Mann und Frau sitzen auf einer Parkbank während der Mann Brustschmerzen andeutet

Herzinfarkt typisch Männersache?

„Frauenherzen schlagen anders“. So lautet der Buchtitel von Ingeborg Siegfried und Antje Müller-Schubert. Beide Autorinnen klären über das Herzinfarktrisiko und die spezielle Symptomatik bei Frauen auf. Dabei sind sie sich sicher: Frauen und Männer ticken in vielen Dingen unterschiedlich. So auch bei einem Herzinfarkt.

Lange galt der Herzinfarkt als typische Männerkrankheit. Inzwischen steht jedoch fest: auch Frauen tragen ein hohes Risiko. Somit sind beide Geschlechter gleichermaßen von einem möglichen Myokardinfarkt betroffen. Das Problem: Die Anzeichen für einen Herzinfarkt sind bei Männern und Frauen oft sehr unterschiedlich. Welche Unterschiede es gibt, erfahren Sie in unserem Beitrag.

Inhalt:

Der Herzinfarkt – reine Männersache?

Viele Frauen fühlen sich vor einem Herzinfarkt sicher. Denn dies, so die weitverbreitete Annahme, sei ausschließlich eine Männerangelegenheit. Dabei handelt es sich jedoch um einen Irrglauben. Denn auch bei Frauen zählt der Herzinfarkt zu einer der häufigsten Todesursachen. Allerdings äußert sich ein Herzinfarkt bei Frauen oft atypisch. Zudem sind manche Risikofaktoren bei Frauen höher als bei Männern. Deshalb sollten besonders Frauen über die geschlechtsspezifischen Risikofaktoren und Anzeichen eines Herzinfarktes Bescheid wissen. Auch um im Notfall keine wertvolle Zeit zu verlieren.

Sterblichkeit von Frauen mit Herzinfarkt

Statistisch gesehen, bekommen Frauen weniger häufig einen Herzinfarkt. Während in Deutschland jährlich rund 223.000 Frauen aufgrund eines Herzinfarktes behandelt werden, ist es bei Männern doppelt so oft. Also doch eine Männerkrankheit? Nein. Denn relativ gesehen sterben mehr Frauen als Männer an einem Infarkt. Während 43 Prozent der Frauen mit Herzinfarkt sterben, sind es bei Männern nur 37 Prozent. Hinzu kommt, dass besonders Frauen über 60 Jahren häufig betroffen sind. Durchschnittlich sterben mehr Frauen an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung als an Brustkrebs.

Risikofaktoren für den Herzinfarkt bei Frauen

Auch Frauen sind von den typischen Risikofaktoren eines Herzinfarktes betroffen. Dazu zählt ein ungesunder Lebensstil ebenso wie Durchblutungsstörungen. Doch einige Faktoren schaden besonders Frauen.

Medizinern zufolge scheint sich Zigarettenrauch auf Frauen noch schädlicher auszuwirken, als auf Männer. Auch Frauen mit Diabetes (Typ-2) haben eine vier- bis sechsfach höhere Herzinfarktwahrscheinlichkeit zu tragen. Bei Männern mit Diabetes liegt der Wert lediglich bei einem zwei- bis vierfach höherem Risiko. Ein weiterer Risikofaktor bei Frauen ist das Übergewicht. Denn Übergewicht geht oft auch mit Stoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Diabetes einher. Diese Kombination tritt häufiger bei Frauen auf, was sie anfälliger für einen Herzinfarkt macht. Ärzte raten deshalb, ab einem Taillenumfang von mehr als 88 cm das Gewicht zu reduzieren.

Hinzu kommen bei vielen Frauen höhere Belastungen durch Stress, die sich wiederum gesundheitsschädlich auswirken. So übernehmen viele Frauen in der Familie den gesamten Haushalt, gehen Vollzeit arbeiten und sind in der Regel verantwortlich für die Versorgung und Pflege von Angehörigen. Die hohen Belastungen führen zu einem Burn-Out und lassen gleichzeitig auch das Risiko für einen Herzinfarkt steigern.

Mehr zu den Risikofaktoren bei einem Herzinfarkt und was Sie dagegen tun können erfahren Sie in unserem Beitrag „Herzinfarkt: Wer ist gefährdet?“

Schmerzen in der Brust – der Herzinfarkt beim Mann

Es ist das bekannteste Anzeichen für einen Herzinfarkt: Starke Schmerzen in der Brust. Viele Laien bringen mit diesem Symptom richtigerweise einen Herzinfarkt in Verbindung. Was viele jedoch nicht wissen: Die typischen Brustschmerzen treten oft nur bei Männern auf. Wenn eine Frau einen Herzinfarkt erleidet, entfallen sie jedoch meist. Nicht selten reagieren weibliche Betroffene und ihre Angehörigen bei einem Herzinfarkt deshalb viel zu spät. Wird der Herzinfarkt jedoch nicht sofort ärztlich versorgt, drohen den betroffenen Frauen schwerwiegende Folgen.

Während Männer also klassische Symptome wie Brustschmerzen, Taubheitsgefühle in Armen oder Beinen sowie Hals-, Schulter-, Kiefer- oder Rückenschmerzen aufweisen, können diese bei Frauen oft nur in sehr abgeschwächter Version oder gar nicht auftreten. Welche weiteren Anzeichen klassischerweise für einen Herzinfarkt sprechen und wie Sie Betroffenen helfen können, erfahren Sie in unserem Beitrag „Erste Hilfe bei Herzinfarkt – So handeln Sie richtig!“

Der Herzinfarkt bei Frauen wird oft nicht erkannt

Dass der Herzinfarkt bei Frauen oft anders verläuft, liegt vor allem an der so genannten Pathophysiologie. Mit anderen Worten: Bei Frauen kommt es vor allem aufgrund ihres anderen Körperbaus zu einem abweichenden Verlauf der Krankheit. Zwar ist bei beiden Geschlechtern im Regelfall eine Blockade eines Koronargefäßes für einen Herzinfarkt verantwortlich. Bei Männern ist diese Verstopfung in der Regel auf arteriosklerotische Plaques, also Verkalkungen der Gefäße, zurückzuführen. Bei Frauen hingegen ist ein Herzinfarkt sehr häufig auf eine Herzgefäßverkrampfung (Koronar-Spasmus) zurückzuführen. Dies hat zur Folge, dass ein Herzinfarkt bei Frauen oft ohne erkennbare Symptome, also asymptotisch, verläuft.

Warnsignale bei Frauen

Die hohe Sterblichkeit von Frauen bei Herzinfarkten liegt vor allem in den atypischen Krankheitszeichen begründet. Denn Frauen weisen im Gegensatz zu Männern oft keine herzinfarkttypischen Symptome auf. Klassische Erkennungszeichen wie Schmerzen in der Brust oder ausstrahlende Schmerzen in Arme, Hals und Kiefer bleiben bei Frauen oftmals aus.

Häufig hingegen treten bei Frauen so genannte unspezifische Symptome auf. Auf diese Warnsignale wird jedoch zu oft sehr spät reagiert. Bei diesen Anzeichen sollten Frauen sofort einen Arzt aufsuchen:

  • Druck- und Engegefühl im Brustbereich
  • Starke Kurzatmigkeit / Atemnot
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schmerzen im Oberbauch

Anstatt der üblichen Brustschmerzen treten bei Frauen häufig Druckgefühle im Brustbereich auf. Sind diese besonders stark, sollte umgehend der Notarzt gerufen werden, denn es kann sich dabei um einen akuten Herzinfarkt handeln.

 So beugen Frauen einem Herzinfarkt vor

Ein wesentlicher Unterschied beim Thema Herzinfarktrisiko besteht darin, dass Frauen erst rund zehn Jahre später als Männer herzinfarktgefährdet sind. Während Männer bereits ab 40 Jahren ein erhöhtes Risiko tragen, ist dies bei Frauen meist erst ab 50 Jahren festzustellen. Denn Herz-Kreislauf-Erkrankungen hängen auch stark von den in diesem Alter auftretenden Hormonumstellungen ab. Das wegen der Wechseljahre weniger produzierte Sexualhormon Östrogen fehlt dem Körper und macht ihn anfälliger.

Frauen sollten jedoch nicht erst in den Wechseljahren regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Diese werden bereits ab einem Alter von 35 Jahren von der Krankenkasse (so genannter Check-up-35) übernommen. Natürlich sollten auch klassische Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum, Übergewicht und Stress vermieden werden. Wie Sie einem Herzinfarkt im Allgemeinen entgegenwirken können, erfahren Sie in unserem Beitrag „Wie kann man einem Herzinfarkt vorbeugen?“.

Titelbild: Motortion / iStock.com

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