Vorsorgevollmacht mit Stift

Fehlende Vorsorgevollmacht: Wenn der Ehepartner kein Vormund sein darf

Gesetzliche Betreuer entscheiden meist nicht im Sinne der Betroffenen

Im Juni 1999 wurde Peter Tarnigk während der Arbeit von einem LKW erfasst. Dieser Unfall machte ihn zum Schwerstpflegefall. Seine Familie betreut ihn seitdem täglich, doch der Weg dorthin war und ist noch immer ein harter Kampf , denn obwohl er verheiratet ist, wurde zunächst ein gesetzlicher Betreuer eingesetzt. Ganz zu schweigen von seiner monatlichen Rente und den 300.000 DM der Unfallversicherung, die der damals 54-Jährige zugesprochen bekam. Zum damaligen Zeitpunkt hatte er zudem keine Vorsorgevollmacht abgeschlossen. Mit dem Resultat, dass ein gerichtlicher Betreuer eingesetzt wurde und die Familie bis heute keinen Anspruch auf seine Einnahmen hat.

Seit Jahren kämpft Familie Tarnigk darum, auf die monatliche Rente von 1.800 Euro und das Geld der Unfallversicherung zugreifen zu dürfen. Den damaligen Irrglauben, als Ehepartnerin und durch eine Unfallversicherung solch einer Ausnahmesituation gewappnet zu sein, belastet seine Ehefrau und ihre Kinder bis heute. Selbst ihr Anwalt kann die rechtliche Situation nur akzeptieren. Einzige Möglichkeit, ein Anrecht auf die Rente des pflegebedürftigen Mannes zu bekommen, wäre eine Scheidung oder der Erbfall und dementsprechend der Tod des Ehemannes.

Vorsorgevollmacht: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Das Schicksal der Tarnigks ist in Deutschland leider kein Einzelfall und somit „nur“ eines von Vielen. Vor allem dann, wenn der Gesundheitszustand des Betroffenen so sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass dieser niemals mehr in der Lage sein wird, seine wirtschaftlichen und gesundheitlichen Belange selbst entscheiden zu können. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt, sich mit dem ungemütlichen Thema der eigenen Gesundheit und Sterblichkeit zu befassen? In jedem Fall früher, als es den meisten lieb ist!

Mit dem 18. Geburtstag wird das Leben um einige Möglichkeiten reicher und den gerade Erwachsenen erwartet ein Labyrinth an offenen Türen, das nicht nur Vergnügen, sondern auch Verantwortung bedeutet. Letztere wird gerne übersehen. Gerade dann, wenn es um Dinge wie die eigene Gesundheit, Vorsorge und die Endlichkeit geht und selbst mit fortschreitendem Alter spielen diese Themen leider noch immer nicht die Rolle, die ihnen gebührt.

Was muss beachtet werden?

Bei einer Vorsorgevollmacht handelt es sich immer um eine einseitige Erklärung des Verfassers, der seinen Willen für den Fall festlegt, in dem er über seine wirtschaftlichen und gesundheitlichen Belange nicht mehr selbst entscheiden kann.

Fehlt diese schriftliche Erklärung, wird ein gesetzlicher Betreuer festgelegt, der nicht nur für diese Tätigkeit bezahlt werden muss, sondern auch meist nicht im Sinne der Betroffenen entscheidet.

Anhand eines solchen Einzelschicksals wird schnell deutlich, dass die Vorsorgevollmacht nicht nur die finanziellen Betreuungsrechte, sondern eben auch die gesundheitlichen klärt. Somit sollte die Vorsorgevollmacht alle rechtlichen, finanziellen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Aspekte umfassen, um dem in der Vollmacht festgelegten Bevollmächtigten einen größtmöglichen Handlungsspielraum einräumen zu können. Und nur über diesen Weg kann dann der Vormund gemeinsam mit behandelnden Ärzten Behandlungsmethoden und Betreuungsmöglichkeiten besprechen sowie über die Finanzen des Vollmachtgebers entscheiden.

Im Notfall schnelle Zugänglichkeit

Mit Hilfe des Zentralen Vorsorgeregisters der Bundesnotarkammer lässt sich gewährleisten, dass Vorsorgeverfügungen im Notfall nicht nur für die Familie, sondern auch für das behandelnde Krankenhaus sofort einsehbar sind. Immerhin konnte im Dezember letzten Jahres bereits die dreimillionste Registrierung einer Vorsorgeverfügung verkündet werden. Der Zentrale Vorsorgeregister dient seit 2004 dazu, den Gerichten Vorsorgevollmachten, Patienten- und Betreuungsverfügungen im Ernstfall rechtssicher zugänglich zu machen, um so den Wünschen der Betroffenen gerecht werden zu können.

Vorsorge nicht nur mit letzten Verfügungen

Dass die Vorsorge für den eigenen Lebensabend nicht nur Vorsorgevollmachten und Co. erfordert, ist bekannt. Nach einem Unfall einen Entscheidungsbefugten festgelegt zu haben schützt leider längst nicht vor hohen Pflegekosten und einer Berufsunfähigkeit, die sich grundlegend nur über eine Pflegeversicherung und weitere Bausteine absichern lassen. Nach Angaben der deutschen Rentenversicherung haben Arbeitnehmer Mitte der 50er Jahre ab einem Alter von 17 bis 18 Jahren in die Rentenkasse eingezahlt. Durchschnittlich hatten sie 45 Jahre bis zum „geläufigen“ Rentenbeginn. Heute ist diese Zeitspanne auf 35 Jahre gesunken. Bedenkt man, dass die Bevölkerung zu dem immer älter wird und bis dato viel zu selten private Zusatzversicherungen abschließt, ist eine plötzliche Berufsunfähigkeit umso besorgniserregender.

Weitere Informationen zur Vorsorgevollmacht und zu den Grundzügen des Betreuungsrechts finden Sie in der kostenlosen Broschüre des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz.

Bild: nmann77