Mensch steht im Sonnenuntergang vor Rollstuhl

Leben nach dem Schlaganfall – Was ändert sich?

Wer einen Schlaganfall übersteht, wird in nur einem einzigen Augenblick in ein neues Leben geworfen. Denn die Folgen sind in vielen Fällen verheerend: Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen und eine eingeschränkte Mobilität können die Rückkehr in das alte Leben erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen. Deshalb sind nicht nur aus medizinischer, sondern auch sozialer Sicht frühzeitige Therapien wichtig. Doch welche Therapiemaßnahmen gibt es, wie läuft eine Rehabilitation nach einem Schlaganfall ab und welche finanziellen Folgen hat das?

Inhalt

Behandlung kurz nach dem Schlaganfall

Im direkten Anschluss an die Einlieferung ins Krankenhaus folgt zunächst die Akutbehandlung des Schlaganfall-Patienten. Ist diese überstanden, besteht in der Regel keine Lebensgefahr mehr. Aus diesem Grund wird der Patient von einer Spezialstation (Stroke Unit) zunächst zur Überwachung auf die Allgemeinstation überwiesen. Dort widmen sich Ärzte neben der Nachsorge vor allem neu auftretenden Problemen, die in Folge einer längeren Bettlägerigkeit entstehen können. Darunter beispielsweise Druckgeschwüre, Gelenkprobleme oder Beinvenenthrombosen.

Ist der Schlaganfall-Patient medizinisch versorgt, wird er– je nach körperlicher Verfassung – einer speziellen Rehabilitation zugeteilt. Wichtig ist, dass diese zeitnah beginnt. In den meisten Fällen finden die ersten Maßnahmen bereits im Krankenhaus statt. Ziel ist es den Patienten trotz der Einschränkungen durch den Schlaganfall möglichst rasch wieder in das aktive Leben einzugliedern.

Rehabilitation nach einem Schlaganfall

Ist der Patient körperlich bereit, wird er in eine spezielle Reha-Klinik verwiesen. Das dort ansässige Team – bestehend aus Pflegekräften, Ergo-, Physio- und Sprachtherapeuten – erarbeitet mit dem Patienten alte und neue Fertigkeiten. Medizinisch ist das Erlernen von alten Dingen möglich, weil bisher ungenutzte Bereiche des Gehirns die „neuen“ Aufgaben übernehmen. Die neu gebildeten Nervenbahnen kompensieren die durch den Schlaganfall abgestorbenen Areale. Ob dies gelingt und wie schnell, hängt jedoch vom Ausmaß der Gehirnschädigung ab.

Die Rehabilitation in einer speziellen Klinik für Schlaganfall-Patienten besteht aus drei wesentlichen Bereichen. Diese zielen vor allem auf die körperliche, geistige und psychische Rehabilitation.

Mobilisation

Die nach einem Schlaganfall durch beispielsweise Lähmungen oder Muskelschwächen beeinträchtigte Mobilität des Patienten soll sehr rasch wiederhergestellt werden. Deshalb helfen Krankengymnasten und andere Therapeuten dem Betroffenen, wieder beweglich zu werden. Dabei gehen die Therapeuten in drei Stufen vor. Zunächst wird der Patient aus dem Bett mobilisiert. In einer zweiten Phase lernt der rollstuhlmobilisierte Patient wieder zu gehen. In einer dritten Phase sollen Betroffene ihre volle Mobilität – auch in Alltagssituation – wiedererlangen. Zudem zeigen die Therapeuten, wie die Betroffenen mit Mobilitätshilfen (z.B. Rollatoren) umgehen können.

Selbsthilfe

Ergotherapeuten helfen den Patienten, die durch den Schlaganfall verloren gegangenen Fähigkeiten wieder zu erlenen. Dies können alltägliche Dinge wie Trinken aus einem Glas, der Umgang mit Besteck oder das eigenständige Einkleiden sein. In vielen Fällen ist nach einem Schlaganfall auch das Sprachenzentrum des Gehirns geschädigt worden. Eine sprach-therapeutische Behandlung kann helfen, diese Defizite auszugleichen.

Psychische Verarbeitung

Nach einem Schlaganfall müssen viele Patienten das Geschehene erst einmal verarbeiten. Die Angst vor einer zweiten Attacke, die körperlichen Beschwerden und das Gefühl der Ohnmacht, alltägliche Aufgaben nicht mehr bewältigen zu können, sind für die Betroffenen belastend. Aus diesem Grund wird in den meisten Rehabilitationsprogrammen auch eine psychologische Betreuung mit angeboten.

Mit diesen Maßnahmen soll sich der Patient bestmöglich auf die bevorstehende Zeit zuhause vorbereiten. Und im späteren Verlauf den Rückweg in den Alltag besser bewältigen können.

7 Dinge, die Sie nach einem Schlaganfall zu Hause beachten sollten

Zu Hause beginnt der eigentliche Weg. Denn viele Betroffene empfinden die Rückkehr in den Alltag als besonders belastend. Welche weiteren Behandlungen kommen auf die Patienten zu, wer unterstützt sie im Zweifelsfall und wie geht es finanziell weiter? Fragen, die Existenzängste auslösen. Und noch dazu will der Körper nicht mehr so wie vorher. Eine der Folgen: Ein Gefühl von Hilflosigkeit. Im schlimmsten Fall entwickeln sich daraus sogar Depressionen. Deshalb gibt es ein paar Dinge, auf die Schlaganfall-Patienten und deren Angehörige nach der Rückkehr in den Alltag beachten sollten.

Ambulante oder teilstationäre Rehabilitation

Nach dem Aufenthalt im Krankenhaus beziehungsweise der Reha-Klinik folgt die Rückkehr nach Hause. Dennoch ist für den Schlaganfall-Patienten die Rehabilitation noch nicht abgeschlossen. Auch Zuhause muss der Betroffene weiter den Folgen des Schlaganfalls entgegenarbeiten. Dafür gibt es sowohl teilstationäre als auch komplett ambulante Rehabilitationseinrichtungen.

Während bei einer teilstationären Behandlung der Patient zwar zu Hause wohnt, verbringt er – ähnlich der Berufsausübung – werktags in der Einrichtung, um an seiner Rehabilitation zu arbeiten. Dies ist besonders für Patienten geeignet, die eine medizinisch interdisziplinäre Behandlung benötigen. Denn in den Einrichtungen sind meist alle erforderlichen Ärzte vor Ort. Im Gegensatz dazu ist die ambulante Rehabilitation weniger klar strukturiert. Sind die körperlichen Beschwerden soweit zurückgebildet und nur noch einzelne Funktionseinschränkungen (z.B. Sprachprobleme, motorische Schwierigkeiten) vorhanden sind, kann eine ambulante Rehabilitation eingeleitet werden. Die Behandlungen erfolgen von Fachärzten und Therapeuten (z.B. Logopäden, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten) in der unmittelbaren Umgebung. Ob Sie eine ambulante oder teilstationäre Rehabilitation benötigen, besprechen Sie am besten mit Ihrem Hausarzt oder bereits noch vor der Rückkehr nach Hause in der behandelnden Klinik.

Zentrale Koordination: Der Hausarzt

Haben sich Schlaganfall-Patienten gemeinsam mit den Ärzten für eine ambulante Rehabilitation entschieden, werden diese in den meisten Fällen an den Hausarzt überwiesen. Der Hausarzt übernimmt dann die weiteren Behandlungsmaßnahmen. Hier ist es besonders wichtig darauf zu achten, dass der Hausarzt alle an der Reha beteiligten Therapeuten miteinbindet. Denn jeder Schlaganfall-Patient hat individuelle Schäden davongetragen und muss entsprechend mit individuellen Lösungen betreut werden.

Der Hausarzt übernimmt dabei die koordinierenden Aufgaben und ist Ansprechpartner für den Patienten und die Angehörigen. Oft fehlen hier jedoch auch bei Hausärzten die Zeit und Struktur. Scheuen Sie nicht davor zurück, ihren Hausarzt besonders in der Koordination um Hilfe zu bitten. Patienten selbst oder deren Angehörige sollten die Reha-Maßnahme aber auch selbst gut organisieren. Legen Sie Pläne an, welche Arzttermine Sie wann einhalten müssen, planen Sie aktiv Zeit für Übungen zu Hause ein und haben Sie alle Befunde stets an einem Ort aufbewahrt. So können sich wechselnde Ärzte oder neu hinzukommenden Therapeuten ein Bild Ihrer Krankheitsgeschichte machen.

Unterstützung durch Angehörige

Besonders Angehörige stehen Ihren Verwandten und Freunden bei einem Schlaganfall bei. Doch die Pflege von Betroffenen ist auch für Angehörige nicht immer einfach. Vor allem dann, wenn die Angehörigen auch noch Arbeit und die Versorgung der Familie stemmen müssen, kann Pflege besonders belastend sein.

Damit die Pflege von Schlaganfall-Patienten nicht zu Lasten der Gesundheit von Pflegenden geht, sollten sich auch diese Ihre Schwierigkeiten und Probleme bewusst sein. Auch Angehörige dürfen und sollten bei Ärzten und Selbsthilfegruppen um Rat bitten und selbst Hilfe in dieser schwierigen Zeit annehmen.

Wie der Alltag von Betroffenen nach einem Schlaganfall aussehen kann, welche Schwierigkeiten auf die Angehörigen warten und wo Sie sich Hilfe suchen können, erfahren Sie in dem von Stiftung Warentest und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe herausgegebenen Ratgeber „Gemeinsam zurück ins Leben.“

Hilfe suchen in Vereinen

Viele Vereine haben sich der Hilfe von Schlaganfall-Patienten verschrieben. In Selbsthilfegruppen, Gesprächskreisen oder Online-Foren können sich Betroffene und Angehörige austauschen und gegenseitig Mut spenden. Ähnliche Erfahrungen und bereits überwundene Hürden anderer können auch der eigenen Genesung Aufschwung verleihen.

Zudem können Vereine zur Selbsthilfe auch medizinische Perspektiven ermöglichen. Denn Ärzte und Experten sind vielen Vereinen angeschlossen. Patienten können bei medizinischen Problemen einfach mit ihnen in Kontakt treten. Eine nach Orten gefilterte Liste mit vielen Selbsthilfegruppen finden Sie auf der Webseite der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Schlaganfall-Helfer

Zwar ist nach einem Schlaganfall meist eine Pflegekraft vorhanden, die beim Anziehen, Waschen oder der Einnahme von Medikamenten hilft. Dennoch sind viele Schlaganfall-Patienten vor allem gesellschaftlich auf sich alleine gestellt. Die Mobilität ist eingeschränkt, soziale Kontakte können nur schwer aufrechterhalten werden und das Sprechen fällt noch schwer. Wohnen dazu Angehörige noch weit weg, bedeutet das für Betroffene starke Vereinsamung.

Um dem entgegen zu wirken, engagieren sich immer mehr Menschen ehrenamtlich als Schlaganfall-Helfer. Denn trotz der intensiven Nachsorge brauchen die Patienten auch soziale Unterstützung. Die Helfer übernehmen deshalb ganz einfache Tätigkeiten, wie Spazierengehen, Zuhören, Einkaufen gehen oder mit dem Betroffenen Teetrinken. Zudem sind die meisten Helfer nach wenigen Einsätzen bereits sehr erfahren im Umgang mit Schlaganfall-Patienten, sodass sie auch Angehörigen ihre Ängste nehmen können. Mehr zu den Schlaganfall-Helfern und wo sie zu finden sind, erfahren Sie auf der Webseite der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Gesund durch Lebenswandel

Nach einem Schlaganfall ist auch ein Lebenswandel erforderlich. Denn neben den Medikamenten trägt vor allem eine gesunde Lebensweise zur Heilung und zum Schutz vor einem erneuten Schlaganfall bei. Deshalb sollten Patienten, die einen Schlaganfall erlitten, das Rauchen aufgeben, sich gesund ernähren und auf den Blutzucker achten. Auch Sport gehört dazu. Viele Patienten sind nach einem ersten Schlaganfall immer noch fit genug, um an speziellen Programmen teilzunehmen. Wie Sie einem Schlaganfall entgegenwirken, erfahren Sie in unserem Beitrag „Wie kann man einem Schlaganfall vorbeugen?“

Finanzielle Unterstützung beantragen

Ein Schlaganfall bedeutet auch finanzielle Unsicherheiten. Denn in den meisten Fällen können Betroffene nach einem Schlaganfall nicht mehr direkt in den Job zurückkehren. In vielen Fällen ist der vorher ausgeübte Beruf sogar überhaupt nicht mehr auszuführen. Doch ohne Job ist die finanzielle Existenz des Patienten bedroht.

Aus diesem Grund sollten Betroffene und Angehörige bereits noch in der klinischen Betreuung auf eine Einstufung in einen Pflegegrad durch den Medizinischen Dienst plädieren. So sind zumindest die für die Pflege aufkommenden Kosten zum Teil gedeckt. Wie genau die Einstufung in einen Pflegegrad abläuft, welche Leistungen Sie zu erwarten haben und wie die Prüfung des Medizinischen Dienstes abläuft, erfahren Sie in unserem Beitrag „Wie wird Pflegebedürftigkeit festgestellt?“.

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Titelbild: © bubutu-/iStock.com

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