Seniorin übt mit einem Trainingsball und Therapeutin.

Sensorische Integrationsstörung und Therapie

Schmecken, Riechen, Hören, Sehen, Tasten. All diese Sinne sind für die Handlungsfähigkeit eines menschlichen Körpers von enormer Bedeutung. Doch sie müssen erst entwickelt werden. Bereits im Mutterleib und im frühen Kindesalter lernt der Körper über das Sinnessystem aufgenommene Informationen zu verarbeiten. Doch was, wenn dieses System gestört ist? Ohne unsere Sinne findet keine korrekte Wahrnehmungsverarbeitung statt. Eine Sensorische Integrationsstörung liegt vor. Wir erklären, welche Ursachen es für diese Erkrankung geben kann und welche Therapien möglich sind.

Was ist eine sensorische Integrationsstörung?

Sensorische Integration meint nichts anderes als eine korrekt ablaufende Wahrnehmungsverarbeitung. Es handelt sich also um einen neurologischen Vorgang, der die auf den Körper einwirkenden Sinnesreize (Riechen, Hören, Schmecken, Sehen, Tasten) aufnimmt, sortiert, miteinander verknüpft und im Gehirn korrekt interpretiert. So werden nicht nur Körperbewegungen und -haltungen gesteuert, sondern auch das angemessene Handeln hervorgerufen. Auch die Sprache, das Lernvermögen sowie die Interaktionsfähigkeit sind nur durch die Sensorische Integration zu bewältigen.

Liegt bei genau dieser neuronalen Verknüpfung ein Problem vor, spricht man von einer sensorischen Integrationsstörung. Diese äußert sich meist durch Unbehagen bei alltäglichen Situationen. Berührung und Bewegung werden als unbehaglich empfunden. Der Körper der Betroffenen verkrampft und versteift. Oft wird die Situation durch Abwehrreaktionen begleitet. Personen lassen sich nur schwer beruhigen, Berührungen oder Versuche gut zuzureden scheitern. Eine solche Störung tritt vornehmlich bei Kindern auf. Aber auch bei Demenzkranken kann, durch das von der Krankheit beeinträchtigte Nervensystem, häufig eine sensorische Integrationsstörung entstehen.

Wenn ein Apfel zur Herausforderung wird

Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie essen einen Apfel. Völlig selbstverständlich beißen Sie hinein und schmecken den leicht sauren Geschmack. Doch bereits hier haben Sie viele Informationen verarbeitet. Sie haben den Apfel aus einer Obstschale genommen, was ein motorisches und koordinatorisches Zusammenspiel des Körpers voraussetzt. Und auch der anschließend angewandte Geschmackssinn musste die Informationen des leicht sauren Geschmacks erst in das Gehirn übertragen, um diesen überhaupt wahrzunehmen. Mehrere Sinne spielen bereits bei dieser einfachen Tätigkeit eine Rolle.

Welche Symptome liegen bei einer Sensorischen Integrationsstörung vor?

Die Sensorische Integration ist eine normale Entwicklung, die bereits im Mutterleib beginnt und uns ein Leben lang begleitet. Denn auch im höheren Alter lernen wir noch unsere Umwelt genauer wahrzunehmen und unsere Sinne zu schärfen. Die Informationsverarbeitung kennt also auch im Erwachsenenalter kein Ende. Eine Störung tritt meist bei der Entwicklung des neurologischen Systems im Kindesalter oder in Kombination mit einer Demenz auf. Das Störungsbild ist in beiden Fällen ähnlich. Die Sensorische Integration lässt sich dabei in drei Störungsbereiche unterscheiden:

1) Störung der sensorischen Signale

Bei einer Sensorischen Integrationsstörung können Informationen aus der Umwelt nicht mehr richtig verarbeitet und in ihrer Intensität eingeschätzt werden. Bei betroffenen Personen kommt es deshalb zu einer Reizüberflutung. Umwelteindrücke werden als besonders intensiv, lang und ungewohnt empfunden. Überforderung, Stress und Aggression machen sich breit. Hyperaktivität, Autismus, ADHS oder Schizophrenie können die Folge sein. Zudem zählen folgende Verhaltensstörungen zu dieser Kategorie:

  • Abneigung gegen Lebensmittel und Stoffen aus dem alltäglichen Leben
  • Meiden öffentlicher Orte und Menschenansammlungen
  • Übersensibilität bei Hautkontakt
  • Angst vor engen Räumen und in Fahrzeugen
  • Geräuschsensibilität und in Folge Schlafstörungen

2) Sensomotorische Störung

Neben der Reizüberflutung führt eine sensorische Integrationsstörung auch zur Beeinträchtigung von Sinnes-Muskel-Verbindungen. Sinnesreize und zugehörige Muskelreaktionen, wie beispielsweise beim Erlernen einer neuen Sportart, können nicht mehr richtig kombiniert werden. Die Bewegungsfähigkeit und die Geschicklichkeit sind dadurch stark eingeschränkt. Sensomotorischen Störungen sind auch bei Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Schlaganfällen oder Hirnblutungen wiederzufinden. Die Symptome bei dieser Kategorie sind unter anderem:

  • Koordinationsschwäche, Ungeschick und Probleme mit der Feinmotorik
  • Schwierigkeiten in der Grobmotorik (z.B. Körperhaltung)
  • Bei Kindern: langsames Erlernen von Stehen und Laufen

3) Sensorische Diskriminierung

Diese Form der Störung bezeichnet vor allem Einschränkungen im Bereich der Sinnesorgane. Tasten, Sehen, Hören, Riechen und Schmecken fällt den Betroffenen schwer, da die Sinne nicht mehr richtig funktionieren. Es kommt zu einer Verarbeitungsstörung im Gehirn. Diese wirkt sich auf fast alle Bereiche des alltäglichen Lebens aus. Die Symptome lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Schwierigkeiten beim Ertasten und Greifen von Gegenständen (Tastsinn)
  • Geringe Geschmacks- und Geruchsintensität bei der Essensaufnahme
  • Probleme bei visuellen oder auditiven Informationen (Seh- und Hörsinn)
  • Unaufmerksamkeit und Desorganisation
  • Bei Kindern: Schlechte Schulleitungen

Jean Ayres und die sensorische Integrationstherapie

Die sensorische Integrationstherapie ist eine ganzheitliche Therapie zur Stimulation der Körperbewegungen und Sinne. Begründet wurde der therapeutische Ansatz von der amerikanischen Ergotherapeutin Dr. Jean Ayres (1920-1988). Ursprünglich entwickelt wurde der Ansatz für Kinder, die an einer Lernstörung litten. In einer groß angelegten Studie mit Testpersonen konnte Dr. Ayres die Ursachen für die Lernstörungen untersuchen. Das Ergebnis: Viele Kinder litten an einer Häufung von Sinnesstörungen sowie Verarbeitungsproblemen, die zu den Lernschwierigkeiten führten. Mit speziell entwickelten Tests zur Evaluation konnte sie in einigen Fällen auch eine sensorische Integrationsstörung nachweisen. Auf Basis der Studienergebnisse entwickelte die Medizinerin spezielle Verfahren zur Behandlung der Dysfunktion.

Ziel der Therapie ist es, die sensorischen Fähigkeiten der Betroffenen zu verbessern. Dabei eignet sich die sensorische Integrationstherapie sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für Erwachsene. Innerhalb der Therapie setzen Mediziner auf das gezielte Angebot von Reizen, die durch die Betroffenen verarbeitet werden müssen. Entsprechend der Befunde des Patienten werden sensorische Angebote gemacht, die für ihn eine Herausforderung darstellen und die mit motorischer Aktivität zu lösen sind. Wichtig ist, dass die Therapie stets handlungsorientiert wirkt. Das heißt, es werden Sportarten und alltägliche Situationen in ihrer Art und Dosierung kontrolliert und auf den Patienten angepasst. Ein Beispiel ist therapeutisches Reiten, bei dem sowohl die muskuläre Grundspannung verbessert, das Gleichgewicht trainiert sowie die Sinnesorgane angesprochen werden.

Übungen bei der sensorischen Integrationstherapie

Die Übungen sind jeweils auf das Alter des Patienten ausgerichtet. Besonders bei Kindern wird der Spieltrieb genutzt, um zahlreiche Übungen durchzuführen. So können Schaukeln, motorische Spiele oder Übungen im Wasser genutzt werden, um die Sinne und Muskeln zu stärken. Aber auch bei älteren Patienten gibt es zahlreiche Übungen, die die Therapeuten zu Stärkung der Geschicklichkeit durchführen können. Hier finden Sie ausgewählte Beispiele:

Förderung der Berührungs- und Tastempfindung:

  • Massagen mit verschiedenen Ölen, Cremen und Bürsten
  • Einsatz von Noppenbällen und Knete zum Stressabbau
  • Erfühlen von Temperaturen und Alltagsgegenständen
  • Balancieren und Drücken von Therapiebällen

Förderung der Sensibilität:

  • Tanz- und Bewegungstherapie
  • Musik- und Gesangstherapie
  • Geschicklichkeitsspiele

Förderung des Gleichgewichts:

  • Fahrrad- oder Rollerfahren
  • Schaukeln auf einer Hollywoodschaukel
  • Reittherapie

Weitere Therapiemöglichkeiten: Musik, Erinnerung und Gedächtnis

Neben der sensorischen Integrationstherapie können auch andere Ansätze helfen, dem Betroffenen die Wahrnehmungsverarbeitung zu erleichtern. Hierzu zählen insbesondere:

  • Einfache Ergotherapie
  • Milieutherapie
  • Musiktherapie
  • Gedächtnistraining
  • Erinnerungstherapie
  • Realitätsorientierung
  • Verhaltenstherapie

Die Sensorische Integrationstherapie wird unter anderem von Ergotherapeuten durchgeführt. Die spezialisierten Praxen in Ihrer Nähe finden Sie auf den Seiten der Deutschen Therapeutenauskunft.

Titelbild: © jacoblund/iStock.com

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