Fat boy with overweight checking out his weight isolated on white background

Übergewicht bei Kindern: So helfen Sie Ihrem Kind wirklich!

Großbritannien hat es vorgemacht, jetzt soll auch Deutschland nachlegen: die Einführung einer Zuckersteuer. Die höheren Preise sollen die Lust auf Süßigkeiten und Softdrinks schmälern. Das fordert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland, um Übergewicht bei Kindern zu reduzieren. Einem Bericht des Ärzteblatts zufolge sind etwa 15,4% der Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren zu dick, also nahezu jedes siebte Kind. Davon leiden außerdem rund sechs Prozent an Adipositas, also einem starken Übergewicht. Aber sind die Gründe für die steigende Anzahl an fettleibigen Kindern ausschließlich auf den hohen Zuckerkonsum zurückzuführen? Oder ist es vielleicht auch genetisch bedingt? Und welche Folgen ergeben sich für das spätere Leben eines Kindes, das an Fettleibigkeit leidet?

Inhalt:

Babyspeck oder Übergewicht – wann gilt ein Kind als übergewichtig?

Um festzustellen, ob ein Kind tatsächlich übergewichtig ist, kann der BMI eines Kindes, also der Body-Mass-Index zu Rate gezogen werden. Er dient der Abschätzung des Körperfettanteils, indem die Körpergröße in ein Verhältnis zum Körpergewicht gesetzt wird und mit Kindern derselben Altersgruppe verglichen wird. Die Berechnung läuft wie folgt:

Körpergewicht in Kg / (Körpergröße in m)2
Beispiel
63 kg / 1,65m² = 23,1405 Kg/m²

Wenn wir bei unseren Beispielwerten bleiben, geben Sie in den Taschenrechner folgendes ein:

  1. Gewicht in Kilogramm (63)
  2. / (geteilt durch)
  3. Körpergröße in Metern (1,65)
  4. / (geteilt durch)
  5. Körpergröße in Metern (1,65)
  6. = 23 Kg/m²

Sollten im Vergleich nur zehn Prozent der Gleichaltrigen einen höheren BMI-Wert haben, leidet ein Kind an Übergewicht. Ein starkes Übergewicht, also Adipositas, ergibt sich, wenn nur drei Prozent derselben Altersgruppe einen höheren BMI-Wert aufweisen. Weitere Informationen sowie ein Tool zur Online-Berechnung des BMI finden Sie auf der Website der AGA (Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter).

Natürlich sagt der BMI eines Kindes nichts über die Ursachen des Übergewichts aus und gibt somit keine Auskunft über eine geeignete Therapie. Auch bei sportlichen und muskulöseren Menschen bedeutet ein hoher BMI nicht automatisch Übergewicht. Sollte ein Kind bei der Berechnung übergewichtig oder sogar adipös sein, sollten Eltern einen Arzt aufsuchen und gemeinsam mit diesem ein passendes Programm bestimmen, um das Übergewicht des Kindes zu reduzieren.

Wie die Eltern so das Kind – Ursachen von Übergewicht und Adipositas

Die Gründe für die Entstehung von Übergewicht sind vielfältig. Grundsätzlich gilt jedoch: Übergewicht entsteht, wenn dem Körper mehr Energie zugeführt wird als er verbraucht. Den größten Einfluss hat natürlich das Ernährungs- und Bewegungsverhalten eines Kindes. Dabei sollten sich Eltern ihrer Vorbildfunktion und ihres Einflusses bewusst sein. Denn die Mahlzeiten, welche Kinder serviert bekommen, werden in der Regel von Eltern zubereitet. Auch das Bewegungsverhalten der Kinder wurde in den vergangenen Jahren durch das steigende Angebot an Fernsehmöglichkeiten und Spielkonsolen negativ beeinflusst.

Daneben spielt die genetische Veranlagung eine Rolle. Manche Kinder nehmen schneller zu als andere. Ein weiterer Grund für Übergewicht ist Schlafmangel. Einem Bericht des „Spiegel Online“ zufolge bekommen nämlich nur rund ein Drittel der Kinder und Jugendlichen ausreichend Schlaf. Insbesondere bei Grundschulkindern erhöht sich hierdurch das Risiko für Übergewicht. Denn der Schlaf hat Einfluss auf den Stoffwechsel sowie auf das Bewegungsverhalten eines Kindes. Wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, kann aber auch das soziale Umfeld die Essgewohnheiten eines Kindes beeinflussen. Stehen die Freunde auf Fast Food, werden auch die eigenen Kinder dazu verleitet ihr Taschengeld öfter für Burger und Co. auszugeben. In weiteren Fällen kann auch eine Erkrankung wie beispielsweise eine Schilddrüsenunterfunktion der Auslöser für eine schnellere Gewichtszunahme sein.

Übergewicht beim Nachwuchs verhindern – ab wann und wie als Eltern vorbeugen?

Warum sollte Übergewicht vorgebeugt werden? Abgesehen von den gesundheitlichen Folgen, sinkt auch die Lebensqualität eines Kindes aufgrund von Übergewicht oder einer Adipositas. Denn Mobbing und Hänseleien sind unter Kindern leider immer noch Alltag und können sich stark auf das Selbstwertgefühl und die Psyche eines Kindes auswirken. Tipps, wie Eltern ihre Kinder dabei unterstützen und schützen können, finden Sie in einem Beitrag der „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“. Aber auch das Übergewicht an sich kann weitreichende gesundheitliche Folgen haben. Ob das Auftreten von Typ-2-Diabetes, Herzerkrankungen oder auch Erkrankungen des Bewegungsapparates: Übergewicht beeinflusst das zukünftige Leben eines Kindes.

Deshalb sollten sich Eltern ihrer Rolle als Vorbild bewusst sein und rechtzeitig handeln. Gesunde Ernährung im Alltag ist unabdingbar, um Übergewicht vorzubeugen. Insbesondere wenn die Familie häufig gemeinsam isst, kann die Ernährung des Kindes in die richtige Bahn gelenkt werden. Schon beim Einkauf sollte auf Nährwerte wie Zucker- oder Energiegehalt geachtet werden, um eine ausgewogene Ernährung zu gewährleisten. Auch ein aktiver Lebensstil sollte am besten gemeinsam mit den Kindern gepflegt werden.

Körpergewicht ist nicht nur angeboren – 4 Tipps für den gesunden Alltag in der Familie

  1. Gesunde Ernährung

    Die richtige Ernährung ist der Grundbaustein, um Übergewicht zu verhindern oder gegebenenfalls zu reduzieren. Dabei sollte vor allem auf Fertiggerichte verzichtet werden und so oft wie möglich selbst gekocht werden. Auch wenn es im Arbeitsalltag stressig sein kann, kann beispielsweise abends schon für den nächsten Tag vorgekocht werden. Dabei sollten auch die Kinder frühestmöglich miteinbezogen werden, damit sie im Teenageralter schon selbst einfache Gerichte für sich und jüngere Geschwister zubereiten können. Alles rund um das Thema gesunde Ernährung, finden Sie in unserem Beitrag „Gesunde Ernährung in jedem Alter“.
  1. Keine Komplettverbote

    Ein absolutes Süßigkeiten-Verbot macht wenig Sinn. Denn der Nachwuchs und auch Eltern sollten sich natürlich auch mal etwas gönnen dürfen. Es ist alles eine Frage der Dosierung. Täglich eine kleine Hand voll Süßes stellt kein Problem dar. Die Eltern sollten aber grundsätzlich das Naschverhalten der Kinder im Auge behalten.
  1. Mediennutzung

    In unserem digitalisierten Alltag neigt die Jugend von heute dazu, es sich vor Fernseher oder Laptop gemütlich zu machen. Zum einen wird dadurch jedoch das Bewegungsverhalten der Kinder eingeschränkt und hindert diese daran, draußen mit Freunden zu spielen oder Sport zu treiben. Zum anderen sehen sie beim Fernsehen vor allem eins: Werbung. Und genau diese fasziniert. So ist es nicht verwunderlich, dass beim nächsten Einkauf die neue Cornflakes- oder Chips-Sorte unbedingt ausprobiert werden muss. Aus diesen Gründen sollte, vor allem für die jüngeren Kinder, ein Zeitmaß für Fernsehen oder Videospiele festgelegt werden.
  1. Sport

    Sport ist neben der Ernährung ein wichtiger Bestandteil eines gesunden Alltags. Vor allem auch im Kampf gegen die Kilos. Um dafür zu sorgen, dass sich der Nachwuchs ausreichend bewegt, ist Vereinssport natürlich empfehlenswert. Denn neben der sportlichen Betätigung pflegen die Kinder hier etwas anderes Wertvolles: soziale Kontakte. Die ausgewählte Sportart sollte natürlich die Interessen des Kindes widerspiegeln und Spaß machen. Aber auch gemeinsame Freizeitaktivitäten, sowie Sport mit den Kindern bietet sich an, wie beispielsweise Fahrrad- oder Wandertouren.  Zum Thema Fahrradfahren finden Sie in unserem Artikel „Fit mit dem Fahrrad – Tipps und Anregungen“ weitere Informationen.

Titelbild: © af_istocker / iStock.com

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