Teddybär mit Pflaster auf dem Kopf und Thermometer im Krankenbett

Die zehn häufigsten Erkältungsirrtümer

Langsam nähert sich der Frühling. Und das bedeutet auch: Eine letzte Erkältungswelle bahnt sich ihre Wege durch Deutschland bevor der Sommer richtig beginnt. Eine Erkältung ist in den meisten Fällen zwar keine bedrohliche Krankheit, die Begleiterscheinungen sind jedoch sehr unangenehm. Deshalb muss die Erkältung schnell wieder weg! Doch wie wird man eine Erkältung eigentlich los? Um diese Frage kreisen viele Mythen. Aber welche Mythen stimmen und welche sind ein Irrtum?

Inhalt

Erkältung oder Grippe?

Viele Deutsche hat es wieder erwischt. Mit einer Grippe – oder doch einer Erkältung? Der Unterschied zwischen beiden Krankheitsbildern ist nicht einfach zu erkennen. Selbst für Mediziner wird es manchmal schwer, denn die Symptome und Beschwerden ähneln sich stark. Doch worin liegt nun der Unterschied?

Der medizinische Unterschied liegt zunächst einmal im Erreger. Während eine Grippe von so genannten Influenza-Viren (zu Deutsch Grippe-Viren) ausgelöst wird, kann eine Erkältung durch eine Vielzahl von Erregern entstehen. Dazu zählen beispielweise Adenoviren, Coxsackieviren, Rhinoviren, Respiratory-Syncytial-Viren (RSV), Parainfluenzaviren und Enteroviren. Da beide Erkrankungen sich also vor allem durch den Erregertyp unterscheiden sprechen Mediziner bei einer „echten Grippe“ von einer so genannten „Influenza“, während eine „einfache Erkältung“ allgemein als „grippaler Infekt“ bezeichnet wird.

Halskratzen, Schnupfen und Husten kommen sowohl bei einer Grippe als auch bei einer Erkältung vor. Obwohl sich die Krankheitsbilder also stark ähneln, gibt es spezielle Anzeichen, die entweder auf eine Grippe oder eine Erkältung hindeuten:

  • Krankheitsbeginn: Eine „echte Grippe“ beginnt meist plötzlich. Eben noch gesund, fühlt sich der Erkrankte bereits einen Tag später sehr krank. Begleitet wird dies meist von starken Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber. Eine „einfache Erkältung“ hingegen äußert sich in einem schleichenden Prozess. Beginnend mit Halsschmerzen, treten in den nächsten Tagen vermehrt Schnupfen und Husten auf.
  • Verlauf: Eine „einfache Erkältung“ bleibt in der Regel nur wenige Tage. Bereits nach drei bis fünf Tagen stellt sich also eine deutliche Besserung ein. Die Symptome verschwinden – bei genügend Ruhe – nach und nach. Eine Woche später ist die Erkrankung in den meisten Fällen kuriert. Eine „echte Grippe“ hingegen dauert länger an. Betroffene leiden meist fünf bis sieben Tagen an erheblichen Beschwerden. Die Genesung einer Influenza kann daher sogar mehrere Wochen beanspruchen.
  • Symptome: Reizhusten und Halsschmerzen treten sowohl bei einer Grippe als auch bei einer Erkältung auf. Die Krankheitsbilder unterscheiden sich vor allem im Fieber. Während eine „echte Grippe“ bei den Betroffenen oft hohes Fieber über 38,5 Grad auslöst, sind bei einer „einfachen Erkältung“ nur leichte Temperaturerhöhungen üblich. Zudem sprechen in den meisten Fällen plötzlich auftretende Kopf- und Gliederschmerzen und starke Abgeschlagenheit für eine Influenza.

Doch Vorsicht: Auch eine „echte Grippe“ kann milder und ohne die charakteristischen Anzeichen verlaufen. Da es sich insgesamt nur um kleine symptomatische Unterschiede handelt, sollten Sie – unabhängig von Stärke der Beschwerden – immer einen Arzt kontaktieren.

Grafik einer Frau die im Bett liegt mit Aufzählung von Symptomen

© kowalska-art/iStock.com

Die Top zehn Erkältungsirrtümer

„Eine Erkältung kommt drei Tage, bleibt drei Tage und geht drei Tage.“ So zumindest heißt es im Volksmund. Doch wen es erst einmal richtig erwischt hat, der will die Erkältung natürlich so schnell wie möglich wieder loswerden. Aber so zahlreich die Viren für eine Erkältung sind, genauso viele gutgemeinte Ratschläge gibt es. Rund um die Erkältung kreisen viele Mythen. Und vor allem viele Irrtümer. Was stimmt und was ist falsch? Wir klären über zehn Erkältungsirrtümer auf:

  1. Erkältungen werden durch Kälte verursacht

Falsch. Obwohl die Krankheit im Volksmund als Erkältung bezeichnet wird, hat sie nichts mit Kälte zu tun. Eine Erkältung wird durch Viren – nicht durch Kälte – ausgelöst. Warum erkranken die meisten aber dann, wenn es kalt ist? Der Grund: Kälte schwächt die Durchblutung und damit das Immunabwehrsystem. Das macht Menschen anfälliger für Viren.

2. Küssen ist ansteckend

Auch das ist falsch. Zwar werden Erkältungsviren mittels Tropfenübertragung verteilt, dennoch haben Studien gezeigt, dass Küssen nicht ansteckend ist. Der Grund liegt im Magen-Darm-Trakt. Dort hin werden nämlich die Viren mit dem Speichel hin transportiert und anschließend unschädlich gemacht. Für den Erkrankten ist Küssen sogar gesundheitsförderlich. Denn sowohl das Glückshormon Dopamin als auch der beim Küssen nach oben schellende Puls sorgen für Besserung.

3. Antibiotika helfen bei Erkältungen

Ein Irrtum. Antibiotika bekämpfen Bakterien und keine Viren. Deshalb sind sie wirkungslos gegen die Erkältung und Grippe. Penecelin und Co. richten also wenig aus. Die Ausnahme: Infektionen, die als Nebenerscheinung zu einer Erkältung oder Grippe entstehen wie beispielsweise leichte Lungenentzündungen.

4. „Hochziehen“ bei Schnupfen verstopft die Nasennebenhöhlen

Im Gegenteil. Beim „Hochziehen“ entsteht nämlich Unterdruck. Dieser führt dazu, dass Schleim aus den Nasennebenhöhlen gesaugt wird. Starkes Schnäuzen hingegen erzeugt hohen Druck. Durch diesen Überdruck wird das Sekret in die Nasennebenhöhlen gepresst. Die Gefahr von Entzündungen und Vereiterung steigt.

5. Saunagänge helfen bei Erkältung

Leider auch nicht richtig. Eine Erkältung kann nicht „ausgeschwitzt“ werden. Ein Saunagang ist sogar eher schlecht, denn die Hitze beansprucht das Herz-Kreislauf-System zusätzlich zur körpereigenen Genesung. Hat es einen also erst einmal erwischt, bleibt der Erreger im Körper. Schonen und abwartet lautet daher die Devise. Im Übrigen: Saunagänge zur Vorbeugung einer Erkältung sind sinnvoll, da sie das Immunsystem stärken.

6. Vitamin C beugt Erkältungen vor

Leider nein. Natürlich ist Vitamin C wichtig für den Körper. Die Einnahme von Vitamin C beugt jedoch keine Erkältung vor. Studien konnten zeigen, dass der Körper über eine gesunde Ernährung meist ausreichend mit dem Vitamin versorgt ist. Alle Einnahmen darüber hinaus werden vom Körper einfach wieder ausgeschieden. Personen mit einem Vitamin-C-Mangel sollten jedoch auf zusätzliche Einnahmen nicht verzichten. Denn zu wenig Vitamin C schwächt das Immunsystem und macht anfällig für Viren.

7. Sport hilft bei der Genesung von einer Erkältung

In diesem Fall falsch. Denn ein bereits geschwächtes Immunsystem sollte durch anstrengende Sporteinheiten nicht noch zusätzlich belastet werden. Da der Körper alle Energie zur Genesung benötigt, sollten sie während einer Erkältung keinen Sport betreiben, ansonsten drohen schwere Erkrankungen wie eine Bronchitis oder eine Herzmuskelentzündung. Um sich trotzdem ein bisschen zu bewegen, sind vor allem Spaziergänge an der frischen Luft zu empfehlen. 

8. Aus einer Erkältung kann eine Grippe werden

Nein. Eine Erkältung bleibt eine Erkältung. Denn beide Krankheiten – Erkältung und Grippe – werden von unterschiedlichen Viren ausgelöst. Auch wenn sich die Symptome in den ersten Tagen verschlimmern, kann also eine Erkältung nicht zu einer Grippe werden.

9. Nach einer Erkältung ist man Immun

Eine schöne Vorstellung. Aber leider falsch. Denn ein grippaler Infekt kann von über tausend Erregern ausgelöst werden. Hatten Sie eine Erkältung ist es zwar unwahrscheinlich wieder vom selben Erreger krank zu werden, aber eben von den vielen anderen. Heißt: Hatten Sie eine Erkältung, können sie trotzdem wieder erkranken.

10. Nasenspray ist harmlos

Ebenfalls ein Irrtum. Nasentropfen trocknen die Schleimhäute auf lange Sicht aus. Die Folge kann ein chronischer Schnupfen sein. Ärzte empfehlen Betroffenen deshalb sich in der Apotheke beraten zu lassen und Nasentropfen oder –sprays nicht länger als eine Woche einzusetzen. Zudem sollten Nasensalben verwendet werden, um die Schleimhäute feucht zu halten. 

Erkältung richtig behandeln

So viele Irrtümer über Erkältungen. Stellt sich die Frage: Was hilft wirklich gegen einen grippalen Effekt? Sie können einiges tun, damit die Erkältung schnell wieder verschwindet. Hier sind unsere 5 Tipps gegen Erkältung:

  • Tee trinken: Der Klassiker: Warmer Tee. Besonders Ingwer- oder Kräutertee mit Honig bewirken Wunder. Ingwer hilft vor allem gegen Entzündungen. So verschwindet die Erkältung schnell.
  • Regelmäßiges Lüften: Erst heiß, dann kalt. Der Körper kämpft gegen die Viren. Viele Betroffenen, denen auch aufgrund des ruhenden Körpers kalt wird, drehen die Heizung auf. Dabei sollte nicht vergessen werden regelmäßig zu lüften. Das bringt den Kreislauf in Schwung und sorgt für besseres Durchatmen.
  • Kamille inhalieren: Kamille desinfiziert und besitzt entzündungshemmende Eigenschaften. Inhalieren Sie diese löst das zusätzlich den Schleim. Das Prozedere sollte zwei- bis dreimal am Tag wiederholt werden.
  • Hygiene: Damit die Viren sich nicht in der Wohnung verteilen, sollten Sie benutzte Taschentücher zeitnah entsorgen. Das sorgt vor allem auch dafür, dass sich Mitbewohner oder die Familie nicht zusätzlich anstecken.
  • Ausreichend viel Schlaf: Viel Schlaf hilft gegen Erkältungen. Denn während des Schlafens kann sich der Körper – ohne weitere Anstrengungen – auf die Abwehr der Viren und die Genesung konzentrieren. Bleiben Sie also am besten etwas länger im Bett liegen.

Um eine Erkältung richtig zu behandeln, ist also vor allem eines wichtig: Viel Ruhe. Gönnen Sie sich und ihrem Körper eine Pause und kurieren Sie die Erkältung vor allem vollständig aus. Starten Sie zu früh wieder im Alltag durch, steigt die Gefahr der Verschleppung oder des Rückfalls.

Titelbild:© Smitt/iStock.com