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Pflege in Deutschland: 10 bittere Wahrheiten

Letzte Aktualisierung: November 2020

Altwerden kostet!

„Die Rente ist nicht mehr sicher!“ „Die Altersarmut steigt!“ Diese oder ähnliche Aussagen gehören mittlerweile zu den gängigen Schlagzeilen in Deutschland. Die 10 folgenden Fakten zur Pflegebedürftigkeit machen ersichtlich, dass die private Altersvorsorge oft der einzige Schutz vor  Altersarmut ist.

1. Die Bevölkerung in Deutschland altert, die Geburtenrate nimmt ab

In Deutschland wächst der Anteil der älteren Bevölkerungsschicht stetig. Das liegt unter anderem an der besseren medizinischen Versorgung. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt für neugeborene Mädchen aktuell 83,4 Jahre und für neugeborene Jungen 78,6 Jahre. Die Zahl der Erwerbstätigen nimmt dagegen immer mehr ab.

Zudem übersteigt die Zahl der Gestorbenen die der Geborenen: So reduziert sich der Anteil der unter 20-Jährigen zwischen 2013 und 2060 von 18 Prozent auf 16 Prozent. Die Zahl der 65-Jährigen soll dagegen von 21 Prozent auf 33 Prozent steigen.

2. Die Zahl der Beitragszahler nimmt stetig ab

Die Abnahme der Geborenen bedeutet somit auch, dass es weniger Beitragszahler geben wird. In etwa 30 Jahren wird es pro Rentenbeziehenden nur noch knapp zwei Beitragszahler geben. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es noch rund vier Beitragszahler.

3. Die Anzahl der Pflegebedürftigen ist in den letzten Jahren stark gestiegen

So gab es nach Aussage des Statistischen Bundesamtes im Dezember 2017 bereits 3,4 Millionen Pflegebedürftige. Bis zum Jahr 2050 soll die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland sogar auf 5,9 Millionen ansteigen.

4. Die Zahl der potenziellen Eltern verringert sich, die Geburten nehmen ab

Im Jahr 2019 kamen in Deutschland 778 100 Babys zur Welt. Das waren rund 9 400 Kinder weniger als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt. Den Geburten standen 939 500 Sterbefälle gegenüber. Damit starben 161 400 Menschen mehr, als Kinder geboren wurden. Dass es in Deutschland mehr Sterbefälle als Geburten gibt, ist ein langfristiger demografischer Trend, der seit 1972 anhält.

Laut einer Bevölkerungsvorausberechnung ist das Geburtendefizit ab etwa 2045 vermutlich größer als 500.000 Personen pro Jahr.

5. Pflegebedürftigkeit – kein Risiko, sondern Gewissheit

Dass die Bevölkerung immer älter wird, zeigt sich in Zukunft anhand der steigenden Anzahl der Menschen, die 80 Jahre und älter sind. Das stellt den Pflegebereich vor große Herausforderungen. Bis 2060 soll sich die Anzahl der auf Pflege angewiesenen Menschen nahezu verdoppeln. Ende 2017 waren 81 % der Pflegebedürftigen 65 Jahre und älter, mehr als ein Drittel (35 %) war mindestens 85 Jahre alt. Die Mehrheit der Pflegebedürftigen waren mit 63 % Frauen.

Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit pflegebedürftig zu sein. Während bei den 70- bis 74-Jährigen rund 6 % pflegebedürftig waren, wurde für die ab 90-Jährigen die höchste Pflegequote ermittelt: Der Anteil der Pflegebedürftigen an der Bevölkerung in diesem Alter betrug 71 %. 

6. Demenz ist eines der bedeutendsten gesellschaftlichen Risiken des 21. Jahrhunderts

Aktuell leiden rund 1,7 Millionen an Demenz. Diese Zahl erhöht sich jährlich um 300.000 Neuerkrankungen. Die Anzahl der Demenzkranken soll sich bis 2050 sogar noch mehr als verdoppeln.

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7. Pflegebedürftige werden lange gepflegt – Demenzpatienten noch länger

Ungefähr 80 Prozent der pflegebedürftigen Frauen und 70 Prozent der Männer sind mehr als ein Jahr auf Pflege angewiesen. Jeder dritte pflegebedürftige Mann wird bis zu fünf Jahre oder länger gepflegt. Jede achte pflegebedürftige Frau ist sogar doppelt so lange auf Pflegepersonal angewiesen.

Bei Demenzerkrankten ist die mittlere Lebenserwartung bis zu 6 Jahren, teilweise auch länger.

8. Bei Pflege geht es nur darum, wie stark die Beiträge steigen

Bei der Pflegefinanzierung geht es vor allem darum, wie stark die Beiträge steigen. Zu einer Steigerung wird es in jedem Fall kommen. Geht man dabei von gleichbleibenden Annahmen aus, würde der Beitragssatz bis 2060 auf 4,5 Prozent steigen. Realistisch betrachtet, wird aber von einer Steigerung von sechs bis sieben Prozent ausgegangen.

9. Die Versorgungslücke bedroht vor allem das Vermögen der jüngeren Generation

Denn die Lebenserwartung der älteren Generation und damit auch die Zahl der Pflegerentner steigen, die wiederum die jüngere Generation finanzieren muss.

10. Die Soziale Pflegeversicherung ist keine Vollkasko-, sondern eine Teilkasko-Versicherung mit hoher Selbstbeteiligung

Die gesetzliche Pflegeversicherung bietet lediglich eine finanzielle Grundabsicherung. Die professionelle Pflege in einem Pflegeheim kostet durchschnittlich 3.666 € im Monat. Die Leistungen aus der Pflegeversicherung belaufen sich derzeit auf 1.775 €. Bei einem Pflegegrad 4 bedeutet das einen Eigenanteil von fast 1.891 €.

Titelbild: © Ingo Bartussek/ stock.adobe.com

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