Organspendeausweis

Tag der Organspende

Organspende: Ein Thema, mit dem sich viele Menschen nicht auseinandersetzen wollen. Denn es bedeutet auch, sich die eigene Vergänglichkeit vor Augen zu führen. Und Schicksale, die so emotional belastend sind, dass man sie lieber verdrängt. Doch in diesem Monat ist das anders. Denn am ersten Samstag im Juni findet jedes Jahr der Tag der Organspende statt.

Gesucht – und nicht gefunden

Derzeit warten rund 10.000 Menschen in Deutschland auf ein lebenserhaltendes Organ. Die Warteliste der europäischen Vermittlungsstelle Eurotransplant ist also mehr als lang. Doch hinter den bloßen Namen stehen Geschichten des Lebens, manche länger, manche kürzer. Die Verbindung: Sie warten. Auf einen Organspender. Rund 36 Prozent der Deutschen besaßen Anfang 2018 einen Organspendeausweis. Zum Vergleich: 2012 waren es noch 22 Prozent. Und auch die positive Einstellung gegenüber Organspenden wächst. 84 Prozent finden Organspenden gut. Doch ein Problem bleibt da noch: Die Liste ist einfach zu lang. Vergangenes Jahr konnten nur 769 postmortale Organspender in Deutschland gefunden werden. Bei mehr als 10.000 Wartenden.

Körperfakten – was geht und was nicht?

Grundsätzlich können verschiedene Organe oder Gewebearten gespendet werden. Darunter fallen Organe wie Niere, Herz, Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse oder Dünndarm. Aber auch Hautgewebe, z. B. die Hornhaut der Augen, Teile der Blutgefäße, des Knochengewebes, des Knorpelgewebes und der Sehnen können nach dem Tod gespendet werden. Und das mit nur einem kleinen Blatt Papier: dem Organspendeausweis.

Der Organspendeausweis gilt nämlich in Deutschland als offizielle Einwilligung oder Widerspruch zur Organspende. Sollte der Fall der Fälle eintreten, können die Ärzte direkt vor Ort sehen, ob Sie der Organspende zustimmen oder explizit widersprechen. Die Ausstellung des Ausweises ist denkbar einfach. Im Gegensatz zu anderen Ausweisen muss man zu keinem Amt, noch nicht einmal zu einem Arzt. Den Ausweis gibt es kostenlos im Internet zum Download. Ausdrucken – ausfüllen – fertig. Wichtig ist jedoch, den Organspendeausweis immer bei sich zu tragen, am besten im Geldbeutel neben dem Personalausweis.

Zustimmung, Widerspruch oder Entscheidung?

Die Organspende wird in verschiedenen Ländern unterschiedlich gehandhabt. Grundsätzlich gibt es drei Lösungen: Zustimmung, Widerspruch oder die Entscheidung. In Frankreich beispielsweise muss einer Organspende ausdrücklich widersprochen werden, ansonsten kommt dort jede verstorbene Person als Organspender in Betracht. Genau andersherum ist es in Dänemark. Dort werden nur Organe entnommen, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat.

Seit 1997 regelt in Deutschland das Transplantationsgesetz die rechtlichen Voraussetzungen für die Spende, Entnahme und Übertragung von menschlichen Organen, Organteilen und Geweben. Bei der Entnahme von Organen unterscheidet das Gesetz zwischen der Organentnahme bei toten und bei lebenden Organspendern.

In Deutschland gilt gemäß des Transplantationsgesetzes die Entscheidungslösung. Hier werden seit einigen Jahren alle Versicherten ab 16 Jahren von den Krankenkassen angeschrieben, um sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Dabei kann man sich entweder gegen oder für eine Organspende aussprechen. In Europa gibt es unterschiedliche gesetzliche Regelungen für die Organspende.

Fragen und Antworten

Das Thema Organspende betrifft jeden. Und jeder hat wohl die eine oder andere Frage dazu. Wir haben für Sie die häufigsten Fragen rund um Organspenden zusammengestellt und beantwortet.

Welche Voraussetzungen gelten, damit ich Organspender werden kann?

Im Prinzip keine. Denn jeder Deutsche kann sich für eine Organspende entscheiden. Dafür reicht die Mitführung eines Organspendeausweises. Und den kann man einfach online downloaden.

Welche Krankheiten schließen mich von einer Organspende aus?

Besonders ansteckende Krankheiten wie AIDS schließen Menschen als Organspender aus. Aber auch Personen mit akuten Krebserkrankungen sind für eine Organspende nicht geeignet. Alle anderen Erkrankungen wie Diabetes oder Ähnliches sollten zwar auf dem Organspendeausweis angegeben werden, sind aber grundsätzlich kein Ausschlusskriterium.

Gibt es eine Altersregelung für Organspender?

Nein. Eine Altersgrenze im Sinne von „zu jung“ oder „zu alt“ gibt es nicht. Denn auch grundsätzlich zählt nur das „biologische Alter“, d. h. der Zustand des entnommenen Organs. Sich für eine Organspende aussprechen darf jeder, der mindestens 16 Jahre alt ist. Mit 14 Jahren darf jedoch bereits widersprochen werden. Kinder bis 16 Jahren bedürfen bei einer Zustimmung zur Organspende der Genehmigung der Erziehungsberechtigen.

Kann ich nur bestimmte Organe spenden?

Ja, das geht. Im Organspendeausweis können Sie ohne Begründung angeben, welche Organe Sie spenden möchten und welche von einer Entnahme ausgeschlossen sind. Zudem können Sie entscheiden, ob Sie nur Organe oder aber auch Gewebe spenden möchten.

Wie läuft eine Organspende ab?

Voraussetzung für die Entnahme der Organe ist der endgültige, nicht behebbare Ausfall des gesamten Gehirns. Umgangssprachlich also der „Hirntod“. Dieser muss von zwei Ärzten bestätigt werden. Erst dann können die Organe durch eine Operation entnommen und weitere Laboruntersuchungen veranlasst werden. Der würdevolle Umgang mit dem Leichnam des Verstorbenen ist dabei selbstverständlich. Auch können im Nachhinein alle Bestattungsformen wie gewünscht durchgeführt werden.

Kann ich meine Entscheidung für oder gegen eine Organspende widerrufen?

Ja. Eine Meinungsänderung ist jederzeit möglich. Egal aus welchen Gründen. Sollten Sie sich gegen eine Organspende entscheiden, vernichten Sie einfach Ihren Ausweis. Oder Sie ändern die Erklärung auf dem Ausweis. Denn dort können Sie auch festhalten, dass Sie keine Organe spenden möchten.

Können enge Verwandte nach meinem Tod die Entscheidung zur Organspende übernehmen?

Ja. Obwohl jeder für die Organspende selbst verantwortlich ist, kann in bestimmten Fällen die Entscheidung durch Angehörige getroffen werden. Und zwar immer dann, wenn der mutmaßliche Wille des Verstorbenen – d. h. eine Zustimmung oder ein Widerspruch zur Organspende – nicht ermittelt werden kann. Ansonsten zählt die Entscheidung des Verstorbenen. Diese kann im Übrigen auch in einer Patientenverfügung festgehalten werden.

Titelbild: @Alexander Raths

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