Frontansicht des Seniorenheims Toerringhof

Interview mit Helmut Helgerth, Leiter des Seniorenheims Toerringhof

Helmut Helgerth, 59, leitet das private Seniorenheim Toerringhof in Oberbayern. Das Heim in Töging am Inn, in der Nähe von Altötting und Mühldorf am Inn, beherbergt ca. 100 Bewohner.

Bereits seit 1973 wird das Gebäude als Seniorenheim genutzt und wird seither fortlaufend erweitert und modernisiert. Toerringhof versteht sich nicht als klassisches Seniorenheim, sondern vielmehr als Lebens- und Wohnraum in familiärer Atmosphäre mit professioneller Pflege und Begleitung.

Herr Helmut Helgerth hat uns im Gespräch Einblick in seine Tätigkeit und die Kostenproblematik in der Pflege gewährt.

Welche Ausbildung haben Sie gemacht, um Leiter eines Seniorenheims zu werden?

Ich habe einen klassischen Weg hinter mir. Nach einer Ausbildung zum Krankenpfleger folgten Fort- und Weiterbildungen zum Heimleiter. Außerdem habe ich eine Weiterbildung zum Betriebswirt für Sozialwesen und eine Weiterbildung zum Qualitätsberater Pflege abgeschlossen.

Welche Aufgaben haben Sie als Leiter?

Als Heimleiter ist man in der Regel für alle Belange des Hauses zuständig. In meinem Bereich, wir sind ja ein privates Pflegeheim, ist mein Aufgabenbereich besonders umfangreich, da ich in Personalunion Heimleitung und Geschäftsführer bin.

Vordergründig bin ich natürlich für das Wohl der Bewohner und die Auslastung des Heimes, also Vermietung der Heimplätze, zuständig. Ein weiterer sehr großer Bereich meines Wirkens liegt im Personalmanagement. Ein weiterer wesentlicher Bereich meines Wirkens sind Marketing und betriebswirtschaftliche Steuerung. Unterstützt werde ich bei den geschilderten Aufgaben natürlich von vielen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Kosten von 2.000 € monatlich sind normal – und sie werden noch steigen.

Die derzeit monatlichen Kosten für einen Pflegeheimplatz in Deutschland betragen ca. 3.500 €. Wieso sind Pflegeheimplätze eigentlich so teuer?

Pflegeheime sind personalintensive Unternehmen. In unserem Seniorenheim leben ca. 100 Bewohner. Um eine gute Betreuung, Pflege und Versorgung dieser Bewohner sicherzustellen, sind in unserem Haus 83 Mitarbeiter tätig, die sich neben der Betreuung der Bewohner auch um die Hausreinigung, Wäscherei, Küche usw. kümmern. Aber auch in anderen Bereichen, wie zum Beispiel in der Gebäudeinstandhaltung, fallen immer wieder erhebliche Kosten an.

Bei uns liegt der Eigenanteil – also der Anteil, der nicht erstattet wird und den die Bewohner oder die Angehörigen selbst zahlen müssen – bei derzeit ca. 1.800 €. Und dabei gehören wir nicht einmal zu den teuren Häusern. Andere Anbieter in der Region verlangen 2.000 € und mehr. In München, 70 km weiter, muss man mit noch höheren Kosten rechnen.

Ich gehe davon aus, dass sich die Kosten in den nächsten Jahren noch wesentlich erhöhen werden. Dazu kommt die Schwierigkeit, Pflegemitarbeiter zu finden.

Wie setzen sich die Kosten für einen Pflegeheimplatz zusammen?

Die Kosten werden differenziert in pflegebedingte Aufwendungen, Unterkunft und Verpflegung und die sogenannten Investitionskosten. Diese Aufgliederung ist verpflichtend für den stationären Bereich vorgegeben, um die Kostenstruktur auch etwas transparenter zu gestalten.

Die pflegebedingten Aufwendungen sind der mit Abstand größte Kostenblock und umfassen alle Kosten, die mit Pflege und Betreuung der Bewohner zu tun haben.

In den Kostenblock Unterkunft und Verpflegung fallen Ausgaben für Wärme, Strom, Wasser und die Wartung, außerdem die Kosten für die Verpflegung und das Personal, welches die Verpflegung zubereitet.

Die Investitionskosten sind vergleichbar mit den Ausgaben der Wohnungs- und Hauseigentümer. Sie umfassen die Kosten für die Errichtung eines Gebäudes, Instandhaltung, Finanzierung, Miete und Pacht etc.

Legen die Heime ihre Preise nach Ermessen selber fest?

Nein. Die Entgelte für die Heimkosten werden in Bayern mit der Arbeitsgemeinschaft der Pflegekassenverbände und der Bezirke, überörtliche Sozialhilfeträger, verhandelt. Die Kostenerhöhung des Heims muss den Verhandlungspartnern genau dargelegt werden. In der Regel liegen die Erhöhungen unter den beantragten Kosten.

Das Pflegestärkungsgesetz hat etwas gebracht.

Hat das Pflegestärkungsgesetz und die Einführung der Pflegegrade aus Ihrer Sicht eine Verbesserung für den Pflegebedürftigen gebracht?

Aus der Sicht unserer Bewohner: ja, etwas. Wir beobachten schon, dass ein Pflegegrad leichter zu erreichen ist als die früheren Pflegestufen. Ein weiterer Vorteil der Pflegegrade ist, dass der Eigenanteil nicht steigt, wenn der Pflegegrad steigt. Bei den Pflegestufen war das anders, da erhöhte sich der Eigenanteil noch mit der Pflegestufe.

Ansonsten sind die Verbesserungen durch die Pflegestärkungsgesetze eher im ambulanten und teilstationären Bereich zu finden. Der stationäre Bereich erfuhr hier nach meiner Einschätzung zu wenig Aufmerksamkeit und es bedarf auch in den nächsten Jahren einer wesentlichen Aufbesserung der Leistungen.

Wie wichtig schätzen Sie die private Vorsorge für den Pflegefall ein?

Außerordentlich wichtig. Der Eigenanteil liegt wie erwähnt schon jetzt oft bei 2.000 € und höher und ich rechne nicht damit, dass die gesetzliche Pflegeversicherung im stationären Bereich in Zukunft wesentlich mehr erstatten wird. Von daher ist es mit Einschränkung unumgänglich, sich privat abzusichern.

Die Bürokratie für ausländische Pflegekräfte ist zu hoch.

Was sind die Herausforderungen der Pflege in Deutschland? Was muss sich bessern?

Es ist sehr schwer geworden, gute Pflegemitarbeiter und Mitarbeiter für den hauswirtschaftlichen Bereich zu finden. Insbesondere Pflegefachkräfte wie Altenpfleger und Gesundheits- und Krankenpfleger zu finden ist fast aussichtslos. Hier hat unser Staat versagt und die Zuwanderung von Pflegemitarbeitern aus dem Ausland zu wenig gefördert und Anerkennungen der Berufsausbildung ausländischer Mitarbeiter viel zu bürokratisch gestaltet. Ich denke, an dieser Stelle ist wesentlich mehr Unterstützung von der Bundesregierung angebracht und erforderlich.

Wie sehen Sie die Zukunft der stationären Altenhilfe in unserem Land?

Ich denke, Heime müssen sich künftig komplexer aufstellen. Im Gesetz heißt es ja ambulant vor stationär. Diese Denkweise ist meines Erachtens nicht richtig. Eigentlich müsste gelten: ambulant neben stationär.

Wir machen uns derzeit auf den Weg diesen Grundsatz zu verwirklichen. Neben unserer stationären Einrichtung mit 100 Plätzen planen wir ca. 40 Wohnungen für Betreutes Wohnen mit einem hauseigenen ambulanten Pflegedienst und einer Praxis für Physiotherapie und Ergotherapie. Wir haben auch schon angedacht, in ein paar Jahren in diesem Betreuten Wohnen eine Tagespflegeeinrichtung zu integrieren.

Man könnte sagen, wir planen vom Seniorenheim zu Komplexanbieter zu wachsen, unser Leistungsangebot dadurch vielfältiger zu gestalten und dem jeweiligen Bedarf anzupassen.

Wir bedanken uns bei Herrn Helgerth für das Gespräch.

Das Seniorenheim Toerringhof finden Sie hier: www.toerringhof.de