Kopfprojektion mit Gehirn und Gehirnzellen

Demenz-Forschung im Zwiespalt

Mehr Selbstbestimmung durch Änderung des Arzneimittelgesetzes?

Es lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: Inwieweit darf ein Mensch über sein Leben und die Form seiner Behandlung bestimmen? Und wann genau hört diese Selbstbestimmung auf? Mit einer Patientenverfügung lassen sich verschiedene Dinge im Vorfeld klären, aber einige Fragen bleiben. Besonders im Falle von Demenzpatienten.

Der lange Weg neuer Medikamente

Um neue Medikamente zu entwickeln, bedarf es neben viel Geld auch Zeit. In Deutschland leben zurzeit mehr als 1,6 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Demenzpatienten sind immer auf die Hilfe anderer angewiesen. Nur die wenigsten haben jedoch einen ausreichenden Pflegefallschutz. Doch dieser ist unerlässlich, um trotz Erkrankung ein Leben in Würde garantieren zu können. Denn bislang gibt es keine Therapie, die Heilung verspricht. Allerdings bestehen bereits gute Forschungsansätze. Doch klinische Studien sind bisher nur im Anfangsstadium der Demenz möglich. Das bedeutet, dass der Patient einwilligungsfähig sein muss. Ab einem bestimmten Stadium der Demenz ist diese Einwilligungsfähigkeit jedoch nicht mehr vorhanden. Durch die Erkrankung nehmen die Schäden im Gehirn zu. Dadurch kann es zu anderen Wirkungsweisen der Medikamente kommen, die anders als die aus dem Frühstadium sein können. Jetzt soll durch eine Änderung des Arzneimittelgesetzes eine Lockerung erfolgen, die jedoch nicht unumstritten ist.

Was passiert, wenn ein Patient nicht mehr selbst bestimmen kann?

Um auch im späteren Krankheitsverlauf an entsprechenden Studien teilnehmen zu können, müssen Patienten vorher eindeutig ihr Einverständnis abgeben. Dazu müssen sie im Vollbesitz der geistigen Kräfte sein und es muss eine ausführliche ärztliche Aufklärung über die Risiken erfolgen. Neben einer normalen Patientenverfügung müssen die Betroffenen auch eine Probandenverfügung unterschreiben. Wichtig ist außerdem, diese Probandenverfügung gemeinsam mit der Betreuungsverfügung oder der Vorsorgevollmacht aufzubewahren. Bisher ist die Änderung des Arzneimittelgesetzes noch nicht rechtskräftig, doch die Zeit eilt. Denn seit dem 18. Mai gilt eine 2014 erlassene EU-Verordnung, die sehr viel mehr Spielraum für klinische Studien lässt. In dieser ist festgelegt, dass gruppennützige Forschung an nicht einwilligungsfähigen Patienten auch ohne entsprechende Patientenverfügung oder eine Probandenverfügung möglich ist.

Altruismus oder ethischer Dammbruch?

Bei der Probandenverfügung sollten bestimmte Punkte bereits im Vorfeld festgehalten werden. So ist es zum Beispiel wichtig, die maximale Studiendauer festzulegen. Außerdem sollte es möglich sein, einen Abbruch beim Auftreten bestimmter Nebenwirkungen vorzunehmen. Aber wieso ist nun diese Änderung des Arzneimittelgesetzes so umstritten? Weil einige Gegner darin eine Aufgabe ethischer Grundsätze sehen und sogar Vergleiche mit den menschenverachtenden Versuchen des Dritten Reiches ziehen. Dabei werden gerade jetzt große Anstrengungen unternommen, um schon im Vorfeld einen Missbrauch auszuschließen. Wobei wieder die Anfangsfrage ins Spiel kommt: Inwieweit darf ein Mensch über sein Leben und die Form seiner Behandlung bestimmen? Eine Person, die an Demenz erkrankt, sollte selbst entscheiden dürfen, ob sie in altruistischer Form an der Entwicklung neuer Medikamente mithelfen möchte. Wer sich für klinische Studien zur Verfügung stellt, sollte sich jedoch auch darüber im Klaren sein, dass in der Phase-III-Studie sowohl mit den Wirkstoffen, als auch mit Placebos getestet wird. Dadurch kommt es zu keinem individuellen Nutzen der Studienteilnehmer, wohl aber zu einem Nutzen für alle, die an einer Demenz erkrankt sind oder noch erkranken werden.

Titelbild: © Kirsty Pargeter

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