Frau auf ihrem Fahrrad in der Stadt unterwegs

Rechte und Pflichten von Fahrradfahrern

Umweltschonend und gut für die Gesundheit – die Deutschen lieben das Fahrradfahren. 75,9 Millionen Fahrräder gab es laut Statista im Jahr 2019 in Deutschland. Die Tendenz: steigend. Und rund ein Fünftel der Deutschen nutzen ihren Drahtesel an mehreren Tagen die Woche. Knapp neun Prozent fahren sogar täglich mit dem Rad. Doch an welche Regeln müssen sich Fahrradfahrer im Verkehr halten? Welche Rechte haben sie? Und was droht bei einem Unfall? Wir erklären, welche Rechte und Pflichten Fahrradfahrer in Deutschland haben.

Inhalt

Neuerungen der StVO vom 28. April 2020 für Fahrradfahrer

Mit den Neuerungen der StVO vom 28. April 2020 hat der Gesetzgeber die Intention, den Radverkehr weiter zu stärken und den einzelnen Fahrradfahrer mehr zu schützen.

Erstmals ist mit der Änderung der StVO nunmehr gesetzlich verankert worden, dass Fahrradfahrer grundsätzlich nebeneinander fahren dürfen, sofern dadurch der Verkehr nicht behindert wird.  Das ist also eine Umkehr der bisherigen Rechtslage, wonach nur in Ausnahmen nebeneinander gefahren werden durfte.

Auch neue Verkehrszeichen wurden insbesondere für den Fahrradverkehr eingeführt. Künftig besteht unter anderem die Möglichkeit, eine Fahrradzone einzurichten. Diese kommt einer Tempo-30-Zone gleich und räumt dem Radverkehr eine höhere Priorität ein. Andere Fahrzeuge als Fahrradverkehr oder Elektro-Kleinstfahrzeuge dürfen Fahrradzonen nur dann benutzen, wenn dies durch ein Zusatzzeichen erlaubt wird.

Künftig wird auch ein gesonderter Grünpfeil nur für Radfahrer in Form eines neuen Verkehrszeichens auf den Straßen zu finden sein.

Welche Regeln sind beim Fahrradfahren zu beachten?

Radfahren auf Gehwegen ist verboten

Es gibt allerdings auch Verschärfung der Regeln für Radfahrende: Bußgelder für Fahrradfahrer, die einen Gehweg benutzen, wurden von aktuell 10 –25 Euro auf 55 –100 Euro erhöht. Dabei erhalten die Bußgelder ein Niveau, wie es auch die Bußgelder für Kraftfahrzeuge haben.

Auf dem Fahrrad ist das Handy tabu

Es sorgt nicht nur für unnötige Ablenkung während der Fahrt. Wer das Handy in der Hand hält, hat automatisch nur noch eine Hand am Lenker, was vor allem in Gefahrensituationen zu erhöhter Unfallgefahr führen kann. Der aktuelle Bußgeldkatalog sieht beim Telefonieren auf dem Fahrrad ein Bußgeld i. H. v. 55 Euro vor. Wenn das Handy als Navigationsgerät auf dem Fahrrad genutzt wird, ist eine Handyhalterung sehr zu empfehlen, da auch nur das Halten vom Smartphone einen Verstoß darstellt und ein Bußgeld nach sich zieht.

Alkoholgrenze am Steuer gilt auch für Fahrradfahrer

Auch Fahrradfahrer dürfen von der nächtlichen Kneipentour nicht betrunken nach Hause fahren. Betrunken Fahrrad zu fahren ist genauso strafbar wie beim Autofahren. Eine offizielle Promillegrenze gibt es für Fahrradfahrer jedoch nicht. In der Regel setzen die Gerichte bei einem Grenzwert von 1,6 Promille an. Geschieht ein Unfall, ist bereits ein Promillewert von 0,3 kritisch. Wer betrunken und damit fahruntüchtig auf einem Rad erwischt wird, riskiert laut Bußgeldkatalog nicht nur eine Strafanzeige mit Geldbuße, sondern auch drei Punkte in Flensburg und den Verlust seines PKW-Führerscheins.

Straße, Radweg, Gehweg – wer muss wo fahren?

Viele Wege führen zum Ziel. Doch die Frage ist, welchen muss oder darf der Radfahrer tatsächlich benutzen? Prinzipiell gibt es in Deutschland keine Radwegbenutzungspflicht. Das heißt Radfahrer dürfen auch auf der Straße fahren. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel: Ist ein Radweg durch ein rundes blaues Schild mit einem weißen Rad gekennzeichnet, muss der Fahrradfahrer diesen auch benutzen. Ist das Schild nicht vorhanden, kann wahlweise entschieden werden, ob lieber auf der Straße oder dem Radweg gefahren werden möchte. Entscheidet sich der Radfahrer für die Straße gilt natürlich: rechts fahren. Ansonsten wird er zum Geisterfahrer.

Gehwege sind für erwachsene Fahrradfahrer in den meisten Fällen tabu – es sei denn, die Benutzung ist durch die Beschilderung „Radfahrer frei“ gekennzeichnet. Im Übrigen: Ein vertikaler Strich auf einem Schild, bei dem links ein Rad und rechts Fußgänger zu sehen sind, zeigt an, den Fahrradweg benutzen zu müssen. Ein horizontaler Strich hingegen lässt das Radfahren auf dem Gehweg zu. Dann muss das Tempo jedoch mit Rücksicht auf Fußgänger angepasst werden. Werden diese Regeln nicht befolgt, drohen Strafgelder in Höhe von 55 – 100 Euro.


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Was ist der Unterschied zwischen Schutzstreifen und Radfahrstreifen?

Schilderwald Deutschland hat wieder zugeschlagen. Denn ganz so einfach ist die Sache mit den Wegen dann doch nicht. Für Fahrradfahrer gibt es auf vielen Straßen markierte Bereiche, die ihnen vorbehalten sind. Schutzstreifen sind dabei die einfachere Variante, denn hierbei wird ein Teil der Fahrbahn durch eine gestrichelte Linie für Radfahrer abgetrennt. Autos dürfen jedoch bei Bedarf ebenfalls darauf fahren und kurzzeitig halten. Anders bei dem Radfahrstreifen, der durch eine dicke durchgezogene Linie allein den Fahrradfahrern vorbehalten ist. Autos dürfen diesen Bereich weder befahren noch darauf parken. Nach dem neuen Bußgeldkatalog wird eine Sanktion i. H. v. 55 Euro für das Parken auf dem Fahrradweg erhoben.

Fahrrad fahrende Kinder – welche Regeln gelten für sie?

Kinder unter zehn Jahren dürfen grundsätzlich den Gehweg zum Radfahren benutzen. Bis zum achten Lebensjahr ist die Gehwegbenutzung sogar gesetzlich vorgeschrieben – selbst, wenn ein Radweg direkt neben dem Gehweg verläuft. Wie ist es aber mit erwachsenen Radfahrern, die solche Kinder begleiten?

Seit dem 14. Dezember 2016 dürfen begleitende Aufsichtspersonen mit ihrem Fahrrad ebenfalls den Gehweg nutzen. Das Kind darf in diesem Fall allerdings nicht älter als acht Jahre alt sein. Zudem sollten – wenngleich nicht Pflicht – die Kinder immer einen Helm und Schutzkleid mit Reflektoren tragen, um auch im Dunklen gut sichtbar zu sein. Doch was, wenn das Kind trotzdem einen Unfall hat – wer ist schuld? Grundsätzlich gilt: Kinder bis zum siebten Lebensjahr sind nie haftbar. Zudem stehen Kinder bis zum zehnten Lebensjahr unter besonderem Schutz, wodurch sie selbst bei fahrlässigem Handeln nicht für den Schaden verantwortlich gemacht werden. Im Gegenteil: Selbst, wenn das Kind den Unfall verursacht, haftet der darin verwickelte Unfallgegner. Kinder ab sieben Jahren können nur zur Rechenschaft gezogen werden, wenn ihnen vorsätzliches Handeln – also ein Bewusstsein für die Folgen ihres Tuns – nachgewiesen werden kann. In diesem Fall springt jedoch die Haftpflichtversicherung der Eltern ein, wenn diese ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen sind.

Welche Versicherung braucht ein Fahrradfahrer?

Es ist kalt, nass oder eben besonders dunkel. Ein Unfall auf dem Fahrrad ist schnell geschehen. Die Folgen können insbesondere ohne Helm gravierend sein – noch dazu, wenn der Unfallgegner ein Auto war. Ein heftiger Zusammenprall oder unglücklicher Sturz können schwere Verletzungen in Verbindung mit bleibenden Spätfolgen verursachen. Aus diesem Grund bietet sich für jeden Radler eine private Unfallversicherung wie die IDEAL UnfallRente an. Diese trägt die durch den Unfall entstandenen Kosten. Zudem sollte der Radfahrer über eine Haftpflichtversicherung verfügen. Denn der Schaden kann schnell ins Geld gehen. Die IDEAL Versicherung bietet hierfür eine private Haftpflichtversicherung an, die vor unvorhergesehenen Ereignissen schützt.

Goldene Regeln für Radfahrer

Am besten ist es natürlich, erst gar keinen Unfall zu haben. Um diesem vorzubeugen, gilt der Grundsatz „Sehen und gesehen werden“. Seien Sie stets aufmerksam, erhöhen Sie Ihre Sichtbarkeit und achten Sie auf einen sicheren Fahrstil – mit Helm! Lesen die dazu auch unseren Artikel  „Sicher mit dem Fahrrad unterwegs“. Außerdem helfen Ihnen diese Tipps, sicherer mit dem Rad unterwegs zu sein:

  • Sichtbarkeit erhöhen: Richtige Kleidung bei Tag und Nacht
  • Eindeutig und vorausschauend fahren
  • Rücksicht nehmen
  • Verkehrsregeln einhalten
  • Gehwege meiden
  • Regelmäßige Wartung des Rades
  • Helm tragen – auch, wenn es keine Helmpflicht in Deutschland gibt

Wir wünschen gute Fahrt.

Titelbild: © val_th/ Istock.com

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