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Multiple Sklerose: Heilung durch Wanze?

Protein Infestin-4 hemmt krankmachenden Faktor

Multiple Sklerose gilt in Mitteleuropa als häufigste chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems, die das Gehirn und das Rückenmark angreift. Laut der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) leben in Deutschland zwischen 120.000 und 140.000 MS-Patienten. Die Dunkelziffer ist allerdings weitaus höher. Da der Verlauf, die Beschwerden und auch die Therapien von Patient zu Patient unterschiedlich verlaufen, wird Multiple Sklerose auch als „Krankheit mit den 1000 Gesichtern“ bezeichnet. Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen sind nun möglicherweise dem Auslöser der Erkrankung auf die Schliche gekommen und auch einem Weg, diesen zu hemmen.

70 Prozent der MS-Patienten sind Frauen

Laut Bundesversicherungsamt und der Versicherungsstammdaten der gesetzlichen Krankenversicherungen lag die Zahl der Erkrankten im Jahre 2010 bereits bei 199.505. Generell sind Frauen mit 70 Prozent weitaus häufiger betroffen als Männer. Gewöhnlich wird die Autoimmunerkrankung, die das eigene Immunsystem angreift, in jungen Jahren (zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr) festgestellt. Da der Krankheitsverlauf sehr individuell verläuft, können kaum allgemein gültige Aussagen über MS getroffen werden. Dies stellt die Forschung vor große Herausforderungen.

Faktor 12 Schuld am MS-Schub

Die aktuellen Forschungsergebnisse eines Wissenschaftsteams der medizinischen Fakultät Duisburg-Essen in Zusammenarbeit mit Forschern der Universität Münster sind vielversprechend. Nach jahrelangen Untersuchungen, die die Bestandteile des Blutgerinnungssystems betrafen, scheint der Faktor 12 von den insgesamt 13 Gerinnungsfaktoren der Auslöser der Erkrankung zu sein. Bei einem akuten MS-Schub zeigte dieser einen besonders hohen Wert, der auch das Immunsystem beeinflusst.

“Wir haben in unseren Studien herausgefunden, dass ein Blutgerinnungsfaktor in der Entstehung der Multiplen Sklerose eine wichtige Rolle spielten könnte”, so der Essener Neurologe Christoph Kleinschnitz.

Blutsaugende Wanze liefert hemmendes Protein

Das rettende Protein, das den krankmachenden Faktor möglicherweise eindämmen kann, haben die Forscher in einer Wanze ausfindig machen können. Diese besitzt das Eiweiß Infestin-4, das bei Tieren bereits große Wirkung gezeigt hat und den Gerinnungsfaktor 12 blockieren kann. Selbst dann, wenn bereits neurologische Symptome vorliegen. Es besteht also große Hoffnung, Lähmungserscheinungen, Sehstörungen, Muskelkrämpfe und Taubheitsgefühle in Zukunft medikamentös zu behandeln und einzudämmen. Ob dadurch auch eine vollständige Heilung möglich ist, wird sich dann zeigen, wenn ein Medikament zugelassen und schlussendlich auf dem Markt ist. Dies wird allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen, lies das Forschungsteam verlauten.

Titelbild: © Minerva Studio