Durchsichtige Zahlen auf blauem Hintergrund

Rechenschwäche – Wenn die Zahlen keinen Sinn ergeben

Rund fünf Prozent aller Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland leiden an einer Rechenstörung, auch Dyskalkulie genannt. Sie wirkt sich oftmals negativ auf die Schullaufbahn aus und kann im weiteren Lebensverlauf psychische Probleme auslösen. Doch was ist Dyskalkulie, wie erkennt man sie und welche Schritte können Sie dagegen unternehmen? Das klären wir im Beitrag.

Inhalt:

Was ist eine Rechenstörung?

Das internationale Klassifikationsschema ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert die Rechenstörung als „umgeschriebene Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine unangemessene Beschulung erklärbar ist“. Dieses Defizit betreffe vor allem die Beherrschung „grundlegender Rechenfertigkeiten“, darunter Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division. Höhere mathematische Fertigkeiten, wie man sie für Algebra, Trigonometrie oder Integralrechnung benötigt, sind davon weniger betroffen. Die Rechenstörung, auch Dyskalkulie genannt, ist eine von der WHO anerkannte schulische Entwicklungsstörung und gilt deshalb als Diagnose.

Neben der Rechenstörung gibt es die Rechenschwäche, die sich in ihrer Natur kaum von der Rechenstörung unterscheidet. Laut dem Institut für Integrative Lerntherapie und Weiterbildung (IFLW) handelt es sich bei der Rechenschwäche um einen pädagogischen Begriff, der verwendet wird, um eine Stigmatisierung zu vermeiden und zu zeigen, dass die Betroffenen nicht „unheilbar krank“ sind. Eine Untersuchung der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (Dyskalkulie vs. Rechenschwäche: Basisnumerische Verarbeitung in der Grundschule) versuchte, Unterschiede zwischen Kindern mit Rechenstörung und Rechenschwäche auszumachen, und kam zu dem Ergebnis, dass sie sich durchaus unterscheiden. „Die Ergebnisse unterschieden sich deutlich danach, ob Rechenschwäche bzw. Dyskalkulie nach ZAREKI-R oder Rechenfertigkeiten festgestellt wurden. So waren die Testergebnisse von rechenschwachen und dyskalkulischen Kindern bei der Klassifikation nach ZAREKI-R relativ ähnlich, beide Gruppen waren von der Kontrollgruppe jedoch klar differenzierbar“, heißt es in der Untersuchung.

Symptome und Diagnose

Die Symptome einer Dyskalkulie sind vielfältig und können sich im Laufe des Lebens verändern. Laut dem Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. ist eine Rechenstörung an den folgenden Symptomen zu erkennen:

  • Das Kind entwickelt kein grundlegendes Verständnis für Mengen und Maße
  • Betroffene tun sich schwer damit, Mengen und Verhältnisangaben zuzuordnen
  • Sie haben Probleme beim Abzählen von Objekten und bei der Zuweisung von Mengen zu Zahlen
  • Betroffene können die Uhr nur schwer oder gar nicht lesen
  • Sie müssen oft neu zählen und zeigen Probleme beim Benennen und Schreiben von Zahlen
  • Das Kind löst Rechenaufgaben nur langsam und greift auch in höheren Klassenstufen auf das Abzählen mit den Fingern zurück
  • Außerdem haben Betroffene mit Textaufgaben Probleme, wenn es darum geht, den Text in Rechenaufgaben zu übersetzen
  • Widersprüchliche Ergebnisse fallen ihnen nicht auf

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Diagnose

Je früher die Rechenstörung diagnostiziert wird, umso besser kann die darauffolgende Therapie oder Förderung greifen. Weil sich die Dyskalkulie bereits im Grundschulalter äußert, ist eine schnelle Reaktion möglich. Für die Diagnose müssen die Lehrer mit hinzugezogen werden. Diesen fallen neben den fachlichen Einschränkungen der Kinder oftmals auch soziale Störungen auf.

Für eine Diagnose sollten Sie einen Kinder– und Jugendpsychologen oder entsprechende Psychotherapeuten aufsuchen. Dieser beginnt mit einem diagnostischen Gespräch, bei dem er sowohl die Eltern als auch das Kind zur Rechenstörung befragt. An dieser Stelle können beide Seiten Missverständnisse aus dem Weg räumen. Der Arzt versucht herauszufinden, ob andere sprachliche oder motorische Entwicklungsstörungen oder gar seelische Belastungen beim Kind bestehen. Außerdem benötigt er einen schulischen Bericht, in dem aufgeführt ist, wie das Kind sich schulisch entwickelt und wie sein Lernstand ist.

Auswirkungen von Rechenschwäche

Einige der grundlegenden Auswirkungen können Verspätungen oder längere Verweilzeiten an der Kasse im Supermarkt sein, wenn die Betroffenen etwa die Zeit nicht lesen oder nicht den korrekten Betrag herausgeben können. Betroffene eignen sich häufig problematische Verhaltensweisen an oder entwickeln auffällige Strategien, um von ihrer Dyskalkulie verursachte Probleme schon zu vermeiden, bevor sie überhaupt entstehen.

Weiterhin kann eine Dyskalkulie zu psychischen Problemen führen. Sie ziehen sich möglicherweise zurück, entwickeln Prüfungsängste, depressive Symptome oder bekommen (scheinbar grundlos) Kopf- und Bauchschmerzen.

Es ist auch möglich, dass Betroffene ein Aufmerksamkeitsdefizit oder gar aggressives Verhalten entwickeln. Sie haben Angst, „weniger wert“ zu sein als ihre Mitschüler, was für eine zusätzliche Belastung sorgt. All das kann zuletzt auch zu einem gestörten Sozialverhalten führen und dazu, dass die betroffenen Kinder Schwierigkeiten damit haben, Freunde zu finden.

Behandlung und Förderungsmöglichkeiten

Eine spezielle Behandlung für Dyskalkulie-Betroffene gibt es nicht. Dafür ist sie zu komplex und kommt in zu vielen Facetten vor. Der Arzt wird darum eine individuelle Therapie vorschlagen, die sich genau danach richtet, welche Symptome das Kind aufweist und wie schnell es sich entwickelt. Für gewöhnlich richtet sich die Therapie danach, wo die Stärken des Kindes liegen, und setzt dort an. Diese Herangehensweise sorgt für kleine Erfolgserlebnisse und stärkt das Selbstvertrauen der Betroffenen. Dieses Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten bildet die Basis für eine effektive Förderung. Neben dieser Förderung kann auch eine Psychotherapie notwendig sein, je nachdem, wie schwerwiegend die Auswirkungen der Dyskalkulie auf die Psyche des Kindes sind.

Nachteilsausgleich und Notenschutz bei Rechenstörung

Genau wie bei der Lese-Rechtschreibschwäche haben auch Betroffene von Rechenstörung mehrere Möglichkeiten, wie sie trotz ihrer Schwierigkeiten die Schullaufbahn meistern können. Einerseits wäre da der Nachteilsausgleich: Er ermöglicht den Kindern eine entsprechende Förderung. Hier geht es vor allem um die Förderung sowohl im schulischen und außerschulischen als auch im heimischen Bereich. Diese Förderung umfasst beispielsweise technische Hilfsmittel, zusätzliche Förderstunden, eine leichte Anpassung von Anforderungen für die betroffenen Kinder und Hilfen zur Leistungsermittlung.

Der Notenschutz wiederum bedeutet, dass bestimmte Leistungen schwächer oder gar nicht gewertet werden, wenn sie sonst einen großen Nachteil des Kindes in seiner Schullaufbahn nach sich ziehen würden. Hierbei gilt jedoch zu beachten, dass diese Regelungen sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden können – es ist dementsprechend wichtig, dass Sie sich an die jeweiligen Beratungsstellen Ihres Landes wenden.

Weitere Informationen und Beratungsmöglichkeiten

Das IFLW stellt ausführliche Informationen zum Nachteilsausgleich und dem Notenschutz bereit. Beim Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. erfahren Sie mehr zur Förderung von Dyskalkulie-Betroffenen. Unter anderem gibt es dort eine Auswahl möglicher Förderprogramme.

Titelbild: © pixel_dreams/ iStock.com

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