Forschung - Bär mit Herz und Stethoskop

Herz für Kinder: Forscher entwickeln mitwachsende Herzklappe

Wenn Säuglinge schwer krank zur Welt kommen, ist der Umstand für alle Beteiligten schwer. Besonders dann, wenn es sich um einen Herzklappenfehler handelt. Eine Transplantation ist oft unvermeidlich. Und die belastende Operation wird nicht die einzige bleiben. Denn das Herz des Kindes wächst und macht somit weitere Eingriffe zur Anpassung der Herzklappe notwendig. Jedes Mal mit hohen Belastungen und Risiken für den Körper. Und genau dieses Problem wollen Forscher nun lösen.

Fremdkörper: Ein enormes Risiko

Derzeit bestehen die Implantate Großteils aus Kunststoff oder totem tierischen Material. Die Herzklappen sind und bleiben also als Fremdkörper im Herzen zurück. Das hat zur Folge, dass die kleinen Patienten unter verschiedenen Erkrankungen wie beispielsweise einem erhöhten Risiko von auftretenden Blutgerinnseln nach einer Operation leiden. Zudem werden die eingesetzten Klappen bei zunehmendem Wachstum zu klein und können verkalken. Ein Austausch ist unumgänglich, jede erneute Operation ein enormes Risiko.

Mitwachsende Herzklappen

Diesem Umstand wollen Wissenschaftler nun ein Ende setzen – durch die Erforschung einer mitwachsenden Herzklappe. Das Fachmagazin „Nature Biomedical Engineering“ hat jüngst eine wissenschaftliche Arbeit der Harvard Medical School veröffentlicht, die ein neues Implantat vorstellt. Neu daran sind vor allem die verwendeten Materialen. Biopolymere, die zum einen biologisch abbaubar, zum anderen sehr dehnbar sind, zerfallen in berechenbarer Geschwindigkeit im Körper und geben damit nach. Die einmal eingesetzte Herzklappe soll durch diese technische Neuerung mitwachsen.

Deutschland wirkt mit

Doch leider ist der Ansatz der Forschergruppe derzeit noch Theorie. Denn das Konzept muss als Modell weiter erprobt werden. Auch in Deutschland wird ein ähnliches Modell erforscht. Die medizinische Hochschule Hannover hat bereits erfolgreich im Labor eine aus neuen Stoffen bestehende Herzklappe gezüchtet. Nach Aussagen des Teamleiters Professor Axel Haverich soll die Herzklappe vom Empfänger voll akzeptiert werden und ebenfalls bei Kindern mitwachsen können.

Lernen von der Natur

Die verschiedenen Materialen haben sich die medizinischen Experten von der Natur abgeschaut. Vor allem das in dem neuen Implantat enthaltene Biopolymer findet sich im menschlichen und tierischen Gewebe wieder. Durch diese Fasern können beispielsweise Kraken ihre Tentakel ausdehnen und komprimieren. Und auch die Speiseröhre oder der Dünndarm des Menschen weisen vergleichbare Konstruktionen auf. Die Nutzung und geschickte Verbindung solcher Materialen soll es durchaus möglich machen, solche mitwachsenden Transplantate in naher Zukunft nachzubilden. Damit wäre vielen Kindern ein schwerer Leidensweg erspart.

Titelbild: © tuk69tuk