Fleisch oder Nichtfleisch, das ist hier die Frage

Oscar-Preisträger Forest Whitaker ist es. Genau wie Modedesignerin Stella McCartney. Auch Albert Einstein war es. Wovon die Rede ist? Von Vegetariern. Wie viele es weltweit gibt, ist nicht bekannt. Aber die meisten Vegetarier leben prozentual in Indien. Deutschland kommt im internationalen Vergleich auf Rang sechs.

Neun Prozent der gesamten Bevölkerung Deutschlands verzichtet auf Fleisch. Das sind etwa 7,4 Millionen Menschen. Die Gründe für den Fleischverzicht sind vielfältig. Ebenso vielfältig wie die Argumente dafür und dagegen.

Was spricht für Vegetarismus?

Der Verzicht auf Fleisch wird unterschiedlich begründet. Manche verzichten wegen des Geschmacks, andere wegen der Gesundheit und des Klimaschutzes. Und wieder andere aus ethischer Überzeugung. Ist es gesund, auf Fleisch zu verzichten? Und lässt sich damit der Klimawandel bremsen, wie beispielsweise die Tierschutzorganisation PETA behauptet?

Millionen weniger Tote bis 2050

Es gibt schier endlose Mengen an Studien, die den Zusammenhang von Gesundheit und der (fleischlosen) Ernährung untersuchen. Was es bisher nicht gibt: Unanfechtbare Ergebnisse. Eine Studie der altehrwürdigen Universität Oxford kam jüngst zu einem interessanten Schluss: Würden die Menschen sich weltweit vegetarisch ernähren, könnten bis zum Jahr 2050 jährlich bis zu sieben Millionen Menschen weniger sterben.

Fleisch und Krankheit

Das liege daran, dass eine vegetarische Ernährung das Risiko für Erkrankungen wie Übergewicht, Diabetes, Arteriosklerose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verschiedene Krebserkrankungen senke. Gesättigte Fettsäuren im Fleisch treiben den Cholesterinspiegel nach oben. Auch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) sieht einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch und bestimmten Darmkrebsarten. Die IARC ist eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

The bright side of Fleisch

So einfach ist es nicht. Zwar sind Zusammenhänge zwischen bestimmten Erkrankungen und dem Verzehr von Fleisch bekannt. Aber Fleisch hat auch seine positiven Seiten. Insbesondere die Nährstoffe. Fleisch besteht zu 20 Prozent aus Proteinen und ist reich an Vitamin B12.Bei einer fleischlosen Ernährung muss dieses Vitamin definitiv als Supplement genommen werden muss. Alles andere lässt sich über eine ausgewogene Ernährung ausgleichen.

Ausgewogene Ernährung gewinnt

Der reine Verzicht auf Fleisch macht nicht gesünder: „So genannte Puddingvegetarier, die lediglich Fleisch weglassen, und ebenso viel fett und süß wie durchschnittliche Mischköstler essen, haben aus gesundheitlicher Sicht nichts gewonnen,“ weiß Ulrike Becker. Die Ernährungswissenschaftlerin vom Verband für unabhängige Gesundheitsberatung (UGB) betont stattdessen die Wichtigkeit einer Vollwert-Ernährung.

Verschiedene Arten des Fleischverzichts:

  • Ovo-Lakto-Vegetarier: Essen kein Fisch oder Fleisch, konsumieren aber Produkte von lebendigen Tieren (Milch, Honig, Eier)
  • Lakto-Vegetarier: Vermeiden Fisch, Eier und Fleisch, konsumieren aber Milchprodukte
  • Ovo-Vegetarier: Nehmen kein Fleisch, Fisch oder Milch jedoch Eier zu sich
  • Pescetarier: Essen Fisch, aber kein Fleisch
  • Veganer: Verzichten auf alle tierischen Produkte, auch Leder, Bienenwachs und Wolle
  • Frutarier: Ernähren sich vor allem von Nüssen und Fallobst
  • Flexitarier: Gelegenheitsvegetarier, verzichten aber nicht kategorisch

Und der Klimawandel?

Die wissenschaftlichen Befunde in puncto Klimawandel sind nicht eindeutig. Eine Studie der Carnegie Mellon University in Pittsburgh kam zu dem Ergebnis, dass der Anbau vegetarischer Lebensmittel insgesamt zu einer höheren Umweltbelastung führe. Dagegen halten Forscher der Martins School der University of Oxford. Denn ihren Berechnungen zufolge wäre durch eine vegetarische Ernährung weltweit einer der top Klimakiller passé: Methan. Derzeit macht Methan etwa 14,5 Prozent des anthropogenen Klimawandels aus. Ein Universitäts übergreifendes Forschungsprojekt sprach sogar die Empfehlung aus, Fleischverzehr mit Steuererhöhungen aktiv einzudämmen. Gleichzeitig gingen 70 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs auf die Tierzucht zurück, wie aus einem Bericht der UN hervorgeht. Deshalb rufen auch die UN zu einem geringeren Fleischkonsum auf. Trotzdem sind die Zahlen schwierig. Denn sie zeigen nur, was passieren würde, wenn die Menschen kein Fleisch mehr essen würden. Gleichzeitig geht aus ihnen nicht hervor, wie die Klimabelastung sich bei der daraus resultierenden Ernährung entwickelt. Verlässliche Ergebnisse werden also erst zukünftige Untersuchungen bringen.

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