Krebstherapie - Patient im Krankenzimmer

Entstehung einer Krebserkrankung unter dem Einfluss der Psyche

Die Frage, ob die Entstehung einer Krebserkrankung durch die Psyche beeinflusst werden kann, beschäftigt nicht nur Betroffene, sondern auch die Wissenschaft. Dass das Gefühlsleben die Gesundheit beeinflusst, steht außer Frage. Starke negative Emotionen können z. B. die Aktivierung von Herpesviren auslösen, da Stress das Immunsystem schwächt. Krebs entsteht durch entartete Zellen. Das Immunsystem ist grundsätzlich in der Lage, kranke Zellen zu erkennen und zu eliminieren. Am Beispiel der genetisch bedingten Form des Brustkrebses, bei dem der Körper nicht in der Lage ist, veränderte Zellen zu erkennen, zeigen sich die Folgen einer gestörten Abwehr in Bezug auf Krebs ebenfalls deutlich. Allerdings ist fraglich, ob daraus geschlussfolgert werden kann, dass die Psyche mit an der Entstehung von Krebs beteiligt ist oder umgekehrt, ob sie in der Lage ist, durch ihren Einfluss auf das Immunsystem, die Entstehung von Krebs zu verhindern. Darüber hinaus gilt als sicher, dass das Immunsystem Krebszellen vor allem deshalb nicht bekämpft, weil die Zellen in der Lage sind, sich zu tarnen.

Welche psychischen Faktoren könnten eine Rolle spielen?

Zum Gefühlsleben gehört sehr viel mehr als die Tagesverfassung. Unter dem Einfluss von Hormonen und Krankheiten, aber auch äußeren Einflüssen, wie Lebenskrisen, kann es keine permanente Ausgeglichenheit geben. Auch Glück oder das Gefühl von Glück, sind Phasen, die stark abhängig vom sozialen Umfeld sind. Diese Einflüsse sind wichtig für den ständigen Lernprozess, die innere Stabilität zu erlangen und vor Störfaktoren möglichst zu stützen bzw. sie schnell wieder zurück zu erlangen. Unter den genannten Einflüssen spielt sich also eine Entwicklung ab, die ihrerseits in einer Wechselwirkung mit der Persönlichkeit steht. Die Fähigkeit, Stress und Krisen zu bewältigen, ist demnach bei verschiedenen Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Hoffnung und Selbstvertrauen spielen bei der Bewältigung von schwierigen Herausforderungen aber eine entscheidende Rolle.

Die Sicht der Forschung

Die medizinische Forschung gibt widersprüchliche Antworten auf die Frage nach den psychischen Auslösern einer Krebserkrankung. Ausschließen lässt sich lediglich, dass ein glückliches und zufriedenes Leben eine Krebserkrankung verhindert. Ebenfalls auszuschließen ist, dass Unzufriedenheit und Depressionen Auslöser für Krebs sind. Vielmehr muss die Frage enger gefasst werden, um herauszufinden, ob eine starke psychische Belastung ein Risikofaktor ist, die Entstehung einer Krebserkrankung also begünstigen kann. Auf der anderen Seite zeichnet sich beim Verlauf von Krebserkrankungen ab, dass Menschen, die Krisen gut bewältigen können, offenbar eine längere Lebenserwartung haben, als jene, die an ihrem Schicksal verzweifeln. Da jede Krebserkrankung anders verläuft, ist der absolute Nachweis jedoch schwierig. Der Mensch kann auf verschiedene Weise auf Stress reagieren. Der einfachere Weg ist, Stress über ausweichendes Verhalten zu kompensieren, indem man der Herausforderung ausweicht oder versucht, ihn auszugleichen, z. B. mit Alkohol, Zigaretten oder Drogen. Wer ein solches Verhalten zeigt, ist möglicherweise weniger bereit, sich kritisch  mit seiner Gesundheit zu befassen und gilt aus diesem Grund als eher gefährdet, an Krebs zu erkranken, als die Menschen, die die Krise rational bewältigen. Die mögliche Schlussfolgerung ist an dieser Stelle, dass nicht die psychische Verfassung eine Krebserkrankung begünstigen kann, sondern die Art und Weise, wie der Mensch damit umgeht und welche Konsequenzen er daraus zieht. Das bedeutet, dass eine stabile Psyche Teil der Prävention gegen die Entstehung von Krebs sein kann. Psychische Stabilität und Zufriedenheit verringern das Suchtrisiko und die Gefahr von Übergewicht. Wer grundsätzlich zufrieden ist, wird sich auch bemühen, diesen Zustand zu erhalten, beispielsweise durch ein gesundes Umfeld und eine vernünftige Lebensweise. Diese Lebenseinstellung hat in jedem Fall Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung.

Stabilität im Alltag für ein gesundes Leben

Ausgeglichenheit ist keine Selbstverständlichkeit. Tatsächlich muss sie immer wieder neu erarbeitet werden. Dass ein Mensch bei Lebenskrisen aus der Bahn gerät, ist auch nicht ungewöhnlich. Schafft er es nicht allein, sich aus den negativen Gefühlen zu befreien, ist Hilfe nötig. Kinder sollten schon im frühen Alter lernen, dass schlimme Ereignisse unschön, aber zu bewältigen sind. Sie lernen auch durch Beobachten, wie ihre Eltern mit Herausforderungen umgehen und wie sie dafür sorgen, dass das Gleichgewicht wieder hergestellt wird. Mit zunehmendem Alter übernehmen junge Menschen für ihr Leben selbst diese Aufgabe. Ihr Selbstvertrauen wächst und die psychische Stabilität nimmt zu. Schwere Krisen, vor allem wenn mehrere gleichzeitig auftreten, können allerdings auch einen grundsätzlich gefestigten Menschen aus dem psychischen Gleichgewicht bringen. Das gilt besonders für Lebenskrisen, die mit einer Endgültigkeit verbunden sind, es also deutlich wird, dass das eigene Leben sich ändern wird. Die gesunde Vorgehensweise ist dann, sich professionelle Hilfe zu suchen und so neue Mechanismen zu lernen, die Herausforderungen zu bewältigen. Für Personen mit Krebs sind die psychosozialen Beratungsstellen die richtigen Ansprechpartner. Für sie und alle anderen sind zudem Psychotherapeuten wichtige Anlaufstellen. Sie helfen, die Erlebnisse zu reflektieren, persönliche Stärken zu erkennen und zielführend einzusetzen.

Wer übernimmt die Kosten der Behandlung von psychischen Erkrankungen

Zunächst ist festzustellen, ob überhaupt eine psychische Erkrankung vorliegt oder ob der Betroffene sich lediglich in einer Krise befindet, die er bewältigen muss. Zuständig ist der Psychiater, der eine Diagnose fällt und die Behandlung anordnet. Dazu können Medikamente gehören und auch Verhaltenstherapien. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Die Kostenübernahme für die psychotherapeutische Begleitung hingegen ist antragspflichtig. Der Patient kann zunächst einen Termin bei einem Therapeuten vereinbaren. Im Anschluss an die Probesitzungen muss die Krankenkasse jedoch weiteren Terminen zustimmen. Den Antrag stellt für gewöhnlich der Psychotherapeut, während bei Krebspatienten der Psychoonkologe zuständig ist. Adressen hält der soziale Dienst des Krankenhauses bereit, aber auch Krankenkassen erteilen Auskunft. Die psychische Betreuung von Krebspatienten nimmt heute einen wichtigen Stellenwert ein. Dabei geht es nicht nur um die Frage nach der Krebsentstehung, sondern auch um Bewältigungsstrategien und Zukunftspläne.