Eltern spazieren mit ihren Kindern am Meer

Die Lebensqualität nach der Krebsdiagnose erhalten

Mit der Krebsdiagnose ist nichts mehr, wie es vorher war. Die Art, wie die Betroffenen damit umgehen, hängt dennoch von vielen Faktoren ab. Wer sich bereits in einer Lebenskrise befindet, wird möglicherweise anders auf eine solche Diagnose reagieren, als jemand, der z. B. gerade einen großen Erfolg feiert. Aber auch die persönliche Fähigkeit, sich einer Tatsache mit unklarem Ausgang zu stellen, spielt eine Rolle. Und schließlich spielt das Umfeld eine wichtige Rolle. Auch Angehörige und Lebenspartner sind direkt von der Diagnose betroffen, die ihr Leben verändern wird, ohne dass sie das verhindern können. Alle zusammen können aber dazu beitragen, dass die Lebensqualität möglichst lange erhalten bleibt, auch wenn die Krebserkrankung einen besonders tragischen Verlauf nimmt.

Was ist Lebensqualität?

Wenn Sie oder ein Mensch, der Ihnen nahesteht von der Krebsdiagnose betroffen ist und Sie das Gefühl haben, dass Ihre Welt in Trümmern liegt, sollten Sie sich zunächst bewusst machen, was Ihnen wirklich wichtig ist. Nicht jeder Mensch bricht bei einer solchen Diagnose zusammen. Es gibt ebenso Charaktere, die sich nach dem ersten Schock in die Therapien stürzen, weil es ihnen hilft und das Gefühl gibt, den Dingen nicht hilflos ausgeliefert zu sein. Lebensqualität ist längst nicht nur materieller Luxus, sondern ein persönliches Gefühl der Zufriedenheit. Dazu gehört, mit sich und der Welt in Einklang zu sein. Luxus im Sinne von Dingen, die über das Notwendige hinausgehen, gehören nicht dazu, dafür aber das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.

Trügerische Lebensqualität

Es liegt in der Natur des Menschen, dass er seine Möglichkeiten ständig verbessern will. Dieses Bestreben zeigt sich in einer gewissen Unzufriedenheit. Wäre das nicht gegeben, wäre jeder zufrieden, der genügend Nahrung, vertraute Personen um sich und einen Rückzugsort zum Schutz vor äußeren Einflüssen hat. Das dürfte nur auf sehr wenige Menschen zutreffen.

Kommt nun eine schwere Erkrankung hinzu, führt das dazu, dass sich die aktuellen Lebensumstände verschlechtern, eine Verbesserung in weite Ferne rückt und auch Pläne zumindest über lange Zeit nicht mehr umsetzbar sind. Die Patienten und ihre Vertrauten fühlen sich vom Leben betrogen oder verraten. Das ist eine schlimme und belastende Erfahrung, die nicht dazu beiträgt, die Situation zu meistern. Oftmals macht sich so die Lebensqualität erst dann bemerkbar, wenn ein Teil davon verlorengeht. Rückblickend berichten daher vor allem Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter, dass es die besonderen Momente waren, die ihr Leben so lebenswert gemacht haben. Es ist deshalb für gesunde und kranke Menschen wichtig, sich auf Dinge zu konzentrieren, die funktionieren und für ein gutes Lebensgefühl sorgen. Auch wenn es nur Minuten sind.

Positiv und realistisch in die Zukunft

Krebspatienten und ihre nahen Angehörigen erleben vor allem zu Beginn ein Auf und Ab der Gefühle. Hoffnungen und Ängste wechseln einander ab. Das Gefühl, dass es garantiert schiefgeht folgt vor allem auf neue Diagnosen. Hinzu kommt eine nicht unerhebliche Einmischung von außen, durch die sich die Betroffenen genötigt sehen, zu reagieren, Rede und Antwort zu stehen und oft genug auch, sich zu rechtfertigen. Ganz besonders bei schweren Diagnosen kann die Belastung durch solche Eingriffe, die sicher nur gut gemeint sind, die eigene Auseinandersetzung mit der Erkrankung empfindlich stören. Hinzu kommt, dass eine schlechte körperliche Verfassung als Folge der Erkrankung oder der Behandlung ihrerseits empfindlich macht und zwangsläufig in eine Kraftlosigkeit führt. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Patienten den Mut verlieren und die Behandlung abbrechen.

Es besteht außerdem das Risiko, dass sie sich abschotten und keine Hilfe mehr zulassen wollen. Das gilt es unbedingt zu vermeiden. Im Ergebnis sollte der Patient selbst die Chance haben, in Ruhe zu entscheiden, wie viel Unterstützung er annehmen will und von wem sie kommt. Dennoch kann es auch für den Betroffenen selbst ein wichtiges Signal sein, zu erleben, wie engagiert und betroffen das Umfeld ist. Trotzdem muss jeder für sich selbst den Weg zwischen positiver Grundhaltung und realistischer Einschätzung der Situation finden. All das ist schwierig genug, weshalb professionelle Therapeuten als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Auszeiten für eine möglichst gute Lebensqualität

Es wäre lebensfremd und unseriös zu erklären, dass unter einer bestimmten Therapie die Behandlung von Krebs immer gut verträglich und stressfrei ist. Solche Behauptungen sind zudem unfair den Betroffenen gegenüber, die sich so mit falschen Voraussetzungen ihrer Erkrankung stellen. Gleichzeitig muss das Risiko von Depressionen vermieden werden. Eine gründliche Vorbereitung auf das, was psychisch in der kommenden Zeit passieren kann, hilft allen, sich darauf einzustellen. Dazu gehören auch die Anfälle von Müdigkeit und Zustände von Erschöpfung.

Die Patienten sollen aber auch die Phasen nutzen, in denen sie sich besser fühlen. Das führt insgesamt zu einer intensiveren Wahrnehmung des eigenen Körpers und der Psyche. Das kann – so bitter die Erfahrung ist – auch dazu führen, dass die beteiligten Personen sich ihrer Glücksmomente stärker bewusst werden und erkennen, wie lässig und unbewusst gesunde Menschen über Dinge hinweggehen, die nicht selbstverständlich sind. Die Erkenntnis zu mehr Lebensqualität ist das intensive Erleben schöner Ereignisse und nicht die Zeit, die möglicherweise bleibt. Diese Erkenntnis braucht Geduld, die alle aufbringen müssen, die persönlich von einer Krebserkrankung betroffen sind.