Ernährung - Lebensmittel für eine gesunde Mahlzeit

Detox and the City: Der Trend zur sanften Entschlackung

Hollywood-Star Gwyneth Paltrow schwört seit Jahren darauf, Jennifer Aniston scheint ihren Alterungsprozess um zehn Jahre zurückgedreht zu haben und Alec Baldwin ist wieder gertenschlank. Kein Botox, kein wochenlanges Hungern. Die Zauberformel lautet: Detox.

Der Trend zur sanften Entschlackung hat den Weg längst über den großen Teich genommen. Die Entgiftungskur ist in allen Formen und für jede Lebenssituation zu haben. To Go, fürs gute Gewissen zwischendurch oder das Büro. Der Detox-Hype ist entfacht und treibt mitunter seltsame Blüten. Was ist dran an der neuen Wunderwaffe? Sinnvoll oder der reinste Humbug?

Einmal die Reset-Taste gedrückt

Entleerung mit Bittersalzen oder eine Darmspülung. So sieht der optimale Start für eine Detox-Kur laut einschlägigen Gesundheitsmagazinen aus. Dann geht es auch schon los mit der Reinigung von innen. Bis zu 14 Tage. Mehr brauche es nicht, um zu alter Form und neuer Energie zu gelangen. Die Zeitschrift Fit for Fun beschreibt die Kur wie folgt:

“Wenn unsere Entgiftungs-Organe wie Leber, Nieren und Haut überfordert sind, wird der Teint fahl und der Körper anfällig. Eine Detox-Kur kurbelt den Stoffwechsel an, hilft, Gewicht zu verlieren und das Hautbild zu klären, stärkt das Immunsystem und gibt neue Energie.”

Wer detoxt, entgiftet oder entschlackt – wie auch immer es Probanden nennen mögen – verzichtet in erster Linie auf übersäuernde Lebensmittel wie Fleisch, Milch, Käse, Weißmehl und Süßigkeiten. Kaffee, Nikotin und Alkohol sind selbstredend tabu. Auf dem Speiseplan stehen Obst, Gemüse und Rohkostsäfte. Um die Kur abzurunden und das Immunsystem zu unterstützen, werden Massagen, Saunagänge oder Yoga-Einheiten empfohlen.

Detox aus der Flasche: “der reinste Blödsinn”

Tees, Säfte, sogar Shampoos und Peelings werden auch hierzulande als Unterstützung für die Detox-Kur angepriesen. Überschüssige Fette sollen sich mit teuren Spezialdrinks wegtrinken und durch Spezial-Peelings ausleiten lassen. Die gemeinnützige Stiftung Sense about Science aus London hat 15 Detox-Produkte untersucht. Das Ergebnis: Eine ungesunde Ernährung lässt sich nicht durch Peelings mal eben von der Haut rubbeln. Die Produkte sind allesamt wirkungslos.

“Detox ist der reinste Blödsinn”, warnt Simon Brookes, Leiter des Zentrums für Menschliche Physiologie der Flinders University im australischen Adelaide. Detox-Getränke können den Entgiftungsprozess des Körpers nicht beschleunigen. “Unsere Nieren, unsere Leber und der Verdauungstrakt entfernen oder neutralisieren Gifte innerhalb weniger Stunden von selbst”, so der Wissenschaftler.

Die Mär von der Schlacke

Seit Jahren propagieren Gesundheitsexperten das Bild von der giftigen Schlacke, das sich durch ungesunde Ernährung in unserem Körper ansammelt. Doch was ist Schlacke genau? Dr. Google weiß es:

“Die Abfallmasse, die bei einem Schmelzprozess oder einer Verbrennung (von Steinkohle) zurückbleibt.”

Gut, der menschliche Körper ist kein Hochofen. Wo soll die Schlacke also hin? Bleibt sie an den Innenwänden der Organe haften? Verstopft sie etwa Blutbahnen oder setzt sie sich an den Synapsen fest? Nichts von alledem. Die Idee von der körpereigenen Schlacke stammt aus dem Reich der Sagen und Mythen. Abfallprodukte werden über den Verdauungstrakt ausgeschieden. Punkt. Die Biologie des Menschen macht keine Ausnahme, auch nicht für gewiefte Marketing-Experten.

Stefan Bischoff, Ernährungsmediziner an der Universität Hohenheim betont in einem Interview mit Spiegel Online:

„Die Detox-Tipps einzeln für sich genommen sind nicht per se schlecht, aber tatsächlich werden hier Halbwahrheiten zusammengerührt und mit haarsträubenden Begründungen zu einem Konzept erhoben, das keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhalten würde. (…) Diese propagierte Schlacke gibt es nicht.”

Schädlich seien kurze Detox-Kuren laut Bischoff nicht. Zum Abnehmen sind sie jedoch nicht geeignet. Man könne schlechte Ernährungsgewohnheiten nicht durch zweiwöchiges Fasten kompensieren. Eine Detox-Kur kann allerdings zu einem neuen Körperbewusstsein führen. Regelmäßig Obst, Gemüse, wenig Junk-Food und ausreichend Bewegung bringen den Körper dauerhaft und schonender wieder in Form als auf Biegen und Brechen per Detox-Kur. Die Erkenntnis ist nicht neu, nur fordert sie Ausdauer sowie Geduld und passt oft so gar nicht in unsere schnelllebige Zeit.

Titelbild: (c) rh2010