Eine Tasse Tee mit verschiedenen Heilpflanzen auf einem Tisch

Natürlich heilen – Hausmittel & Heilkräuter bei ersten Beschwerden

„Die Natur ist die beste Apotheke.“ Diese Erkenntnis verkündete bereits im 19. Jahrhundert der Naturheilforscher und Pfarrer Johannes Kneipp. Heilkräuter aus dem heimischen Kräuterbeet stellen also in vielen Fällen eine Alternative zu industriell produzierten Medikamenten dar. Oregano, Rosmarin oder Salbei wirken dabei grundsätzlich wohltuend auf den Körper. Umso praktischer, wenn man sie auch bei bestimmten Leiden als Hausmittel einsetzen kann. Doch was sind Heilkräuter eigentlich genau? Bei welchen Beschwerden wirken welche Hausmittel? Worauf sollte man bei der Behandlung achten? Und wo stoßen die Hausmittel an ihre Grenzen?

Inhalt:

Was sind Heilpflanzen und Heilkräuter?

Immer mehr Menschen setzen bei gesundheitlichen Leiden auf die Kraft der Natur. Denn bei vielen kleineren Wehwehchen schaffen Heilpflanzen Linderung. Deshalb werden in der Medizin jene Pflanzen, die mit ihren Wirkstoffen gesundheitliche Beschwerden oder Krankheiten lindern können, als Heilpflanzen bezeichnet. Entdeckt wurden die heilenden Kräfte der Pflanzen, als der Mensch die Natur beobachtete. Denn viele Tiere essen im Krankheitsfall spezielle Kräuter, die ihrer Gesundheit guttun.

Wichtig ist, dass meist unterschiedliche Bestandteile der Pflanze als wirksame Heilkomponenten dienen. Das können Blumenblüten, Blätter, Sprossen, Früchte, Beeren oder Wurzeln sein. Je nach Art der Heilpflanze können die einzelnen Bestandteile der Pflanze für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden. Diese Bestandteile der Heilpflanzen und Heilkräuter  können dann z. B. zu Phytopharmaka – also pflanzlichen Fertigarzneimitteln verarbeitet werden.

Bei welchen Beschwerden empfehlen sich Hausmittel?

Die Artpraxen sind häufig überfüllt oder die Erkältung trifft den Körper natürlich am Wochenende oder Feiertag. Auch deshalb setzen immer mehr Menschen auf die wirksame Kraft der altbewährten Hausmittel. Doch auch immer mehr Ärzte setzen auf den Erfahrungsschatz der Naturmedizin und bauen die Heilpflanzen in eine ganzheitliche Behandlung mit ein. Doch welche Hausmittel und Heilpflanzen wirken eigentlich bei welcher Krankheit? Wir stellen Ihnen die typischsten Hausmittel vor:

  1. Bei Erkältungssymptomen:
  • Halsschmerzen: Trinken und Gurgeln von Ingwer- oder Salbeitee
  • Atemwegsbeschwerden: Inhalieren eines Aufgusses von Pfefferminz- Salbeiblättern oder Kamillenblüten
  • Erhöhte Körpertemperatur: Baden in ätherischen Ölen (z. B. Eukalyptus oder Latschenkiefer)
  • Verstopfte Nase: Kochsalzlösung als Nasenspray
  • Trockene Schleimhaut: Viel Tee trinken (je nach Geschmack)
  • Kreislaufbeschwerden: Chicoree, Knoblauch oder Lauch stärken das Herzkreislaufsystem
  • Halskratzen: Hühnerbrühe wärmt den Hals und beugt Halskratzen vor
  • Ohrenschmerzen: Zwiebel oder Kartoffel halbieren und auf das Ohr legen
  1. Magen-Darm:
  • Magenkrämpfe: Bittere Schleifenblume, Fenchel- oder Kümmeltee
  • Durchfall: Blutwurz, weiße Taubnessel
  • Blähungen: Fenchel-, Kümmel- oder Kamillentee
  • Reizmagen: Gänsefingerkraut, Kamillentee, Tausendgüldenkraut oder Schafgarbe
  • Übelkeit: Oregano, weiße Taubnessel
  1. Zahnschmerzen:
  • Zahnfleischentzündung: Knoblauchsaft oder Teebaumöl auf das Zahnfleisch geben
  • Wunden am Zahnfleisch: Zwiebel in Stücke schneiden und auf die Wange drücken
  • Zahnschmerzen: Nelken kauen oder Mund mit Öl (z.B. Sonnenblumenöl) spülen
  • Allgemeine Beschwerden: Salbei- Kamillen-, Baldrian- oder Johanniskrauttee trinken
  1. Kopfschmerzen:
  • Pfefferminzöl auf die Schläfen und Stirn auftragen
  • Lavendeltee trinken oder Lavendelöl auf ein Tuch geben und dieses auf die Stirn legen
  • Holunderblüten in Essig tauchen und als Umschlag auf die Stirn legen
  • Vanilleschote auskratzen, den Inhalt in warmes Wasser geben und trinken
  • Espresso oder Ingwertee mit einem Schuss Zitronensaft trinken
  1. Frauenleiden:
  • Unterleibskrämpfe: Frauenmantel wirkt entkrampfend (z.B. als Tee trinken)
  • Unregelmäßige Menstruation und Krämpfe: Beifuß (z.B. als Bad oder Tee)
  • Regelbeschwerden oder Geburtsvorbereitung: Himbeerblätter (z.B. als Tee)
  • Starke, schwache, unregelmäßige Menstruation: Schafgarbe (z.B. als Bad oder Tee)
  1. Haut und Haare:
  • Pickel und unreine Haut: Apfelessig als Gesichtswasser
  • Brüchige Nägel: Zitronensaft einreiben
  • Trockene Haut: Gesichtsmaske aus Eigelb, einem Teelöffel Zitronensaft und Ölivenöl
  • Sonnenbrand: Quark auf die Haut streichen
  • Rissige Lippen: Quark mit etwas Honig mischen und auf die Lippen geben
  • Schuppige Kopfhaut: Kokos- oder Olivenöl als Haarkur verwenden

Neben diesen Beschwerden helfen die Hausmittel und Heilpflanzen auch in vielen anderen Fällen. Je nach Beschwerden gibt es zudem viele weitere Heilkräuter, die eingenommen werden können. Sollten Sie nicht genau wissen, welche Heilpflanze zu ihren Beschwerden passt, können Sie ganz einfach den Heilpflanzenfinder verwenden. Dieser zeigt Ihnen je nach Beschwerden die passenden Heilkräuter und –pflanzen auf.

Darreichungsformen: So werden Heilkräuter angewandt

Haben Sie erst einmal die passende Heilpflanze gefunden, kann die Anwendung in verschiedenen Formen geschehen. Denn Heilpflanzen werden in unterschiedlichen Darreichungsformen angewandt. Dies kann als Tee, Dragee oder in flüssiger Form als Tropfen oder Tinktur geschehen. Tees und Tinkturen können – bei eigenem Anbau der Heilpflanzen – meist auch selbst hergestellt werden. Dragees mit einem stärkeren oder konzentrierten Wirkstoff der Heilpflanzen erhalten Sie dagegen nur in der Apotheke.

Die Darreichungsform ist dabei besonders wichtig. Denn sie beeinflusst im Wesentlichen die Wirksamkeit der Heilpflanze. Nicht jede Blüte kann als Tee ihre Wirkung entfalten. Malvenblätter können beispielsweise ihre hustenstillenden und reizlindernden Stoffe nicht mit dem Übergießen von heißem Wasser herauslösen. Hierfür bedarf es einem Kaltwasserauszug: Die Blätter müssen also mehrere Stunden im kalten Wasser ziehen. Kurz erwärmen und abschütten, fertig sind die wirksamen Phytopharmaka. Sollten Sie also Heilpflanzen anwenden wollen, reicht es nicht nur, die richtige Pflanze auszuwählen, sondern auch die richtige Anwendung und Zubereitung sind ausschlaggebend für die Wirkung. 

Babys und Kinder: Hausmittel und Heilkräuter für die Jüngsten

Gerade für Kinder sollten bei kleineren Beschwerden nicht gleich hoch dosierte Medikamente verwendet werden. Auch eine Reihe einfacher und bewährter Hausmittel oder Heilkräuter kann Kinder bei der Regeneration und Genesung unterstützen. Doch nicht alle Kräuter und Pflanzen sind für Kinder auch geeignet. Besonders bei Babys und Kleinkindern sollte vor der eigenen Behandlung deshalb unbedingt ein Apotheker oder ein Arzt zu Rate gezogen werden. Handelt es sich um einen akuten Krankheitsfall können folgende Hausmittel zunächst angewandt werden:

Symptome / Beschwerden Maßnahme
Bauchschmerzen, Blähungen, Verdauungsstörungen Bei Babys: Bauchmassage im Uhrzeigersinn / lauwarme Wärmflasche / Fenchel-, Anis- oder Kümmeltee.
Fieber und erhöhte Temperatur Feuchte, kühle Wadenwickel, ggf. in Essig getränkt (Einschränkung: Nur, wenn die Beine nicht kalt sind)
Halsschmerzen Pfefferminz- oder Salbeibonbons lutschen / Kamillen- oder Salbeitee gurgeln / Halswickel (kalt oder warm)
Husten Kräutertee trinken (am Besten Salbei oder Spitzwegerich)
Kopfschmerzen Kühles Tuch auf der Stirn / genug Flüssigkeit z.B. Tee / regelmäßig frische Luft und Bewegung
Ohrenschmerzen Aufgeschnittene Zwiebel mit einem Wickel am Ohr befestigen / Wärmewickel / Ohr mit Rotlichtlampe wärmen

Vorsicht vor ätherischen Ölen. Was für Erwachsene in der Regel kein Problem darstellt, kann für Kinder gesundheitsschädigend sein. Insbesondere ätherische Öle sind ein oft unterschätztes Risiko. Denn die Badezusätze oder Inhalationsmittel schaffen bei Erwachsenen mit Husten oder Schnupfen oft Erleichterung, bei Kindern können Kampfer, Menthol oder Eukalyptus jedoch in starker Konzentration Hautreaktionen, Bauchschmerzen oder Übelkeit auslösen. Säuglinge können durch das Einatmen der Dämpfe sogar einen so genannten Stimmritzenkrampf (Verkrampfung der Stimmritze des Kehlkopfes) bekommen. Die Folge: akute Atemnot. Kinder unter drei Jahren sollten mit solchen Dämpfen also nicht in Kontakt kommen.

Potenzial und Grenzen der Hausmittel und Heilpflanzen

Heilpflanzen und ihre Anwendung sind ab Mitte des 19. Jahrhunderts überliefert. Ab diesem Zeitpunkt beschäftigte sich vor allem auch die Wissenschaft mit der Wirkung der Heilpflanzen. Dabei stand die Frage, welche Heilpflanzen, welche Leiden kurieren im Vordergrund. Bei vielen Heilpflanzen gelang dies, sodass diese auch in der Schulmedizin in die Behandlung eingingen. Zudem beschäftigten sich immer mehr Pharmaunternehmen mit der Entwicklung und Herstellung pflanzlicher Arzneimittel. Bis heute gibt es jedoch auch Heilpflanzen, deren Wirkung noch nicht nachgewiesen wurden. Diese sind von den Behörden dann als „traditionelles pflanzliches Arzneimittel“ zugewiesen. Damit zeigen sie zwar nach langjähriger Erfahrung Wirkung, diese ist jedoch nicht in wissenschaftlichen Studien belegt. Egal ob „echte“ pflanzliche Mittel oder traditionell angewandte Arzneimittel, die Pflanzenheilkunde besitzt neben Chancen auch Grenzen.

So können Heilkräuter und –pflanzen vor allem für leichte Beschwerden eingesetzt werden. Sie reichen bei leichten Erkältungen, Magen-Darm-Verstimmungen oder Halsschmerzen oft als Monotherapie aus. Bei schwereren Erkrankungen oder langanhaltenden Symptomen ist jedoch eine schulmedizinische Behandlung oder eine Kombination von Heilkräutern und Medikamenten erforderlich (adjuvante Therapie). Wichtig ist dann jedoch auf mögliche Wechselwirkungen zu achten. Denn Heilpflanzen können chemische Medikamente beeinflussen und sogar außer Kraft setzen. Das berühmteste Beispiel ist wohl die Wirkung von Johanneskraut auf die Anti-Baby-Pille. Nehmen Sie eine Kombination von Heilpflanzen und chemischen Medikamenten, sollten Sie das im Vorfeld mit einem Arzt oder Apotheker besprechen.

Titelbild: © ChamilleWhite / iStock.com

IDEAL KrankFallSchutz: Frau und Mann beim Wandern
KrankFallSchutz
  • Konstante Beiträge
  • Keine Gesundheitsfragen
  • Lebenslange Versicherungsdauer

Produkt infos

*IDEAL KrankFallSchutz, Eintrittsalter 50 Jahre, Versicherungssumme 50.000 €

Newsletter abonnieren