Digitale Darstellung eines Menschen der sich an seinen Kopf aufgrund eines Schlaganfalls fasst

Erste Hilfe bei Schlaganfall

Dass bei einem Schlaganfall jede Minute zählt, wissen Mediziner schon länger. Deshalb gibt es in München ein neues Pilotprojekt – und das wortwörtlich gemeint. Denn ein medizinisches Team der Uniklinik Rechts der Isar und dem Klinikum Harlaching erprobt spezielle Schlaganfall-Helikopter-Einsätze. Anstatt die Patienten nach einem Schlaganfall mit dem Rettungsdienst abzuholen, fliegen die ausgebildeten Spezialisten mit dem Helikopter. Während Patienten auf dem normalen Weg durchschnittlich erst nach 166 Minuten behandelt werden, kann die Wartezeit so auf durchschnittlich 56 Minuten reduziert werden. Bei einem Schlaganfall macht diese Zeitersparnis viel aus.

Wird nicht sofort reagiert, sterben bei Patienten mit einem Schlaganfall immer mehr Gehirnzellen ab. Irreparable Störungen des Gehirns sind so die Folge. Möglich ist eine schnelle Rettung jedoch nur, wenn auch der Notruf zeitnah eingeht und Ersthelfer die richtigen Maßnahmen treffen. Wie sie einen Schlaganfall überhaupt erkennen, wie Sie bei einem Schlaganfall-Verdacht reagieren sollten und wie Sie richtig Erste-Hilfe bei einem Schlaganfall leisten, erklären wir Ihnen in unserem Beitrag.

Inhalt

Symptome bei einem Schlafanfall

Tritt bei einer Person ein Schlaganfall auf, zählt jede Minute. Deshalb sollte jeder in der Lage sein, einen Schlaganfall zu erkennen. Bei einem Schlaganfall gibt es verschiedene Symptome, die relativ häufig – wenn auch in unterschiedlicher Intensität – auftreten. Zu diesen zählen:

  1. Sehstörung

Häufig treten bei Betroffenen Sehstörungen auf. Dies führt dazu, dass Gegenstände oder Personen auf einem oder beiden Auge nicht mehr sehen kann. So geht zum Beispiel der Griff nach einem Glas aufgrund der überlappenden Wahrnehmung daneben. Zudem können Stürze, Schwindel und Orientierungslosigkeit die Folge von Sehstörungen sein.

  1. Sprach- und Sprachverständnisstörung

Stockende und abgehackte Sprache sind bei einem Schlaganfall typisch. Zudem verdrehen viele Patienten Silben oder Wörter. Für die Menschen in der Umgebung hört es sich nach einem sehr berichtenden Telegrammstil an. In anderen Fällen kommt es zudem zu Verständnisproblemen. So kann ein Schlaganfall etwa dafür sorgen, dass die betroffene Person den Sinn zusammenhängender Sätze nicht mehr versteht.

  1. Lähmung und Taubheit

Tritt plötzlich eine Lähmungserscheinung einer Körperseite auf, handelt es sich in vielen Fällen um einen Hinweis auf einen Schlaganfall. Zudem kann auch das Berührungsempfinden – besonders in Gesicht, Armen und Händen – gestört sein. Betroffene reagieren auf eine Körperseite nicht mehr oder der Mundwinkel hängt herunter.

  1. Schwindel und Gangunsicherheit

Ein weiteres typisches Symptom ist Schwindel. Betroffene klagen entweder über Drehschwindel, wie beim Karussellfahren, oder über Schwankschwindel, wie es auf einem Boot der Fall ist. Verbunden ist dieses Schwindelgefühl mit einer Gangunsicherheit. Koordination und Gleichgewicht werden durch den Schwindel also beeinträchtigt.

  1. Starke Kopfschmerzen

Eher selten, jedoch ebenso symptomatisch für einen Schlaganfall, sind plötzliche Kopfschmerzen. Die Ursache sind die durch einen Schlaganfall kennzeichnenden Durchblutungsstörungen im Gehirn. Die Kopfschmerzen können mit Übelkeit und Erbrechen verbunden sein.

Meist zeigen sich diese Symptome zudem besonders plötzlich. Vorsicht: Manche Symptome klingen bereits nach einigen Minuten wieder vollständig ab. Es handelt es sich dann um eine transitorische ischämische Attacke (TIA) – eine Form des Schlaganfalls, der nicht unterschätzt werden sollte.

So erkennen Sie einen Schlaganfall

Es gibt eine Methode, mit der auch Laien innerhalb weniger Minuten erkennen können, ob es sich bei dem Betroffenen um einen Schlaganfall handelt oder nicht. Der FAST-Test gibt ein Analyse-Vorgehen auf Basis von Symptomen vor. Die Abkürzung steht dabei für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit).

  1. Face (Gesicht)

Bitten Sie den Betroffenen zu Lächeln oder seine Zähne zu zeigen. Hängt ein Mundwinkel herunter oder verzieht der Betroffene sein Gesicht ungewollt zu einer Grimasse, deutet dies auf einen Schlaganfall hin. Merken Sie sich für einen späteren Notruf die Seite der gelähmten Gesichtshälfte.

  1. Arms (Arme)

Bitten Sie die Person, die Arme senkrecht nach vorne (90 Grad) zu strecken und die Handflächen nach oben zu drehen. Halten Sie die Arme des Betroffenen fünf Sekunden und lassen Sie dann los. Dreht sich die Handfläche oder fällt ein Arm nach unten ab, deutet dies auf eine Lähmung und einen Schlaganfall hin. Notieren Sie auch hier die Seite, die eine Lähmung aufweist.

  1. Speech (Sprache)

Bitten Sie die Person, einen einfachen Satz nachzusprechen. Ist der Betroffene dazu nicht in der Lage oder weist einen Sprachfehler (z.B. Lispeln, schwammige Aussprache) auf, liegt eine Sprachstörung vor. Versteht die Person überhaupt nicht, was sie zu ihr sagen, kann auch eine Sprachverständnisstörung vorhanden sein.

  1. Time (Zeit)

Unabhängig davon, wie sicher Sie sich sind, ob die betroffene Person einen Schlaganfall hatte oder nicht, sollten Sie unverzüglich den Notruf wählen. Denn Zeit ist in diesem Fall ausschlaggebend. Auch bei vermeintlich leichten Symptomen sollten Sie die Rettung verständigen. Äußern Sie Ihren Verdacht und das Ergebnis der FAST-Analyse den Rettungssprechern. Warten Sie beim Patienten auf Hilfe.

Erklärungsbild zur FAST Methode bei Schlaganfall

So leisten Sie erste Hilfe beim Schlaganfall

Ein Schlaganfall-Patient benötigt so schnell wie möglich Hilfe. Bis der Rettungsdienst eintrifft ist die Erste-Hilfe besonders wichtig, damit der Patient keine weiteren Schäden erleidet. Unsere Checkliste bereitet Sie auf den Ernstfall vor:

Schritt 1: Ruhe bewahren

Eine Person mit einem Schlaganfall zu sehen, versetzt viele Menschen in Panik. Hilflosigkeit und Überforderungen machen sich breit. Deshalb sollten Sie in einer solchen Situation Ruhe bewahren und die Checkliste gedanklich abrufen.

Schritt 2: Notruf wählen

Zeit ist kostbar. Besonders in einem solchen Fall. Rufen Sie bei dem ersten Verdacht auf einen Schlaganfall den Notruf (Notrufnummer: 112), erklären Sie ihre Situation und beginnen Sie mit der Ersten Hilfe.

Schritt 3: Kleidung lockern

Wichtig ist bei einem Schlaganfall, dass der Betroffene frei atmen kann. Lösen Sie enge Kleidung wie Krawatten und Hemdknöpfe. Bei Bedarf können Sie auch Zahnprothesen, die das Atmen erschweren, manuell entfernen.

Schritt 4: Körperhaltung

Ist der Betroffene bei Bewusstsein, sollten Sie ihn nicht hinlegen. Ein erhöhter Oberkörper entlastet nämlich den Blutstrom durch das Gehirn. Auf einen Stuhl sollten Sie dabei verzichten. Setzen Sie ihn aufrecht auf den Boden, das verhindert Stürze. Bei Bewusstlosigkeit legen Sie den Patienten in die stabile Seitenlage. Diese sichert eine gute Luftversorgung.

Schritt 5: Nichts zu trinken geben

Auch, wenn es besonders bei Schwindelsymptomen naheliegt, sollten Sie dem Betroffenen nichts zu trinken geben. Der Grund: Die Schluckfunktion könnte beeinträchtigt sein. Die Flüssigkeit würde im schlimmsten Fall zum Ersticken führen.

Schritt 6: Frage nach Medikamenten

Eine besonders wichtige Information für Notärzte ist, ob und welche Medikamente eingenommen werden. Denn diese beeinflussen die weitere Behandlungsmöglichkeit. Fragen Sie also die Betroffenen, welche Medikamente er nimmt, und notieren Sie diese für den Rettungsdienst.

Schritt 7: Nicht alleine lassen

Lassen Sie den Betroffenen nicht alleine und warten Sie auf den Rettungsdienst. Signalisieren Sie auch dem Patienten, dass Hilfe unterwegs ist. Benötigen Sie selbst Unterstützung, sprechen Sie umstehende Personen direkt an und bitten Sie um Hilfe!

Beste Versorgung in Schlaganfallzentren

Schlaganfallzentren, so genannte „Stroke Units“, sind auf eine schnelle Behandlung von Schlaganfällen spezialisiert. Diese Abteilungen sind in ausgewählten Krankenhäusern untergebracht, die ein Team von Fachärzten – Neurologen, Kardiologen, Radiologen und Gefäßchirurgen – aufweisen können. Zudem müssen Stroke Units auch einen technischen Mindeststandard erfüllen. Für Schlaganfall-Patienten kann so eine intensivmedizinische und interdisziplinäre Behandlung sichergestellt werden. Die Betroffenen können so zügig und unkompliziert behandelt werden. Und die Expertise lohnt sich: Studien zeigen, dass Personen, die in einer Stroke Unit behandelt wurden, nach ein paar Monaten in besserem Zustand sind als solche, die in normalen Stationen versorgt wurden. Der Grund liegt in der besseren medizinischen Versorgung. So müssen Stroke Units rund um die Uhr Experten auf der Station haben, die sich mit schlaganfalltypischen Symptomen auskennen.

Die Schlaganfall-Zentren sind also die beste Option für eine Behandlung. Doch nicht immer fährt der Notarzt auch eine solche Station an. Zwar ist dieser angewiesen, das „nächste geeignete Haus“ anzufahren, wählt dabei jedoch unter Zeitdruck nicht immer das richtige Krankenhaus. Informieren Sie sich deshalb, wo in der Nähe Ihres Wohnhauses eine solche Stroke Unit liegt. Einen Überblick über alle Schlaganfall-Zentren und zusätzliche Informationen zu den Stroke Units finden Sie auf der Webseite der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft. Sprechen Sie den Notarzt direkt auf eine solche Möglichkeit an. Liegt die nächste Stroke Unit zu weit weg, sollte für die akute Versorgung dennoch ein „normales“ Krankenhaus angefahren werden. Eine nachträgliche Verlegung des Patienten kann dann mit den Ärzten besprochen werden.

Titelbild: © yodiyim / iStock.com

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