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Digitaler Nachlass: Facebook und der Tod

„Nichts stirbt, was in der Erinnerung bleibt.“

Der Tod eines nahen Familienangehörigen ist für die Hinterbliebenen ein schwerer Schlag. Besonders wenn der Verlust plötzlich kommt. Die Trauer zu bewältigen dauert seine Zeit. Denn all die übrig gebliebenen Dinge wie Kleider, Bilder und Möbel lassen Erinnerungen an den geliebten Menschen aufkommen. Auch digitale Spuren wie das Facebook-Profil des Verstorbenen sind für viele wichtig, um Freunden oder Verwandten zu gedenken. Doch nicht immer haben Hinterbliebene die Möglichkeit, das Profil auch nach dem Tod zu erhalten. Denn hier muss bereits zu Lebzeiten vorgesorgt werden. Wir zeigen welche Möglichkeiten nach einem Todesfall für Angehörige bestehen und wie Facebook-Nutzer ihren digitalen Nachlass richtig regeln.

Ein Fall, viele Fragen und ein Urteil

Es ist ein tragischer Fall, der für Aufsehen sorgte. Ein junges Mädchen stirbt in einem Berliner U-Bahnhof. Sie wurde von einer einfahrenden U-Bahn überrollt. Bis heute sind die Umstände dieses Unglücks nicht geklärt. Die Eltern stehen unter Schock. Sie vermuten, dass das Mädchen einen Freitod gewählt habe. Der Verdacht auf zuvor stattgefundenes Mobbings steht im Raum. Um dem Gefühlszustand ihrer verstorbenen Tochter näher auf den Grund zu gehen, wollen sich die Eltern in das Facebook-Profil der Schülerin einloggen – die Zugangsdaten hatten sie vorsorglich aufgeschrieben. Doch die Anmeldung scheitert: Das Konto wurde von dem sozialen Netzwerk in einen sogenannten Gedenkzustand versetzt. Der Streit mit Facebook endet vor Gericht. Und dieses spricht nach mehreren Berufungsverfahren dem sozialen Netzwerk Recht zu. Zwar haben die Eltern das Totenfürsorgerecht, jedoch könne aus diesem kein Anspruch auf das Nutzerkonto hergeleitet werden. (Kammerge­richt Berlin, Az. 21 U 9/16; nicht rechts­kräftig). Nun geht der Streit im Sommer 2018 vor den Bundesgerichtshof (BGH, III ZR 183/17).

Facebook-Nutzer sorgen nicht vor

Der Fall zeigt deutlich, dass die Regelung des digitalen Nachlasses bereits zu Lebzeiten wichtig ist. Dennoch sorgen von den weltweit 2,1 Milliarden Facebook-Nutzern nur wenige vor. Eine aktuelle Bitkom-Umfrage zeigt, dass 80 Prozent der deutschen Internetnutzer nicht für ihren digitalen Nachlass gesorgt haben. Der Tod – für viele einfach kein digitales Thema. Und dennoch würden sich laut einer YouGov-Studie aus dem vergangenen Jahr 48 Prozent wünschen, dass nach dem eigenen Tod digitale Daten und Passwörter an Kinder, Eltern oder Geschwister gehen. Weitere 47 Prozent würden den Zugriff auch dem Ehemann erlauben. Warum wird das Thema digitaler Nachlass so vernachlässigt?

Viele fühlen sich überfordert

Der eigene Tod ist für viele ein unangenehmes Thema. Nachlassregelungen und testamentarische Verfügungen sind bei vielen Deutschen jedoch Pflicht. Immerhin ein Viertel der Deutschen (25,8 Prozent) haben ein Testament oder einen Erbschaftsvertrag geschlossen. Den digitalen Nachlass regelten nur 18 Prozent. Der Grund: Gesetzeslücken und mangelnde Informationen. Es gibt keine direkt rechtliche Erbfolge, wenn es um die digitalen Daten eines Verstorbenen geht. Und auch die Informationen, wie der digitale Nachlass zu regeln ist, empfinden 69 Prozent als mangelhaft.

Infografik: Was passiert nach dem Tod mit Online-Konten? | Statista

Facebook: Regeln und wo sie zu finden sind

Es ist kompliziert. Und damit meinen wir nicht den Beziehungsstatus. Denn die Regelungen des sozialen Netzwerks sind unübersichtlich. Das einfache Weitergeben von Zugangsdaten reicht wie im oben geschilderten Fall der jungen Schülerin nicht aus. Doch mit ein paar einfach Schritten im eigenen Profil, ist zumindest der Nachlass des eigenen Facebook-Kontos geregelt.

Grundsätzlich gibt es zwei Optionen für Facebook-Nutzer, die regeln, was mit dem Profil nach dem eigenen Tod geschehen soll. Zunächst können die User veranlassen, das eigene Konto nach dem Ableben löschen zu lassen. Oder aber man entscheidet sich einen Nachlasskontakt beim sozialen Netzwerk zu hinterlegen, der im Todesfall das Profil in einen Gedenkzustand versetzen kann.

Gedenkzustand auf Facebook: In Erinnerung an…

Der Gedenkzustand auf Facebook ist eine gute Lösung, um das Profil für Freunde und Verwandte auch nach dem Tod aufrechtzuerhalten. Denn jeder trauert unterschiedlich. Und in vielen Fällen möchten Freunde ihre letzten Grüße gerne an die Pinnwand des Verstorbenen posten, vergangene Erinnerungen teilen oder einfach mit anderen Trauernden in Kontakt kommen. Um eine solche Möglichkeit zu geben, bietet Facebook den Gedenkzustand an. Das Hauptmerkmal eines solchen Kontos in Gedenkzustand, sind die Worte „In Erinnerung an“ über dem Profilnamen. Je nach Einstellung können Freunde dann gewisse Interaktionen vornehmen:

  • Freunde können Chronik-Erinnerungen teilen
  • Geteilte Inhalte wie Fotos und Beiträge bleiben auf der Chronik für Freunde sichtbar
  • Konten in Gedenkzustand erscheinen nicht öffentlich, als „Personen die du vielleicht kennst“ oder als „Geburtstagserinnerung“

Zudem unterbindet das Konto im Gedenkzustand die Profil-Anmeldung. Egal, ob eine andere Person die korrekten Zugangsdaten hat, ein Login ist nicht mehr möglich. Auch können Konten in Gedenkzustand nicht verändert werden, wenn sie über keinen Nachlasskontakt verfügen.

Schritt für Schritt: Nachlasskontakt erstellen und Löschung beantragen

Der Nachlasskontakt ist berechtigt sich nach dem Ableben eines Freundes oder Verwandten um dessen Profil zu kümmern. Selbst, wenn es in den Gedenkzustand versetzt ist, kann der Nachlasskontakt verschiedene Handlungen ausführen. Beispielsweiße darf er einen fixierten Beitrag auf dem Profil des Verstorbenen hinterlassen, um tröstende Worte oder den Beerdigungstermin mit Freunden zu teilen. Zudem kann er Freundschaftsanfragen nachträglich annehmen, das Profil- und Titelbild ändern und die Löschung des Kontos anfordern. Um einen Nachlasskontakt bei Facebook zu hinterlegen, sind ein paar wenige Schritte notwendig:

Schritt 1:

Melden Sie sich in Ihrem Facebook-Profil an und klicken Sie rechts oben auf den Pfeil. Gehen Sie zu den Einstellungen.

Schritt 2:

Unter dem Reiter Allgemein, finden Sie ganz unten die Einstellung „Konto verwalten“. Klicken Sie auf Bearbeiten.

Schritt 3:

Es öffnet sich ein Reiter, bei dem Sie ihren Nachlasskontakt hinterlegen oder die Löschung des Profils nach dem Tod beantragen können. Beachten Sie bitte, dass ihr Nachlasskontakt mindestens 18 Jahre alt sein und die Anfrage für diese Aufgaben bestätigen muss.

Was tun, wenn ein Konto in den Gedenkzustand versetzt werden soll?

Ein Nutzerkonto kann durch einen einfachen Antrag in den Gedenkzustand versetzt werden. Diesen Antrag kann jeder Freund, Verwandte oder auch Fremde vornehmen. Um einen verstorbenen Freund auf Facebook in den Gedenkzustand setzen zu lassen sind nur wenige Schritte notwendig.

Schritt 1:

Gehen Sie auf den Hilfebutton und tragen Sie in das Suchfeld „Gedenkzustand“ ein. Es erscheinen mehrere Themen, unter anderem auch die Hilfestellung zur Meldung eines Todesfalls.

Schritt 2:

Klicken Sie auf die Erklärung und folgen Sie dem dort ausgewiesenen Link zum Antragsformular. Füllen Sie das Dokument aus. Sollte das Todesdatum nicht bekannt sein, kann dieses auch geschätzt werden.

Facebook wird zur Seniorenplattform

Die Zahl der Facebook-Nutzer steigt seit Jahren an. Doch eines ist dabei besonders auffällig. Immer mehr ältere Personen entdecken das soziale Netzwerk für sich. Während 2011 lediglich knapp 35 Prozent der Nutzer älter als 60 Jahre waren, stieg der Anteil bis 2017 auf knapp 70 Prozent an. Und das hat Folgen: Die Facebook-Community altert. Immer mehr junge Menschen zwischen 14 und 19 Jahren nutzen andere Netzwerke wie Instagram oder Snapchat. Entsprechend wird auch der digitale Nachlass zu einem größeren Thema auf Facebook werden. Denn mit der derzeitigen Entwicklung wird Facebook im Jahr 2089 erstmals mehr tote als lebende Nutzer haben. Bereits 2016 wies das Netzwerk 970.000 Todesfälle aus – 2010 waren es dagegen noch 350.000. Ob Facebook tatsächlich irgendwann zum digitalen Friedhof wird, ist ungewiss, das soziale Netzwerk will das bestimmt nicht.

Infografik: Facebook wird zum Seniorentreff | Statista

Digitalen Nachlass vorbereiten

Wenn Sie ihren digitalen Nachlass ordnen möchten, können Sie sich hier eine Checkliste zur Auflistung der Nutzerkonten im Internet (PDF) sowie eine separate Datei für die dazugehörigen Passwörter (PDF) herunterladen. Professionelle Unterstützung in Form eines digitalen Vertrags- & Nachlassmanagers erhalten Sie mit dem IDEAL SterbeGeldplus. Dort können Sie im Online-Kundencenter nicht nur Ihre Verträge, Mitgliedschaften und Nutzerkonten hinterlegen, sondern auch Regelungen treffen, wie mit ihnen im Todesfall verfahren werden soll.

Titelbild: ©Catalin Pop

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