Straße bei Nacht mit verschwommenen Lichtern

Nachtblindheit – ab wann wird es gefährlich?

Jährlich finden mehr als 100.000 Karambolagen in der Dunkelheit statt. Dem Kuratorium Gutes Sehen e.V. zufolge leidet etwa jeder fünfte Autofahrer unter „Nachtsehstörungen“. In Deutschland wären das nach aktuellem Stand über acht Millionen Menschen. Viele leiden an Nachtkurzsichtigkeit (Nachtmyopie), ohne es zu wissen. Nachts haben die Betroffenen Schwierigkeiten, entfernte Objekte zu erkennen, tagsüber aber sehen sie scharf. Noch gefährlicher ist dagegen die sogenannte Nachtblindheit. Doch worum handelt es sich dabei und wie können Patienten diese Erkrankung erkennen?

Was ist Nachtblindheit?

Nachtblindheit, auch „Nyctalopia“ genannt, ist eine Art Sehbehinderung. Sie sorgt dafür, dass die betroffenen Personen in der Nacht oder in schlecht beleuchteten Umgebungen sehr schlecht sehen können. In der Dämmerung kann ihre Sehkraft ebenfalls schon nachlassen. Eine völlige Blindheit ist damit jedoch nicht gemeint, die Betroffenen haben lediglich größere Probleme damit, in der Dunkelheit zu sehen oder mit dem Auto zu fahren. Das Besondere an der Nachtblindheit ist, dass die Betroffenen tagsüber normal gut sehen können.

Ursachen für Nachtblindheit

Die Nachtblindheit beruht zumeist auf einer Schädigung der Stäbchenzellen der Netzhaut im Auge. Darum können verschiedene Augenerkrankungen zur Nachtblindheit führen.

Nachtblindheit durch erworbene Krankheiten

Darunter befinden sich zum Beispiel:

  • Kurzsichtigkeit
  • Grauer Star und Trübung der Augenlinse
  • Retinopathia pigmentosa: Eine Augenkrankheit, bei der sich dunkles Pigment in der Netzhaut ansammelt und einen Tunnelblick erzeugt
  • Grüner Star
  • Diabetesbedingte Netzhauterkrankung: Diabetes kann die Gefäße der Netzhaut schädigen
  • Malignes Aderhautmelanom: Ein Krebstumor, der vom Auge ausgeht
  • Chorioretinitis: Hierbei handelt es sich um eine Entzündung der Aderhaut, die eine Retinitis (Netzhautentzündung) bewirken kann

Weiterhin ist es möglich, dass verschiedene Systemerkrankungen Nachtblindheit auslösen. Dazu gehören Lungentuberkulose, Onchozerose (eine Fadenwurminfektion) und Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion). Die Nachtblindheit kann sich im Laufe des Lebens verschlimmern oder auch gleich bleiben.

Nachtblindheit durch angeborene Krankheiten

Darüber hinaus gibt es verschiedene angeborene Krankheiten, die ebenfalls eine Nachtblindheit bewirken können. Darunter befinden sich zum Beispiel:

  • Kongenitale stationäre Nachtblindheit: Eine genetisch bedingte Netzhauterkrankung, die sich manchmal bessern kann, zumeist aber gleich bleibt.
  • Morbus Oguchi (Oguchi-Syndrom): Der Augenhintergrund verfärbt sich weiß-grau, die Pupille kann gold-gelb aufleuchten.
  • Fundus albipunctatus: Eine Netzhauterkrankung, die für eine langsamere Anpassung des Auges an dunklere Umgebungen bewirkt.

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Anzeichen für Nachtblindheit

Nachtblindheit hat ein Hauptsymptom: Der Betroffene kann, wie der Name schon sagt, in der Nacht schlechter sehen als der Durchschnitt. Der Effekt ist in etwa vergleichbar mit dem Effekt, der sich einstellt, wenn Sie sich an einem heißen Sommertag lange in der Sonne aufhalten und dann wieder ins dunklere Haus gehen. Hier verschlechtert sich kurzzeitig das Sehvermögen. Ähnlich verhält es sich, wenn Sie auf einer Nachtfahrt kurz an einem hellen Scheinwerfer oder einer Straßenlaterne vorbeifahren und danach kurzzeitig schlechter sehen können. Für Nachtblinde tritt dieser Effekt häufiger ein.

Je nach Ursache der Nachtblindheit können auch verschiedene Ausprägungen der Erkrankung auftreten. Ein Beispiel: Bei kongenitaler stationärer Nachtblindheit ist das Gesichtsfeld nicht eingeschränkt, doch die Sehschärfe der Betroffenen ist leicht verringert und es kann Augenzittern auftreten.

Sollte eine Leber-Amaurose der Auslöser sein, so leiden Patienten unter erhöhter Blendempfindlichkeit und einem deutlich verringerten Sehvermögen. Und die vererbte Retinitis pigmentosa kann sogar bis zur Erblindung führen.

Diagnose für Nachtblindheit

Zunächst einmal wird der Arzt eine Anamnese erstellen. Anschließend untersucht er die Augen des Patienten. Hierbei wird festgestellt, wie gut dessen Sehfähigkeit ist. Der Arzt untersucht etwa die Sehschärfe, das Farbsehvermögen und das Gesichtsfeld. Mittels eines sogenannten Adaptometers kann der Arzt herausfinden, wie gut sich das Auge verschiedenen Lichtverhältnissen anpassen kann. Auch ist es möglich, dass der Patient eine Blutprobe geben muss. Die Blutuntersuchung kann Aufschluss über den Vitamin A-Spiegel geben.

Risiken bei Nachtblindheit

Im Laufe der Evolution hat sich der Mensch zu einem Lebewesen entwickelt, das tagsüber grundsätzlich besser sieht als in der Nacht. Sobald sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnen, sind die Pupillen weit geöffnet, die Stoffwechselprozesse in der Netzhaut laufen langsamer ab. Das ist dahingehend ein Problem, dass die Sinneszellen Vitamin A benötigen, nachdem sie durch Licht erregt werden und der „Nachladevorgang“ langsamer abläuft als gewöhnlich. Kurz gesagt: Der Autofahrer leidet für 30 bis 60 Sekunden an stark reduzierter Sehfähigkeit.

Sobald es dunkel wird, nehmen wir Gefahren tendenziell später wahr. Kein Zufall also, dass die meisten Straßenverkehrsunfälle in der Dämmerung oder im Dunkeln stattfinden. Menschen, die an Nachtblindheit leiden, haben es noch schwerer. Sie werden leichter geblendet und ihre Sicht ist stark eingeschränkt. Das ist vor allem im Straßenverkehr problematisch. Denn das Risiko für einen Unfall steigt.

Behandlung von Nachtblindheit

Um Nachtblindheit zu behandeln, ist es wichtig, die Ursache zu wissen. Erst dann kann der Arzt eine geeignete Therapie empfehlen. Sollte eine der Systemerkrankungen für die Nachtblindheit sorgen, muss diese zuerst behandelt werden. Eine Behandlung der angeborenen Nachtblindheit (Retinopathia pigmentosa) ist nach derzeitigem medizinischen Stand nicht möglich. Dasselbe gilt für verschiedene Formen von Nachtblindheit, die zusätzlich zu einer Grunderkrankung auftreten. Allerdings legen Wissenschaftler Hoffnungen in die Gentherapie und Stammzelltransplantation. Sollte ein Vitamin A-Mangel für die Nachtblindheit verantwortlich sein, so kann die Zufuhr von Vitaminen die Erkrankung bessern. Nahrungsmittel, in denen Vitamin A enthalten ist, sind zum Beispiel Fisch, Fleisch und Eier.

Nachtblindheit, die von Grauem Star oder Kurzsichtigkeit ausgelöst wird, ist ebenfalls behandelbar. Korrekturlinsen, etwa eine Brille oder Kontaktlinsen, können die Sehfähigkeit bei  Nacht verbessern. Ein operativer Eingriff kann bei manchen Ausprägungen der Nachtblindheit ebenfalls helfen. Sollte ein Katarakt (ein getrübter Bereich der Augenlinse) für die Nachtblindheit verantwortlich sein, so kann dieser operativ entfernt werden. Hier ersetzt der Chirurg die getrübte Augenlinse durch eine klare künstliche Linse.

Titelbild: © Mr_Twister / iStock.com