Ersthelfer versorgt einen am Boden liegenden Patienten mit Herzinfarkt

Erste Hilfe bei Herzinfarkt – So handeln Sie richtig!

Viele Menschen, die einen Herzinfarkt erleiden, reagieren trotz erheblicher Anzeichen zu spät. Und das hat oft tödliche Folgen. Denn ähnlich wie bei einem Schlaganfall zählt auch bei einem Herzinfarkt jede Minute. Da ein Herzinfarkt in Folge einer Verstopfung der Herzkranzgefäße entsteht, bedeutet dies Blut- und Sauerstoffmangel für das Herz. Wird die Arterie nicht schnell wieder geöffnet, können schwere körperliche Folgen bis hin zum Tod drohen.

Betroffene, Angehörige oder Ersthelfer müssen deshalb besonders bei einem Herzinfarkt schnell den Notarzt verständigen und bereits mit Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen. Welche Symptome für einen Herzinfarkt typisch sind und welche Schritte Sie bei der Ersten-Hilfe beachten sollten, erklären wir Ihnen in unserem Beitrag.

Inhalt

Erste Anzeichen für einen Herzinfarkt

Ein Herzinfarkt verursacht einige Symptome, die besonders Betroffene und Angehörige im Vorfeld alarmieren sollten. Je früher der Notarzt alarmiert wird, desto höher sind die Überlebenschancen. Immer noch kommt es häufig dazu, dass Betroffene aus falscher Rücksicht auf ihr Umfeld oder auf Arbeitskollegen versuchen, den Schmerz zu unterdrücken. Oftmals wollen Sie sich auch erst von einem Hausarzt behandeln lassen. Ein Fehler, der tödlich enden kann. Deshalb sollten Sie bereits bei folgenden Anzeichen umgehend den Notarzt rufen:

  1. Starke Schmerzen

Besonders im Brustkorb oder auch nur hinter dem Brustbein bilden sich bei einem Herzinfarkt Schmerzregionen aus. Die stechenden Schmerzen dauern dabei mehrere Minuten an und können auch auf Arme oder den Oberbauch ausstrahlen. Zuweilen sind auch die Schulterblätter, der Hals oder der Kiefer betroffen.

  1. Enge in der Brust

Bei vielen Betroffenen bildet sich während eines Herzinfarkts ein Engegefühl im Brustbereich. Es kommt zu einem Gefühl der Einschnürung im Herzbereich. Betroffene berichten in diesem Zusammenhang auch von einem Gefühl, als ob ein „Elefant auf der Brust“ stehen würde.

  1. Übelkeit und Erbrechen

Neben den beiden klassischen Anzeichen Brustschmerzen und Brustenge können auch unspezifische Anzeichen bei einem Herzinfarkt auftreten. Darunter zum Beispiel Übelkeit und Erbrechen. Auch Schmerzen im Oberbauch sind möglich. Besonders bei Frauen machen sich häufiger solche Anzeichen bemerkbar. Deshalb sollten auch Betroffene mit solchen Anzeichen, die nicht direkt für einen Herzinfarkt sprechen, einen Notarzt rufen. Kommen die Symptome in großem Ausmaß zum ersten Mal vor, besteht Handlungsbedarf.

  1. Angstschweiß

Viele Betroffene haben gerade in den ersten Sekunden nach dem Herzinfarkt große Angst. Die Folge: Atemnot und Angstschweiß treten auf. Sollten Sie diese Symptome bei einer anderen Person bemerken, sprechen Sie ihn oder sie direkt darauf an und verständigen Sie Hilfe.

Die Symptome bei einem Herzinfarkt sollten nicht bagatellisiert werden. Treten die ersten Anzeichen auf, sollten Sie den Notruf (deutschlandweit: 112) rufen. Unterschätzen Sie die Beschwerden nicht oder schieben Sie sie nicht auf sportliche Aktivitäten und Stress. Warum es wichtig ist, Symptome eines Herzinfarktes ernst zu nehmen und sofort zu handeln, erfahren Sie in diesem Video der Deutschen Herzstiftung:

Akute Herzschwäche: Was tun im Notfall? von Deutsche Herzstiftung

Erste-Hilfe beim Herzinfarkt

Die Erste-Hilfe-Maßnahmen kurz nach einem Herzinfarkt sind für die Betroffenen besonders wichtig. Denn bei einem Herzinfarkt zählt jede Sekunde. Wird keine oder nur ungenügend Erste-Hilfe geleistet, kann dies zu schwerwiegenden Folgen für den Betroffenen führen. Aber auch Ersthelfer stehen immer wieder vor der Frage, wie sie mit den Patienten umgehen sollen. Deshalb sollten Sie bei einem Verdacht auf einen Herzinfarkt folgende Verhaltensregeln beachten.

  1. Notarzt rufen

Sollte der Verdacht auf einen Herzinfarkt bestehen, zögern Sie nicht den Notruf zu wählen. Dies sollten Sie unabhängig vom Ort oder der Uhrzeit tun, denn ein Herzinfarkt kann sowohl tagsüber beim Wandern als auch nachts beim Schlafen eintreten.

Wichtig ist, den Notruf – und nicht zuerst den Hausarzt oder Angehörige – zu verständigen. Denn dies kostet wertvolle Zeit, die für den Patienten lebensnotwendig ist.

  1. Wichtige Informationen bereithalten

Haben Sie den Notruf gewählt, schildern Sie den Mitarbeitern des Sanitätsdienstes den Verdacht auf einen Herzinfarkt. Wichtig ist es zudem, Vorerkrankungen oder die Einnahme von Medikamenten gleich mit zu erwähnen. Halten Sie auch Namen, Adresse und eine Nummer für einen Rückruf bereit. Beenden Sie das Gespräch erst, wenn Sie von der Leitstelle dazu aufgefordert werden.

  1. Erste Hilfe einleiten

Viele Ersthelfer zögern bei Erste-Hilfe-Maßnahmen, um dem Patienten keinen Schaden zuzufügen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Der Betroffene benötigt Ihre Hilfe. Nichts zu tun, schadet dem Patienten also nur noch mehr.

  1. Oberkörper hochlagern

Legen Sie den Patienten nicht flach auf den Boden. Platzieren Sie den Oberkörper beispielsweise aufrecht an einer Wand. So wird das Herz entlastet. Vermeiden Sie, dass Patienten sich auf Stühle setzen. Versagt dann nämlich der Kreislauf, können Sie sich dort nicht mehr halten und stürzen.

  1. Enge Kleidung entfernen

Öffnen Sie enge Kleidungsstücke wie Gürtel oder Krawatten. Dies erleichtert dem Erkrankten das Atmen.

  1. Beruhigen Sie den Betroffenen

Bei vielen Patienten bricht gerade mit einem Herzinfarkt auch ein Angstzustand aus. Beruhigen Sie den Betroffenen und reden Sie ihm gut zu. Vermeiden Sie Stress und Aufregung. Machen Sie dem Betroffenen deutlich, dass Hilfe unterwegs ist.

  1. Lassen Sie den Patienten nicht alleine

Bei einem akuten Herzinfarkt kann der Patient schnell das Bewusstsein verlieren. Bleiben Sie daher unbedingt beim Betroffenen, bis der Notarzt eintrifft.

  1. Was tun bei Kreislaufstillstand?

Ist der Patient bewusstlos, sollten Sie zunächst die Atmung überprüfen. Ist diese intakt, sollten Sie den Patienten in die stabile Seitenlage bringen. Das erleichtert dem Betroffenen das Atmen. Setzt die Atmung aus, muss sofort mit wiederbelebenden Maßnahmen begonnen werden. Ist ein Defibrillator vor Ort, sollten Sie die Wiederbelebung mittels dieses Gerätes einleiten.

Wie funktioniert die Herzdruckmassage?

Ist der Betroffene bewusstlos und setzt die Atmung aus, sollten Sie sofort mit der Wiederbelebung beginnen. Legen Sie dafür den Patienten mit dem Rücken flach auf den Boden. Knien Sie sich nach Möglichkeit daneben und strecken Sie den Kopf des Patienten nach hinten über. So werden die Atemwege freigehalten.

Ist kein Defibrillator vor Ort, sollten Sie mit der manuellen Herzdruckmassage beginnen. Die Herzdruckmassage sollte im Bereich des unteren Drittels des Brustbeins durchgeführt werden. Rund zweimal pro Sekunde sollte das Brustbein etwa fünf Zentimeter eingedrückt werden. Nach 30 Wiederholungen sollte zweimal eine Beatmung durch den Mund oder die Nase erfolgen. Diesen Vorgang wiederholen Sie solange, bis der Notarzt eintrifft.

Akutmaßnahmen des Notarztes

Ist der Notarzt eingetroffen, übernimmt dieser die weiteren lebenserhaltenden Maßnahmen. Dafür wird der Patient zunächst an ein EKG angeschlossen und der Sauerstoffmangel im Herzen bestimmt. Bestätigt sich der Verdacht, dass das Herz zu wenig oder keinen Sauerstoff bekommt, erhalten die Betroffenen Medikamente, die blutverdünnend wirken und die Gefäße erweitern. Zudem kommen Beruhigungs- und Schmerzmittel zum Einsatz. Nach dieser Erstbehandlung wird der Patient in eine Klinik gebracht, wo weitere medizinische Maßnahmen ergriffen werden.

Erste Hilfe Kurse in Ihrer Nähe

Erste Hilfe sollte jeder beherrschen, um im Notfall auch Leben zu retten. Wissen Sie, was in einer Notfallsituation, wie z.B. einem Herzinfarkt genau zu tun ist? Lassen Sie sich als Ersthelfer ausbilden. Notfallsituationen können sich überall ergeben. Lernen Sie in einem Erste-Hilfe-Kurs richtig zu reagieren und zu helfen.

Termine und Adressen für einen Kurs in Ihrer Nähe finden Sie auf der Seite des Deutschen Roten Kreuzes.

Titelbild: Chalabala / iStock.com

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