Multirestistente Keime in Petrischale

Gesundheitsrisiko: Multiresistente Keime

Multiresistente Keim auf Händen
© vchalup / iStock.com

So bunt und farbenfroh sehen die Bakterien und Keime aus, die sich tagtäglich auf unseren Händen tummeln. Aufgeschnappt morgens in der U-Bahn, an Türklinken, der Computertastatur oder dem eigenen Smartphone. Natürlich sind nicht alle davon gleich lebensgefährlich – die meisten Mikroben tun uns sogar gut und wehren krankmachende Keime ab. Manchmal aber schleichen sich ein paar Querulanten ein. Mindestens so vielseitig und erfinderisch wie die hier abgebildeten. Die sogenannten multiresistenten Keime sind teilweise so mutiert, dass sie gegen unsere Standard-Antibiotika resistent geworden sind.

Inhalt

Multiresistente Keime: Was ist das eigentlich?

Im Normalfall lassen sich bakterielle Infekte gut mit Antibiotika behandeln. Doch immer seltener führt das zu Erfolg. Schuld daran ist ausgerechnet das Antibiotikum selbst. Bakterien gelingt es immer häufiger mittels verschiedenster Überlebensmechanismen Resistenzen gegenüber Antibiotika aufzubauen, sodass das Medikament keine Wirkung mehr zeigt. Sobald Bakterien gegen mehrere Arten von Antibiotika resistent sind, ist von Multiresistenz die Rede. Eine Infektion mit einem multiresistenten Erreger lässt sich schwerer behandeln als eine gewöhnliche, da nur noch wenige Antibiotika wirken. 

Wer ist betroffen?

Im Schnitt erkranken in Deutschland eine halbe Million Menschen an Infektionen durch multiresistente Keime, rund 15.000 sterben daran. Besonders betroffen sind Personen mit geschwächter Immunabwehr: Das heißt Schwerkranke, Kinder und alte Menschen. Aber auch für Gesunde können die multiresistenten Erreger zur Gefahr werden, wenn sie durch Wunden ins Blut gelangen. Experten der Berliner Charité gehen davon aus, dass im Jahr 2050 mehr Menschen an den sogenannten Krankenhauskeimen sterben könnten als an Krebs.

Wie entwickeln Bakterien Antibiotikaresistenten?

„What doesn’t kill you, makes you stronger“ – diese Weisheit haben nicht nur viele Popmusiker besungen, Bakterien leben wortwörtlich nach diesem Prinzip. Werden Keime nicht durch Antibiotika abgetötet, werden sie nur noch widerstandfähiger und passen sich den widrigen Umständen an. Das gelingt ihnen, indem sie sich verändern. Diese Mutation schützt sie anschließend vor der nächsten Antibiotikabehandlung. Aber damit nicht genug: Da sich Bakterien schnell vermehren, geben sie die erlernte Überlebenskraft weiter.

Welche Superkräfte entwickeln die Multiresistenten Keime?

Zum einen verändern die Bakterien ihre Struktur, wodurch sich die Antibiotika nicht mehr an sie binden können. Zum anderen können sie in eine Art „Ruhemodus“ wechseln, wodurch jene Antibiotika ausgeschaltet werden, die nur aktive Zellen angreifen. Die Multiresistenten Keime bilden sogar eigene Waffen – mittels Proteinen können sie die eingesetzten Medikamente deaktivieren. Außerdem besitzen sie die Fähigkeit, ihre Zellmembran so anzupassen, dass nur eine geringe Menge des Antibiotikums eindringen kann. Die Wissenschaft kann kaum mit der Geschwindigkeit mithalten, in der sich multiresistente Keime weiterbilden. In Indien beispielsweise wirken unsere handelsüblichen Antibiotika gegen 70 Prozent der Erreger nicht mehr.

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Ursachen für zunehmende Antibiotikaresistenzen

Viele Ärzte setzen das Antibiotikum fälschlicherweise als schnelles Universalheilmittel ein. Dadurch wird das körpereigene Immunsystem geschwächt, denn auch gute Bakterien (zum Beispiel nützliche Darmbakterien) werden bei diesem Rundumschlag abgetötet. Der Körper wäre zudem mit einer harmlosen Erkältung vermutlich auch so fertiggeworden und wird durch „prophylaktischen“ Antibiotikaeinsatz unnötigerweise zur Ausbildungsfläche für Multiresistenzen.

Natürlich kann der Einsatz von Antibiotika sehr sinnvoll sein – bei einer Lungenentzündung zum Beispiel oder einer starken Blasenentzündung. Wird die Therapie aber zu früh abgebrochen oder falsch dosiert, steigt das Risiko der Resistenzbildung ebenfalls. Denn jene Bakterien, die widerstandsfähig genug waren, die falsche Dosierung des Antibiotikums zu überleben, können sich weiter vermehren und multiresistente Keime bilden. Daher empfiehlt es sich, sorgsam auf Dauer und Dosierung zu achten.

Auch bei Breitband-Antibiotika ist Vorsicht geboten. Diese decken zwar eine Vielzahl von Erregern ab, lassen aber einzelne Bakterienstämme überleben. Und das Spiel beginnt von Neuem. Die Überlebenden werden noch widerstandsfähiger, mutieren, vermehren sich und es gibt einen neuen „unbesiegbaren“ multiresistenten Keim.

Oft gelangen Antibiotika auch durch die Tierhaltung in die Nahrungskette des Menschen, da das Medikament auch hier oft unachtsam eingesetzt wird. Daher ist es ratsam, sich mit der Herkunft der tierischen Produkte auf dem eigenen Essensteller zu befassen.

Die häufigsten Multiresistenten Erreger

In den vergangenen Jahren haben sich multiresistente Keime stetig entwickelt und weiter verbreitet. Mittlerweile werden die Superkeime statistisch erfasst und dokumentiert, welche Antibiotika keine Wirkung mehr zeigen. Der wohl bekannteste Super Erreger ist der MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus). Erstmals entdeckt wurde er Anfang der 1960er Jahre. Symptome einer MRSA-Infektion können Haut-, Mittelohr- sowie Hirnhautentzündung sein. Bei einer systemischen Infektion – einer Ausbreitung, die weitere Teile des Körpers betrifft – kann eine Blutvergiftung (Sepsis) auftreten. Zu Multiorganversagen kann auch der ESBL (Extended-Spectrum-Beta-Lactamasen) führen. Er wird am ehesten durch Fäkalien und Wundsekrete übertragen und hat Harnwegs- und Lungenentzündungen zur Folge. Die VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken) kommen im Darmtrakt vor und sind vielfach resistent. Häufig verläuft die Infektion ohne Krankheitsanzeichen. Dennoch kann sie zu Wundheilstörungen, Harnwegsinfektionen und in schweren Fällen ebenfalls zu einer Sepsis führen.

Wie werden Multiresistente Keime behandelt?

Mit gut zehn Millionen Euro fördert der Freistaat Bayern ein Forschungsnetzwerk zu multiresistenten Keimen. Der Auftrag geht an sechs interdisziplinäre Forschungsgruppen an hochkarätigen bayerischen Universitäten. Sie wollen digitale Methoden im Kampf gegen die Superkeime erforschen und einsetzen. Diese sollen die Überlebenskünstler zur Strecke bringen, indem sie unter anderem die Zellwände des Keims selbst zerstören. Da die Entwicklung neuer Antibiotika stagniert und mit der Ausbreitung der Resistenzen nicht Schritt halten kann, versucht sich die Wissenschaft an neuen Wegen. Solange sollten wir darauf achten, dass wir mit den Mitteln, die wir haben, sorgsam umgehen.

Titelbild: © Zaharia_Bogdan / iStock.com

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