Ärzte in OP-Kleidung und Mundschutz

Todesursachen: Vorsicht vor resistenten Keimen

Bald gefährlicher als Krebs?

Immer mehr Menschen sterben an resistenten Keimen. Sie lauern in Krankenhäusern und in der Massentierhaltung. Und auch wer zu häufig Antibiotika verschrieben bekommt, ist gefährdet. Genauer bedeutet das, dass die Gefahr, dass immer mehr Erreger immun gegen das einst so hilfreiche Medikament werden, steigt. Bereits 2015 wurde die bedrohliche Lage auf der G7-Konferenz debattiert. Notwendige Gegenmaßnahmen sind unter anderem sorgfältigere Hygienemaßnahmen in Krankenhäusern und ein noch vorsichtigerer Gebrauch von Antibiotika. Werden diese Änderungen nicht baldigst in die Tat umgesetzt, wird es laut der Analyse einer Berliner Forscherin zu einer erheblichen Steigerung der Todesopfer kommen.

449 Tonnen Antibiotika

Laut Bundesgesundheitsministeriums schluckten die Deutschen im Jahr 2013 insgesamt 449 Tonnen Antibiotika (antibiotische Salben und Tropfen wurden nicht mit einbezogen). Aus einem Bericht des Paul-Ehrlich-Instituts geht hervor, dass der Gesamtverbrauch in Praxen und Kliniken bei 700 bis 800 Tonnen pro Jahr liegt. Bei Tieren sind die Zahlen sogar noch höher. Hier liegt der jährliche Gesamtverbrauch bei rund 1700 Tonnen.

Nordrhein-Westfalen liegt bundesweit an der Spitze des Antibiotika-Konsums (pro Person). Im Osten Deutschlands wird wesentlich weniger verschrieben. Kinder erhalten am häufigsten Antibiotika, bei den Erwachsenen (zwischen 20 und 90) ist die Menge unabhängig vom Alter.

Europa: 700.000 Tote jährlich

Im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion warnt Elisabeth Meyer vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité davor, dass sich die weltweite Zahl der Todesopfer, von 700.000 jährlich bis zum Jahr 2050 auf zehn Millionen erhöhen kann. Allein in Europa würde es einen Anstieg von 23.000 auf 400.000 Tote pro Jahr bedeuten. Somit würden mehr Menschen an multiresistenten Keimen als an Krebs sterben, so die Autorin.

Deutschland: 15.000 Tote jährlich

Nach Angaben des Bundesministeriums erkranken allein in Deutschland jährlich zwischen 400.000 und 600.000 Patienten an gefährlichen Infektionen, die durch medizinische Behandlungen verursacht wurden. Rund 15.000 sterben an den Folgen.

Die Erreger sind deshalb so gefährlich, weil sie sich ständig verändern und immer aggressiver werden. Derzeit sind rund zehn von 100 Keimen multiresistent – sprich: Hier können selbst Antibiotika nicht mehr helfen. Die Resistenz wird besonders dem hohen Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung sowie in der Humanmedizin zugesprochen.

Weltgesundheitsorganisation reagiert mit globalem Aktionsprogramm

Um der wachsenden Keimgefahr entgegenzuwirken, beteiligt sich die Weltgesundheitsorganisation mit einem globalen Aktionsprogramm. Um die Zahl der Infektionen zum Rücklauf zu bringen, hat die Bundesregierung im Mai 2015 neue Meldepflichten, striktere Überwachung und bessere Hygiene in Krankenhäusern durchgesetzt. Das Bündnis90/Die Grünen fordern zudem ein generelles Verbot bestimmter Antibiotika in der Tiermast.

Gesundheitsminister Gröhe fordert intensivere Forschung, um neue Antibiotika entwickeln zu können und auch ein größeres Verantwortungsbewusstsein bei den Patienten selbst. Je weniger man seinen Arzt bei kleineren Infekten um ein Antibiotikum bittet, umso mehr wird der wachsenden Resistenz vorgebeugt.

Bild: s_l