Vorsorge - Karrierefrau in Eile

Emanzipation bedeutet auch: Vorsorgen!

“Man wird nicht als Frau geboren, man wird zur Frau gemacht”, schrieb die französische Philosophin Simone de Beauvoir in ihrem Buch “Das andere Geschlecht” und setzte damit eine Kulturrevolution in Gang. Vorbei die Zeiten, in denen Frau Mann um Erlaubnis zur Ausübung ihres Berufes fragen musste. Gesetze wurden umgeworfen, Denkkonzepte radikal auf den Kopf gestellt. Und heute? Selbst ist die Frau. Das andere Geschlecht geht im Job nach vorn. So scheint es zumindest. Auf dem Papier gleichberechtigt, ist es in den Köpfen allerdings nach wie vor hinten angestellt. Eine Diskriminierung, die sich latent auf alle Ebenen der Gesellschaft erstreckt und deren wirtschaftliche Folgen für Frauen meist erst im Alter sichtbar werden.

“Es geht oft auch darum, wer mehr Geld verdient”

“Es geht derjenige zur Arbeit, der im Job mehr Geld nach Hause bringt – in der Regel der Mann.” So lautet das Ergebnis einer Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung, das zeigt, wie Frauen im Alter von 18 bis 40 Jahren “ticken”. Auch heute noch ist es überwiegend das weibliche Geschlecht, das zu Gunsten der Familie beruflich kürzer tritt. Das Erstaunliche: Egal in welchem beruflichen Milieu, ob Ober- oder Unterschicht, die Probleme, mit denen sich Frauen konfrontiert sehen, sind dieselben.

Für die Studie wurden 520 Frauen und 513 Männer befragt. Für 51 Prozent der Frauen ist die Gleichstellung noch lange nicht erreicht. Ein weiterer Befund: Das Lohngefälle zwischen Mann und Frau wird als größte Ungerechtigkeit empfunden. So verdienten laut aktueller OECD-Studie Frauen 2013 rund 13 Prozent weniger als vollbeschäftigte Männer. Die Forderung nach mehr Gleichberechtigung steht zwar hörbar im Raum. Die Realität sieht oft anders aus, weil Frauen sich dem klassischen Rollenmuster unterordnen müssen. Frauen stecken nach der Familiengründung immer noch am häufigsten zurück. Zu erkennen in der folgenden Grafik: Anteil der vollbeschäftigten Männer und Frauen, mit und ohne Kind:

“Nirgendwo tragen etwa Frauen anteilig so wenig zum Familieneinkommen bei”

Hierzulande tragen Frauen rund 22 Prozent zum Familieneinkommen bei. Im europäischen Vergleich ist Deutschland damit Schlusslicht. In Dänemark hingegen erwirtschaften Frauen 42 Prozent. In der Bundesrepublik arbeiten 37,5 Prozent der erwerbstätigen Frauen nur in Teilzeit. Laut Studie deutlich mehr als in anderen Ländern. Unter Müttern ist es sogar die Hälfte. Erschreckend, zumal in den vergangen 15 Jahren ein regelrechter Ruck durch die arbeitende Gesellschaft gegangen ist. Von 58 auf knapp 69 Prozent ist die Erwerbsquote der Bürgerinnen gestiegen. Nach Chile liegt Deutschland damit im gesamten OECD-Raum auf Platz zwei. 2014 lag der Anteil außerhalb der nordischen Länder und der Schweiz sogar am höchsten.

Obwohl immer mehr Frauen in Deutschland in Lohn und Brot stehen, tragen sie nach wie vor deutlich weniger als Männer zum Familieneinkommen bei. Ein Paradoxon, das auf eine latent verdeckte Diskriminierung schließen lässt. Doch laut Studie ist eine schrittweise Veränderung dank des “generationsübergreifenden Effekts” in Sicht. Die Prognose der Autoren: Töchter und Söhne vollbeschäftigter Mütter treten zukünftig mit neuen Ansprüchen in den Arbeitsmarkt ein und unterwandern sukzessive das vorherrschende Denkkonzept.

Unabhängigkeit im Alter bewahren!

Die vergangenen 15 Jahre verzeichneten einen überdurchschnittlich hohen Anstieg erwerbstätiger Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Frauen erobern sich ihren Patz in der Arbeitswelt. Gläserne Decken, ein geringeres Durchschnittsgehalt bei gleicher Leistung machen aber immer wieder deutlich: Die Idee der Gleichberechtigung ist kaum den Kinderschuhen entwachsen. Doppelt ungerecht: Finanzielle Folgen machen sich vor allem im Alter bemerkbar, wenn weniger Gehalt und berufliche Auszeiten die Rente schmälern. Deshalb gilt es so früh wie möglich privat vorzusorgen, damit das Leben einer Frau auch im Alter selbstbestimmt bleibt.

Titelbild: @skypicsstudio