Mann in Rollstuhl auf Steg am See

Invalidität – Diese Versicherungen gibt es

Sie ist zurzeit in aller Munde. Zumindest bei denen, die auf Netflix & Co. regelmäßig streamen. Die Rede ist von Amberley Snyder. Denn der neue Film „Laufen. Reiten. Rodeo.“ erzählt ihre Geschichte. Und die ist von Leid, Sehnsucht und einem festen Lebenswillen geprägt. Die junge Amberley reitet für ihr Leben gerne Rodeo. Doch nach einem Autounfall, der sie an den Rollstuhl fesselt, ist ihr Traum vorbei. Die Invalidität bestimmt ihren Alltag. Ein Ritt mit dem Pferd: unmöglich. Denkt Amberley zuerst. Dann jedoch kehrt ihre Rodeo-Leidenschaft zurück. Sie gibt nicht auf und unternimmt alles, um wieder auf dem Pferd zu sitzen.

Die spannende und Mut spendende Geschichte zeigt: Invalidität ist ein Thema, das jeden treffen kann. Mit viel Kraft kann der Alltag und selbst ein Rodeo-Ritt  dennoch bewältigt werden. Und natürlich mit Unterstützung. Sowohl durch das soziale Umfeld aber auch finanziell. Aber was tun, wenn es ernst wird?

Die Zahlen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zeigen, dass jedes Jahr knapp 10 Millionen Menschen in Deutschland einen Unfall erleiden. Die meisten davon passieren im Haushalt und bei Freizeitaktivitäten. An dritter Stelle stehen Verkehrsunfälle, wie es bei Amberley der Fall war. Die Folgen sind oft langfristige körperliche Beeinträchtigungen aufgrund von Invalidität. Dazu kommen Berufsunfähigkeit und finanzielle Sorgen. Doch was genau meint eigentlich Invalidität? Und welche Versicherung trägt die Kosten?

Inhalt

Wie ist Invalidität definiert?

Obwohl viele Menschen unter Invalidität vor allem das Fehlen von Gliedmaßen verstehen, ist diese Auffassung falsch. Auch Erkrankungen der Sinne oder Gelenke machen Menschen invalide. Aber was genau bedeutet dann Invalidität?

Unter Invalidität versteht man eine dauerhaft anhaltende Beeinträchtigung des körperlichen oder geistigen Zustands eines Menschen. Dieser Zustand kann beispielsweise durch eine angeborene Behinderung oder einen Unfall herbeigeführt worden sein. Einher mit der Invalidität gehen meist eine teilweise oder ganzheitliche Berufsunfähigkeit beziehungsweise Erwerbsminderung.

Und die Kosten? Sofern Sie als Arbeitnehmer in Deutschland beschäftigt sind, sind Sie innerhalb der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung gegen die Erwerbsunfähigkeit versichert. Die Invalidität selbst spielt dabei keine Rolle. Sie wird von den gesetzlichen Versicherungen nicht gesondert entschädigt. Obwohl früher die Erwerbsminderungsrente zwar Invaliditätsrente hieß, ist diese heute nicht mehr ausschließlich für invalide Personen gedacht.

Stehen jedoch durch Invalidität größere Kosten an, zahlt die private Unfallversicherung. Die Höhe der Zahlungen richtet sich nach dem so genannten Invaliditätsgrad. Dieser wird durch die Gliedertaxe – einer prozentualen Verteilung der Einschränkungen des Körpers durch Invalidität – bestimmt. Je nachdem, welches Körperteil oder welches Sinnesorgan verloren beziehungsweise nicht mehr funktionstüchtig ist, bestimmt die Gliedertaxe die Höhe des Invaliditätsgrades. Für manche Berufsgruppen gelten hier gesonderte Regeln. Handwerker bekommen zum Beispiel meist eine verbesserte Gliedertaxe zugesprochen, da der Verlust eines Körperteils hier größere Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit hat.

Invaliditätsgrade im Überblick:

Verlust der Sinne:

  • Sehvermögen auf einem Auge (50 %)
  • Hörvermögen auf einem Ohr (30 %)
  • Geruchssinn (10 %)
  • Geschmackssinn (5 %)

Verlust an Händen:

  • Hand am Handgelenk (55 %)
  • Daumen (20 %)
  • Zeigefinger (10 %)
  • Andere Finger (je 5%)

Verlust an Armen:

  • Arm am Schultergelenk (70 %)
  • Arm über dem Ellenbogengelenk (65 %)
  • Arm unter dem Ellenbogengelenk (60 %)

Verlust an Beinen:

  • Bein oberhalb der Mitte des Oberschenkels (70 %)
  • Bein unterhalb der Mitte des Oberschenkels (60 %)
  • Bein unterhalb des Kniegelenks (50 %)
  • Bein unterhalb der Mitte des Unterschenkels (45 %)

Verlust an Füßen:

  • Fuß am Fußgelenk (40 %)
  • Großer Zeh (5 %)
  • Andere Zehen (je 2 %)

Je nach Einschränkung bestimmt die genannte Gliedertaxe, wie hoch der Teilsatz der Zahlungen von privaten Unfallversicherungen ist. Andere Körperteile und Sinnesorgane werden je nach körperlicher oder geistiger Leistungsfähigkeit berechnet. Verlieren Sie nach einem Unfall also eine Fingerkuppe, werden nach medizinischen Gesichtspunkten die Beweglichkeit der Finger und die damit verbundenen Einschränkungen im Alltag für die Einteilung in den Invaliditätsgrad berücksichtigt.

Einschränkungen und ihre Kosten

Die Kosten, die nach einem schweren Unfall auf Sie zukommen können, werden häufig unterschätzt. Denn obwohl ein Unfall in nur wenigen Sekunden passiert ist, kann er Ihr Leben dauerhaft einschränken. Invalidität bedeutet also in vielen Fällen nicht nur Krankheit, sondern auch enorme Kosten.

Ein Beispiel:

Nach einem Unfall bei Renovierungsarbeiten ist Herr Müller auf der linken Körperhälfte gelähmt. Nun ist er dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen. Das Eigenheim muss umgebaut werden, damit sich Herr Müller wieder uneingeschränkt und selbständig bewegen kann. Die Kosten dafür sind hoch. Ein Umbau des Bades (ebenerdige Dusche, tieferes oder höhenverstellbares Waschbecken, Installation eines Badewannenlifts) und der Küche (niedrigere Arbeitsfläche, Versetzung der Elektrogeräte nach unten) belaufen sich auf etwa 30.000 Euro. Zudem muss ein Treppenlift installiert werden. Kostenpunkt (Rund 29.000 Euro). Auch das Auto von Herrn Huber muss behindertengerecht nachgerüstet werden. Auch hier belaufen sich die Kosten auf mehrere zehntausend Euro.

Die Zahlungen für mehr Selbständigkeit im Haus und Mobilität werden jedoch von der gesetzlichen Unfallversicherung nicht getragen. Hier zählt private Vorsorge. Ist diese nicht vorhanden, müssen Betroffene die Kosten für den Umbau eines Hauses oder dem Auto selbst tragen.

Die Absicherungsmöglichkeiten

Sich gegen Invalidität abzusichern ist ein erster Schritt, um drohende Kosten zu vermeiden. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich gegen einen solchen Fall zu versichern. Wir erklären, welche Versicherungen bei Invalidität greifen und worin die Vor- bzw. Nachteile einer jeden Versicherung liegen.

Die Unfallversicherung

Bei Invalidität, die aufgrund eines privaten Unfalls eintritt, greift die private Unfallversicherung. Diese leistet im Bedarfsfall eine Unfallrente oder eine Einmalzahlung. Die Höhe dieser Rente, hängt zum einen von den vertraglichen Bedingungen und zum anderen von der Schwere der Invalidität ab. Genau hier kommen die Gliedertaxen zum Einsatz. Diese bemessen, ob eine Person Teil- oder Vollinvalide ist. Dabei zählt nur, ob ein Körperteil noch funktioniert oder nicht. Die beruflichen Einschränkungen durch Invalidität werden nicht versichert.

Zudem werden nur Leistungen ausgegeben, wenn die Invalidität von einem Unfall herrührt. Ein Unfall ist per Definition dann gegeben, wenn „die versicherte Person durch ein plötzlich von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis unfreiwillig einen Schaden der Gesundheit betreffend erleidet.“ Schleichende Invalidität ist nicht versichert. Auch muss die Invalidität dauerhaft – für mindestens drei Jahre ohne Aussicht auf Besserung – andauern.

Vorteile Nachteile
Rentenzahlungen oder Einmalleistungen möglich Zahlt nur bei Invalidität nach einem Unfall
Transparenz bei Berechnungen nach Gliedertaxe Berufliche Einschränkungen werden nicht ausgeglichen
Funktionstüchtigkeit des Körperteils ist ausschlaggebend

Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zahlt – je nach Police – bei Invalidität eine Rente. Allerdings nur dann, wenn diese Einfluss auf die Ausübung des eigenen Berufs hat. Die BU versucht also das durch die Invalidität fehlende Einkommen auszugleichen. Im Gegensatz zu einer Unfallversicherung greift die Berufsunfähigkeitsversicherung vor allem dann, wenn Sie nicht mehr in der Lage sind, Ihren Beruf teilweise oder vollständig auszuführen. Wo die Invalidität herrührt, spielt  hierbei keine Rolle.

Vorteile Nachteile
Finanzielle Absicherung bei Berufsunfähigkeit Keine weiteren Zahlungen für Hausumbau etc.
Monatliche Zahlung einer BU-Rente Zahlungen nur bei Invalidität, die den Beruf einschränken
Unabhängig davon, woher die Invalidität herrührt

Dread-Disease-Versicherung

Die Dread-Disease-Versicherung hat ihren Ursprung in den USA und ist erst seit kurzer Zeit auf dem deutschen Markt. Eine solche Versicherung greift bei „Dread Diseases“, also zu Deutsch „schweren Krankheiten“. Dazu zählen neben Herzinfarkten und Schlaganfällen auch Krebs oder Parkinson. Je nach Versicherer ist oft auch Invalidität versichert. Die Versicherung entscheidet dabei, welche Erkrankungen als „schwere Krankheiten“ in die Police aufgenommen werden. Anders ist dies bei der IDEAL TotalProtect. Dort ist anstatt der Krankheit nur Ihr Gesundheitszustand ausschlaggebend.

Die Versicherung zahlt bei ärztlicher Bescheinigung eine Einmalleistung. Die Höhe der Zahlung ist abhängig von der gewählten Versicherungssumme. Der Vorteil: Invalidität kann in den meisten Fällen von Ärzten zweifelsohne bestätigt werden. Anders als bei einer BU-Versicherung kommt es bei einer Dread-Disease-Versicherung nur auf die ärztliche Bescheinigung an. Ob Sie danach weiterarbeiten können, ist für die Zahlung nicht relevant. Dafür erhalten Sie auch keine monatliche Rente. Die Einmalzahlung reicht jedoch in den meisten Fällen aus, um kurzfristig anfallende Kosten – wie den Umbau des Hauses oder Autos – finanzieren zu können.

Vorteile Nachteile
Finanzielle Absicherung bei schweren Erkrankungen Kein Ausgleich bei Berufsunfähigkeit (lediglich Einmalzahlung)
Einmalzahlung für kurzfristig anfallende Kosten Abhängig von Versicherer, ob er bei Invalidität leistet
Leistung bei ärztlichem Attest einer schweren Krankheit

Versicherungen im Vergleich

Unfallversicherung Berufsunfähigkeitsversicherung Dread-Disease-Versicherung
Rente / Einmalzahlung Monatliche Rentenzahlung Einmalzahlung
Absicherung nur bei Unfällen Absicherung nur bei Berufsunfähigkeit Absicherung bei „schwerer Erkrankung“
Invalidität muss vom Unfall herrühren Invalidität muss zur Berufsunfähigkeit führen Invalidität muss medizinisch bestätigt werden

Titelbild:© peppi18/iStock.com

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