Müde Eltern sitzen auf der Couch und Kinder rennen durch die Wohnung

Erziehungsstile – Das Kind in die richtige Richtung lenken

Egal ob geplant oder ungeplant, ob in fortgeschrittenem Alter oder in jungen Jahren: Eltern zu werden ist immer aufregend. Wer zum ersten Mal Mutter oder Vater wird, steht vor einer völlig neuen Herausforderung. Nicht immer ist der Erziehungsstil der eigenen Eltern ein Beispiel, an dem man sich orientieren möchte. Aber auch Paare, die bereits Kinder haben, fragen sich bei weiterem Familienzuwachs wieder aufs Neue, wie sie ihr Kind zu einem selbstbewussten und selbstständigen Erwachsenen heranziehen können.

Inhalt:

Was ist Erziehung?

Erziehung beschreibt alle sozialen Handlungen eines Erziehers, die darauf abzielen, beim Kind Lernprozesse herbeizuführen und dauerhafte Veränderungen zu erreichen. Sie formen den Charakter des Kindes. Außerdem gilt Erziehung als ein wesentlicher Bestandteil des Sozialisierungsprozesses. Eltern haben die Chance, ihre persönlichen Werte und Vorstellungen zu vermitteln und ihnen möglichst viel auf den Weg mitzugeben, um sich in der Welt zurechtzufinden. Die wichtigste Aufgabe der Erziehung ist es, dem Kind die Ausbildung einer individuellen Persönlichkeit zu ermöglichen. Hierfür gibt es allerdings kein allgemeingültiges Rezept, denn jedes Kind ist einzigartig und benötigt daher einen individuellen Ansatz. Dazu gehören nicht nur absichtlich durchgeführte Handlungen, sondern auch die sogenannte funktionale Erziehung – also alles, was sich das Kind instinktiv von seinen Eltern abschaut. Darunter versteht man auch unbeabsichtigte Nebenwirkungen der Erziehung.

Welche Erziehungsstile gibt es?

Lob und Belohnung oder Tadel und Strafe? Hier gibt es mehrere verschiedene Stile, die die Eltern verfolgen können.

Autokratische Erziehung

Bei der autokratischen Erziehung handelt es sich um die härteste Erziehungsform. Hier gehen die Eltern von einer Notwendigkeit aus, Autorität dem Kind gegenüber auszuüben. Eine „starke Hand“ regiert, es gibt strenge Regeln und keine Kompromisse. Die Meinung des Kindes ist hier bedeutungslos. Fehler des Kindes ziehen stets eine Bestrafung mit sich. Autokratische Erziehung erschwert die Entwicklung von Kreativität oder Eigeninitiative, außerdem kann es beim Kind zu starken Minderwertigkeitsgefühlen und Aggressionen gegenüber Schwächeren führen. Wichtig: Kinder sind keine „kleinen Erwachsenen“, sie haben noch nicht dieselbe Einsicht, was Konsequenzen angeht.

Autoritäre Erziehung

Der autoritäre Erziehungsstil zeichnet sich durch eine strenge Hierarchie aus. Die Eltern stehen an der Spitze. Sie bestimmen die Regeln, treffen alle Entscheidungen und geben klare Anweisung. Gehorsamkeit wird belohnt, aber wer sich widersetzt, wird bestraft. Familientherapeuten nennen diesen Stil auch „Elterndiktatur“. Der größte Nachteil: Aufgrund der hohen Anforderungen an das Kind und dem Mangel an emotionaler Unterstützung fällt es den so erzogenen Kindern schwer, sich zu entfalten und ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Liebe und Zuneigung sollten demnach nie an Bedingungen geknüpft sein.

Autoritative Erziehung

Beim autoritativen Stil werden autoritäre Erziehungsmethoden mit mehr Emotionalität und Wärme kombiniert. Die Eltern geben dem Kind klare Grenzen vor, unterstützen es jedoch und verteilen viel Lob. Nach Möglichkeit beziehen die Eltern das Kind in den Entscheidungsprozess ein, haben aber stets das letzte Wort. Wichtig hierbei: Die Eltern leben dem Kind ihre eigenen Erwartungen vor.

Laisser-faire-Erziehung

„Laisser-faire“ bedeutet sinngemäß „machen lassen“. Beim Laisser-faire-Erziehungsstil dürfen die Kinder dementsprechend selbst entscheiden, was sie tun und was sie bleiben lassen. Die Eltern übernehmen kaum die Rolle eines Erziehenden, sondern verhalten sich passiv. Es gibt weder Richtlinien noch Erwartungen an das Kind, infolgedessen aber auch wenig Unterstützung und Wertschätzung. Im späteren Leben haben auf diese Weise „erzogene“ Kinder oftmals große Probleme beim Aufbauen und Halten von Beziehungen zu Gleichaltrigen.

Demokratische Erziehung

Beim demokratischen Erziehungsstil wird die Eigeninitiative und Selbstständigkeit des Sprösslings gefördert. Denn die Eltern erklären viel und beziehen ihn in Entscheidungsprozesse ein. Der Nachwuchs hat in der demokratischen Erziehung viel Eigenverantwortung. Dementsprechend fördert dieser Stil Kreativität und Eigeninitiative. Ein offener Umgang mit Emotionen und Fehlern ist ebenso wichtig wie Respekt und Wertschätzung. Ein Nachteil: Die demokratische Erziehung erfordert viel Geduld, da die Eltern viel erklären müssen. Dieser Ansatz ist in Deutschland derzeit am meisten verbreitet, da Kinder ein Recht auf respektvolle Behandlung auf Augenhöhe haben.

Egalitäre Erziehung

Die Steigerungsform des demokratischen Erziehungsstils ist die egalitäre Variante. Hierbei sind Eltern und Kinder in jeder Hinsicht gleichberechtigt. Es gibt keine Befehle, sondern jede Entscheidung wird gemeinsam diskutiert und getroffen. Eltern brauchen auch hier viel Geduld, dafür aber entwickelt das Kind – genau wie bei der demokratischen Erziehung – früh Eigeninitiative und Selbstständigkeit.

Antiautoritäre Erziehung

Dieser Stil stellt den Gegenpol zur autoritären Erziehung dar. Es gibt keine Zwänge für das Kind, es hat Entscheidungsfreiheiten und einen gewissen Spielraum für seine Entfaltung. Viele Eltern verstehen diesen Stil falsch und lassen die Grenzen gleich ganz weg. Fehlen diese Grenzen, kann das Kind egoistisch werden.

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Was sollten Eltern beachten?

Eine Patentlösung für die perfekte Erziehung gibt es nicht. Allerdings können Eltern die folgenden Tipps beachten, um möglichst ausgewogen zu erziehen.

  • Flexibel bleiben: Der Erziehungsstil sollte an die individuellen Bedürfnisse, Stärken und Schwächen des Kindes angepasst werden. Veränderungen können nicht nur von Kind zu Kind notwendig sein, sondern auch in den verschiedenen Altersklassen.
  • Auf die Vorbildfunktion achten: Gute Erziehung fängt bei den Eltern an, da Kinder sich intuitiv am Verhalten der Eltern orientieren.
  • Extreme vermeiden: Egal ob völliger Freiraum oder totale Überwachung, zu viel von einer Seite kann zu Problemen führen. Wie bei vielen Dingen ist ein gesunder Mittelweg die beste Option.

Kinderrechte und Elternpflichten

Das Wohlsein des Kindes steht an oberster Priorität. Daher finden sich in den deutschen Gesetzbüchern einige Texte zum Kinderrecht. §1631 im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) räumt dem Kind das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung ein: „Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig“. Außerdem wird dort die Pflicht des Erziehers festgehalten, das Kind „zu pflegen, zu erziehen, zu beaufsichtigen und seinen Aufenthalt zu bestimmen“. Für die Aufsichtspflicht, die Schulpflicht und viele andere Rechte und Pflichten gibt es weitere Gesetze zur genaueren Definition. Es ist nicht notwendig, dass Väter und Mütter ganze Gesetzespassagen auswendig lernen, es schadet aber nicht, sich gut zu Themen wie etwa die Deliktunfähigkeit bei Kindern zu informieren.

Hilfe und Unterstützung

Ein Kind zu bekommen, läutet einen neuen Abschnitt im Leben vieler Eltern ein. Es ist aufregend, herausfordernd und teilweise sogar überfordernd. Nicht immer ist es möglich, alles allein zu stemmen. Aus diesem Grund gibt es verschiedene Anlaufstellen. Die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V. listet zum Beispiel die Arbeiterwohlfahrt, den Caritasverband und das Diakonische Werk auf. Gerade der Caritasverband bietet eine Bandbreite verschiedener Beratungsstellen. Darüber hinaus kann es hilfreich sein, andere Erzieher zu Rate zu ziehen – besonders dann, wenn sie ebenfalls Kontakt zum eigenen Kind haben. Kitabetreuer oder Lehrer können dabei helfen, eine andere Perspektive zu gewinnen.

Sollten Eltern einmal mit der Erziehung überfordert sein, können sie sich ebenfalls an verschiedene Stellen wenden und etwa auf einen ehrenamtlichen Erzieher oder eine Leihoma zurückgreifen. Institutionen wie der Arbeiter-Samariter-Bund können ebenfalls helfen.

Titelbild: © fizkes / iStock.com