Privatinsolvenz Familie sitzt am Tisch

Privatinsolvenz – Was tun gegen den Schuldenberg?

Die Mieten steigen, Strom wird teurer, durch die Corona-Krise geraten überall in Deutschland Menschen an den Rand ihrer Existenz. Sollte die Schuldenlast zu hoch sein, kann eine Privatinsolvenz einen Ausweg darstellen. Im Jahr 2019 gab es in Deutschland mehr als 60.800 eröffnete Insolvenzverfahren. Doch was steckt dahinter? Wie funktioniert ein Privatinsolvenzverfahren?

Inhalt:

Was ist eine Privatinsolvenz?

Bei der Privatinsolvenz handelt es sich um ein vereinfachtes Insolvenzverfahren vor Gericht. Schuldner, die sonst keinen Weg aus ihren Rückständen finden, können so ihre Schulden löschen. Auch dann, wenn sie sie nicht vollständig begleichen konnten. Während des Verfahrens sind Schuldner vor der Vollstreckung durch Gläubiger geschützt. Privatinsolvenz kann zum Beispiel ein Ausweg sein, wenn der Schuldner die Miete oder Rechnungen nicht mehr zahlen kann und eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern nicht funktioniert. Offiziell wird die Privatinsolvenz Verbraucherinsolvenz genannt. Für eine Privatinsolvenz gibt es allerdings formelle Hürden, die der Schuldner nehmen muss.

Voraussetzungen für eine Privatinsolvenz

Sie können nur dann eine Privatinsolvenz beantragen, wenn Sie keine selbstständige wirtschaftliche Tätigkeit ausgeübt haben. Selbstständigen steht diese Option nur dann offen, sofern keine Forderungen aus Arbeitsverhältnissen gegen sie bestehen. Auch müssen ihre Vermögensverhältnisse überschaubar sein. Das ist dann der Fall, wenn der Selbstständige bei der Antragstellung weniger als 20 Gläubiger hat. Sollten Sie Arbeitslosengeld oder Rente beziehen, können Sie trotzdem eine Privatinsolvenz beantragen.

Ablauf und Dauer einer Privatinsolvenz

In der Regel dauert die Privatinsolvenz sechs Jahre lang an. Es ist allerdings möglich, das Verfahren auf drei Jahre zu verkürzen. Hierbei muss er jedoch innerhalb dieser drei Jahre 35 Prozent der Gesamtschuld sowie die Verfahrenskosten erstatten. Ist es dem Schuldner möglich, innerhalb von fünf Jahren die Kosten des Verfahrens zu leisten, so verkürzt sich die Zeit der Privatinsolvenz auf eben diese fünf Jahre.

Eine Privatinsolvenz verläuft in sechs Stufen, die aber nicht von jedem Schuldner gleichermaßen durchlaufen werden müssen. Denn falls es gelingt, mithilfe eines Schuldnerberaters eine außergerichtliche Lösung zu finden, erübrigen sich die restlichen Schritte.

Erster Schritt: Im außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren versucht der Schuldner mittels eines Anwalts oder Schuldnerberatungsstelle, eine Einigung mit den Gläubigern herbeizuführen. Hier entsteht auch ein Schuldenbereinigungsplan. Dafür muss die Gesamthöhe der rückständigen Zahlungen ermittelt werden.

Zweiter Schritt: Sollte die außergerichtliche Einigung scheitern, beginnt das gerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren. Der Schuldner stellt den Insolvenzantrag und muss den Schuldenbereinigungsplan vorlegen. Auch muss ein Nachweis her, warum keine außergerichtliche Einigung möglich war.

Dritter Schritt: Das Insolvenzplanverfahren. Hier kann es sein, dass sich etwas an den Vermögensverhältnissen des Schuldners geändert hat oder die Gläubiger neue Verhandlungsbereitschaft signalisieren. Ein erneuter Einigungsversuch findet statt.

Vierter Schritt: Hier erfolgt das gerichtliche Insolvenzverfahren, sofern kein Schuldenbereinigungsplan vorliegt. Das Gericht prüft, ob die Verfahrenskosten abgedeckt sind oder ob es einem Antrag auf Stundung stattgibt.

Fünfter Schritt: Die Wohlverhaltensphase beginnt, nachdem das Gericht die Restschuldbefreiung angekündigt hat. Hier muss der Schuldner den pfändbaren Teil seines Einkommens an einen Treuhänder abführen. Auch können hier die Verkürzungen eintreten (auf drei oder fünf Jahre), sofern der Schuldner es schafft, die dafür geltenden Grenzen zu erreichen.

Sechster Schritt: Sobald die Wohlverhaltensphase abgelaufen ist, entscheidet das Gericht über die Restschuldbefreiung. Hierfür muss der Schuldner seine Verpflichtungen eingehalten haben. Dieser Schritt bedeutet, dass die Gläubiger ihre Forderungen gegenüber dem Schuldner nicht mehr durchsetzen können.

Was kostet eine Privatinsolvenz?

Während einer Privatinsolvenz fallen aus verschiedenen Quellen Kosten an. Einerseits müssen Sie als Schuldner den Treuhänder bezahlen, andererseits die Gerichtskosten stemmen und außerdem eventuell den eingeschalteten Anwalt oder Schuldnerberater entlohnen. Die Gerichts- und Treuhändergebühren ergeben sich aus der Insolvenzmasse. Diese Kosten können gestundet oder in Raten abbezahlt werden. Die Kosten sind dementsprechend stets je nach Einzelfall unterschiedlich. Vom Amtsgericht können Sie sich einen Berechtigungsschein für Beratungshilfe beschaffen. Dadurch übernimmt der Staat die Anwaltskosten. Allerdings gibt es auch dafür bestimmte Hürden.

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Nachteile und Konsequenzen einer Privatinsolvenz

Ein Nachteil ist ganz eindeutig: Ein Privatinsolvenzverfahren dauert mehrere Jahre. Weiterhin müssen Sie Ihr Konsumverhalten anpassen. Und aufgrund des Schufa-Eintrags kann es schwer werden, eine neue Wohnung zu finden, sollten Sie eine suchen. Ebenso schwierig wird der Wechsel des Strom-, Gas- oder Telefonanbieters. Zudem weiß Ihr Arbeitgeber Bescheid: Sie müssen mit dem Chef sprechen, damit die Lohnbuchhaltung den pfändungsfreien Anteil an den Treuhänder überweisen kann. Und zuletzt fallen sowohl für Gericht als auch den TreuhänderKosten an.

Auflagen für eine Privatinsolvenz

Während der Privatinsolvenz gilt für den Schuldner, bestimmte Obliegenheiten einzuhalten. Sollte er dagegen verstoßen, kann das Gericht die Restschuldbefreiung versagen. Der Grund dafür ist, dass das Verfahren dafür sorgen soll, Sie durch einen geordneten Schuldenabbau einen schuldenfreien Neustart zu ermöglichen. Durch die Obliegenheiten werden außerdem die Interessen der Gläubiger gewahrt. Die wichtigste Auflage ist die Erwerbsobliegenheit. Das bedeutet, dass Sie während des Insolvenzverfahrens einer angemessenen Berufstätigkeit nachgehen müssen. Zumutbare Jobs dürfen Sie nicht ablehnen, sollten Sie vorher arbeitslos sein. Weiterhin müssen Sie eigenständig nach Stellen suchen und regelmäßig Bewerbungen abschicken. So soll langfristig gewährleistet werden, dass Sie Ihre Schulden bezahlen können.

Neben der Erwerbsobliegenheit müssen Sie die folgenden Auflagen einhalten:

  • Sie dürfen keine Zahlungen an einzelne Insolvenzgläubiger vornehmen.
  • Jede Leistung darf nur dem Insolvenzverwalter oder dem Treuhänder zukommen.
  • Sollten Sie im Zuge der Wohlverhaltensphase erben, muss die Hälfte der Erbschaft an den Insolvenzverwalter ausgezahlt werden.
  • Sofern Sie den Wohnort oder die Arbeitsstelle wechseln, müssen Sie das dem Verwalter und dem Insolvenzgericht melden.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zur Privatinsolvenz finden Sie beispielsweise beim Sozialamt. Außerdem gibt es in ganz Deutschland spezialisierte Anwälte und Schuldnerberater, die je nach Einzelfall Hilfe leisten können. Bei der Bundesagentur für Arbeit erfahren Sie alles rund um das Insolvenzgeld.

Titelbild: © JackF / iStock.com

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