Frau im Hospiz

Professionelle Sterbebegleitung im Hospiz

Deutschlands Bevölkerung wird stetig älter. Bis zum Jahr 2040 prognostiziert das Statistische Bundesamt einen Bevölkerungsanteil der über 67-Jährigen von 21,4 Millionen. Die Bevölkerungsgruppe im Erwerbsalter solle um vier bis sechs Millionen sinken. In einer ständig alternden Gesellschaft ist auch der Blick auf den Lebensabend wichtig. Wie kann dieser in Würde verbracht werden? Eine Möglichkeit ist die Sterbebegleitung im Hospiz.

Inhalt:

Was ist ein Hospiz?

Ein Hospiz ist ein Ort, an dem sterbenskranke oder alte Menschen eine Begleitung in ihrer letztens Lebensphase finden. Das Konzept „Hospiz“ berücksichtigt auch die Angehörigen. Sie finden hier Unterstützung beim Umgang mit den Schwerkranken und können sich mit Fachkräften aber auch anderen Betroffenen austauschen. Hospize gibt es bereits seit dem Mittelalter, damals war es jedoch ein Sammelbegriff für ein Gebäude, das der Aufnahme von Gästen galt. Häufig gehörten auch Kranke dazu. Heutzutage gibt es verschiedene Hospizdienste. Das gemeinsame Ziel: Der Hospizdienst soll das Leid Schwerkranker mindern und den Angehörigen angemessen beistehen. Im Hospiz sind die Patienten keine Patienten mehr, sondern Gäste. Sie wissen, dass das Hospiz ihre letzte Lebensstation sein wird. Aus diesem Grund erhalten sie im Hospiz die intensivste und gleichzeitig menschlichste Zuwendung durch geschultes Personal.

Ambulante Hospizdienste

Der Hospizdienst findet hier innerhalb der eigenen vier Wände statt. Dadurch können die Dahinscheidenden ihre letzte Lebensphase in vertrauter Umgebung verbringen. Auch Angehörigen wird der Abschied auf diese Weise erleichtert.

Stationäre Hospizdienste

Es ist auch möglich, einen stationären Hospizdienst in Anspruch zu nehmen. Hierfür bieten Krankenhäuser und Pflegeheime speziell eingerichtete Zimmer an. Hospize beschäftigen palliativmedizinisch geschultes Pflegepersonal, etwa Gesundheits- und Krankenpfleger. Ehrenamtlich tätige Sozialarbeiter und Seelsorger ergänzen das Angebot. Hospiz-Plätze sind jedoch sehr gefragt, oftmals führen die stationären Hospize Wartelisten. Zudem ist eine Aufnahme nicht ganz einfach. Die Überweisung in ein Hospiz kann nur der eigene Hausarzt oder der behandelnde Krankenhausarzt vornehmen. Eine Überweisung aus einer Pflegeeinrichtung ist hierbei nicht möglich.

Voraussetzungen für eine stationäre Hospizaufnahme

Interessenten benötigen ein ärztliches Gutachten über die Notwendigkeit der Versorgung. Der Hospiz- und Palliativverband Berlin e.V. gibt etwa eine unheilbare fortschreitende und fortgeschrittene Erkrankung als eine Voraussetzung für die Aufnahme in einen stationären Hospizdienst an. Weitere Bedingungen sind eine begrenzte Lebenserwartung von voraussichtlich weniger als sechs Monaten, mangelhafte Versorgungsmöglichkeiten im Eigenheim sowie der Wunsch oder das Einverständnis des Betroffenen oder seiner Vertreter.

Wie teuer ist ein Hospizdienst?

Die Krankenkassen geben bei der Unterbringung in einem stationären Hospiz im Schnitt Kosten zwischen 200 Euro und 250 Euro pro Tag an. Damit sind sowohl die Kosten für die Betreuung als auch für die komplette Verpflegung des Betreuten abgedeckt. Auch die Kosten für die Betreuung von Angehörigen gehören dazu – während des Hospizaufenthalts und über den Tod hinaus. So decken diese Kosten außerdem Trauerbegleitung und Therapien mit ab. Angehörige sollen das Erlebte möglichst schonend verarbeiten.


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Wer trägt die Kosten für eine Hospizaufnahme?

Generell fällt eine ambulante oder stationäre Hospiz-Behandlung unter die Kassenleistungen. Dies jedoch nur in beschränktem Umfang. Das Sozialgesetzbuch sieht vor, dass „Versicherte, die keiner Krankenhausbehandlung bedürfen, einen Anspruch auf einen Zuschuss zu stationärer oder teilstationärer Versorgung in Hospizen, in denen palliativ-medizinische Behandlung erbracht wird, haben, wenn eine ambulante Versorgung im Haushalt oder der Familie des Versicherten nicht erbracht werden kann“.

In Bezug auf ambulante Dienste schreibt das Sozialgesetzbuch vor: „Die Krankenkasse hat ambulante Hospizdienste zu fördern, die für Versicherte, die keiner Krankenhausbehandlung und keiner stationären oder teilstationären Versorgung in einem Hospiz bedürfen, qualifizierte ehrenamtliche Sterbebegleitung in deren Haushalt, in der Familie, in stationären Pflegeeinrichtungen, in Einrichtungen der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen oder der Kinder- und Jugendhilfe erbringen.“ Damit sind Versicherte gemeint, für die eine Behandlung zur Genesung nicht mehr möglich ist. Eine Grundvoraussetzung für die Aufnahme in einen Hospizdienst ist der in absehbarer Zeit bevorstehende Tod des Patienten. Dieser „absehbare Zeitraum“ kann mehrere Wochen bis wenige Monate umfassen. Eine Erkrankung, die jederzeit „unerwartet“ zum Tod führen kann, ist dahingegen kein ausreichender Grund für eine Hospizbehandlung.

Was ist ein Kinderhospiz?

Ein Kinderhospiz verfolgt dasselbe Ziel wie die „regulären“ Hospizdienste. Hier werden schwerkranke Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sowie deren Familien betreut. Das erste deutsche Kinderhospiz eröffnete 1998 in Olpe. Die Fürsorge im Kinderhospiz beginnt nach Definition der WHO bereits direkt nach der Diagnose. Eine etwaige Palliativversorgung setzt unabhängig von anderen Therapien ein, die sich gegen die Krankheit des Kindes richten.

Was ist der Unterschied zwischen Hospiz und Palliativstation?

Den Hospizdienst von der Palliativmedizin abzugrenzen, ist nicht ganz leicht, denn beide Konzepte sind eng miteinander verwoben und verfolgen ähnliche Ziele. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Palliativversorgung wie folgt: „Palliativversorgung ist ein Ansatz, der die Lebensqualität von Patienten und deren Familien verbessert, die mit den Problemen im Zusammenhang einer lebensbedrohenden Erkrankung konfrontiert sind.“ Palliativversorgung, auch „Palliative Care“ genannt, will nicht nur Linderung von Leiden erreichen, sondern ihm im besten Fall präventiv entgegenwirken. Auch geht sie gegen Schmerz und andere Probleme auf körperlichen, psychosozialen und spirituellen Ebenen vor. Der Begriff „Palliative Care“ umfasst generell mehr Leistungen als der Hospizdienst, denn Palliative Care kann oft schon zu Beginn einer Krankheit ansetzen und parallel zu anderen medizinischen Behandlungen erfolgen.

Wo kann man eine Palliativversorgung erhalten?

Zunächst einmal ist es möglich, im Krankenhaus eine Palliativversorgung zu erhalten. Allerdings verfügen lediglich 15 Prozent der deutschen Krankenhäuser über eine Palliativstation. In stationären Hospizen können die Gäste ebenfalls Palliative Care erhalten. Hierzu kooperieren die Hospizmitarbeiter mit palliativmedizinisch geschulten Ärzten. Und zuletzt gibt es spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV), auf die laut der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin seit 2007 ein Rechtsanspruch besteht. Zu SAPV-Teams gehören speziell geschulte Ärzte und Pflegekräfte, die rund um die Uhr erreichbar sind.

Beratung und weitere Informationen

Weitere Informationen erhalten Sie etwa beim Deutschen Hospiz- und PalliativVerband e.V.. Eine weitere Anlaufstelle ist die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin. Diese stellt eine Übersicht aller Angebote der deutschen Hospiz- und Palliativversorgung zur Verfügung. Umfangreiche Informationen bieten auch die gesetzlichen und privaten Krankenkassen.

Titelbild: © pondsaksit / iStock.com