Ware innerhalb von 24 Monaten zurückgegeben werden kann. Die Reklamation gilt dabei für alle Neuwaren. Auch für solche, die sonst von einem Umtausch ausgeschlossen wären. Entsprechend dürfen auch Kosmetika, Unterwäsche oder reduzierte Waren umgetauscht werden.

Reklamation: Recht und Pflicht

Hinzu kommt, dass der Verkäufer per Gesetz dazu verpflichtet ist, die Reklamation durchzuführen. Denn mit dem Vertragstreuegrundsatz hat er bestätigt, eine mangelfreie Ware ausgehändigt zu haben. Tut er das nicht, darf der Kunde die Ware reklamieren. Im Übrigen gelten auch Waren als reklamationsfähig, die aufgrund ihrer Beschaffenheit einer gewöhnlichen Verwendung nicht standgehalten haben. Wird die Ware reklamiert, hat der Kunde die Wahl, ob er den Gegenstand umtauschen oder reparieren lassen will.

Die Reklamation kann grundsätzlich bis zu 24 Monate nach dem Kaufzeitpunkt beantragt werden. Besonders leicht ist die Reklamation jedoch in den ersten sechs Monaten nach dem Kauf. Denn zeigt sich ein Mangel in diesem Zeitraum, wird per Gesetz angenommen, dass dieser zum Zeitpunkt des Kaufs bereits vorlag. Entsprechend muss der Käufer nicht nachweisen, dass die Ware zu Beginn fehlerhaft war.

Anders sieht es nach diesen sechs Monaten aus. Und genau hierin liegt der größte Streitpunkt. Denn ist eine Ware nach so langer Zeit beschädigt, so muss der Käufer beweisen, dass diese bereits zum Kaufzeitpunkt mangelhaft war. Erst dann greift das Recht auf Reklamation. Übrigens: Waren die bereits im Vorfeld als mangelhaft gekennzeichnet waren („2. Wahl“) sind von der gesetzlichen Pflicht zur Reklamation ausgeschlossen.

Garantie: Freiwillig vom Hersteller

Viele Hersteller locken ihre Kunden mit Garantieversprechen. Diese sind jedoch immer freiwillig. Das heißt ein Hersteller muss außerhalb der gesetzlichen Reklamation keine Garantie auf seine Produkte geben. Tut er dies jedoch doch, muss er die versprochenen Reparaturen oder die Umtauschgarantie innerhalb seiner Umtauschfrist einhalten.

Umtausch und Rückgabe beim Online-Kauf

Etwas anders als im stationären Einzelhandel wird die Rückgabe der online bestellten Ware gehandhabt. Denn Kunden, die ihre Produkte im Internet erworben haben, besitzen ein gesetzlich verankertes Rückgaberecht.

Gesetzliches Rückgaberecht

Online-Shopper können sich freuen, denn sie sind nicht auf die Kulanz der Anbieter angewiesen. Ein wirkliches „Umtauschrecht“ gibt es zwar nicht, aber im Internet können sich Kunden auf das gesetzliche Widerrufsrecht von Verträgen berufen. Danach dürfen private Käufer innerhalb von 14 Tagen nach der Kaufabwicklung von ihrem Kaufvertrag zurücktreten. Die zweiwöchige Frist gilt dabei ab dem Erhalt der Ware und kann natürlich von dem Verkäufer freiwillig verlängert werden.

Einen gesetzlichen Anspruch zur Rückgabe haben Sie also beim Online-Kauf von Geschenken innerhalb der ersten 14 Tage. In diesem Zeitraum kann die Ware ohne Angabe von Gründen zurückgeschickt werden. Und das auch ohne Originalverpackung. Doch Vorsicht, gerade bei Weihnachtsgeschenken wird die Zeit zur Rückgabe oft knapp. Denn zur 14-Tage-Frist zählen neben Wochenenden auch die Feiertage! Wurde das Geschenk also einige Wochen vor Weihnachten gekauft, ist eine Rückgabe nicht mehr möglich.

Online geht alles, oder?

Leider nein. Denn auch ein Online-Shop muss nicht alle Waren zurücknehmen. Ähnlich wie beim stationären Einzelhandel sind Parfüm, Cremes und Softwares vom Umtausch ausgeschlossen. Insbesondere dann, wenn die Produkte bereits geöffnet wurden. Wer es gerne etwas individueller hat, hat beim Umtausch zudem Pech. Denn personalisierte Geschenke wie bedruckte T-Shirts oder Schmuck mit eigener Gravur muss auch im Online-Shop nicht zurückgenommen werden. Zudem können die meisten Gutscheine, Veranstaltungs- oder Kinotickets auch online nicht zurückgegeben werden. Umtausch ist hier reine Kulanzsache.

Versandkosten bei Rückgaben

Viele Online-Shops bieten ihren Kunden kostenlose Retourenservices an. Der Rückversand ist für den Käufer damit kostenlos. Doch das muss nicht sein. Die Pflicht zur Rücksendung der Ware liegt nämlich beim Kunden. Bietet der Shop den Rückversand nicht als kostenlose Serviceleistung an, muss der Käufer die Versandkosten bezahlen.

Was tun, wenn keine Rückgabe oder Umtausch möglich ist?

Die 14-tägige Widerrufsfrist für die Socken aus dem Online-Shop ist vorbei und das Geschäft um die Ecke nimmt die Weihnachtskrawatte nicht zurück. Was tun, wenn der Umtausch nicht gelingt? Wir haben ein paar Tipps zusammengestellt, wie Ihre ungeliebten Geschenke doch noch sinnvoll genutzt werden können.

  • Weiterschenken an Freunde

Können Geschenke nicht mehr umgetauscht werden, finden Sie vielleicht einen neuen Besitzer dafür. Hören Sie sich im Freundeskreis um, wer das Geschenk gebrauchen könnte und wem Sie damit eine Freude machen. Denn was der eine nicht mag, freut einen anderen umso mehr.

  • Weiterschenken an Bedürftige

Viele Menschen besitzen nur wenig und freuen sich über die unterschiedlichsten Geschenke. Wie wäre es also warme Kleidung, die Ihnen leider nicht passt, Bedürftigen zu schenken. Damit hat Ihr Geschenk nicht nur einen neuen freudigen Besitzer, sondern Sie tun auch noch etwas Gutes.

  • Geschenke online verkaufen

Viele Plattformen bieten Ihnen die Möglichkeit Ihre ungeliebten Weihnachtsgeschenke weiterzuverkaufen. Das lohnt sich besonders, wenn die Geschenke im Einkauf recht teuer waren. Stellen Sie Ihre Waren auf Ebay, dem Facebook Marktplatz oder anderen Verkaufsplattformen ein. Vielleicht meldet sich ja ein interessierter Käufer.

  • Geschenke verkaufen auf dem Trödelmarkt

Flohmärkte boomen in Deutschland. Dort findet sich für fast jedes Produkt ein passender Käufer, auch wenn hier die Preise nicht so hoch sind wie auf den Verkaufsplattformen. Stellen Sie Ihre zu verkaufenden Geschenke auf Flohmarkt-Plattformen wie shpock ein oder gehen verkaufen Sie selbst auf dem nächsten Flohmarkt. Das bringt nicht nur etwas Geld sondern macht auch noch Spaß.

  • Geschenke auf Tauschbörsen stellen

Neben dem Weiterschenken und Verkaufen von Geschenken, können Sie auch Weihnachtsgeschenke tauschen. Auf tauschticket.de beispielsweise können Sie Waren einstellen und erhalten pro Tausch eine „Ticket“-Gutschrift. Mit diesen „Tickets“ können Sie von anderen Waren erstehen. So tauschen Sie ihre ungeliebten Artikel bequem online und erhalten ein Produkt, das Ihnen gefällt.

Titelbild: © kati1313 / iStock.com

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