Frau im Selbstverteidigungstraining besiegt Mann

Selbstverteidigung – Was tun, wenn Sie angegriffen werden?

„Derjenige, der weiß, wann er kämpfen muss und wann er nicht kämpfen muss, wird siegreich sein“, so lehrt es der chinesische Stratege und Autor Sun Tzu. Nicht kämpfen zu müssen, ist im zivilisierten Deutschland generell der erwünschte Status Quo, doch hin und wieder kann Gewalt ausbrechen. Um davor gewappnet zu sein, eignet sich ein Selbstverteidigungstraining. Doch worauf gilt es hier zu achten? Das verraten wir Ihnen im Beitrag.

Warum sollte ich Selbstverteidigung lernen?

Einen Selbstverteidigungskurs zu besuchen, kann viele Gründe haben. Zum Beispiel können Sie dadurch eine neue Seite an sich entdecken oder zusätzliches Selbstbewusstsein erlangen. Haben Sie nach Feierabend im Dunklen ein mulmiges Gefühl auf dem Heimweg? Ein Nahkampftraining kann Ihnen derlei Sorgen nehmen. Durch ein spezielles Training lernen Sie, Gefahrensituationen rechtzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Im Durchschnitt dauert es in der Realität etwa 15 Sekunden, bis der Sieger feststeht. Wer darauf nicht vorbereitet ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit unterliegen. Wenn Sie jedoch wissen, wie Sie sich wehren können, können Sie Ihre Gesundheit oder gar Ihr Leben erfolgreich schützen. Eine im Selbstverteidigungstraining angelernte starke Ausstrahlung kann bereits Kämpfe verhindern, denn die meisten Täter suchen sich leichte Opfer. Wer auf den ersten Blick stark erscheint, von dem werden die meisten Täter bereits Abstand halten.

Wer sollte Selbstverteidigung lernen?

Es gibt vielfältige Selbstverteidigungskurse für alle Altersgruppen. Vor allem sprechen sie Frauen, Kinder und Jugendliche an. Eine Erklärung dafür findet man in der Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts (BKA). In Nordrhein-Westfalen gab es im Jahr 2019 knapp 2.300 Vergewaltigungen, Fälle sexueller Nötigung und sexueller Übergriffe – 25 davon wurden von Frauen ausgeführt. Bei den Opfern wiederum war es fast gänzlich umgekehrt. Aus den insgesamt 2.321 Fällen waren 2.200 Frauen die Opfer. Zudem sind Frauen im Durchschnitt Männern körperlich unterlegen – auch, wenn damit kein Pauschalurteil darüber, ob Frauen stets im Kampf gegen Männer verlieren, möglich ist. Dementsprechend kann es für Frauen vorteilhaft sein, sich eine Technik anzueignen, die diesen Nachteil ausgleicht.

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Selbstverteidigungsarten

Die Wahl des Selbstverteidigungskurses hängt ebenfalls von mehreren Faktoren ab. Zum Beispiel, mit welcher Kampfart Sie am besten zurechtkommen. Oftmals steigen Neulinge über den Kampfsport ein, etwa Judo oder Karate. Diese können ebenfalls beim Aufbau von Selbstbewusstsein helfen, allerdings haben sie eine gravierende Schwäche: Sie unterliegen Regeln. Im Straßenkampf zählen diese Regeln nicht. Wir werfen einen Blick auf effektive Kampfsportarten.

Krav Maga

Übersetzt heißt der hebräische Begriff Krav Maga so viel wie „Kontaktkampf“. Die israelische Kampfsportart kommt in der israelischen Armee und im Auslandsgeheimdienst Mossad zum Einsatz und gilt als die effektivste Weise, um mit einem Angreifer fertig zu werden. Krav Maga ist eine sehr direkte Kampfsportart, bei der es egal ist, wo und wie Sie den Gegner treffen – Hauptsache, er ist am Ende kampfunfähig. Auch Angriffe, die in anderen Kampfsportarten als unfair gelten, kommen hier zum Einsatz. Krav Maga fördert Kraft, Beweglichkeit, Ausdauer und das Reaktionsvermögen.

Mixed Martial Arts

Mixed Martial Arts ist die womöglich härteste Kampfsportart der Welt. Bei MMA handelt es sich um eine Mischform, die sich bei vielen anderen Kampfsportarten bedient. Es sind Elemente aus dem Boxkampf dabei, aus dem Muay Thai, dem Ringen oder auch dem Jiu-Jitsu. Im Gegensatz zu Krav Maga gibt es Regeln: Angriffe zwischen die Beine, gegen Augen, Hals, Hinterkopf und Wirbelsäule sind verboten. MMA verlangt eine hohe körperliche Fitness und lehrt unter anderem, wie Sie sich gegen bewaffnete Angreifer wehren oder sich aus Würgegriffen befreien können.

Keysi

Die Keysi Fighting Methode (KFM) ist eine junge Kampfsportart, die unter anderem im Film „Batman Begins“ zum Einsatz kam. Keysi dient ausschließlich der Selbstverteidigung. Sie brauchen keine Regeln zu erlernen, können sich aber dafür auf die Methoden konzentrieren und wie Sie diese verinnerlichen. Weiterhin ist beim Erlernen von Keysi das Beherrschen von Körper, Geist und Emotionen wichtig.

Jeet Kune Do

Der “Weg der abgefangenen Faust” – eine von Bruce Lee entwickelte Kampfsportart, die sich stets weiterentwickeln soll. Hier treffen Einflüsse aus dem Boxen, dem Wing Chun und dem Fechten zusammen, aber auch welche aus dem Kung-Fu und dem Kickboxen. Das Ziel von Jeet Kune Do ist es, einen individuellen Selbstverteidigungsstil zu entwickeln. Unnötige Bewegungen, wie sie zum Teil bei anderen klassischen Kampfkünsten zu finden sind, fehlen bei Jeet Kune Do vollständig. Der Schwierigkeitsgrad ist vergleichsweise hoch und Lernende müssen eine gewisse körperliche Fitness mitbringen. Schulen dafür gibt es in vielen deutschen Großstädten.

Wing Tsun

Diese Kampfsportart soll dabei helfen, Gefahrensituationen frühzeitig zu erkennen und mittels Deeskalationstechniken zu beenden. Wing Tsun ist daraus ausgelegt, einen Kampf möglichst schnell und mit möglichst wenig Energieaufwand zu beenden. Die Kampfsportart lehrt passende Schlag- und Tritttechniken, allerdings vermittelt sie auch Kenntnis der Körpersprache Ihrer Gegner. So können Sie bereits im Voraus erkennen, was er vorhat oder wo seine Schwachstellen liegen. Das Training zielt darauf ab, dass Sie reflexartig die korrekten Kampfbewegungen ausführen. So können Sie sich verteidigen, ohne groß über jeden einzelnen Schritt nachzudenken.

Wo finde ich passende Selbstverteidigungskurse?

Für die meisten der oben aufgeführten Kampfsportarten finden Sie in größeren deutschen Städten Schulen oder Vereine. Eine Ausnahme ist Keysi, für das es derzeit nur wenige Schulen in Deutschland gibt. Die Homepages der Städte verfügen oft über eine Auflistung von Freizeitaktivitäten, zu denen eben auch Kampfsportarten gehören. Auch Volkshochschulen bieten zu günstigen Beiträgen spezielle Kurse zur Selbstverteidigung an.

Rechtliches zur Selbstverteidigung

Gemäß Strafrecht handelt jemand, der angegriffen wird und sich in einer Notlage befindet, als Repräsentant des Rechts. Das bedeutet, er darf gegen das Unrecht einstehen. „Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden“, sagt § 32 des Strafgesetzbuches dazu. Der Angriff muss dafür gegenwärtig sein, also unmittelbar bevorstehen, begonnen haben oder noch andauern. Das gilt auch für die Verteidigung mit verschiedenen Waffen. Hier gibt es jedoch noch einige weitere Einschränkungen zu beachten. Wer welche Waffe führen darf, ist zum Beispiel von den Eigenschaften des Gegenstands, von seinem Sinn aber auch vom Alter des Anwenders abhängig. Von der Polizei als legal eingestufte Waffen sind unter anderem:

  • Pfefferspray
  • Elektroschocker (benötigen ein amtliches Prüfzeichen)
  • Gebrauchsmesser und solche mit einer Klingenlänge unter 12 Zentimetern
  • Reizgas (mit zwei Zulassungszeichen, darf ab 14 Jahren erworben werden)

Das legale Führen von Waffen ist in Deutschland streng reguliert. Zudem gibt es bei der Nutzung eine Menge rechtlicher Fallstricke. Rechtliche Unklarheiten sollten Sie in jedem Fall mit einem Rechtsanwalt besprechen.

Titelbild: © JackF/ iStock.com